Filmkritik: Sonic The Hedgehog
Wertung 3

Sonic The Hedgehog ist zwar durchaus unterhaltsames Kino für die kleinen Besucher, allerdings mit den geringstmöglichen Mitteln und einem hauchdünnen, kaum kohärenten Skript. Dafür aber mit einem an seine Glanzzeiten erinnernden, völlig abgedrehten Jim Carrey.

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Originaltitel: Sonic The Hedgehog
Start: 13.02.2020
Länge: 99 min
Regie: Jeff Fowler
Cast: James Marsden, Jim Carrey, Tika Sumpter, Natasha Rothwell, Adam Pally, Lee Majdoub, Neal McDonough

Summary 3.0 stark
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Filmkritik: Sonic The Hedgehog

Nur selten hat ein Film schon bei Veröffentlichung des ersten Trailers für so viel Aufruhr gesorgt wie eben Sonic The Hedgehog. Die Fangemeinde des klassischen Videospielhelden ist groß und hat, kaum überraschend, nicht gerade positiv auf das für den Film abgeänderte Design des flotten Igels reagiert. Nachdem sich das Studio mit einem kompletten, und wesentlich wohlwollender aufgenommenen, Redesign zurückgemeldet hat, läuft nun der fertige Film endlich in den Kinos und muss beweisen, dass ein gruseliger Sonic das größte Problem dieser Videospiel-Verfilmung war.

INHALT

Der noch sehr kleine, aber blitzschnelle und mit immensen Fähigkeiten ausgestattet Igel Sonic, lebt mit seiner Ziehmutter auf einer idyllischen Insel in einer fantastischen Welt. Sein unbeschwerter Umgang mit seinen Kräften macht leider allerlei Schurken auf ihn Aufmerksam. In einer verzweifelten Rettungsaktion wird Sonic, mithilfe magischer Ringe, auf unserer Erde geschickt.

In dem kleinen Kaff, im Südwesten der USA, in dem er landet, bleibt er den Menschen zwar aus Angst, wieder gejagt zu werden fern, beobachtet die Leute und Vorgänge in dem Städtchen. So bildet er so etwas wie einseitig Freundschaften, etwa mit dem liebenswerten Sheriff der Stadt, ohne sich ihm je gezeigt zu haben. Zehn Jahre vergehen auf diese Weise, und auch wenn sich Sonic immer mehr eine echte Freundschaft wünscht, so ist er doch ganz zufrieden.

Als eines Tages durch einen ungewollten Ausbruch seiner Kräfte die Regierung auf Sonic aufmerksam wird und den genialen, aber zugleich wahnsinnigen Dr. Robotnik auf ihn ansetzt, bleibt dem gehetzten Igel nur eine Wahl: Einen seiner magischen Ringe zu benutzen und in die nächste Welt verschwinden, bevor sie ihn erwischen. Doch da steht plötzlich verdutzte Tom, eben jener Sheriff, vor ihm und macht seinen Plan zunichte.

© 2020 Paramount Pictures and Sega of America, Inc.

KRITIK

Es ist recht offensichtlich, dass sich die Macher hier vom Erfolg des Kassenhits Pokémon Meisterdetektiv Pikachu inspirieren haben lassen. Man nehme eine (besonders bei Kindern) überaus beliebte Videospiel-Franchise, verpflanze deren Helden in unsere Welt und lässt sie spaßige und unterhaltsame Abenteuer erleben. Das klappt grundsätzlich auch im aktuellen Fall ganz gut, jedoch bleibt der blaue Igel im direkten Vergleich dann doch etwas zurück.

So lässt Sonic The Hedgehog etwa die Liebe zur Vorlage vermissen. Abgesehen von Sonic selbst, gibt es im Film kaum etwas zu entdecken, das für Fans Wiedererkennungswert hat. Das mag freilich auch daran liegen, dass die Sonic Welt kaum so etwas wie eine zusammenhängende Lore zu bieten hat, fällt aber trotzdem auf. Nur ganz am Ende gibt es ein paar coole Momente für Kenner der Reihe. Auch die Integration in die Welt der Menschen wirkt hier nicht ganz so rund und stimmig wie beim direkten Konkurrenten und macht einen etwas erzwungenen Eindruck.

Dummerweise hat Sonic dafür ein paar der Schwachpunkte von Pikachu auch gleich mit übernommen. Da wäre etwa der recht hanebüchene Plot. Das mag dem jungen Zielpublikum nicht weiter auffallen oder egal sein, eine Entschuldigung für hingeschluderte Skript ist es trotzdem nicht. Selbes gilt für die Figuren. Während die menschlichen Exemplare flach wie Papier sind und sich auf eine (oft überzogene) Charaktermerkmal reduzieren lassen, könnte man Sonic selbst wohl am ehesten als manisch veranlagten Teenager beschreiben, der mit momentanen Persönlichkeitsstörungen zu kämpfen hat. Will sagen, er hat keine definierbare Persönlichkeit und immer so drauf, wie es der Plot (oder die gewünschte Gagdichte) gerade verlangt.

© 2020 Paramount Pictures and Sega of America, Inc.

Überraschenderweise macht Sonic The Hedgehog trotz all dem Spaß. Das hat er einerseits dem zwar nicht sonderlich tiefsinnigen, aber zumeist erfrischend Fäkalhumor-freien Witz zu tun, der weniger aufgesetzt und erzwungen wirkt, als das in vielen anderen Filmen mit jungem Zielpublikum der Fall ist. Der andere Trumpf hängt mit dem ersten direkt zusammen, in Form eines seit vielen Jahren nicht mehr auf diese Art spielenden Jim Carrey, dessen Dr. Robotnik wie eine Mischung aus Ace Ventura und Darth Vader daherkommt.

Carrey läuft zu Höchstform auf und ungeachtet der Tatsache, dass auch seiner Figur jeglicher Tiefgang fehlt, ist es einfach ein Fest, ihn dabei zu beobachten. Leider bleibt er aber der einzige Darsteller, der irgendwie auffallen kann. Das ist aber mehr dem flachen Writing ihrer Charaktere als ihren schauspielerischen Fähigkeiten geschuldet. Sonic wird in der deutschen Fassung vom bekannten Youtuber Julien Bam gesprochen, was ganz eindeutig eine rein marketingtechnische Entscheidung war, denn Talent dafür hat der junge Mann keines.

Überhaupt wirkt die deutsche Fassung etwas wackelig, einige Übersetzungen sind Übersetzungen sind etwas unglücklich ausgefallen, was aber nur den Erwachsenen im Publikum auffallen dürfte. Dafür gibt es tricktechnisch nicht viel an Sonic The Hedgehog auszusetzen. Das CGI ist sehr gut integriert und macht sich nur in ganz wenigen Momenten bemerkbar. Auch handwerklich gibt es kaum Anlass zum Meckern, wobei aber auch angemerkt werden muss, dass weder Kamera noch Schnitt sich hier auch nur einen Millimeter aus dem Fenster lehnt und durchgehend auf sicheren (sprich ausgetretenen) Pfaden bleibt. Der Soundtrack ist nicht weiter auffällig, weder im Positiven noch Negativen. Nichtssagend, dafür aber auch nicht aufdringlich.

© 2020 Paramount Pictures and Sega of America, Inc.

FAZIT

Auch wenn Sonic The Hedgehog für das angepeilte, junge Zielpublikum ein durchwegs unterhaltsamer und lustiger Kinospaß sein mag, stelle ich mir trotzdem dieselbe Frage, wie schon bei Pokémon Meisterdetektiv Pikachu: Wäre es wirklich nicht möglich gewesen, etwas länger als in einer Mittagspause am Plot und den Charakteren zu feilen? Die Kleinen würden den Film ganz sicher nicht weniger genießen, nur weil Sonic plötzlich wie kohärente Persönlichkeit besitzt, oder irgendwas von dem was da auf der Leinwand passiert auf einmal Sinn ergibt. Dann müssten sich auch die Großen nicht ausschließlich auf einen irrwitzigen Jim Carrey verlassen, um ebenfalls ein bisschen unterhalten zu werden.

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