Farhome – Angespielt

Farhome – Angespielt

Wenn sich die Roughnecks aus Starship Troopers auf der Event Horizon wiederfinden, der Master Chief ein Stelldichein mit fiesen Bugs hat oder eine Horde Predators beim Sichern von Energiequellen erscheinen, so ist das kein neues Movie-Crossover, sondern das neuen VR Action-Adventure Farhome des Entwicklers Devcube Studio, welches nun im Early Access auf Steam erschienen ist.

Ohne großem Intro startet Farhome in der Kommando-Zentrale. Ein karges Zimmer einer Raumstation mit seinen klassischen Elementen, wie einem großen Fenster in die unendlichen Weiten des Weltalls und einem Display auf dem das Hauptmenü dargestellt wird. Dies ist eine hauchdünne Projektion die mitten im Raum erscheint. Zum Glück startet man direkt vor diesem Bildschirm, denn es gibt weder ein Tutorial, noch eine Anleitung, welches einem die Steuerung näherbringt, um hier überhaupt in die Nähe des Monitors gelangen zu können. Das Menü lässt sich aber sehr intuitiv bedienen und durch simples Point n‘ Click können die einzelnen Menüpunkte ausgewählt werden. Der wohl kaum beachteste Menüpunkt in VR Spielen, die Einstellungen, sind hier der wohl der wichtigste erste Schritt und bedarf unbedingt eines Besuchs. Denn genau hier findet man eine Erklärung über die Möglichkeiten der Steuerung und noch wichtiger die Optionen, diese an sich und seine eigene Spielweise anzupassen. Hier kann die Empfindlichkeit der Bewegungssteuerung eingestellt, sie ist das beste Mittel um dem allgegenwärtigen Problem der Motion Sickness entgegen zu wirken. Alternativ zum normalen bewegen bietet das Spiel die Möglichkeit per Teleportation zu navigieren.

Um die Steuerung und die zur Verfügung stehenden Waffen näher kennen zu lernen, gibt es einen Übungslevel den „Schießstand“, auf dem ihr alle Waffen, die euch aktuelle zur Verfügung stehen, ausprobieren könnt. Hier wird zum ersten Mal deutlich, dass es sich noch um eine Early Access Version handelt, denn so stellt es sich als schwierig heraus, zwischen den beiden Waffen im eigenen Inventar zu wechseln und auch die Positionierung der Hände vor dem Virtuellen Körper klappt manchmal nicht korrekt. Das Aufnehmen der auf Kisten aufgebauten Gewehre und schweren Waffen ist auch nicht ohne Übung zu meistern. Die Immersion wird etwas geschmälert, da es beim Umgang mit dem Kampfgerät nicht möglich ist, diese mit der zweiten Hand zu greifen, um sie zu stabilisieren und so hängt diese lieblos am Körper herab. Dies ist insoweit verwunderlich, weil die sekundäre Waffe eine zweihändige Bedienung erfordert. Leider ist es auch nicht möglich die Waffen in der linken Hand zu platzieren oder diese als Führungshand zu nutzen. Aber das wohl ärgerlichste ist das Fehlen einer Möglichkeit seine Blickrichtung neu auszurichten, was mittlerweile bei den meisten VR Spielen zum Standard gehört. Das ist dann im Spielverlauf etwas hinderlich.

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Es ist ein dreckiger Planet, ein Bug Planet!

Es stehen euch in der aktuellen Version, vier Missionen zur Verfügung, diese versetzen euch in verschiedene, erzählerische abgeschlossene Geschichten, die keinen direkten Zusammenhang miteinander haben. Der einzige gemeinsame Nenner der Missionen ist, dass sie vom heimatlichen Planeten weit entfernt stattfinden, eben „Farhome“. Man kann sich frei entscheiden welche der Aufgaben man erleben will, es empfiehlt es sich dennoch die erste Mission für den Einstieg zu wählen. Hier kann man das Spiel kennen lernen, ohne in einer heillosen Überforderung zu enden und doch kann es hier schnell zur Enttäuschung kommen, die einem zum sofortigen Beenden des Spiels führt. Die erste Mission beginnt auf einem Waldplaneten, in einer Basis die gerade in Begriff ist von Käfern, in der Größe von Autos, überrannt zu werden. Hier schießt man sich seinen Weg durch Horden von Insekten und erarbeitet sich an der primären Waffe enorm viel Frust. Unser Gewehr lässt sich nicht nachladen, sondern es lädt sich selber wieder auf, wenn gerade nicht geschossen wird. Nur genau dies dauert, im Vergleich zu einem Magazinwechsel, welches meist wenige Sekunden benötigt, lange und so braucht das wieder aufladen etwa zehn Sekunden und mehr, was umzingelt von Arachnoiden, mehr als nur ungünstig ist. Diese Tatsache zwingt einem zur Hit’n Run-Taktik und kann schon den Frust so hochtreiben, dass man das Spiel gleich wieder beiseite legen möchte. Den ersten Ansturm überstanden bekommt man per Funk mitgeteilt, dass ein Wissenschaftler noch im Gelände verschollen ist, der unserer Rettung bedarf.

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Im Weltall hört dich niemand schreien

Die doch etwas kurz gehalten erste Mission ist zwar von Enttäuschungen gebeutelt, aber bietet eine gute Basis für die drei verbleibenden Missionen. Ein Highlight ist die zweite Mission. Ihr erwacht in einer Cryokammer an Bord eines scheinbar verlassenen riesigen Raumschiffs. Desorientiert taumelt ihr ein wenig durch die Gänge des Schiffs und erforscht immer weiter das Geheimnis der Geschehnisse auf dem Schiff. Die Mission glänzt durch ihre weitläufige Anlage, kleinen, spannenden Story-Wendungen sowie den Außeneinsätzen im Weltall, wo ihr mit den Steuerdüsen eures Anzugs die Bewegungsphysik eines Astronauten in den Weiten des Alls sehr realitätsnah erfahren könnt. Mission drei bietet eine Schlacht gegen riesigen Arachnoiden, den mit Hilfe von Orbitalangriffen der Gar ausgemacht werden soll. Damit ihr das große Ungeziefer in den Bereich des Satellitenangriffs locken könnt, müsst ihr ihn mit Hilfe von Schallkanonen anlocken. Aber Vorsicht, wenn der Strahl zu früh aktiviert wird so befindet sich unser Freund nicht im Zielgebiet und der Angriff verpufft. Hier ist richtiges Timing gefragt. Die vierte und letzte Mission ist ein Kampf um Ressourcen, bei dem ihr in die Rolle der Bugs schlüpft und nicht die einzigen seid, die diese für sich gewinnen wollen.

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Die dunkle Seite des Mondes… bist du nicht allein!

Beim Spielen von Farhome wird einem schnell bewusst das es sich noch um eine Early Access Version handelt, denn es fehlt neben einer runden Steuerung auch noch einige Schlüsselelemente die schon vorbereitet sind, teilweise sogar schon funktionieren, aber ohne Nutzen sind. So kann man bei jeder Mission zwischen zwei Klassen des eigenen Charakters wählen, doch außer einem anderen Loadout hat diese Wahl keinen Einfluss auf das Spiel. Auch die Lokalisierung ist an einigen Passagen mehr als fraglich und lässt einem eher mit einem Schmunzeln als mit brauchbaren Informationen zurück.

Das wohl spannendes Features, welches nicht zum Standard bei VR Spielen gehört ist der Multiplayer. Zum aktuellen Zeitpunkt ist dieser noch sehr eingeschränkt, denn er bietet nur die Möglichkeit die Missionen im Koop Modus zu absolvieren. Doch die Entwickler haben schon Platz für einen PvE und PvP Modus vorgesehen. Der Ausbau des Multiplayers wird wohl ein großer Faktor für einem längerfristigem Spielspaß sein, doch nicht nur dieser, auch der Survival Modus bietet das Potenzial euch noch längerfristig zu motivieren.

FAZIT

Farhome ist nicht wie erwartet ein einfacher Abklatsch der PS-VR Titels Farpoint oder gar ein Starship Troopers VR durch die Hintertür. Es ist viel mehr als das. Es ist ein eigenständiges Spiel, welches sich zwar die ein oder andere Idee aus dem klassischen SciFi-Genre ausleiht, aber gerade dadurch entsteht der Charme des Spiels. Man fühlt sich durch die vielen Kleinigkeiten im Design in diese Klassiker hineinversetzt und trotzdem ist es anders und bereitet einem ein eigenständiges Erlebnis. Die Tatsache, dass es sich noch in der Early Access Phase befindet fällt an einigen Stellen auf und gleichzeitig nährt genau das die Hoffnung, dass die finale Version des Spiels ein gelungener VR Titel wird.

Was ist Farhome? Ein VR Action Adventure im Stil eines Ego Shooters, welches einem die Gefahren des Weltalls zeigt.
Plattformen: PC, HTC Vive, Oculus Rift
Getestet: HTC Vive, PC Intel Core i7-2600k, 16GB RAM,NVIDIA GTX 1060
Entwickler / Publisher: Devcube Studio / Devcube Studio
Release: 5. April 2018 (Early Access)
LinkOffizielle Webseite

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