Filmkritik: Mute
Wertung 2

Mute ist leider nur ein Schatten dessen, was er hätte sein können. Dieser Fakt mag meiner eigenen hohen Erwartung an den Film geschuldet sein, doch am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Mute vielleicht als Netflix-Film für verschneite Nachmittage seine Daseinsberechtigung hat. Doch den Kauf einer Kinokarte hätte ich im Nachhinein wohl bitter bereut.

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Originaltitel: Mute
Start: 23.02.2018
Länge: 126 Min
Regie: Duncan Jones
Cast: Alexander Skarsgård, Paul Rudd, Justin Theroux, Seyneb Saleh

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Filmkritik: Mute

Duncan Jones, Regisseur und Sohn von Musiklegende David Bowie, brachte 2010 mit Moon eines meiner persönlichen Highlights des Science-Fiction-Genres auf die große Leinwand. Die mysteriöse Geschichte über einen einsamen Astronauten auf dem Mond, welcher  dort seinem Doppelgänger begegnet, wusste mit einer tollen Geschichte und einem verdammt starken Sam Rockwell zu überzeugen. Auch sein zweites Werk The Source Code mit Jake Gyllenhaal würde ich ohne Bedenken zu den besten Science Fiction Filmen der letzten Jahre zählen. Wie kann es dann sein, dass ein Mann mit zwei solchen Perlen in seiner Filmografie einen Blindgänger wie Mute hervorbringt?

INHALT

Berlin in nicht all zu ferner Zukunft: Der überzeugte Amisch Leo Beiler (Alexander Skasgard) verlor bei einem Unfall in seiner Kindheit die Fähigkeit zu sprechen. Neben dem Zeichnen und der Holzschnitzerei hegt der stumme Barkeeper große Leidenschaft für die geheimnisvolle Naadirah (Seynep Saleh). Als diese eines Tages spurlos verschwindet, macht sich der Hüne auf die Suche nach seiner verschollenen Liebsten. Dabei kreuzt er den Weg mit dem Amerikaner Cactus Bill (Paul Rudd), der sein ganz eigenes Süppchen am kochen hat…

© Netflix International B.V

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KRITIK – Wunderschöne Langeweile

Was bedeutet es für einen Mann, der jede Form von Technik ablehnt, in einer hoch technologischen Zukunft zu leben? Wir werden es nie erfahren, denn Mute verzichtet komplett darauf aus seiner Interessanten Prämisse guten Cyber-Punk zu machen, wodurch sich mir auch gleich die Frage stellt, wieso Duncan Jones eine Zukunftsvision von Berlin als Handlungsort für seine Geschichte gewählt hat. Denn während Filme wie Blade Runner oder eine Serie wie Altered Carbon aufgrund ihrer Story nur in der Zukunft funktionieren können, fehlt Mute das gewisse Etwas. Die Geschichte könnte mit minimalen Änderungen fast eins zu eins in der heutigen Zeit spielen, ohne relevante Verluste im Handlungsverlauf einbüßen zu müssen. Das ist schade, denn Duncans Idee von einem Amisch in einer Cyber-Punk-Metropole hätte sehr viel Potenzial gehabt.

Als ich damals die erste Inhaltsangabe zu Mute las, stellte ich mir Leo als eine zerrissene Figur vor. Jemand der aufgrund seiner Behinderung nicht mit der Umwelt kommunizieren kann und sich daher als Außenseiter und oft alleine fühlt. Die Lösung wäre einfach, doch ist er gefangen in seinem Glauben und verdammt sich so selbst zur Einsamkeit. Als mit Naadirah der einzige Mensch verschwindet, der ihn trotz aller Akzeptanz und Zuneigung zeigt, begibt sich Leo auf die Suche nach ihr. Zugegeben, jetzt wo ich so darüber nachdenke ist diese Charakterisierung Leos vielleicht sogar im Film vergraben, wird aber im besten Fall meistens nur leicht angedeutet. Alexander Skarsgard spielt Leo als einen Menschen der seine Situation durch und durch akzeptiert hat. Er zweifelt selten an seinen Glauben und sein Umfeld ist ihm relativ egal. Unterstrichen wird das ganze von der etwas hölzernen Performance Skarsgards. So wird aus einer potentiell spannenden Figur eine relativ belanglose, welche zwar innerhalb der Geschichte halbwegs funktioniert und auch ihren Zweck erfüllt, aber zu keinen Moment begeistert.

Doch wo der Held nur leicht schimmert strahlen seine Gegenspieler. Allem voran Paul Rudd als Cactus Bill. Rudd, der in seinen Filmen meistens den Sympathieträger gibt, liefert einen herrlich bösen Charakter. Oder nennen wir ihn eher moralisch flexibel. Ja, seine Taten mögen grausam sein, allerdings ist die Motivation dahinter nachvollziehbar und verleiht dieser bösartigen Figur doch etwas Menschlichkeit. Eine klare Stärke des Films. Auch Justin Theroux, als Kinderarzt mit verstörender Neigung war gut gespielt und sorgte für einzelne spannende, bis unangenehme Szenen im Film.

Im Allgemeinen lässt sich nicht viel negatives über die Figuren sagen. Von der Hauptfigur einmal abgesehen sind alle interessant geschrieben, doch gelingt es Duncan Jones nicht, sie ihr Potenzial entfalten zu lassen, da das Korsett der Story des Films leider zu eng geschnürt ist.

© Netflix International B.V

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Die Handlung ist  die große Achillesferse von Mute. Sie plätschert vor sich hin und lässt dabei Höhepunkte vermissen. Was als coole Detektiv-Revenge-Story inszeniert hätte werden können, entpuppt sich als langweiliges und monotones abklappern einzelner Szenen bis hin zum Finale, welches – das muss ich zugeben – dann doch noch die Spannung lieferte die ich mir für den gesamten Film gewünscht hätte. Interessant ist, dass Mute im selben Universum wie Jones´ Erstlingswerk Moon spielt. Wer gut aufpasst könnte vielleicht Sam Rockwell als Sam Bell entdecken und einen kleinen Einblick in sein späteres Schicksal bekommen.

Wer sich von einer schwachen Handlung und einer trägen Inszenierung nicht abschrecken lässt wird zumindest visuell belohnt. Denn Mute sieht verdammt gut aus. Das zukünftige Berlin ist trotz greller Neonbeleuchtung düster und dreckig gestaltet. Ich fühlte mich angenehm an Games wie Deus Ex oder The Observer erinnert. Unterstrichen wird das coole Setting von einem tollen Score, der mit seinen elektronischen Klängen dem Cyber-Punk-Genre alle Ehre macht.

© Netflix International B.V

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FAZIT

Mute ist leider nur ein Schatten dessen, was er hätte sein können. Dieser Fakt mag vielleicht meiner eigenen hohen Erwartung an den Film geschuldet sein, denn schließlich hat Regisseur Duncan Jones schon zwei Mal sehr erfolgreich gezeigt, wie man spannende und durchdachte Science-Fiction inszeniert. Mute punktet leider nur selten mit den Stärken von Moon und Source Code. Konnten die beiden früheren Werke von Duncan Jones zum Beispiel mit starken Hauptfiguren überzeugen, bleibt Protagonist  Leo Beiler leider arg blass. Es mag tief in der Figur vergraben Potenzial für eine interessante Charakterzeichnung verborgen sein, aber dieses wird nicht genutzt. Die Handlung ist über weite Strecken langweilig und träge inszeniert. Erst im Finale baut sich spürbare Spannung auf. Auf der Plus-Seite kann der Film einen starken Paul Rudd, ein tolles Setting sowie einen guten Score für sich verbuchen. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Mute als Netflix-Film für verschneite Nachmittage seine Daseinsberechtigung hat, doch den Kauf einer Kinokarte hätte ich im Nachhinein wohl bitter bereut.

Was ist Mute? Ein Film mit Cyber-Punk Setting über einen stummen Amisch der seine Freundin sucht.
Studio: Netflix
Altersfreigabe: 16+
Release: 23. Februar 2018
LinkOffizielle Webseite

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