Microsoft Device Day: Hololens, Windows Mixed Reality und Co. – Angespielt

Microsoft Device Day: Hololens, Windows Mixed Reality und Co. – Angespielt

Mitte März lud Microsoft zum Device Day 2018, um seine neuesten Gadgets vorzustellen. Wir durften Hololens, Windows Mixed Reality und Co. für euch näher unter die Lupe nehmen!

Science-Fiction becomes Reality: Microsoft Hololens

Eines der absoluten Highlights auf dem diesjährigen Device Day war Microsoft Hololens. Wenn auch nicht mehr vollkommen neu, konnte diese Augmented Reality Brille, die es euch ermöglicht, auf holographische 3D-Objekte im realen Raum zu blicken, dennoch begeistern. Hololens ist dabei ein kabelloser, eigenständiger Rechner in Brillenform, der euch über ein kleines Display direkt vor euren Augen den Blick in andere Welten ermöglicht.

Die Anwendung, die wir uns dabei auf dem Device Day ansehen durften, war eine holographische Demonstration von BMW, die das Auto auf einem – in Wahrheit – leeren Podest in der Mitte des Raums zeigte und uns direkt Anpassungen an Lackfarbe oder Felgenart vornehmen, sowie um das Modell herum und sogar hindurch gehen ließ. Gesteuert wird alles per simpler Bewegungsgesten innerhalb des Blickfelds der Hololens – egal ob Auswahl im Menü oder Start von Videos und mehr.

  • Microsoft-Hololens-2.jpg
  • hololens-3.jpg

Auch wenn die Hololens in erster Linie als praktisches Gadget für die Industrie demonstriert wurde (man denke etwa an die Ausstellung sperriger Maschinen auf Messen in holographischer Form, um sich die Kosten und Mühen des eigentlichen Transports zu ersparen und obendrein Vor-Ort-Anpassungen sowie Blicke auch ins Innere der Geräte zu ermöglichen), können wir uns auch jede Menge spannende Anwendungsmöglichkeiten im Gaming-Bereich vorstellen – man nehme beispielsweise Spielkonzepte wie Pokémon Go.

Der größte Nachteil der Hololens ist ihr eingeschränktes Blickfeld: Das recht kleine Display zum Blick auf die Hologramme bedeutet, dass man vor allem bei größeren virtuellen Gegenständen immer nur auf einen Teil des Objekts schauen kann, bzw. die Kopfhaltung unnatürlich anpassen muss, um den Ausschnitt zu sehen, den man wirklich in den Blick bekommen möchte. Die Brille hatte für mich persönlich beim Tragen auch das Problem, dass sie unnatürlich tief aufsaß und der obere Teil meines Sichtfelds so komplett vom Rahmen verdeckt wurde – für das Ansehen des eher kleinen Hologramms des BMW-Modells (natürlich nicht in Lebensgröße) war das kein großes Problem, allerdings konnte ich das Gesicht meines Präsentators, der eher groß gewachsen war, beim Reden zwischendurch kaum sehen. Gerade bei Produktpräsentationen mit Kunden könnte genau das gewisse Probleme mit sich bringen – immerhin möchte man sich auch mit Blickkontakt über das Gezeigte unterhalten können.

Abgesehen von diesen Hackern beim persönlichen Tragekomfort, war das Erlebnis mit der Hololens jedoch äußerst positiv – die Steuerung mittels Gesten funktioniert nach kurzer Eingewöhnung problemlos und die Möglichkeit, so ganz ohne Kabel oder sonstige Bewegungseinschränkungen rund um AR-Objekte zu laufen und mit diesen interagieren zu können, öffnet Haus und Tor für unzählige vielversprechende Angebote, sowohl im Industrie- wie auch im Entertainmentbereich.

  • motion-controller.jpg
  • mixed-reality.jpg

VR war gestern – jetzt kommt Windows Mixed Reality

Der für Gamer interessanteste Auftritte auf dem Event war hingegen wohl jener von Microsofts neuen Windows Mixed Reality Brillen. Das Konzept klingt spannend: Wo sich VR rein im virtuellen Raum abspielt, soll „Mixed Reality“ quasi das Bindeglied zwischen VR und der tatsächlichen Realität darstellen und Elemente beider Wahrnehmungserlebnisse kombinieren. In der Praxis denkt man dabei als erstes an Dinge wie Augmented Reality, im Hands-On spielen sich die Microsoft Windows Mixed Reality Brillen aktuell jedoch genau wie auch andere bekannte VR-Brillen – was auch nichts Schlechtes ist.

Um Mixed Reality umzusetzen, arbeitet Microsoft im Moment mit insgesamt sechs Herstellern zusammen, wobei die Brillen jedes Anbieters dieselben Features mit sich bringen und die gleiche Software unterstützen, sich in Sachen Hardware-Umsetzung und demnach auch Qualität und Preis jedoch geringfügig voneinander unterscheiden. Der größte Vorteil von Mixed Reality im Vergleich zu anderen VR-Brillen, wie Oculus Rift oder HTC Vive, ist dabei, dass man hier auf externe Sensoren verzichtet und die Brillen somit im Handumdrehen startklar gemacht werden können – ohne dass zunächst ein halbes Dutzend Geräte im Raum verteilt angebracht werden muss. Auf dem Device Day 2018 konnten wir vier Brillen testen: jene von Lenovo, Acer, Dell sowie HP. Unser erster Eindruck: In Sachen Grafik unterschieden sich die vier Modelle kaum voneinander – um hier gezieltere Aussagen treffen zu können, müssten wir die Brillen im direkten Vergleich testen und nicht, wie auf dem Event, jede Brille mit anderer Software nutzen. Ganz anders verhielt es sich hingegen beim Tragekomfort: Auch wenn es schwierig ist, generelle Aussagen darüber zu machen, welche Brille am besten sitzt (immerhin hängt dies auch von euren persönlichen Gesichts-Features ab), wird schon beim ersten Ausprobieren klar, dass einige der Headsets eindeutig besser verarbeitet sind als andere Modelle – was sich dann natürlich auch im Preis niederschlägt. Mein persönlicher Favorit war die Lenovo-Brille, die dank Textilabschluss zum Gesicht hin perfekt aufliegt, mittels qualitativ hochwertiger Strips sicher sitzt und generell sehr komfortabel zu tragen ist.

Was die Software anbelangt, durften wir neben einiger Steam VR Games (die allesamt unterstützt werden) auch die neueste Version des Windows Mixed Reality „Desktops“, das Cliff House, testen. In diesem virtuellen Desktop in Form eines frei gestaltbaren Hauses an einer Klippe (daher der Name), könnt ihr durch unterschiedliche Zimmer laufen, die als eure Desktop-Ordner dienen, und dann dort diverse Apps ablegen, die per Blickauswahl und Klick am Motion Controller gestartet werden. Das Haus selbst könnt ihr dabei einrichten, wie immer ihr möchtet – jede Wand, jeder Bodenbelag und jeder Gegenstand kann dabei ausgewählt und dann in Material und Farbe euren Vorlieben entsprechend angepasst werden. Auch könnt ihr Möbel und Objekte nach Lust und Laune herum schieben, eurem Inventar hinzufügen oder aus diesem entfernen. Euer Mixed Reality Desktop ist also nicht bloß ein passender Weg, um eure VR-Anwendungen schnell aufzurufen, sondern eine eigene VR-Anwendung in sich, in der sich geneigte Nutzer ihr eigenes Zuhause abseits der gewohnten Realität schaffen können.

  • surface-studio.jpg
  • predator-orion-9000.jpg
  • asus-novago.jpg

Noch mehr Zukunftsmusik

Neben diesen beiden Highlights wurden auf dem MS Device Day noch weitere innovative Produkte vorgestellt, darunter etwa das Surface Studio – eine Art interaktives Präsentationsboard, das sowohl als Monitor wie auch als digitales Whiteboard dienen kann, vollständig ausgestattet mit Office Einbindung, beispielsweise zum Einfügen von Tabellen aus Excel, und mit der Möglichkeit, die gezeichneten oder geschriebenen Sheets direkt an die Meeting-Teilnehmer zu senden (und diese später sogar noch weiter zu bearbeiten).

Auch die neuen Surface Books und Laptops wurden gezeigt, wobei hier mittels Microsoft OneNote und Touchscreen beispielsweise Handnotizen am Monitor oder Edits sowie Markierungen mit Stiften direkt im digitalen Dokument vorgenommen werden können.

Mit dem Asus NovaGo wurde zudem ein Laptop vorgestellt, der direkt über integriertes LTE mit dem Internet verbunden werden kann, und mit dem Predator Orion 9000 und der Xbox One S/X war auch die neueste Gaming-Hardware vertreten.

FAZIT

Mein persönliches Highlight auf diesem MS Device Day war eindeutig die Hololens. Trotz Komfort- und Blickfeld-Einschränkungen bietet die Hardware unglaubliches Potenzial für jede Menge spannende Anwendungen im Business- und vor allem auch Gaming-Bereich. Der Preis mag mit 3.000 Euro aufwärts zwar noch gehörig zu Buche schlagen und sich für den Zockermarkt eher weniger eignen, ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich hier in den nächsten Jahren noch einiges tun wird und dann nicht nur die Kosten für Endanwender sinken, sondern auch der Tragekomfort und die Displaygröße gesteigert werden können. Neben Hololens waren auch die Mixed Reality Brillen und Anwendungen interessant – vor allem dank in den Brillen integrierter Sensoren, die es PC-Usern jetzt genau wie PlayStation-Jüngern erlauben, VR schnell, unkompliziert sowie ohne großen Installationsaufwand zu betreiben.

Kommentar abgeben