Filmkritik: Alien Covenant
Wertung 2

1979 erschuf Ridley Scott mit Alien – Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt ein Meisterwerk und lies eines der ikonischsten Monster der Filmgeschichte auf das Publikum los. Nun werden wir in Alien Covenant Zeuge wie Scott sein eigenes Erbe zu Grabe trägt. Die Story leidet an dummen Figuren, vorhersehbaren Twists und entmystifiziert mal eben im vorbeigehen eines der ikonischsten Monster der Filmgeschichte.

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Originaltitel: Alien Covenant
Start: 18.05.2017
Länge: 123 Min
Regie: Ridley Scott
Cast: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Cudrup, Danny McBride, James Franco, Carmen Ejogo, Guy Pearce, Nathaniel Dean

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Filmkritik: Alien Covenant

1979 schuf Ridley Scott mit Alien – Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt eines der ikonischsten Monster der Filmgeschichte. Die Erwartungen waren dadurch natürlich groß, als 2010 verkündet wurde, dass der Vater des Schreckens 2012 mit Prometheus zum Alien-Franchise zurückkehren würde. Scotts Comeback konnte allerdings die Wenigsten überzeugen und entmystifizierte die unter Fans hochpopulären Space-Jockeys. Jetzt, fünf Jahre später, werden wir nun in Alien Covenant Zeuge wie Ridley Scott die gewaltige und mysteriöse Natur seiner eigenen Schöpfung endgültig zu Grabe trägt…

Handlung

Die Handlung von Alien Covenant setzt ca. 10 Jahre nach Prometheus ein: Die Covenant, ein Kolonisationsraumschiff mit rund 2000 in Kryo-Schlaf versetzten Seelen an Bord, ist auf den Weg zu einem am äußersten Rand der Galaxie befindlichen Planeten um dort ein neues Leben zu beginnen. Ein Zwischenfall, welcher das Raumschiff schwer beschädigt, zwingt den Androiden Walter (Michael Fassbender) Teile der Crew frühzeitig aus den Kryo-Schlaf zu wecken. Durch Zufall stoßen sie auf ein mysteriöses, von Menschen verursachtes, Signal von einem unbekannten Planeten. Die Crew beschließt der Sache auf den Grund zu gehen, und so nimmt der Alptraum seinen Lauf…

Kritik

Der Film Alien – Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt, welcher in den ersten Drehbuch-Entwürfen von Dan O´Bannon noch Starbeast hieß, wurde 1979 von einem noch jungen und relativ unbekannten Ridley Scott mit minimalem Budget gefilmt. Obwohl als B-Movie konzipiert schaffte es Scott mit seinem Talent aus dem Stoff einen Film für die Ewigkeit zu machen. Dies hatte drei Gründe:

1. Mit seinem dreckig – düsteren Setting und rauen menschlichen Figuren war der erste Alien der gekonnte Gegenentwurf zur bis dato vorherrschenden positiv -strahlenden und „sauberen“ Interpretation der SciFi, welcher 1977 in Star Wars von George Lucas seinen Höhepunkt erreichte.
Alien stellte nicht die Heldenreise, oder den Aufstieg utopischer Zivilisationen in den Mittelpunkt, sondern thematisierte den Kampf ums überleben im Angesicht der nackten Angst vor dem Unbekannten.

2. Sigourney Weavers Ellen Ripley war als erste starke, weibliche Hauptfigur in dem von Männern dominierten Horror-,SciFi- und Actiongenre wegweisend.

3. Das Alien selbst. Von HR Giger entworfen und dem 2,08 großen Bolaji Badejo verkörpert, wurde das Xemomorph (diese Bezeichnung wurde allerdings erst in Aliens von James Cameron eingeführt) zum Inbegriff des Schreckens welcher in der Isolation des Alls warten könnte.

Der Film traf den Nerv der Zeit, der Rest ist Filmgeschichte.

© 2017 Twentieth Century Fox | Szenenbild aus " Alien Covenant"

© 2017 Twentieth Century Fox | Szenenbild aus „Alien Covenant“

Es folgten drei Fortsetzungen, wobei nur Aliens von James Cameron dem Erstling ebenbürtig war, obwohl, oder vielleicht gerade weil er einen gänzlich anderen Ansatz als Scotts Version verfolgte. Aliens verabschiedete sich zum großen Teil vom Horror seines Vorgängers und trumpfte dafür mit Action der Extraklasse auf. Cameron schrieb die Geschichte und das Drehbuch selbst und erweiterte das Alien-Universum um Elemente die heute daraus nicht mehr wegzudenken sind, wie die Alien-Königin.

Warum aber konnten die Fortsetzungen nie die Klasse der ersten beiden Teile erreichen, trotz talentierter Regisseure wie David Fincher (Alien 3)? Die Antwort: weil selbst der begnadetste Regisseur aus einem mangelhaften Drehbuch kein Meisterwerk zaubern kann. Ein Problem mit dem auch Prometheus kämpfen musste und mit dem sich leider auch Alien Convenant konfrontiert sieht.

Zentrales Thema des von John Logan (Gladiator, Spectre, Rango) verfassten Drehbuches ist, ähnlich wie in Prometheus: Schöpfung – und die Frage ob das Geschöpf zum Schöpfer werden kann. Prinzipiell ein guter Ansatz, richtig umgesetzt hätte dies einen guten Film geben können, leider benutzt das Drehbuch diese Frage um einen bösen Fehler zu begehen: es entmystifiziert das Titel-Monster, und das auf gar schmerzlich plumpe Weise.

Prometheus hatte das Problem, dass seine Figuren ein Verhalten bzw. eine innere Logik an den Tag legten, die mehr an kreischende Teenies in Unterwäsche aus jedem X-beliebigen Slasher- Movie erinnerten, als an die hochqualifizierten Top-Wissenschaftler die sie darstellen sollten.
Genau in die selbe Kerbe schlägt leider auch wieder Alien Covenant: Man geht ganz locker, ohne Schutzanzug auf einen Planeten über dessen Fauna- und Bakterienaufkommen man kaum etwas weiß, und wundert sich dann, über diverse Infektionen und Vergiftungen. Man ballert wild in einem Sauerstofflager um sich, nur um dann verwundert festzustellen, dass Sauerstoff leicht entzündlich ist. Diese glorreichen Momente sind leider noch nicht einmal die Perlen an dämlichen Momenten in diesen Film.

Auch versäumt es der Film ganz und gar seine Figuren in irgendeiner Form tiefer auszubauen, der einzige der Substanz zeigte war der Androide Walter, welcher wieder ausgezeichnet von Michael Fassbender verkörpert wurde. Eine Tatsache die umso trauriger ist, da der Cast mit Katherine Waterston, Danny McBride, Billi Curdup, James Franco und dem schon erwähnten Michael Fassbender durchaus sympathisch besetzt ist. Doch leider bekommt keiner der Schauspieler die Chance aus seinen Figuren etwas zu machen, hätte man sie interessanter geschrieben, würde einem als Zuschauer ihr Schicksal mehr fesseln, so bleibt das Ableben mancher Figuren egal. Im übrigen ist das unter den Figuren auch so, was verwunderlich ist, da die Crew zum Zweck der Kolonisierung aus lauter Pärchen besteht, und so kam es vor, dass in einem Moment der Verlust eines geliebten Menschen betrauert wurde nur um zwei Dialogzeilen später wieder einen lockeren Spruch vom Stapel zu lassen.

Der Film sieht natürlich wieder gut aus. Die Spezialeffekte sind erstklassig, auch der Sound und der Score des Filmes sind herausragend, das Creature-Design über jeden Zweifel erhaben, aber leider schafft es Scott nicht das Monster mit der Bedrohung zu inszenieren die ihm gebührt. Es ist zwar da, aber irgendwie komplett nebensächlich. Oft scheint es so, als wollte Scott eigentlich nur die Geschichte rund um den von Fassbender verkörperten Androiden erzählen und das Alien ist lästiges Beiwerk um Fans nicht zu verärgern.

Es stehen uns noch weitere Prequel-Teile von Ridley Scott zu Alien bevor, ein Gedanke der mir früher Freude gemacht hätte, doch heute nur noch Zweifel sät.

© 2017 Twentieth Century Fox | Szenenbild aus " Alien Covenant"

© 2017 Twentieth Century Fox | Szenenbild aus „Alien Covenant“

FAZIT

Ich hatte mich auf Alien Covenant sehr gefreut, als großer Fan des Originals hoffte ich auf eine Rückkehr zu alten Stärken, welche aufgrund der tollen Regie bei Der Marsianer 2015 noch verstärkt wurde. Leider zeigte sich diese Stärke in Alien Covenant nicht mehr. Die Story leidet an dummen Figuren, vorhersehbaren Twists und entmystifiziert mal eben im vorbeigehen eines der ikonischsten Monster der Filmgeschichte. Anrechnen kann man dem Film, dass er sehr gut aussieht, die Effekte überzeugen und Michael Fassbender in jeder Szene zu fesseln weiß. Abschließend bleibt da der bittere Geschmack der Enttäuschung. Ridley Scott sollte sich langsam überlegen ob er nicht doch den Stab für weitere Fortsetzungen an Neil Blomkamp (District 9) abgibt, bevor er selbst die Genialität seines ursprünglichen Meisterwerks von 1979 Stück für Stück zu Grabe trägt.

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