Onkel Dagobert und Donald Duck – Der Sohn der Sonne

Onkel Dagobert und Donald Duck – Der Sohn der Sonne

Er ist geizig, schrullig, mutig, im Herzen selbstloser als er es sich eingestehen will und wir alle lieben ihn: Uncle Scrooge alias Onkel Dagobert, seines Zeichens die reichste Ente der Welt. Ich durfte meine Nase in den ersten Band der Don Rosa Library stecken. Dieser trägt den Namen Onkel Dagobert und Donald Duck – Der Sohn der Sonne und feiert nicht nur die milliardenschwere Ente, sondern auch jenen Mann, der Onkel Dagobert zu dem gemacht hat, was er heute ist: Don Rosa.

Als Kind der späten 80er war mein erster Kontakt mit der knausrigen Ente die beliebte Zeichentrickserie DuckTales – Neues aus Entenhausen. Es gab wohl kaum etwas aus dem Hause Disney, das in meinen Kindertagen häufiger über den Bildschirm flimmerte, als die Abenteuer von Onkel Dagobert und seinen Großneffen Tick, Trick und Track. Naja, zumindest wenn man Darkwing Duck außen vor lässt.

Ich war gefesselt von dem Witz, den charmanten Charakteren und dem leichten Hauch von Indiana Jones in den Abenteuern. Als ich Onkel Dagobert und Donald Duck – Der Sohn der Sonne zu lesen begann, war ich augenblicklich wieder in diesem Bann. Kein Wunder, wurde die Serie doch maßgeblich von den Werken Don Rosas inspiriert.

Ein Leben für das Abenteuer

Onkel Dagobert wurde 1947 vom einflussreichen Comic-Autor Carl Barks erfunden. Der gefiederte Milliardär gilt bis heute als seine ikonischste Schöpfung, auch wenn er zu Beginn sein Dasein als Nebenfigur fristen musste. Erst in den 50ern rückte Onkel Dagobert – von Freunden auch mal Bertl genannt – immer mehr in den Fokus der Geschichten und bekam letztendlich seine eigene Heft-Reihe.

Carl Barks ist das große Vorbild von Don Rosa, der – wie er im Vorwort rührend erzählt – von klein auf wusste, dass er als Erwachsener Geschichten über die Ducks erzählen will. Diese schicksalhafte Verbindung zu den Figuren führte dazu, dass er selbst, der einen oder anderen glücklichen Fügung sei Dank, zu einem der bekanntesten und wohl auch beliebtesten Zeichner der Entenfamilie wurde. Viele nennen ihn den „neuen“ Carl Barks. Ein Titel, welchen Don Rosa nicht gerne hört, da er sich selbst nicht auf einer Stufe mit seinem verehrten Vorbild sieht.

Doch warum genießt Don Rosa einen solchen Status unter Fans? Nun, seine Werke zeichnen sich durch diverse Eigenheiten aus. So hat er zum Beispiel nie eine professionelle Zeichen-Ausbildung genossen, dadurch wirkt sein Stil ungeschliffener und authentischer als der seiner Kollegen. Er besteht auch darauf, dass seine Ducks nicht in einem Universum mit sprechenden Tieren leben, sondern in unserer Welt. Für Rosa sind Donald, Dagobert und Co. keine „funny Animals“ – wie er es nennt – sondern Menschen, die rein zufällig so aussehen wie Enten. Eine weitere Eigenheit ist, wie der aufmerksame Leser an kleinen Details im Hintergrund merken wird, dass sämtliche Abenteuer aus Don Rosas Feder in den mittleren 50er Jahren spielen. Das hat laut seiner Aussage den Grund, dass er seine Geschichten mit dem Dagobert seiner Kindheit erzählen will, dem Dagobert von Carl Barks.

Der erste Band der Don Rosa Library liefert von ihm persönlich ausgewählte Geschichten. Darunter auch sein Erstlingswerk, dem titelgebenden Sohn der Sonne. Das besondere an dieser Zusammenstellung ist, dass sämtliche Stories komplett überarbeitet wurden, um noch näher der Vision ihres Schöpfers zu kommen. Viel vom Charme des Originals ging damals in den Übersetzungen verloren, da die Texte für das Publikum angepasst wurden, oder der Übersetzer seinen eigenen Stempel aufdrücken wollte. Nun basiert der gesprochene Text eins zu eins der Vorlage. Auch die Farbgebung und diverse Details entsprechen nun den Anforderungen des Künstlers.

Wer darauf hin noch nicht genug hat, kann einen Blick auf originale Skizzen werfen und nach der Versteckten D.U.C.K. Widmung in den einzelnen Panels suchen.

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FAZIT

Ich mag die Ducks! Und so sehr ich die DuckTales liebte, so wenig hatte ich mit den Comics zu tun, da ich in diesem Medium schon immer eher eine Schwäche für Fledermäuse in Strumpfhosen und soziopathische Clowns hatte. Doch das hat sich mit Onkel Dagobert und Donald Duck – Der Sohn der Sonne schlagartig geändert. Jetzt bin ich definitiv auf der Suche nach mehr. Die toll recherchierten und in unserer Welt angesiedelten Abenteuer, die markanten Zeichnungen, der tolle Wortwitz und die unfassbare Liebe zum Detail suchen einfach ihresgleichen. Auch wenn ich, was die Erzählungen von Don Rosa betrifft, nur die Spitze des Eisbergs gesehen habe, so glaube ich verstehen zu können, was die Faszination rund um diesen Künstler ausmacht: Hier ist ein Mensch, der die Figuren, über die er schreibt, liebt! Und ich kann es kaum erwarten sein Schaffen noch mehr zu erforschen!

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