Serienkritik: Dr. Who Staffel 10
Wertung 4

Der Soft-Reboot, welcher in der 10. Staffel von Dr. Who versucht wurde, funktioniert nur bedingt, denn viele der Geschichten sind lediglich durchschnittlich und lassen die typische Kreativität der Serie etwas vermissen. Aber trotz mäßigem Start ist diese Staffel dank der finalen Episoden und der tollen Performance von Peter Capaldi insgesamt sehr solide und für Fans ein Muss.

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Veröffentlichung: 22.02.2018
Länge: 13 Folgen, ca. 615 Minuten + Bonus
Showrunner: Steven Moffat
Cast: Peter Capaldi, Pearl Mackie, Matt Lucas

Summary 4.0 geil
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Serienkritik: Dr. Who Staffel 10

Dr. Who ist nicht nur die am längsten laufende und erfolgreichste Science-Fiction-Fernsehserie der Welt (und vermutlich des ganzen Universums), sondern hat auch einen großen Einfluss auf die moderne britische Popkultur und gilt nicht nur in England als Kult. Insgesamt bringt es die Serie auf insgesamt 36 Staffeln mit über 840 Folgen, wobei diese jedoch in die „klassische“ als auch „neue“ Serie unterteilt werden. Und so kommt es, dass die jüngsten Episoden als Staffel 10 zusammengefasst werden und diese nun endlich auch fürs Heimkino auf DVD und Blu-ray erschienen sind.

INHALT

Nachdem der Doktor (P. Capaldi) die letzten 24 Jahre auf dem Planeten Darillium verbracht hat, kehrt er mit seiner Zeit-Raum-Maschine, der TARDIS, wieder auf die Erde zurück und nimmt dort eine Stelle als Universitätsprofessor an. Begleitet wird er vom menschenähnlichem Cyborg Nardole (M. Lucas), der von der verstorbenen Frau des Doktors den Auftrag bekommen hat, auf ihn aufzupassen. Verstärkung bekommen die beiden von einer neuen Begleiterin, der jungen, wissbegierigen Bill Potts (P. Mackie).

Lange kann sich der Doktor aber in seiner neuen Rolle nicht ausruhen, denn nicht nur ein Mal steht das Schicksal des Universums wieder auf dem Spiel und nur er kann die teuflischen Pläne von alten Bekannte wie Daleks, Cyberman und Missy / Master durchkreuzen sowie neuen Bedrohungen wie den Mönchen entgegen treten.

© BBC / polyband

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KRITIK

Für Showrunner Steven Moffat (Sherlock) und dem zwölften Doktor Peter Capaldi bedeutet diese Staffel zehn gleichzeitig auch den Abschied aus dem Whoniverse. Das vorgegebene Ziel: Bevor man das Ruder übergibt, will man die Serie noch einmal neu durchstarten. Das macht auch durchaus Sinn, denn die vorausgegangenen Episoden lieferten einen runden Abschluss bekannter Storylines sowie ein befriedigendes Ende für manche liebgewonnene Charaktere, allen voran für River Song und Clara. Und so heißt die erste Folge auch treffend nur „The Pilot“. Unter der vorgegebenen Prämisse ist die neue Begleiterin des Doktors, Bill Potts, die perfekte Ergänzung. Die wissbegierige Studentin stellt die richtigen Fragen und so weiß man selbst als Unkundiger ziemlich schnell was man über Dr. Who wissen muss, etwa wie die TARDIS funktioniert, über die Herkunft des Doktors und noch vieles mehr.

Dieses „Alles auf Anfang“ funktioniert aber nur teilweise. So beginnt die Staffel etwa mit der Folge null, also dem Weihnachtsspecial von 2016 mit dem Titel „Die Rückkehr von Dr. Mysterio“. Die Geschichte selbst ist eine Hommage, oder besser Persiflage, an das aktuell boomende Superhelden-Genre und auch durchaus unterhaltsam inszeniert, aber viele Details wirken zunächst aus dem Zusammenhang gerissen und erklärt wird dem Laien hier nur sehr wenig. Das wird zwar wie eingangs erwähnt mit der offiziellen ersten Episode der Staffel 10 wesentlich besser und auch im weiteren Verlauf der Staffel erläutert man andere offene Fragen, aber komplette Dr. Who Neulinge werden vermutlich trotzdem nicht alle Anspielungen verstehen und so nur den halben Spaß an der Serie haben. Dazu kommt noch, dass man etwas Durchhaltevermögen mitbringen sollte, denn die ersten Folgen der zehnten Staffel sind bestenfalls guter Durchschnitt. Ab der zweiten Hälfte und mit Beginn des Dreiteilers rund um die Invasion mumienartiger Mönche nehmen die Geschichten etwas an Fahrt auf. Danach kommen auch noch ein paar Highlights wie „Die Kaiserin vom Mars“ und auch das Finale entschädigt etwas für die eine oder andere Füll-Episode. Lediglich die Auflösung ist etwas an den Haaren herbeigezogen und das Schicksal des Companions doch etwas düsterer als gewohnt ausgefallen. Aber Staffel 10 bietet einen insgesamt sehr runden Abschluss, sodass das neue Team ganz ohne Altlasten nun wirklich von vorne beginnen kann.

© BBC / polyband

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Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bislang kein sehr großer Fan von Peter Capaldi als der Doktor war, aber in seiner Abschiedsstaffel scheint er sich nun doch in dieser Rolle eingefunden zu haben. Nach der etwas grantelnden und arroganten Art in den beiden vorangegangen Staffel, ist er endlich wieder der typisch „durchgeknallter Haudegen“, der aber, anders als seine Vorgänger, nicht immer einen rationalen Plan hat und auch manchmal unbedacht handelt, besonders wenn es um den Schutz seiner Begleiter geht. Das hebt die zwölfte Inkarnation des Doktors etwas von seinen Vorgängern ab, macht ihn aber auch etwas menschlicher und dadurch sympathisch. Ebenfalls gut, dass auf solche Experimente wie die Schallsonnenbrille verzichtet wird – auch wenn sie in einigen Folgen eine durchaus wichtige Rolle spielt.

Als neue Begleiterin wurde dem Doktor die Schauspielerin Pearl Mackie in der Rolle der Bill Potts zu Seite gestellt. Sie macht ihre Sache als witzige, unbeholfene und wissensdurstige junge Frau zwar sehr gut, benötigt aber etwas zu viel Zeit, um dem Zuseher ans Herz zu wachsen. Komplettiert wird das Team durch Matt Lucas (Little Britain), der erneut in die aus dem Weihnachtsspecial von 2016 bekannte Rolle des menschenähnlichen Cyborgs Nardole schlüpft. Leider bekommt er, vor allem zu Beginn, viel zu wenig Screentime, um seine Rolle als besserwisserischer und nörgelnder Sidekick richtig ausfüllen zu können und sein humoristisches Talent auszuschöpfen. Obwohl die Dreier-Konstellation zwischen Doktor, Potts und Nardole viel Potential bietet, richtig ausgenutzt wird es aber kaum. Und wenn, dann zählen diese Szenen sicherlich zu den Highlights der gesamten Staffel. Hier hätte ich mir mehr Interaktion zwischen den Charakteren gewünscht.

In Sachen Spezial-Effekten und Kostüm-Design hält man sich auch in Staffel 10 an gängige Dr. Who Standards. So haben die Cyberman erneut das bekannte alt-futuristische Aussehen und auch neue Gegner wie die Mönche gliedern sich nahtlos in die skurrilen Schöpfungen des Whoniverses ein. Dafür haben die am Computer generierten Szenen und Bilder deutlich an Qualität zugenommen und erreichen für eine TV-Produktion einen durchwegs hohen Level.

© BBC / polyband

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Blu-Ray: Technische Infos & Extras

Das Bild der Bu-ray verfügt über eine Auflösung im Format 16×9 anamorph (1,78:1) und zeigt gestochen scharfe Aufnahmen sowie natürlich, kräftige Farben in Full-HD. Sowohl Sprachausgabe, als auch Untertitel gibt es in Englisch, als auch Deutsch und ebenso die Originalfassung sowie auch die lokalisierte Tonspur liegen in DTS-HD 5.1 vor. Beides klingt technisch einwandfrei und die Soundeffekte als auch die Dialoge korrelieren harmonisch miteinander. Die rund zwölf Episoden der 10. Staffel plus Weihnachtsspecial wurde auf insgesamt sechs Blu-ray Discs verteilt. Dazu kommt noch jede Menge Bonusmaterial wie Audiokommentare, Extras und Hintergrundinfos zu jeder Folge, Deleted Scenes und noch vieles mehr. Vor allem die 13 Folgen der Dr. Who Fan Show mit wechselnden Gaststars aus der Serie ist nicht nur für Whoianer durchaus sehenswert. Insgesamt wirklich vorbildlich was hier alles an zusätzlichen Inhalten geboten wird.

FAZIT

Um ehrlich zu sein, ich war nie ein großer Sympathisant des zwölften Doktors und habe auch lange gebraucht, bis ich mir endlich die 10. Staffel von Dr. Who  angeschaut habe. Eine gute Entscheidung wie ich im nachhinein bestätigen kann, denn in seiner Abschiedsstaffel  brilliert Peter Capaldi und scheint nun endlich eine für ihn passende Darstellungsweise der Rolle gefunden zu haben. Deswegen ist es fast schon bedauerlich, dass er nicht mehr zurückkehren wird. Andererseits ist es gut, dass mit einem neuem Showrunner und einem neuen Hauptdarsteller(in) die Serie nun wirklich neu durchstarten kann. Der Soft-Reboot, welcher in dieser Staffel versucht wurde, hat nur bedingt funktioniert, denn viele der Geschichten sind lediglich durchschnittlich und lassen die typische Kreativität der Serie etwas vermissen. Aber insgesamt trotz dem eher mäßigem Start, vor allem dank der finalen Episoden sowie einer tollen Performance von Peter Capaldi, eine doch sehr solide Staffel und für Whoianer sowieso  ein Muss. Das gilt auch für die Blu-ray. Selten habe ich so viel sehenswertes Bonusmaterial gesehen, die mehr als nur kurze Einblicke in den kompletten Produktionsprozess geben und mit unzähligen Hintergrundinformationen das Dr. Who Fan-Herz höher schlagen lässt.

Titel: Doctor Who – Die komplette 10. Staffel
Studio/Vertrieb: BBC / polyband
Verkaufsstart: 22. Februar 2018
FSK: 12
LinkOffizielle Webseite

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