Filmkritik: Valerian – Die Stadt der tausend Planeten
Wertung 3

Ein vor Phantasie sprühenden, visuelles beeindruckendes Action-Feuerwerk voller erinnerungswürdiger Momente. Schwache Charaktere und ein holpriges Script voller überflüssiger Exposition vermiesen allerdings leider ein wenig den Spaß. Es bleibt ein außergewöhnlicher, wenn auch nicht herausragend guter Film mit Kult-Potenzial.

_____________________________________________________
Originaltitel:Valerian and the City of a Thousand Planets
Erstveröffentlichung: 20.07.2017
Länge: 137 Min
Regie: Luc Besson
Cast: Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Rihanna, Ethan Hawke, Herbie Hancock, Kris Wu, Rutger Hauer

Summary 3.0 stark
Wertung 0
Gesamtscore von Userbewertungen. Du kannst deine eigene Bewertung abegben - einfach auf die Sterne klicken und "Abschicken" drücken.
Abschicken
Summary 0.0 schwach

Filmkritik: Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Luc Besson, französischer Regisseur und Produzent, ist seit Kindheitstagen ein Fan von Valérian et Laureline, einer Sci-Fi Comicreihe deren Erstveröffentlichung im November genau 50 Jahre zurückliegt. Diese Reihe wird gemeinhin als die Urform der „Space-Opera“ angesehen und erzählt von den Abenteuern zweier Agenten in einer futuristischen Welt voller außerirdischer Wesen, fantastischer Technologien und überdimensionalen Gefahren. So lag es also nahe, dass Besson nach seinem ebenfalls deutlich von seiner Liebe zum Comic inspirierten „Das fünfte Element“ sich früher oder später an eine richtige Umsetzung des Stoffes machen würde.

INHALT

Ein anfangs nicht weiter bemerkenswerter Auftrag führt Valerian und Laureline auf einen intergalaktischen Markt, um einen Schwarzmarkthandel zu unterbinden. Zwielichtige Gestalten wollen dort einen Transmutator verschachern. Das kleine Wesen, das über erstaunliche Fähigkeiten verfügt, ist nicht nur das letzte seiner Art, sondern auch Regierungseigentum.
Nach getaner Arbeit kehren die beiden zurück nach Alpha, einer riesigen Raumbasis, auf der tausende Rassen friedlich zusammenleben und auf der ihr Hauptquartier liegt. Kaum angekommen gerät hier alles aus den Fugen. Die Rasse der Pearls, die vom vor vielen Jahren zerstörten Planeten Mül zu sein scheinen und daher eigentlich gar nicht existieren dürften, zeigen ein überaus großes Interesse am Transmutator und tun alles um ihn in die Hände zu bekommen.

Doch wirklich böse scheinen die Pearls nicht zu sein und immer mehr weist auf eine groß angelegte Vertuschungsaktion in den höchsten Reihen des Militärs hin. Neugierig und durch ihre Gefühle füreinander angetrieben, gehen unsere beiden Helden der Geschichte auf den Grund.

Bildnachweis: © 2017 Constantin Film

Bildnachweis: © 2017 Constantin Film – Holding Gesellschaft M.B.H.

KRITIK

Valerian macht es mir echt schwer. Auf der einen Seite ist der Film ein Feuerwerk an phantastischen Ideen und Bildern von denen man nicht genug bekommen kann. So viel Kreativität beim Design der Welten, Wesen und Technologien sieht man selten und die visuelle Umsetzung eben dieser Kreativität ist teils atemberaubend. Kein Wunder, hat man doch mit dem viele Jahre gelaufenen Comic einen schier unerschöpflichen Pool an Inspiration zur Verfügung und mit Jean-Claude Mézières auch gleich dessen Zeichner als künstlerischen Berater mit an Bord geholt.

Luc Besson hat hier eindeutig versucht, dem Zuschauer so viel wie möglich der außergewöhnlichen Welt von Valérian et Laureline zu zeigen. Das schafft er auch, lässt den Zuschauer damit aber unbefriedigt zurück, denn natürlich kann sich der Film nicht die Zeit nehmen, all die Geschichten hinter den vielen Rassen, Figuren und Welten zu erzählen.

Womit wir beim Thema Geschichte wären und damit bei der erste echten Schwächen von Valerian. Die Story an sich ist noch kein Problem. Nichts wirklich Neues oder Ambitioniertes, aber solide und wenn man es auf das Wesentliche reduziert, ein Krimi. Was den Brei hier verdirbt ist die übertriebene Exposition. Alles wird in teils überflüssigen Szenen erklärt, später aufgefrischt und am Ende nochmal zusammengefasst, damit es sicher auch der letzte verstanden hat. Und das alles, obwohl die Handlung an keiner Stelle kompliziert wird oder großartig überrascht.

Ein weiteres Problem sind die Hauptprotagonisten. Das liegt teilweise sicher an der Vorlage, an die sich Besson in diesem Aspekt wohl ein bisschen zu genau gehalten hat. Valerian als überaus fähiger, aber viel zu selbstgefälliger Möchtegern-Playboy, tut sich recht schwer die Sympathie des Publikums für sich zu gewinnen. Laureline ist da zugänglicher (und wird für viele auch eher die Identifikationsfigur werden), zeigt aber alle Merkmale eines klassischen „Mary Sue“ Charakters, also einer makellosen Person: Schön, in so ziemlich allen Belangen begabt, ohne erkennbare charakterliche Schwächen und üblicherweise in einer romantischen Beziehung mit dem Helden. Und so funktioniert auch sie zwar besser, aber doch nicht so gut wie man gerne hätte.

Die Schwierigkeiten hier sind vielschichtig. Zum einen sind die Charaktere an und für sich veraltet. Was in den Siebzigern funktioniert hat, tut das nicht auch automatisch heute. Dazu kommt, dass man sich im Original die Zeit nehmen konnte die beiden Helden zu etablieren, eben um zu zeigen, dass Valerian trotz aller Selbstdarstellerei doch ein großes Herz hat, welches in erster Linie für Laureline schlägt. Und auch deren Romanze, die über viele Bände hinweg wie eine typische moderne Sitcom/Romcom mehr mit der Frage gespielt hat, ob die beiden denn zusammenkommen, bevor sie es dann tatsächlich tun. Hier im Film versucht man diese langwierigen Charakterentwicklungen, die in der Regel Jahre brauchen, in einen kaum über 2 Stunden langen Film zu quetschen. Ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.

Im Vorfeld gab es viel Gerede über die Besetztung der beiden Agenten, vor allem über Cara Delevingne als Laureline. Aber sie macht ihre Sache besser als so manche Vollzeit-SchauspielerInnen, die gerade im Trend liegen, es jemals schaffen würden.  Auch Dane DeHaan, der Valerian mimt, tut sein bestes, hat aber sehr mit den oben erwähnten grundsätzlichen Schwächen seines Charakters zu kämpfen und spielt sich damit in eine Ecke. Vom restlichen Cast sei nur Ethan Hawke erwähnt, der in einer kleinen, für ihn recht untypischen Rolle sichtlich Spaß hat und damit zu einem kleinen Highlight des Films wird.

Wie schon eingangs erwähnt, sieht Valerian fabelhaft aus. Nachdem man den Film gesehen hat, wird man sich nicht mehr fragen warum er mit 180 Millionen Euro die teuerste europäische Produktion aller Zeiten ist. Natürlich wird mit sehr viel CGI gearbeitet, aber in einer Qualität die sich vor dem allerbesten was Hollywood zu bieten hat in keinster Weise zu verstecken braucht. Ein weiterer positiver Aspekt ist der hier gezeigte Mut zur Farbe. Während Science-Fiction generell zu düsteren visuellen Präsentationen und Farbpaletten neigt, wird einem hier ein Meer an Farben geboten, das seinesgleichen sucht. Der Soundtrack ist zur Action treibend und hilft dazwischen immer gern beim Auflockern in spaßigen Momenten, fällt aber im Großen und Ganzen nicht allzu sehr auf.

Bildnachweis: © 2017 Constantin Film - Holding Gesellschaft M.B.H.

Bildnachweis: © 2017 Constantin Film – Holding Gesellschaft M.B.H.

FAZIT

Wer das visuelle Spektakel liebt und zudem vielleicht auch noch ein Faible für phantastische Welten und deren Bewohner hat, kommt an Valerian – Die Stadt der tausend Planeten nicht vorbei. Doch so beeindruckend der Film diesen Aspekt umsetzt, so sehr enttäuscht er auf narrativer Ebene. Zu schwache Charaktere, eine zwar nicht schlechte, aber sehr simpel gestrickte Story und vor allem das allgegenwärtige und meist überflüssige Bedürfnis des Skripts, dem Zuschauer alles bis ins letzte Detail (auch mehrmals) zu erklären, halten den Film zurück. Und so wird aus einem potentiellen Sci-Fi Epos mit Kult-Potential dann doch nur ein wundervoll anzusehender und kurzweiliger Sommer-Actionfilm, der aber über das Mittelmaß leider nicht hinausreicht.

Kommentar abgeben