Drone Swarm – Angespielt

Drone Swarm – Angespielt

Einen 32.000 starken Drohnen-Schwarm gleichzeitig und in Echtzeit simuliert durch das Weltall jagen, hört sich nicht nur spannend an, sondern ist in dieser Form auch sehr innovativ. Das österreichische Indie-Studio Stillalive Studios arbeitet an einem einzigartigen Echtzeit Sci-Fi Strategie Spiel, das mit spannender Technik und umfangreicher Kampagne Punkten soll. Ich konnte eine rund einstündige Demo anspielen.

Drone Swarm befindet sich in einer frühen Entwicklungsphase, trotzdem wirkt die mir zu Verfügung gestellte Demo bereits sehr ausgereift. Der in der Games Branche gebräuchliche Term des Vertical Slice kommt hier zum Tragen. Dabei handelt es sich um die Version eines Spiels, die meist alle wichtigen Features enthält,  um möglichen Stakeholder wie Investoren, Herausgebern oder auch der Presse, alle geplanten Features vorführen zu können. Somit konnte ich mir einen guten ersten Eindruck von Drone Swarm machen.

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Warum schweben hier Drohnen im All?

Der auf dem Startbildschirm kurz und knapp beschriebene Aufruf „Earth is dying – Find a new home for mankind!“ ist vorerst unsere einzige Story Referenz. Die Erde liegt im Sterben und es obliegt mir, eine neue Heimatwelt für die Menschheit zu finden. Das Raumschiff namens Argo ist die letzte Hoffnung, das Überleben der Erdbevölkerung zu sichern, indem ich es sicher und unbeschadet an ihren Zielort oder vielmehr Zielsonnensystem bringe. Beschützt wird die Argo einzig und allein durch Drohnen, das Raumschiff selbst besitzt keine aktiven Waffen. Dafür haben wir eine Menge solcher unbemannten Luftfahrzeuge: Einen 32.000 starken Drohnen Schwarm!

Woher jetzt diese kommen, wer die Erde angegriffen hat und warum die Argo rund um eine leuchtende Sphäre gebaut wurde? Um diese Fragen zu beantworten werden wir uns wohl bis zum fertigen Spiel gedulden müssen. Ich kann aber an dieser Stelle bestätigen, dass man bei Stillalive den Story-Part sehr ernst nimmt und mit Michael Bay’s Produktionsfirma „451 Media Group“ zusammenarbeitet, um eine interessante Welt mit toller Story zu bieten. Zusätzlich soll zeitnah zum Release auch ein Graphic Novel erscheinen, die noch tiefer in die Hintergrundgeschichte eintauchen lassen soll.

Follow my path little drones

Gleich zu Beginn der Demo überrascht mich das Spiel mit seiner innovativen Steuerung. Um einen Drohnen-Schwarm von Punkt A nach Punkt B zu manövrieren, wäre es nicht glaubwürdig diese geradlinig auf einem vorgegebenen Pfad durchs All zu schicken. So kann der Weg für den Schwarm vom Spieler mit Maus vorgezeichnet werden, sodass die Drohnen anschließend dem manuell angelegten Weg folgen. Dies ermöglicht einige interessante neue Gameplay-Optionen. Stillalive Studios hat offensichtlich viel Zeit und Hirnschmalz investiert, um dem Drohnen-Schwarm ein möglichst glaubwürdiges Verhalten beizubringen. Der vom Spieler vorgegebene Pfad beeinflusst auch die Angriffs-Effektivität auf feindliche Vehikel. Doch dazu später mehr. Vorerst lernen wir wie unsere kleinen Helfer Ressourcen beschaffen können. Dies geschieht, indem sich der Schwarm durch Gesteine im All bohrt, um Mineralien und Kristalle zu extrahieren. Erstere können dafür verwendet werden die Argo sowie auch eure begleitenden Flugobjekte zu reparieren. Mit Kristallen können Verbesserungen oder neue Fähigkeiten erforscht werden.

Als Kommandant der Argo ist es meine Aufgabe, das Raumschiff über verschiedene Sonnensysteme hinweg zu unserer Zieldestination zu bringen. Neben Ressourcen sammeln, forschen, Drohnen und Raumschiff reparieren gehört auch Diplomatie zu meinen Aufgaben. In der Demo kam dieses Element noch kaum zum Einsatz, soll aber im fertigen Spiel eine größere Rolle spielen, da in den Weiten des Weltalls verschiedene Alien Fraktionen darauf warten mit euch Kontakt aufzunehmen. Meine erste Begegnung mit der außerirdischen Rasse namens Voohr verlief nicht ganz so diplomatisch. Hier kam ein Dialogfenster zum Einsatz, dass mich verschiedene Antwortmöglichkeiten ausprobieren lies. Der Erstkontakt mit den unbekannten Aliens verlief trotz unterschiedlicher Reaktionen meinerseits, jedes Mal gleich. Doch egal ob die Voohr mich nicht verstehen wollten oder konnten, am Ende durften sie meine Drohnen etwas näher kennenlernen.

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Don’t mess with the Swarm

Kommt es zum Kampf, ist es ratsam sowohl Angriff als auch Verteidigung im Blick zu behalten. So lässt sich der Schwarm zu einem Schutzschild gegen feindliche Angriffe formieren. Raketenangriffe prallen so lange in das Schild bis es irgendwann an einer Stelle zerberstet. Laserangriffe können durch den geschickten Einsatz dieser Fähigkeit reflektiert werden, bis sich der Feind in den eigenen Untergang schießt. Um Drohnen gleichzeitig offensiv und defensiv zu verwenden, kann der Schwarm in mehrere Untergruppen aufgeteilt werden und damit euer taktisches Repertoire deutlich zu erweitern. Während Angriffe durch eine schimmernd blaue Mauer kleiner Helfer abgewehrt wird, können feindliche Geschwader mit dem abgetrennten Part eurer KI-Freunde zerlegt werden. Auch im Kampf werden Schwarmbewegungen berücksichtigt. Zeichne ich den Angriffspfad mitten durch einen Aggressor, wird nur wenig Schaden angerichtet. So habe ich schnell gelernt, meine Taktik zu ändern. Ein Pfad mit starken Kurven, der mehrfach durch dasselbe Ziel führt, vervielfacht auch die angerichtete Zerstörung. Wird der Drohnen-Schwarm jedoch in zwei geteilt, halbiert sich auch die Stärke jeder Gruppe. Dies beeinflusst sowohl Angriffskraft sowie auch die Haltbarkeit der Mauer. Selbst die Dichte des Schildwalls ändert dessen Effektivität. So kann eine lang gezogene Mauer ein größeres Gebiet schützen, wird dafür aber schnell durchschlagen.

Da Schlachten in Echtzeit ausgetragen werden, wird vom Spieler nicht nur schnelles Handeln, sondern auch eine stetige Balance zwischen Angriff und Verteidigung verlangt. Zu Beginn konnte ich noch mit einer aggressiven Angriffsstrategie die meisten Schlachten für mich entscheiden, etwa indem ich Gegner schnell mit dem Großteil des Schwarms zerlegt habe. In späteren Auseinandersetzungen wurde mein Mangel an Strategie schnell bestraft. Den eigenen offensiven Vorstoß jederzeit vom feindlichen Abwehrfeuer fernzuhalten und gleichzeitig meine Defensive nicht zu vernachlässigen, brachte mich das eine oder andere Mal zum Schwitzen. Damit man bei all den Aufgaben nicht die Übersicht verliert, kann die Spielgeschwindigkeit mittels Leertaste stark verlangsamt werden, um die Taktik jederzeit an die sich schnell ändernden Herausforderungen anzupassen. Dies war im Laufe der Demo auch einige Male sehr hilfreich.

Im Kampf erwarten euch verschiedene Gegnertypen. So bohrten sich meine Drohnen durch automatische Geschütztürme sowie kleine und große Raumschiffe der Voohr. Zwei weitere Alien Fraktionen sind bereits bestätigt, sodass ich davon ausgehe in der finalen Version noch einige andere Schlachtschiffe bekämpfen zu dürfen. Neben den bereits erwähnten Fähigkeiten kann im Forschungsmenü noch eine dritte Einsatzmöglichkeit des Schwarms freigeschalten werden. Mittels einer Druckwelle können Objekte wie Asteroiden oder Raumschiffe in die vom Spieler vorgegebene Richtung geschleudert werden. Prallen dadurch feindliche Schiffe ineinander erleiden beide hohen Schaden. Dieses Manöver hat nicht nur einmal ein breites Grinsen auf mein Gesicht gezaubert. Durch die Fähigkeiten der Drohnen sowie deren realistischen Verhalten, ergeben sich eine ganze Menge interessanter taktischer Möglichkeiten, die Kreativität fördern und belohnen.

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Lichtjahre weit entfernt

Nach dem Kampf ist vor dem Kampf, so ist es wichtig, die Reisezeit zum nächsten Sonnensystem vernünftig zu nutzen. Durch den Einsatz der gesammelten Mineralien lassen sich meine gefallenen kleinen Helden ersetzen und die Argo wieder auf Vordermann bringen. Mittels Galaxykarte kann euer nächstes Ziel selbst auserkoren werden. Diese Entscheidungsfreiheit wird vertieft, indem Systeme in beliebiger Reihenfolge und Häufigkeit besucht werden dürfen. Je weiter der Weg, desto länger kann geschraubt und geforscht werden. So kann es durchaus Sinn machen, einen Umweg zum Ziel in Kauf zu nehmen, um mehr Zeit in andere Aktivitäten zu stecken.

Sonnensysteme sollen im fertigen Spiel von verschiedenen Alienrassen bewohnt werden. Neben der schon erwähnten Diplomatie soll es auch ein Handelssystem ebenso in die finale Version schaffen, auch wenn die Voohr in der Demo nicht allzu viel Lust auf Warenaustausch hatten. Zu viel Zeit sollte man sich aber nicht lassen, da ein „Time left“ Countdown stetig daran erinnert, dass man nicht zum Spaß durchs Universum fliegt. Leider kann ich noch kaum etwas über die Galaxie und deren Sonnensysteme erzählen. Die bisher bereisten Gebiete haben sich in ihrer Optik wenig unterschieden und waren entweder durch feindliche Voohr oder nur durch Ressourcen bestückt. Hier wünsche ich mir noch mehr Abwechslung!

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FAZIT

Drone Swarm überzeugt mit einzigartiger Technologie und tollem Gameplay. Eine abwechslungsreiche Kampagne mit interessanter Story soll folgen. Die Demo begeistert in erster Linie mit innovativen Schwarm-Fähigkeiten und herausfordernden Kampf-Szenarien. Die bereits vorhandenen Fähigkeiten laden zum Experimentieren ein und machen definitiv Spaß. Der Mix aus Echtzeit Strategie und Survival-Elementen funktioniert bereits sehr gut und macht Lust auf mehr. Doch genretypische Features wie Galaxykarte, Ressourcenmanagement und Forschungsbaum wurden etwas lieblos von ähnlichen Spielen übernommen, ohne eigenständige Neuerungen hinzuzufügen. Das eine oder andere Alleinstellungsmerkmal fehlt mir hier noch. Stillalive Studios hat mit Drone Swarm vor allem eines geschaffen: Ein Spiel mit enorm viel Potenzial. Wenn auf dem interessanten Fundament aufgebaut wird, steht uns ein faszinierendes Spiel bevor.

Was ist Drone Swarm? Ein Echtzeit Sci-Fi Strategie Spiel, indem der Spieler die Kontrolle über einen Dronenschwarm übernehmen kann.
Plattformen: PC
Gespielt: PC
Getestet: Intel Core i7-7700K, 16GB RAM, GeForce GTX 1080
Entwickler / Publisher: Stillalive-Studios
Link: Offizielle Webseite

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