PlayStation Classic: Must-Have oder Staubfänger?

PlayStation Classic: Must-Have oder Staubfänger?

Auf der diesjährigen Tokyo Game Show hatte Sony zur großen Freude vieler Nostalgiker (und solcher die es noch werden wollen) angekündigt, den 20. Geburtstag der PlayStation stilvoll mit einer HDMI fähigen Mini-Variante ihrer Klassikerin, inklusive zwei Dutzend vorinstallierter Spielen zu begehen. Nunmehr ist auch bekannt, welche Spiele das sein werden, also höchste Zeit, einen Blick zu riskieren und die Frage zu erörtern: Lohnt sich die Anschaffung der PlayStation Classic überhaupt?

Vorweg sei bereits verraten, dass die Antwort auf diese Frage – Überraschung – zu einem Großteil von den eigenen Erinnerungen und Erwartungen abhängt, jedoch nicht nur. Hier wollen wir jedenfalls das Für und Wider möglichst begründet abwägen. Aus diesem Grund werden wir uns zunächst die Spieleauswahl genauer ansehen und uns anschließend jener Software widmen, welche die PlayStation Hardware emuliert .

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Die Spiele

Wir alle hatten nach Ankündigung der PlayStation Classic wohl eine mehr oder weniger deutlich ausgefertigte Wunschliste an Spielen vor dem geistigen Auge, die wir gerne auf Sonys Mini-Konsole gesehen hätten. Mit Final Fantasy VII, Metal Gear Solid, Oddworld: Abe’s Oddysee, Resident Evil Director’s Cut und Tekken 3 hat Sony zweifelsohne zentrale Klassiker in das Portfolio aufgenommen, die bei der Mini-Variante der PlayStation nicht fehlen hätten dürfen. Darüber hinaus hat Sony auf eine ausgewogene Auswahl der unterschiedlichen Genres geachtet und einen bunten Mix zusammengestellt. Folgende Spiele sind enthalten:

  • Battle Arena Toshinden™
  • Cool Boarders 2
  • Destruction Derby
  • Final Fantasy VII
  • Grand Theft Auto
  • Intelligent Qube
  • Jumping Flash!
  • Metal Gear Solid
  • Mr. Driller
  • Oddworld: Abe’s Oddysee®
  • Rayman
  • Resident Evil™ Director’s Cut
  • Revelations: Persona
  • Ridge Racer Type 4
  • Super Puzzle Fighter II Turbo®
  • Syphon Filter
  • Tekken 3
  • Tom Clancy’s Rainbow Six
  • Twisted Metal
  • Wild Arms

Beat-em Ups/ Fighting Games

Bei Battle Arena Toshinden (1995 – Tamsoft) handelt es sich um Sonys Antwort auf Segas Virtual Fighter. Es hat die Mechanik des Sidesteps – wie sie später auch in Tekken 3 zum Einsatz kam – gleichsam in das Genre eingeführt und damit erstmals die dritte Dimension eröffnet. Zudem beharken sich die Polygonkrieger hier wechselseitig mit den unterschiedlichsten Hieb- und Stichwaffen. Aus historischen Gründen und seiner Rolle als Avantgarde ist Battle Arena Toshinden keineswegs unbedeutend. Ob es jedoch als zentraler Teil einer PlayStation-Anthologie zu gelten hat kann, angesichts der starken Konkurrenz nicht berücksichtigter Titel, bezweifelt werden. Wenn schon ein Battle Arena Toshinden, so wäre einer der späteren Serienteile sicherlich geeigneter gewesen.

Mit Tekken 3 (1997 – Namco) hat Sony der PlayStation Classic nicht nur den kommerziell erfolgreichsten Teil der Serie beigelegt, sondern zugleich das viertmeistverkaufte Spiel der Playstation. Aufbauend auf den Stärken seiner Vorgänger war es im dritten Eintrag in die Serie nunmehr möglich durch geschickte Schritte zur Seite (in oder aus dem Hintergrund) gegnerischen Angriffen auszuweichen. Ein Manöver, das nicht zuletzt dadurch spielerische Bedeutung erlangte, dass die Sprunghöhe der Charaktere deutlich reduziert wurde und Springen somit kein probates Mittel mehr war sich jeglicher gegnerischer Angriffe zu erwehren.

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Rennspiele

Cool Boarders 2 (1997 – UEP Systems) ist ein Snowboard-Rennspiel, dessen Vorgänger, Cool Boarders, als Wegbereiter berühmterer und besserer Genrevertreter der Extremsport-Spiele bezeichnet werden kann. Tony Hawks wäre die bessere Wahl gewesen, wenngleich dies wohl rechtetechnisch schwieriger zu bewerkstelligen gewesen wäre.

R4: Ridge Racer Type 4 (1998 – Namco) ist, nomen est omen, der vierte Eintrag in die Ridge Racer Serie.

Dass das am häufigsten verkaufte Spiel der PlayStation, Gran Turismo (1997 – Polyphony Digital), auf der Classic fehlt, lässt sich ebenso mit Lizenzschwierigkeiten begründen.

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Combat Racing Games

Destruction Derby (1995 – Reflections Interactive) beeindruckte seinerzeit mit einer eigenen Physiksimulation, individuell verformbaren Karosserien (je nach Aufprallgeschwindigkeit und -winkel), herumfliegenden Splittern, sowie einem damit einhergehenden Schadensmodell, das sich auch auf die Steuerbarkeit des fahrbaren Untersatzes auswirkte; so führte eine zerstörte Kühlung zur Überhitzung des Motors und damit zum unfreiwilligen Stillstand des Fahrzeuges.

Twisted Metal (1995 – Single Trac/ Sony) ist im Gegensatz zu Destruction Derby keine wirkliche Softwareumsetzung des amerikanischen Demolition Derby, respektive europäischen Stockcar, sondern ein waffenbasierter Verschrottungsreigen motorisierter Gefährte mit eigener Geschichte: An Heiligabend im (damals noch) fernen 2005 trafen sich die von Calypso per Mail handverlesenen Fahrer zum 10. Jubiläum des jährlich stattfindenden Twisted Metal Turniers auf Leben und Tod (ein weiterer Beleg dafür, dass eine solide Hintergrundgeschichte, wenngleich wünschenswert, eben doch nicht alles ist).

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(Japanische) Rollenspiele ([J]RPGs)

Nach Portierung auf zahlreiche andere Plattformen lässt sich Final Fantasy VII (1997 – Square) – das zweithäufigste verkaufte PlayStation Spiel – nun also in Bälde auch auf der PlayStation Classic genießen (ein Remake ist gerade im Entstehen). Gemeinsam mit Cloud Strife und seinen Kumpanen erforschen wir den Planeten, später Gaia getauft und erwehren uns in rundenbasierten taktischen Kämpfen uns widrig Gesinnter. Bereits das Intro, die Stadt Midgar umhüllt von rauchenden Industrieschloten, verweist auf die dem Titel inhärente Kritik an der technisch-industriellen Modernisierung und ist damit (leider) so aktuell wie eh und je. Die Geschichte um Cloud und Hauptbösewicht Sephrioth ist mehr als verdient Teil des Repertoires. Bemängeln lässt sich lediglich, dass es nur der siebente Teil auf die Classic geschafft hat. Aber bei einer Obergrenze von 20 Titeln ist dies nachvollziehbar.

Mit Revelations: Persona (1996 – Atlus) ist der erste und daher meines Erachtens nicht ganz repräsentative, Teil der – ebenso wie Final Fantasy – noch immer fortgesetzten und bekannten Persona Reihe auf der Classic enthalten. Bei Persona handelt es sich um ein Spin-off der Shin Megami Tensei Reihe, die sich mit dem Okkulten beschäftigt. Auch der erste Teil handelt von einer Schulklasse, deren Schüler dazu in der Lage sind physische Manifestationen ihrer Psyche – die titelgebenden Persona – zu beschwören. In der First-Person-Ansicht erkunden wir Dungeons (nach typischer Manier eines dungeon crawls wie beispielsweise Eye oft he Beholder oder etwas rezenter Legend of Grimrock) und kämpfen in zufallsgenerierten, rundenbasierten Gefechten vermittels unserer Persona gegen allerlei untotes und dämonisches Gesocks, das die Stadt der Teenager befällt. Nicht zuletzt wegen der misslungenen Lokalisation – Charaktere wurden mithilfe fragwürdigster Stereotype an den amerikanischen Markt angepasst, Verweise auf Japan wurden ebenso wie eine ganze Quest einfach entfernt (allererst 2009 wurde das Original unter dem Titel Shin Megami Tensei: Persona für die PSP portiert) – wäre der zweite Teil die bessere Wahl gewesen, wenngleich auch dieser (aus heutiger Sicht) primär noch auf serienuntypische Elemente setzt.

Wild Arms (1996 – Media.Vision) ist das dritte Rollenspiel im Bunde, das sich auch durch seine Westernatmosphäre auszeichnet. Es handelt sich hierbei um ein klassisches Rollenspiel, dessen Geschichte in Filgaia spielt, einem Planeten, der kurz vor der Zerstörung steht und vor allem durch weite Wüsten, ausgetrocknete Landschaften, riesige Schluchten und Canyons gekennzeichnet ist (Mitte der 90er war scheinbar noch klar, dass mit der Erderwärmung nicht zu spaßen ist und ehest möglich zu handeln gewesen wäre). Zu Beginn stehen drei Protagonist zur Auswahl, deren Vorgeschichte zunächst getrennt von den jeweils anderen beiden Figuren erkundet werden kann, bevor sie dann im Verlauf der Geschichte aufeinandertreffen und fortan gemeinsam durch die Lande von Filgaia streifen. In rundenbasierten Kämpfen schickt sich die Gruppe an, wie könnte es anders sein, die Welt zu retten. Highlight des Spiels ist sicherlich das liebevoll gezeichnete und orchestral untermalte Anime-Intro.

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Action Adventure

Ursprünglich für MS-DOS und Microsoft Windows erschienen wurde Grand Theft Auto (1997 – DMA Design) mit ein paar Monaten Verspätung auch für die PlayStation umgesetzt. Der erste Teil der Kult-Serie zeigt das Geschehen, ebenso wie der zweite Teil, noch aus einer Top-Down-Ansicht. In drei verschiedenen Städten nehmen wir Aufträge an und machen die Spielewelt zu Fuß, vor allem aber im Auto unsicher. In GTA treiben wir uns erstmals in Liberty City, Vice City und San Andreas herum. Alle drei Städte werden auch in späteren Teilen wieder besucht. Aus, erneut, historischen Gründen macht es durchaus Sinn GTA in den illustren Reigen an Spielen der PlayStation Classic aufzunehmen. Vielleicht wäre jedoch GTA 2 die bessere Wahl gewesen, wenngleich das Setting ein Futuristisches war, da bei einigen Mechaniken nochmals nachgeschärft wurde und es insgesamt das rundere Spielerlebnis bot.

Mit Metal Gear Solid (1998 – Konami) ist der dritte Teil Hideo Kojimas Metal Gear Reihe und damit einer der wichtigsten Wegbereiter des Stealth-Genres in die Spieleauswahl der PlayStation Classic aufgenommen worden. Als Solid Snake infiltrieren wir eine Nuklearwaffenfabrik auf Shadow Moses, einer entlegenen Insel der Fox Islands Alaskas, um der abtrünnigen Spezialeinheit FOXHOUND Einhalt zu gebieten. Erstmals findet das Geschehen in einer dreidimensionalen Umgebung statt. Solid Snake selbst steuern wir zwar nicht mehr aus einer isometrischen Perspektive von schräg oben, jedoch auch nicht wirklich aus der Third-Person Ansicht, sondern weiterhin von einer eher erhöhten Kameraposition aus.

Mit dem Resident Evil Director’s Cut (1997 – Capcom) hat Sony ein Update des ersten Eintrags in die Resident Evil Reihe berücksichtigt und mit ihm den Klassiker des Survival-Horrors auf die PlayStation Classic gepackt. Ursprünglich 1996 erschienen sollte der im darauffolgenden Jahr veröffentlichte Director’s Cut die lange Wartezeit auf Resident Evil 2 überbrücken. Auch wenn mittlerweile ein (sehr gelungenes) Remake des Spiels für so ziemlich alle aktuellen Plattformen vorliegt, so ist der Director’s Cut sicherlich noch immer einen Ausflug wert, um die Wurzeln der Reihe in ihrer vollen Pracht zu bestaunen. Gespannt dürfen wir zudem sein, ob wir nunmehr, neben der PC-Version, erstmals in Europa eine Konsolen-Version von Resident Evil erhalten, die das ungeschnittene und farbige Intro-Video enthält oder ob erneut die Heckenschere ausgepackt wurde, um das amerikanische und europäische Publikum Jahre später nicht doch noch nachhaltig zu verstören.

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Puzzle Spiele

Intelligent Qube (1997 – Epics) ist eines von drei Puzzle Spielen auf der PlayStation Classic und ein immer wieder genannter Geheimtipp. Wir steuern eine Figur auf einem, aus Würfeln zusammengesetzten Spielfeld, das vier Quader breit ist und in der Länge, je nach Schwierigkeitsgrad, variiert. Eine gewisse Anzahl von Blöcken erhebt sich aus dem Spielfeld und wandert auf uns zu, um uns vom Feld zu drängen. Die Aufgabe besteht darin mithilfe der Spielfigur bestimmte Felder zu markieren, um die sich auf uns zubewegenden Würfel aufzulösen.

Mr. Driller (2000 – Namco) war ursprünglich als dritte Teil der Dig Dug Serie geplant, wurde dann jedoch als eigenständiges Spiel veröffentlicht. In einer Kombination aus Dig Dug und Tetris graben wir uns durch Würfel, die vor allem vier Hauptfarben (rot, blau, grün und gelb) aufweisen. Würfel derselben Farbe können sich ab vier Stück zu größeren Gebilden verbinden. Das Ziel des Spiels besteht folglich darin durch gezieltes Entfernen bestimmter Würfel möglichst hohe Kombinationen herbeizuführen und dabei zugleich aufzupassen nicht von den Würfeln zerquetscht zu werden.

Den Abschluss des Puzzle-Genres macht Super Puzzle Fighter II Turbo (1996 – Capcom). Hierbei handelt es sich um ein von Puyo Puyo und Tetris inspiriertes Spiel. Vom oberen Bildschirmrand fallen jeweils paarweise aneinandergebundene Edelsteine herunter; mal gleich- mal verschiedenfärbig, mal in Kombination mit Sondersteinen. Das Ziel besteht erneut darin Kombinationen zu erstellen, um die Edelsteine aufzulösen. Wie der Name es bereits ankündigt sind die spielbaren Figuren Street Fighter entnommen. Diese werden als animierte Avatare in der Mitte des Bildes angezeigt. Ein richtiges Stree Fighter Beat-em Up anstelle dieses Puzzle Spiels wäre auch vertretbar gewesen.

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Plattformer/ Jump `n` Run

Den Anfang macht in dieser Rubrik (nach alphabetischer Reihung der Spiele) Jumping Flash! (1995 – Exact/ Ultra), welches Sony als einen „der ersten 3D-Plattformer“ anpreist. Laut Wikipedia hält es gar den Guinness Weltrekord als erster wirklicher 3D-Plattformer. Wir schlüpfen in die metallische Gestalt von Robbit, einem Roboter-Hasen, den wir aus der Ego-Ansicht in hohen Bögen springend durch die Level steuern.

Oddworld: Abe’s Oddysee (1997 – Oddworld Inhabitants) ist nun wiederum nicht nur ein echter Klassiker, sondern zugleich ein herrlich skurriles Spiel. Der Protagonist ist der titelgebende Abe, der hier nicht nur eine wahrlich verrückte Odyssee erlebt, sondern dieselbe zugleich erzählt. Abe ist ein Mudokon und damit ein Mitglied der Sklaven-Rasse in Oddworld. Dementsprechend arbeitet er als Reinigungskraft bei RuptureFarms, einer Fleischverarbeitungsfabrik unter der Leitung von Molluck the Glukkon. Da den Produkten von RuptureFarms die Zutaten für ihre begehrtesten Produkte ausgehen, schmieden Leitung und Vorstand den Plan einfach ihre eigenen Sklaven zu einer neuen Delikatesse zu verarbeiten. Abe bekommt Wind von diesem Plan und entscheidet sich kurzer Hand zur Flucht. In klassischer Side-Scroller Manier (vergleichbar mit Prince of Persia) steuern wir Abe durch die Level und verhelfen ihm und anderen Mudokon zur Flucht aus RuptureFarms. Dabei ist das Spiel durchaus auch rätsellastig, da es immer wieder darum geht den schießwütigen Wachen durch Einsatz aller Fähigkeiten Abes zu umgehen oder auszuschalten.

Auch Rayman (1995 – Ubi Pictures), die Kreatur ohne Verbindung zu seinen Extremitäten, hat seinen Weg auf die PlayStation Classic gefunden. In der Welt Raymans sorgt das große Protoon für Harmonie. Doch wie wir im Intro erfahren,  raubt eines Tages Mr. Dark dasselbe, wodurch die um das Protoon kreisenden Elektoons aus dem Gleichgewicht geraten und in alle Winde zerstreut werden. Verschiedenste Monster tauchen auf, fangen die Elektoons und sperren sie in kleine Käfige, die sie über die verschiedenen Level verteilt bewachen. Rayman soll es nun mit unserer Hilfe wider richten und das Protoon zurückerobern. Im Laufe des Abenteuers erhält Rayman immer mehr Fähigkeiten: kann er zu Beginn nur laufen und springen lernt er bald seine Faust zu schwingen und von sich wegzuschleudern, seine Haare wie einen Propeller zu drehen und dadurch kurzzeitig zu schweben oder Samen zu pflanzen, um Blumen wachsen zu lassen, die ihm fortan als neue Plattformen dienen. Ein wunderschön gezeichneter 2D Side-Scroller, der das Dark Souls meiner Kindheit war, mit dem Unterschied, dass ich den Abspann nie gesehen habe. Rayman war und ist richtig schwierig.

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Shooter

Syphon Filter (1999 – Eidetic) ist ebenso wie Metal Gear Solid ein Vertreter der Schleichspiele, das jedoch einen deutlich stärkeren Fokus auf Schießeinlagen und damit auf Action legt. Wir steuern Gabriel Logan, einen Agenten, aus der Third-Person Perspektive. Zusammen mit unserem Partner Lian Xing sind wir auf der Jagd nach dem Terroristen Erich Rhoemer, wobei uns die Ermittlungen immer tiefer in das kriminelle Geflecht eines internationalen Pharmazie- und Biotechnologiekonzernes führen.

Tom Clancy’s Rainbow Six (1999 – Red Storm Entertainment) wurde zunächst, ebenso wie GTA, für Microsoft Windows veröffentlicht und allererst im darauffolgenden Jahr für die damals aktuelle Konsolengeneration und Mac OS portiert. Der erste Teil dieser Reihe von Taktik-Shootern wird, serientypisch, aus der First-Person-Perspektive gespielt. Vor den Einsätzen gilt es diese am Reißbrett zu planen, um die KI-Kollegen auf den eigenen Plan einzuschwören. Diesen Titel hätte es meinem Dafürhalten nach tatsächlich nicht gebraucht. Weder hat die Reihe die PlayStation sonderlich geprägt, noch ist der Titel sonderlich gut gealtert. Schade um den vergebenen Platz, vor allem angesichts all der Titel und Serien, die es nicht auf die Classic geschafft haben (aber dazu gleich mehr).

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Damit wären alle 20 Spiele der PlayStation Classic, nach Genre gegliedert, kurz dargestellt. Als geneigter Liebhaber der PlayStation Klassiker bleibe ich jedoch etwas ratlos zurück. Wo sind all jene Serien/ Titel geblieben, die untrennbar mit der PlayStation verbunden sind: Gran Turismo, Tomb Raider, Crash Bandicoot, Castlevania: Symphony of the Night, Spyro, das bereits angesprochene Tony Hawk’s Pro Skater, Wipeout, R-Type, Silent Hill oder Parasite Eve, um nur eine Handvoll an fehlenden Klassikern zu nennen? Einige der von Sony ausgewählten Titel hätten ohne Zögern durch einen der hier genannten ersetzt werden können, wenn nicht gar müssen.

Aber wie sagt die englischsprachige Weltbevölkerung nicht so schön: „Don’t cry over spilled milk.“ Auch Sonys Auswahl wird ihre Verfechter finden und das ist auch gut so. Schließlich sollte man sich selbst nie so ernst nehmen, als dass man in Verlegenheit gerät sich und seine eigene Meinung zum Maß aller Dinge zu erheben, überhaupt dort wo es primär um Fragen des Geschmacks geht.

Mit diesem versöhnlichen Schlusswort zur Spieleauswahl wollen wir zum Emulator der PlayStation Classic übergehen, der meines Erachtens den eigentlichen Knackpunkt darstellt und das gesamte Unterfangen nochmals unter einem ganz anderen Licht erscheinen und dadurch grundlegend kritikabel werden lässt.

Der Emulator

Während Nintendo für die Mini-Versionen ihres Nintendo Entertainment Systems (NES Classic Edition) und Super Nintendo Entertainment Systems (SNES Classic Edition) eine eigene Softwarelösung zur Emulation der entsprechenden Hardware entwickelte, hat Sony sich mit dem PCSX ReARMed für einen Open Source Variante entschieden. Dieser ist nun alles andere als ein schlechter Emulator. Ganz im Gegenteil. Ich übe keineswegs Kritik an der Qualität der Software, vielmehr an der mit dieser Entscheidung einhergehenden Praktik Sonys. Denn, wie bereits erwähnt, ist der PCSX ReARMed ist ein Open Source Emulator, den Sony nun kommerzialisiert. Besonders pikant wird die Geschichte dadurch, dass Sony bereits gerichtlich gegen den Hersteller (Bleem!) eines ebenfalls kommerziell vertriebenen Emulators vorgegangen ist. Sony wird darauf geachtet haben, dass die Verwendung von ReARMed rechtens abläuft. Aus unternehmens-ethischer Perspektive jedoch bleibt dieses Vorgehen mehr als nur fragwürdig. Und auch wenn der PCSX ReARMed ein guter Emulator ist, so kann er aufgrund seiner Natur doch nicht so reibungslos funktionieren, wie von Sony selbst entwickelte Emulatoren, da er ohne intimste Kenntnis der PlayStation und ihrer Software auskommen muss; Kenntnisse die schlechterdings nur die Programmierer und Konstrukteure Sonys besitzen können.

Damit stellt sich abseits der ethischen und moralischen Bedenken die Frage, warum Nutzer für diese Lösung zusätzlich Geld ausgeben sollten, wenn sie besagte Spiele bereits besitzen, respektive günstiger im Original erstehen können, als die PlayStation Classic selbst? In diesem Fall können die Spiele auf einem Emulator der eigenen Wahl, der dann auch individuell angepasst werden kann, gespielt werden. Dank der grassierenden Retro-Welle gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten und Anleitungen sich eine eigene kleine Retro-Konsole zusammenzubauen. Verwiesen sei etwa auf einen Raspberry Pi mit Retropie oder Recalbox als Betriebssystem und Emulator.

Darüber hinaus liegt der Reiz der Sammlung originaler Hardware auch darin die Spiele auf einer nativen Umgebung, in diesem Fall einer eigens von Sony entwickelten Emulationslösung, spielen zu können, einerseits um ein tatsächlich reibungsloses Spielvergnügen zu gewährleisten, vor allem aber andererseits, weil auch die Software Teil der Sammlung ist. Um dieses doppelte Vergnügen wurden wir durch die Wahl eines Open Source Emulators wohl betrogen.

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3. Das (vorläufige) Fazit

Was nach eingehender Vorabprüfung der PlayStation Classic bleibt ist ein fahler Nachgeschmack. Sony hat bei der Auswahl der 20 vorinstallierten Titel zwar sorgfältig darauf geachtet, dass unterschiedlichste Genre, in ausgewogener Verteilung, vertreten sind; zugleich wurden jedoch unzählige Klassiker, die die PlayStation einst prägten, nicht berücksichtigt und mitunter weniger bekannten Genrevertretern der Vorzug gegeben. Somit ist die Spieleauswahl selbst keine zwingende Kaufempfehlung. Dazu gesellt sich die – aus ethisch-moralischer und performancetechnischer Perspektive – fragwürdige Entscheidung Sonys mit dem PCSX ReARMed einen Open Source Emulator und keine native Oberfläche zum Einsatz kommen zu lassen. Da uns Usern dieser Emulator allerdings ohnehin kostenlos zur Verfügung steht, macht auch dieser aus der PlayStation Classic keinen unmittelbaren Pflichtkauf. Vielleicht reißt die grundlegende Qualität des Geräts das Ruder nochmals herum und vermag meine Einwände wegzuwischen. Der Release desselben am 03. Dezember wird es demnächst zeigen. Die Spannung steigt.

Was ist die PlayStation Classic? Eine Mini-Nachbildung der ersten PlayStation-Konsole, mit 20 kultigen Spielen bereits vorab geladen.
Entwickler / Publisher: Sony
Release: 3. Dezember 2018
LinkOffizielle Webseite

 

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