Filmkritik: Bohemian Rhapsody
Wertung 4

Ein überragender Hauptdarsteller, eine extrem aufwendige Produktion und die an sich verdammt interessante Geschichte von Queen, machen den Film zu einem Pflichttermin für jeden Fan der Band und alle die generell Biopics mögen. Nur das auf Kosten der tatsächlichen Geschehnisse überdramatisierte Drehbuch, trübt das Wasser dann doch ein wenig.

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Originaltitel: Bohemian Rhapsody
Start: 31.10.2018
Länge: 134 Min
Regie: Bryan Singer
Cast: Rami Malek, Lucy Boynton, Gwilym Lee, Ben Hardy, Joseph Mazzello, Aidan Gillen, Allen Leech, Tom Hollander

Summary 4.0 geil
Wertung 5
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Summary 5.0 geil

Filmkritik: Bohemian Rhapsody

Das Gerücht über einen Film zur legendären Rockband Queen und vor allem deren zur Ikone gewordenen Frontmann Freddy Mercury, existiert schon seit seinem frühzeitigen Ableben am 24. November des Jahres 1991. Ernsthaft daran gearbeitet wird auch schon seit Jahren, doch kam es Aufgrund vielerlei Problemen nie zu tatsächlichen Dreharbeiten. Zuerst sprang der ursprünglich gecastete Sacha Baron Cohen ab, später wurde Regisseur Bryan Singer gefeuert. Doch nun ist es endlich soweit, das Biopic läuft in den Kinos und wir können uns persönlich davon überzeugen, ob all diese Probleme dem Endprodukt geschadet haben.

INHALT

Nach die mäßig bekannte Band Smile im Jahr 1970 ihren Sänger und Bassisten verliert, kommt den übrig gebliebenen Mitgliedern Brian May und Roger Taylor, der Fan und überaus begabte Farrokh Bulsara gerade recht. Unter dem Namen Freddy Mercury übernimmt er die Rolle als Lead-Sänger und mit neuem Bassisten und dem frischen Namen Queen, macht sich die Band auf, die Welt zu erobern.

Niemand konnte zum damaligen Zeitpunkt ahnen, dass diese Band tatsächlich in die Geschichte der Rockmusik eingehen sollte. Und noch weniger die Entwicklung des anfangs unscheinbaren und später zur Ikone für mehrere Generationen aufsteigenden Freddy Mercury, dessen Leben im November 1991 ein allzu frühes und tragisches Ende nahm.

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© 2018 Twentieth Century Fox

KRITIK

Zwei Dinge strahlen über allem was dieser Film sonst zu bieten hat. Das ist zum einen die Musik der 4 Briten, die bis heute in den Köpfen und Gehörgängen von zumindest 3 Generationen fest verankert ist. Ganz egal ob man Fan ist oder nicht, es gibt nicht viele andere Bands, die von sich behaupten kann, dass so gut wie jeder zwischen 60 und 20, zumindest 10 ihrer Songs beim anspielen erkennt und zumindest 5 davon auswendig mitsingen kann.

Die zweite Sache hört auf den Namen Rami Malek, und der liefert mit seiner Darstellung des Freddy Mercury die Performance seines Lebens ab. Angefangen bei der Mimik, über das zugleich überdrehte und doch immer wieder sehr schüchterne Gehabe, bis hin zur theatralischen Gestik auf der Bühne. In manchen Momenten zweifelt man selbst als Verehrer der Ikone, nicht das Original vor Augen zu haben. Und ganz nebenbei schafft es Malek auch noch die gesamte Bandbreite an Emotionen, dieser zutiefst zerrissenen Persönlichkeit, zu vermitteln.

Es ist fast so als würde Bohemian Rhapsody die Bandgeschichte wiederspiegeln, denn hier wie dort steht der Frontmann allein im Rampenlicht. So wie damals die Bandmitglieder weit mehr wahren als nur Anhängsel und so einiges zum Erfolg von Queen beigetragen haben, stehen auch die anderen Figuren, die alle erstklassig dargestellt sind, immer im Schatten den großen Mannes an der Spitze. Das liegt aber nicht nur an der überragenden Leistung Maleks, sondern zu einem großen Teil auch am Drehbuch.

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© 2018 Twentieth Century Fox

Und dort liegt auch die größte Schwäche des Films begraben. Dass Hauptaugenmerk auf Mercury wurde vielerorts bekrittelt, ist aber nachvollziehbar. Er ist es, was die Leute sehen wollen, so war es schon immer. Alles, über jeden der 4 in einem Film unterzubringen ist zudem ein unrealistischer Wunsch. Was aber auch objektiv gesehen sauer aufstößt sind einige künstlerische Freiheiten in der Darstellung der tatsächlichen Ereignisse. Solche Freiheiten sind grundsätzlich durchaus legitim, doch hier scheinen sie nichts anderem als der Effekthascherei zu dienen und die hat weder der Film, noch die bewegte Geschichte der Band nötig. Das ist doppelt schade, weil es das Script auch ohne künstliche Dramatik durchaus immer wieder schafft, tiefe Emotionen zu transportieren.

Dafür ist der Produktionsaufwand, mit dem dieses Projekt realisiert worden ist, gigantisch. Da auf jegliche Verwendung von Original-Filmmaterial verzichtet wurde. Sind alle Bühnenauftritte, die im Film vorkommen bis ins kleinste Detail nachgestellt. Das gilt für Stage, Kostüme, das Publikum und dessen dem Jahr entsprechende Mode. Highlight hier ist ohne Frage der legendäre Auftritt von Queen bei Live-Aid im Wembley Stadion 1985. Fast das komplette 20 Minuten Set wurde nachgestellt.

Auch was den Gesang im Film angeht, wurde ein riesiger Aufwand betrieben. Maleks, sowie die Stimme eines engagierten Sängers wurde gekonnt mit Originalaufnahmen von Mercury gemixt und klingen so verdammt nah, aber weit genug weg um nicht den Eindruck zu erwecken, all der Gesang käme nur von einer alten Queen CD. Über den Soundtrack an sich, denke ich muss kein Wort verloren werde, denn wer mit Queen nichts anfangen kann, wird sich kaum in diesen Film setzten. Alle anderen werden es lieben.

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© 2018 Twentieth Century Fox

FAZIT

Bohemian Rhapsody ist eine aufwendigst produzierte Liebeserklärung and Queen und vor allem Freddy Mercury. Der Cast, allen voran ein sagenhaft guter Rami Malek, weiß ebenso zu überzeugen wie der Unterhaltungswert. Letzteres natürlich vor allem für Fans der Band, aber ganz und gar nicht ausschließlich. Einzig der überflüssige Versuch der Autoren, die Bandgeschichte dramatischer wirken zu lassen als sie es nötig hat, fällt negativ auf. Trotzdem bleibt der Film ein mitreißendes und bewegendes Biopic über eine der größten Bands des letzten Jahrhunderts.

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