Unrailed – Angespielt

Unrailed – Angespielt

Vermisst ihr auch die Zeiten in denen ihr mit euren Freunden zu Hause vor dem Bildschirm zusammen gezockt habt? Egal ob miteinander oder im Wettkampf, das gemeinsame Gamen war immer etwas Besonderes. Leider implementieren heutzutage immer weniger Games einen lokalen Couch-Coop Modus. Genau hier erscheint Unrailed auf der Bildfläche um euch wieder mal in das Gefühl von damals hineinzuversetzen.

Der Zug ohne Gleise

Gemeinsam mit Daedalic Entertainment hat das Indie-Studio Indoor Astronaut sein Debutwerk namens Unrailed entwickelt. Wie der Name schon andeutet, spielen Zugschienen eine wichtige Rolle. Das Ziel besteht darin den Zug von einem Bahnhof bis zum Nächsten zu führen, doch unglücklicherweise befinden sich zwischen den beiden Bahnhöfen keine Gleise. Da kommt ihr ins Spiel: mit bis zu 4 Spielern baut ihr Ressourcen ab, produziert Schienen und platziert diese in Echtzeit vor dem fahrenden Zug. Ihr ahnt es schon? – Zeit ist hier Mangelware. Doch bevor wir darauf noch näher eingehen, kommen wir zuerst zu den Grundlagen.

In einem kurzen Tutorial lernt ihr das Notwendigste. Ihr müsst Eisen und Holz mit den entsprechenden Werkzeugen abbauen und zum Lagerwagon transportieren, damit der Produktionswagon Schienen herstellt. Diese platziert ihr vor eurer Lokomotive bis sie die nächste Haltestelle erreicht. Nebenbei solltet ihr auch auf den Motor der Lok achtgeben und ihn im Falle einer Überhitzung, mit einem Wassereimer kühlen. Habt ihr das Tutorial abgeschlossen und das Spielprinzip verstanden, findet ihr euch im Spielmenü wieder. Hier habt ihr vorher schon die Steuerung gesehen, denn statt übliches Auswählen per Mausklick, bewegt ihr eure Spielfigur aufs gewollte Feld. Die Steuerung ist dabei recht simpel: Vier Tasten zum Bewegen eurer Figur, Eine zum Dashen und noch Eine zum Aufheben und Ablegen von Gegenständen. Das Menüdesign funktioniert so sehr gut und ist unterhaltender als ein Klassisches. Habt ihr entschieden ob ihr online oder lokal zockt, geht es in die Spielmodieinstellungen – Spielart und Schwierigkeit sind hier festzulegen, zusätzlich könnt ihr einen Seed für die prozedural generierten Level eingeben.

Zur Zeit habt ihr die Auswahl zwischen 3 Spielvarianten: Schnell – hier müsst ihr dem Zug nur zu einem Zielort den Weg bereiten; Endlos – ist quasi eine endlose Aneinanderreihung des vorigen Modi, jedoch könnt ihr euren Zug bei jedem Bahnhof upgraden; Versus – funktioniert wie Schnell, mit dem Unterschied, dass ihr in 2 Teams darum wetteifert, wer unbeschadet und am schnellsten den nächsten Bahnhof erreicht. Da ihr im schnellen Spiel recht zügig innerhalb weniger Minuten eine Runde fertig habt und diese zu viert eher einfach ist, werdet ihr vermutlich die meiste Zeit in den anderen Leveltypen verbringen. Im Endlosmodus könnt ihr jede Runde versuchen euren Rekord zu übertreffen, was auch langfristig motiviert. Zusätzliche Ziele und sammelbaren Objekte findet ihr auch vor, welche euch goldene Schrauben einbringen. Mit diesen verstärkt und erweitert ihr eure treue Dampflock – Wer die Schräubchen tüchtig einsammelt, hat einen entscheidenden Vorteil! Spielt ihr Versus, startet ihr mit einem zusätzlichen Kanonenwagon, mit der ihr eure Rivalen zusätzlich Feuer unterm Dach machen könnt: Holz beschleunigt die feindliche Eisenbahn, Dynamit setzt eure Gegenspieler für kurze Zeit außer Gefecht. Der Kampf gegen die Zeit und andere Mitspieler bietet viel Nervenkitzel und ein Gefühl des Erfolgs, vorausgesetzt ihr erreicht das Ziel als Erster.

Zwei bauen ab, Einer sammelt und der Letzte legt die Schienen

Wie vorher angeschnitten, kommen wir jetzt zum Faktor Zeit. Fährt der Zug einmal los, hält er nämlich erst wieder am Zielort und das bringt einen Berg an Aufgaben mit sich. Ressourcen fördern, diese transportieren, Brücken bauen, den Zug kühlen und Schienen legen. All das und noch mehr will von euch gleichzeitig bewältigt werden. Also denkt nicht zu lange nach, ansonsten müsst ihr von Neuem beginnen. Damit ihr dabei nicht scheitert, braucht ihr eine gute Team-Koordination. Verteilt die Arbeit sinnvoll, um unnötige Laufwege zu vermeiden. Logischerweise chauffiert ihr die Bahn am leichtesten zu viert durch Wiese, Wüste und schneeweiße Landschaften. Denn mit fortschreitender Distanz gelangt ihr in neue, noch schwerere Biome. Das Gamedesign ist recht simpel gehalten, was bei diesem Spielprinzip auch von Vorteil ist, da ihr sofort jeden Gegenstand erkennt. In stressigen Situationen müsst ihr bei der Sache bleiben, ganz unberührt von Kunst und Klang. Deswegen ist auch die Musikuntermalung sehr unaufdringlich. Außer ein paar Arbeitsgeräuschen und einem schlichten, aber catchy Soundtrack hört ihr in Unrailed nur das Zughorn, welche vor dem drohenden Ende warnt. Sobald die jedoch ertönt, legt besser noch einen Zahn zu, um die Strecke reichtzeitig fertigzustellen.

Durch die hohe Anzahl an Rollen die jeder Mitspieler erfüllen muss, wird das Spielgeschehen schnell mal sehr chaotisch. Da dasht man auch mal in einen Mitspieler, was zur Folge hat, dass ihr eure Gegenstände fallen lässt. Unterläuft euch dann noch in dem ganzen Getümmel ein kleiner Fehler in der Streckenplanung, der euch den Rückweg zu den Gleisen blockiert und euch den Sieg kostet, macht sich sehr viel Frust breit – hatte ich zuerst gedacht. Wenn alles den Bach runter geht, jeder die Arbeit einstellt um einen aussichtslosen Versuch zu starten die Lage zu retten und dabei die Situation noch schlimmer macht – Genau dann kommen in Unrailed die witzigsten Ereignisse und überraschensten Momente zustande. Einmal navigierte unser Team direkt in eine Sackgasse, doch anstatt den Zug kollidieren zu lassen, bauten wir den Weg kurzerhand wieder Retour. Eine Belohnung gab’s dafür nicht, Spaß hatten wir dabei aber definitiv.

Was mache ich ohne Freunde?

Ihr habt vielleicht schon herausgelesen, dass Unrailed zurzeit noch keinen Einzelspielermodus bietet. Dieser wird zusammen mit Content- und Balancing-Updates noch implementiert, bis Unrailed den Early Access verlässt. Schnappt euch deshalb am besten drei Freunde, die euch helfen viele Meter zu überwinden. Doch was benötigt ihr fürs gemeinsame Zockvergügen? Jeder Spieler braucht zunächst etwas zum Steuern. Die Tastatur könnt ihr verwenden, auch PC kompatible Gampads könnt ihr nach belieben hinzufügen. Falls euch nicht ausreichend zur Verfügung stehen, lässt sich jeder Controller splitten. – nicht wortwörtlich! So können zwei Spieler mit einem Gerät zocken. Bei der Tastatur klappts ganz gut, doch bei den Gamepads besitzt ihr besser drei! Angenommen ihr nennt diese nicht euer eigen oder euch fehlen die Kumpel zum Spielen, sogar dann müsst ihr nicht verzagen, denn auch online findet ihr gute Teamkameraden. Mittels spieleigenem Discordchannel könnt ihr sowohl eine verlässliche Crew finden, als auch mit ihnen sprechen. Alternativ ist es möglich eure Steamfreunde in der Lobby einzulanden und den Steam-Voicechat zu nutzen. Ingame kommuniziert ihr in Unrailed nur mittels 16 Sprites, darunter Emojis, Holz und Eisen. Meistens reicht das schon aus, doch wenn sich eine Krise anbahnt, solltet ihr euch wirklich absprechen.

FAZIT

Mit Unrailed könnt ihr schon eine Menge Spaß haben, jedoch ist das von ein paar Faktoren abhängig. Bist du jemand, der mit Games gerne entspannt und Frust bzw. Stress vermeiden will, solltest du lieber die Finger davon lassen. Stören dich solche Dinge nicht, brauchst du nur mehr ein paar gute und zuverlässige Kumpanen, von denen hängt nämlich alles ab! Anfangs müsst ihr euch vielleicht noch mit zufälligen Onlinemates begnügen, nutzt ihr allerdings alle Möglichkeiten, findet ihr sicher bald gute Mitspieler – vielleicht sogar gute Freunde. Empfehlen würde ich Unrailed vor allem als Partyspiel, weil ihr dann normalerweise genug Spieler habt und eine witzige Stimmung aufkommt. Auf zukünftige Updates und den Einzelspielermodus bin ich zwar schon gespannt, am meisten freue ich mich jedoch darauf, mit meinen Kumpels wieder mal den ganzen Nachmittag zu verzocken – Ganz wie in alten Zeiten.

Ein Gastartikel von Nino Puff

Was ist Unrailed? Co-op Time-Managment Railroad Construction Game
Plattformen: PC
Getestet: PC, Intel(R) Core(TM) i7-8750H CPU @ 2.20GHz, 8GB RAM, Geforce GTX 1060
Entwickler / Publisher: Indoor Astronaut / Daedalic Entertainment
Release: 9. September 2019 (Early Access)
Link: Offizielle Webseite

 

 

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