20 Jahre Gamers.at – Ein ganz persönlicher Rückblick von Tom

20 Jahre Gamers.at – Ein ganz persönlicher Rückblick von Tom

Nachdem euch der Hannes bereits einen ausführlichen Bericht über die Entstehungsgeschiche und den Werdegang von Gamers.at gegeben hat, dürfen nun auch wir „alte Hasen“ ganz persönliche Rückblick über unsere Jahre bei Österreichs ältestem Spielemagazin besteuern. Dementsprechend mache ich damit den Anfang und plaudere ebenfalls ein bisschen aus dem Nähkästchen, wie ich vor allem die Anfangszeit als „freier Redakteur“ erlebt habe.

Wenn es um das Lebensalter geht, da hat lediglich der Hannes noch etwas Vorsprung, was aber das Dienstalter anbelangt, da gibt des zwischen mir und meinem Namenskollegen Thomas, aka Onkel Tom, des Öfteren amikale Diskussionen. Um diese Meinungsverschiedenheit endgültig aus dem Weg zu räumen, habe ich tief in meinem Archiv gewühlt und mein Bewerbungsmail an den Hannes rausgesucht, welches ich am 12. April 2001 abgeschickt habe. Hier also Beweisstück A – in Originalfassung, inklusive aller Stilblüten und Rechtschreibfehler 🙂

Ein Schelm wer denkt, dass das jetzt der Startschuss zu einer glorreichen Journalisten-Karriere gewesen ist, denn genau genommen war sogar das Gegenteil der Fall. Die Antwort vom Hannes war eher ernüchternd und lautete sinngemäß, dass man keine Spieltester sucht, ich aber probeweise als Newsposter bei Gamers.at anfangen könnte. So schnell wimmelt man mich jedoch nicht ab, deswegen zählte ich dann auch am Ende des Jahres zu den fleißigsten News-Schreibern des Teams und aufgrund eines beruflichen Wechsels in die Bundeshauptstadt konnte ich dann sogar noch viel näher am Geschehen teilhaben und besuchte die Kollegen des Öfteren in unserer ersten „Redaktion“. Die war in einem Hinterzimmer des Stammlokals vom Hannes  im 12. Bezirk eingerichtet und bestand eigentlich nur (zumindest soweit ich mich erinnern kann) aus einem Schreibtisch, einer Couch, einem Fernseher und jeder Menge Games sowie  Konsolen. Es war schon ganz cool Spiele wie Star Wars Jedi Knight oder das brandneue EyeToy für die Playstation 2 noch vor allen anderen auszuprobieren. Leider hatten wir das „Büro“ nicht allzu lange, denn wie der Hannes in seinem Rückblick bereits geschrieben hat, sind wir sehr schnell aufgrund von Platzproblemen in etwas größere und modernere Räumlichkeiten übersiedelt. Ich fand es irgendwie schade, nicht nur weil ich damals selbst noch in Meidling, also quasi in der Nachbarschaft wohnte, sondern weil es schon sehr bequem war, wenn man sich nach einer anstrengenden Zockersession im benachbarten Beisl bei Bier und Schnitzel wieder stärken konnte.

Vom Presidente zum General!

Bis ich meinen ersten Spieletest schreiben durfte dauerte es doch eine ganze Weile und das habe ich eigentlich auch nur durch einen Trick geschafft. Ich wartete nämlich bis der Hannes auf Urlaub war und nutzte die Gunst der Stunde, um bei seiner Vertretung einen Artikel zu deponieren. Mein unautorisiertes Erstlingswerk behandelte ein damals noch ganz neues Franchise, welches meiner Meinung nach völlig zu Unrecht von unserer Redaktion (die wohlgemerkt hauptsächlich aus Shooter- und Action-Spezialisten bestand) ignoriert wurde. Ich schlüpfte dabei in die Rolle des Präsidenten einer Bananenrepublik während der Ära des Kalten Kriegs und sorgte als Staatsoberhaupt „El Presidente“ für den Wohlstand und Reichtum meiner kleinen Insel „Tropico“. Der Artikel schien zu gefallen, nicht nur dass er anstandslos publiziert wurde, ich bekam danach sogar ganz offiziell vom Hannes Aufträge weitere Spieletests zu schreiben.

Meinen journalistischen Werdegang prägte aber ein ganz anderes Spiel: Chariots of War. Macht euch keine Sorgen wenn euch der Name nichts sagt, denn qualitativ war das Strategiespiel eher mangelhaft. Mein Fazit lautete damals „Chariots of War vermittelt den Tiefgang eines Schlauchboots auf dem Toten Meer“. Kurze Zeit später trudelte bei uns in der Redaktion ein weiterer Titel vom gleichen Publisher ein und weil ich durch meinen vorangegangen Test bereits „Erfahrung“ mit dem Genre gesammelt hatte, durfte ich auch Two Thrones testen. Meine finale Wertung war nicht viel besser als beim Vorgänger und so bekrittelte ich wieder die mangelnde Spieltiefe. Eine meiner größten Fehlentscheidungen, denn Two Thrones war zwar insgesamt wirklich nicht besonders gut, aber das etwas versimplifizierte Spielprinzip erleichterte mir den Einstieg und entfachte meine Leidenschaft für die komplexen Spiele des Publisher Paradox Interactive. Weil meine Kollegen diesen Enthusiasmus nicht nachvollziehen konnten, galt ich ab diesem Zeitpunkt als der Strategiespiel-Experte der Redaktion und durfte von da an so ziemlich alles in diesem Genre machen, was so hereingekommen ist.

In meinem nun fast 19 Jahren bei Gamers.at rezensierte ich hunderte von Spielen, aber wenn ihr mich jetzt explizit fragt, welches mich davon am meisten beeindruckt hat oder welches mir aufgrund eines besonderen Erlebnisses im Gedächtnis hängen geblieben ist – ich könnte euch beim besten Willen keines nennen. Erinnern tue ich mich sicherlich noch an solche spannenden Titel wie die PC-Umsetzung von Desperate Houswives oder das Playstation 2 Spiel zur Fernsehserie V.I.P. – Die Bodyguards mit Pamela Anderson, aber nicht weil ich die für so toll befunden habe, sondern weil ich diese ungeniert und hemmungslos mit vernichtenden Kritiken bewerten konnte.

Die High- und Lowlights von 20 Jahren Gamers.at

Um vielleicht das mit dem „journalistischen Werdegang“ etwas zu relativieren: Anders als viele meiner zahlreichen Kollegen, die ich in den Jahren bei Gamers.at und auch consol.media kennengelernt habe, hatte ich zu keiner Zeit das Bedürfnis mein Hobby zum Beruf machen und damit Geld zu verdienen. Ich war, und bin noch immer, wirklich nur aus Leidenschaft „Spiele-Redakteur“ – auch wenn ich mich selber nie als solcher bezeichnet habe, ganz einfach weil für mich immer nur der Spaß am Schreiben im Vordergrund gestanden ist. Deswegen war ich auch nie ein Teil der „internen“ Gamers.at Redaktion, sondern stets nur freier Redakteur, der immer versucht hat, sich so gut wie möglich in den Redaktionsalltag einzubringen und den Kollegen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Unter diesem Gesichtspunkt muss ich dann auch dem anderen Thomas recht geben, denn was die ununterbrochene Beschäftigungsdauer betrifft, ist er hier natürlich der Spitzenreiter.

Als externer und freier Mitarbeiter hat man dann auch eine ganz andere Sichtweise auf die Dinge. Die Kooperation mit consol.Media im Jahr 2004 kam für mich zwar sehr überraschend, war aber ein logischer Schritt in der Weiterentwicklung von Gamers.at. Dazu sollte man vielleicht auch wissen, dass Anfang der Nuller-Jahre die Medienlandschaft im deutschsprachigen Raum, sehr viel anderes ausgehen hat. Es gab so etwas wie eine Zweiklassengesellschaft. Printmagazine wurden von den Publishern und Entwickler immer bevorzugt, Online-Seiten hatten dagegen eher den Ruf eines Hobby-Projektes oder eines notwendigen Beiwerks für die analogen Zeitschriften. Durch die Zusammenarbeit mit consol.Media hatten wir also quasi die Möglichkeit ein Level aufzusteigen und ein eigenes Magazin zu publizieren. Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich am ersten Erscheinungstag am Bahnhofs-Kiosk gestanden bin und dort voller Stolz unsere erste Ausgabe erblickt habe, in der dann auch meine Artikel (Age of Empires III und Black & White II) abgedruckt waren. Die ersten Hefte hatten für mich, aufgrund des eher unbeholfenen Schreibstils der Redakteure (mich eingeschlossen) und der zahlreichen Rechtschreibfehler, dann doch etwas den Charme einer auf Hochglanz polierten Schülerzeitung – aber wir wurden von Ausgabe zu Ausgabe immer besser.

Das eigene Printmagazin hatte aber auch seinen Preis, denn der Fokus lag in den kommenden Jahren hauptsächlich auf dem Magazin, die Online-Päsenz wurde dafür aber sträflich vernachlässigt. So waren beispielsweise manche wichtige Artikel nur exklusiv im Heft zu lesen und auch die Community, die wir in vorangegangenen Jahre so mühsam aufgebaut hatten, wurde immer unzufriedener. Ich kann mich noch an seitenlange Mails an den Johannes erinnern, indem ich ihn inständig gebeten habe, das Online-Magazin nicht sterben zu lassen, weil das ein fataler Fehler wäre. Als freier Mitarbeiter hatte ich aber natürlich sehr wenige Einblicke in das damalige Redaktionsgeschäft (da werdet ihr sicher in den kommenden Tagen vom Johannes und Thomas sicher mehr lesen), aber auch mein Unmut nahm stetig zu, denn ich hatte nicht mehr das Gefühl, einen produktiven Input für Gamers.at liefern zu können. Genau zu jener Zeit wurde aber innerhalb des Verlages eine neue Online-Präsenz für die TV-Sendung gamebase weekly, welche auf MTV Österreich ausgestrahlt wurde, aufgebaut. Hier sah ich meine Chance und wechselte quasi zur dunklen Seite der Macht. Leider wurde die Leitung des Projektes in die Hände eines Mitarbeiters gegeben, der schlichtweg damit komplett überfordert war. Ich und ein paar meiner Kollegen versuchten zwar noch zu retten was zu retten war, aber es änderte nichts daran, dass der Verlag kurz darauf den Stecker gezogen und sich nicht ganz einvernehmlich vom verantwortlichen Mitarbeiter getrennt hat. Reumütig kehrte ich also wieder zu Gamers.at zurück. Richtig glücklich war ich dann aber in der Folge nicht mehr, denn die Fusion mit consol.Media zeigte deutlich seine Spuren. Immer mehr Gamers.at Mitarbeiter verschwanden von der Bildfläche und „verlagsinterne Synergien“ wurden genutzt, sodass die Redaktionsteams von Gamers.at und consol.at immer mehr miteinander verschmolzen. Das bedeutete auch, dass man zunehmend auf externe Arbeitskräfte verzichtete, was mich dann auch mehr oder weniger „arbeitslos“ gemacht hat. Soweit ich mich noch erinnern kann, fand sich in den letzten Gamers.at-Magazinen kein einziger Spieletest mehr, der von einem freien Redakteur geschrieben wurde. Die Insolvenz von consol.MEDIA hat mich dann auch eher weniger betroffen, vor allem deswegen, weil mir der Hannes damals versprochen hat, dass Gamers.at wiederkommen wird. Und wie ihr hier lesen könnt, hat er sein Versprechen gehalten 😉

So gesehen gab es für mich in den 20 Jahren so einige Lowlights, wobei natürlich nicht alles schlecht war. Geprägt haben mich aber sicherlich die Anfangszeiten, wo wir noch ein kleines unprofessionelles und bunt zusammengewürfeltes Team an Spiele-Enthusiasten waren. Bei den speziellen Highlights tue ich mir aber sehr schwer, da ich aus Zeitgründen kaum auf Pressereisen oder Events war – auch hier können Hannes, Thomas und Johannes sicher mehr Anekdoten erzählen. Ich erinnere mich lediglich an die Präsentation von Total War: Empire bei der mir Sega PR-Manager Fabian Döhla und ein Entwickler in einem winzig kleinen Hotelzimmer in Hamburg das Spiel gezeigt haben. Das war etwas unkonventionell sowie gleichzeitig seltsam und vermutlich der einzige Grund warum ich mich überhaupt noch daran erinnere. Ansonsten hatte ich das schönste Erlebnis meiner Gamers.at Karriere, als ich die Oktober Ausgabe von 2010 unseres Magazins aufgeschlagen habe und dort auf einer der ersten Seite folgenden Artikel gefunden habe. Vielen Dank an Thomas, Johannes, Florian und Silvia für dieses nachträgliche tolle Hochzeitsgeschenk und dem wirklich coolen Text dazu!

Mein ganz persönliches Fazit

Als ich im April 2001 mein Bewerbungs-Mail geschrieben habe, hatte ich sicherlich nicht damit gerechnet, dass ich fast 19 Jahre später diese Zeilen zum 20-jährigen Jubiläum von Gamers.at als Chefredakteur schreiben darf. Genauso wie der Hannes habe ich mich auch oft gefragt, ob die Fusion mit consol.Media die richtige Entscheidung gewesen ist. Meiner Meinung nach wäre es zum damaligen Zeitpunkt schlichtweg dumm gewesen, sich diese Chance entgehen zu lassen, deswegen sollte man sich über mögliche Fehler oder verbaute Möglichkeiten keine Gedanken machen. Ich bin einfach nur sehr froh, dass der Hannes damals so weitsichtig war, sich im Lizenzvertrag zusichern zu lassen, dass er die Marke Gamers.at wieder zurückbekommt. Wir mussten zwar im Dezember 2013 quasi wieder bei Null beginnen, aber nicht nur der Name sondern auch der Geist von Gamers.at blieb somit erhalten.

Jeder Neuanfang bringt aber auch neue Möglichkeiten mit sich. Ich als Chefredakteur hatte in meiner Funktion niemals das Ziel Gamers.at zu alter Stärke zurückzubringen, dazu hat sich einfach die Medienlandschaft in den letzten 20 Jahren zu sehr verändert und wir konnten und wollten auch nicht alle aktuellen Trends mitmachen. Ich sehe es nach wie vor als meine Aufgabe andere Spieler dafür zu begeistern, ihr Wissen, ihre Erfahrung und auch ihren Enthusiasmus mit anderen Spielern zu teilen und ihnen dafür die entsprechende Plattform dafür zur Verfügung zu stellen – ganz nach unserem Leitspruch „Von Gamer, für Gamer!“ (Anmerkung: Ich bin fest davon überzeugt, dass ich diesen Spruch irgendwann einmal in einem meiner Mails geschrieben habe und der Johannes diesen übernommen hat – Beweise habe ich leider keine dafür 😉 )

Sehr stolz bin ich deswegen auf das aktuelle Gamers.at Team, denn tagtäglich liefern unsere Schreiber qualitativ hochwertige Artikel ab und das ganz ohne jegliche finanzielle oder sonstige Gegenleistung. Ganz einfach, weil es ihnen Spaß macht. Und genau das ist dieser Spirit von dem ich immer gesprochen habe, der leider in unserer Zeit bei consol.Media etwas verloren gegangen ist. Jeder einzelne Name der hier auf dieser Seite zu lesen ist, ist für mich ein hochgeschätzter und wertvoller Kollege und Mitglied eines eingeschworenen Teams, das genau das vorlebt, was ich an Gamers.at so sehr liebe.

Bedanken möchte ich mich aber natürlich auch bei jedem Einzelnen von euch, der sich nach all diesen Jahren noch immer auf Gamers.at verirrt und unsere Artikel so zahlreich anklickt. Das ist für uns genau die Motivation, die uns antreibt auch die nächsten 20 Jahre weiterzumachen! Als Belohnung für eure Treue möchte ich euch nochmals auf unsere Gewinnspielwoche aufmerksam machen, bei der ihr tolle Preise gewinnen könnt. Es zahlt sich also unbedingt aus jeden Tag bei Gamers.at vorbeizusurfen und mitzumachen!

Abschließend nochmals ein ganz großes Danke an alle Wegbegleiter, Unterstützer und unsere treuen Leser,denn ohne Euch wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Zum Glück is unsere Reise aber noch lange nicht zu Ende…

Liebe Grüße
Euer Tom

Übrigens: alle Artikel und zu unserem 20 Jahre Jubiläum und auch die Gewinnspiele findet ihr unter diesem Link.

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