Onkel Toms Spielecke #29: Februar 2017

Onkel Toms Spielecke #29: Februar 2017

Knapp drei Monate ist 2017 schon alt und bisher halten meine (nie gefassten) Neujahrsvorsätze halbwegs. Auch wenn es nicht immer leicht fällt, habe ich es a) bislang geschafft, mit dieser Kolumne halbwegs im Zeitplan zu bleiben und b) lerne ich es langsam, mich bei der Spielebeschaffung an den weisen Worten „weniger ist mehr“ zu orientieren. Fairerweise muss ich aber zugeben, dass der a) auslösende Zeitmangel b) zu erreichen einfacher machte und es c) einfach mal wieder Titel gab, die mich bei der sprichwörtlichen Stange halten konnten.

Er vrt schon wieder

Nach einer längeren Pause habe ich zum Beispiel wieder zwei Titel gefunden, die mich wieder hoffen lassen, dass VR doch eher früher als später ein größeres Publikum erreichen wird können. Beide sind zudem perfekte Beispiele dafür, warum ich Room-Scale-VR  noch immer für die interessanteste Lösung halte.

Abode ist eine weitere VR-Umsetzung des Escape Room-Prinzips. Nicht der erste Titel dieser Art und vor einiger Zeit habe ich z.B. schon VR: Vacate the Room in dieser Kolumne vorgestellt. Wo dieses allerdings eher ein gut gemachtes Techdemo war, ist Abode ein quasi vollwertiges Produkt, mit dem man leicht eine Stunde und mehr verbringen kann. Zahlreiche, unterschiedliche und miteinander verknüpfte Rätsel müssen gelöst werden, bevor sich die Tür der titelgebenden Wohnung öffnet. Neben Köpfchen kommen dabei auch die Steam-Controller kräftig zum Einsatz und stellenweise kann man auch einfach mit den Gegenständen und den Physik-Engine herumalbern – etwas, was man in echten Escape Rooms eher vermeiden sollte.

Abode

Meine zweite kleine „VR ist immer noch großartig“-Offenbarung war das auf den ersten Blick unscheinbare Tethered. Gott-Simulationen in denen man über knuddelige Wesen wacht und diesen beim Auf- und Ausbau ihrer Zivilisation hilft, gibt es viele. Neue Spielideen, wie zum Beispiel die Möglichkeit Wetterwolken zu nutzen um die Spielwelt zu beeinflussen, sind durchaus nett, aber noch keine Revolution. Auch ein Screenshot oder Trailer, ja nicht einmal eine detaillierte Spielbeschreibung kann so richtig zum Ausdruck bringen, was Tethered zu etwas besonderem macht. Ich wage zu behaupten, dass man es erst wirklich dann verstehen kann, wenn man die VR-Brille auf hat und zum ersten Mal wirklich SIEHT, wie eine Gott-Simulation – aber auch viele, viele andere Genres – in VR sein könnten. Zoomen ist eine praktische Sache, aber nichts im Vergleich zum Gefühl sich zu bücken, um den von uns beschützten kleinen Wesen näher zu sein. Wozu die Kamera schwenken und kippen, wenn man doch einfach mit einen Schritt machen und über oder um den Berg herumschauen kann? Tethered mag das Genre nicht revolutionieren, aber in der ungewohnt starken Immersion in die Spielwelt kann man sich problemlos für Stunden verlieren.

Tethered

Ein bugverseuchtes Spiel

Heimlich, still und leise zum wahren Zeitfresser hat sich allerdings ein anderer Titel: Hollow Knight entwickelt. Als mysteriöser Fremder erforschen wir ein unterirdisches Königreich von Insekten, das seine besten Tage schon lange hinter sich hat. Die Gänge sind von den reanimierten und wenig freundlichen Überbleibseln der ehemaligen Bewohner bevölkert, die von einer mysteriösen Seuche dahingerafft wurden. Die abwechslungsreichen und hübschen, handgezeichneten Grafiken sorgen gemeinsam mit der stimmungsvollen Musik für eine spannende Atmosphäre. Gepaart mit soliden Spielmechaniken möchte ich das Spiel gerne als kleine Perle und echten Geheimtipp für Fans des Metroidvania-Genres outen. Nach Dust: An Elysian Tail ein weiterer Vertreter dieses Genres, der es mir so richtig angetan hat – und das, obwohl ich Metroid nie und aus der Castlevania-Reihe gerade einmal einen Titel gespielt habe.

HollowKnight

Apropos nicht gespielt

Unlängst musste ich mich einer weiteren, nicht wirklich zu erklärenden Eigenheit meiner Computer- und Videospiel-Persona stellen: Ich habe im Laufe der Jahre sehr, sehr viele Rollenspiele auf PC und Konsole gesammelt. Das scheint ja noch irgendwie einleuchtend, denn Story, Atmosphäre und Hintergrundgeschichte sind mir in Spielen extrem wichtig. Außerdem lese ich ausgesprochen gerne und viel und beteilige mich – wenn auch extrem selten – sogar an einer Pen&Paper-Rollenspiel-Runde. Alles Indizien für den klassischen Rollenspieler – möchte man meinen. Ich besitze die wichtigsten Genre-Vertreter Titel der Vergangenheit und Gegenwart, dank Steam, GOG, Remakes & Co. in vielen Fällen sogar mehrfach. Auf Kickstarter habe ich Titel wie Pillars of Eternity, Wasteland 2, Torment: Tides of Numenera und viele, viele mehr immer gerne unterstützt.

Torment

Was aber tue ich fast nie? Rollenspiele spielen. So wirklich bewusst ist mir diese Absurdität geworden, als ich unlängst überlegt habe, dass ich mich darüber freue, dass Final Fantasy VII ein „richtiges“ Remake bekommt und Kingdom Hearts HD 1.5 & 2.5 Remix bald auf der PS4 erscheint. Dann aber ein kurzer Reality- und Regal-Check: Final Fantasy VII? 1x die PC-Version, 1x die PlayStation-Fassung für PSP gekauft. Gespielt: drei oder viermal angefangen, insgesamt keine zehn Stunden Spielzeit und die Geschichte damit nicht einmal angekratzt. Noch schlimmer die Situation bei Kingdom Hearts. PlayStation 2-Version erster UND zweiter Teil? Check. PS3 HD-Remix erster und zweiter Teil? Ebenfalls anwesend. Spielzeit erster Teil: weniger als fünf Stunden. Zweiter Teil „logischerweise“ überhaupt null gespielt, weil „ich muss ja zuerst den ersten Teil spielen“. Und trotzdem denke ich darüber nach, mir die Titel ein DRITTES Mal zu holen? Keine Angst, das Kopfschütteln ist normal … Ich muss mir wohl eingestehen: Ich bin ein Jäger und Sammler, ein Completionist besonderer Ausprägung, der sie einfach (fast) alle haben muss. Andererseits wer weiß: Vielleicht gewinne ich mal im Lotto (ich spiele nicht), werde längerfristig arbeitslos (als Workaholic eine ganz eigene Art von Folter) und habe dann endlich die Zeit und Muße all diese Titel zu spielen. Allein mir fehlt der Glaube …

KingdomHearts

Genug der Selbstanalyse, ich hoffe einfach mal, dass die Laienweisheit, dass, wer sich selbst für verrückt hält gar nicht so schlimm dran ist, wahr ist. Wir lesen uns beim nächsten Mal – sofern mich keine hübsche weiße Hab-mich-lieb-Jacke vom Schreiben abhält …

Euer Onkel Tom

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