Serienkritik: Made in Abyss – Staffel 1.1
Wertung 4

Wie so oft bei Anime, trügt der Schein bei Made in Abyss. Den Zuschauer erwartet hier eine sehr erwachsene und düstere Abenteuer-Story, trotz der bunten Aufmachung und der liebenswert-herzigen Hauptcharaktere. Was ganz unbeschwert beginnt, wird mit jeder Folge mehr und mehr zu einem fesselnden Horrortrip.

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Originaltitel: Made in Abyss
Start: 03.08.2018
Länge: 210 Min
Regie: Masayuki Kojima
Cast: Miyu Tomita, Mariya Ise, Maaya Sakamoto, Mutsumi Tamura, Manami Numakura

Summary 4.0 geil
Wertung 5
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Summary 5.0 geil

Serienkritik: Made in Abyss – Staffel 1.1

Anime-Serien gibt es wie Sand am Meer. Und mit jeder Herbst- bzw. Frühjahrssaison kommen unzählige neue hinzu. Da kann es selbst dem geneigten Seher schon mal schwer fallen, den Überblick zu behalten – denn bei Weitem nicht alles, was erscheint, ist sehenswert, und auch die eine oder andere Perle geht in der Flut an Releases gerne mal unter. Eine solche Perle dürfte Made in Abyss sein, eine Serie, die erst nach ihrer Ausstrahlung unter Kennern für Furore gesorgt hat. Da uns nun die von Universum Anime vertriebene deutsche Fassung der Serie vorliegt, wollen wir mal sehen, ob der Rummel gerechtfertigt ist.

INHALT

Die zwölfjährige Riku hat große Pläne. Sie lebt in der Stadt Ôzu, die rund um das sogenannte Abyss, eine schier bodenlose senkrechte Höhle, gebaut ist. Seit Jahrhunderten fasziniert diese Höhle die Menschen, denn in ihren Tiefen finden sich bis heute Artefakte von unschätzbarem Wert. Warum das Abyss da ist und wo all die Schätze herstammen, weiß niemand so recht, doch die sogenannten Tiefentaucher, also die Leute, die hinuntersteigen, versuchen, dies seit jeher herauszufinden.

Eine ebensolche Tiefentaucherin möchte Riku werden – nur nicht irgendeine, sondern eine so große und legendäre wie ihre Mutter eine ist … oder war. Diese ist nämlich vor Jahren mit dem Plan, die tiefste Ebene des Abyss zu erreichen, in eben dieses hinabgestiegen und nie mehr zurückgekehrt – denn neben Schätzen und mächtigen Artefakten birgt das Abyss auch große Gefahren. Abseits der zumeist sehr aggressiven Tierwelt dort unter gibt es noch den Fluch des Abyss, dem sich niemand, der hinabsteigt, einziehen kann.

Doch all das kann Riku nicht beirren, denn auch sie will hinab und neben den größten Schätzen natürlich auch ihre Mutter finden. Als sie bei einer Ausbildungs-Grabung in der obersten Schicht auf einen bewusstlosen Jungen stößt, der zwar ganz offensichtlich eine Art Roboter zu sein scheint, aber sehr menschliche Züge an den Tag legt, ahnt sie noch nicht, dass ihr das herbeigesehnte Abenteuer unmittelbar bevorsteht.

Made in Abyss screen01

(c)2017 Akihito Tsukushi, TAKE SHOBO/MADE IN ABYSS PARTNERS. All rights reserved.

KRITIK

Wer mit Anime vertraut ist, weiß, dass die Geschichten, die so erzählt werden, nicht immer das sind, was sie anfangs zu sein scheinen. Auch Made in Abyss fällt in diese Kategorie. Zu Beginn scheint man es noch mit einer leichtfüßigen Abenteuergeschichte über ein tollpatschiges, aber fest entschlossenes Mädchen zu tun zu haben. Die ersten Folgen nehmen sich Zeit, Riku, Reg (den Roboter-Jungen) und ihre Freunde vorzustellen, bevor das echte Abenteuer losgeht. Doch spätestens, wenn die Reise wirklich startet, mischen sich die ersten dunklen Untertöne in die bis dahin unbeschwert und doch sehr kinderfreundlich anmutende Geschichte.

Eines wird nämlich schnell klar, sobald sich Riku und Reg auf die Reise in den Abgrund machen: Eine Kinderserie ist Made in Abyss definitiv nicht. Je tiefer die beiden in die mysteriösen Tiefen vordringen, umso mehr wird einem als Zuschauer bewusst, dass es hier ganz schnell sehr ernst werden kann. Meter um Meter wird die Reise nicht nur gefährlicher, sondern auch mental fordernder, denn immer mehr finden die Protagonisten sowohl über ihre eigene Herkunft, als auch das Abyss heraus … und nichts davon ist leicht verdaulich. Zudem schreckt die Serie auch nicht vor Gewalt gegenüber Kindern zurück, was so manchem Zuschauer durchaus zu viel sein könnte.

Genau diese Formel ist es jedoch schlussendlich, die einen an den Bildschirm fesselt. Jede Folge wirft einem einen kleinen Happen neuer Informationen vor und legt den kleinen Helden neue Hürden in den Weg. Zugleich macht die Erzählweise klar: Hier kann alles passieren. Auch der „sanfte“ Einstieg macht sich hier bezahlt, denn dieser hilft (neben den sehr kindlichen Charakterdesigns) dabei, einem immer wieder zu vergegenwärtigen, dass man es hier nicht mit abgebrühten Superhelden zu tun hat – ganz im Gegenteil, es sind Kinder, deren größte Sorge Tage zuvor noch war, nicht dabei erwischt zu werden, wenn sie nachts durch die Gänge der Schule schleichen.

Made in Abyss screen02

(c)2017 Akihito Tsukushi, TAKE SHOBO/MADE IN ABYSS PARTNERS. All rights reserved.

Natürlich lässt sich nach nur 7 Folgen (von insgesamt 13) nicht allzu viel über die Gesamt-Qualität der Serie sagen, doch machen die ersten Episoden ganz eindeutige Lust auf mehr und man wünscht sich sofort nach der siebenten Folge eine „nächste Folge ansehen“-Option à la Netflix. Durchhänger oder Filler-Episoden gibt es soweit keine und auch echte Highlights lassen sich nicht wirklich herauslesen, was in diesem Zusammenhang durchaus als Plus gewertet werden darf, rührt der Umstand doch daraus, dass die Qualität der einzelnen Folgen durchgehend hoch ist.

Die technische Umsetzung ist für eine TV-Serie recht hochwertig, kann aber natürlich mit Kino-Produktionen nicht mithalten. Die Charakterdesigns sind sehr gut gelungen und die der Hauptcharaktere (wie schon oben erwähnt) sehr kindlich gehalten. Viel Fantasie ist in die Gestaltung der Umgebung im Abyss und dessen Bewohner eingeflossen; die seltsamsten und furchteinflößendsten Wesen sind dort zu finden. Der Soundtrack ist sehr atmosphärisch und Opening- sowie Ending-Song gehen sehr schnell ins Ohr und verleiten somit auch nicht dazu, sie allzu schnell zu überspringen.

Noch ein Wort zur Synchronisation: Die deutsche Version ist von gewohnter Qualität und es gibt kaum etwas daran auszusetzen, dennoch werden Puristen ganz klar die japanische Original-Synchro vorziehen. Die ist, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend. Hierzu muss aber erwähnt werden, dass die deutschen Untertitel nicht unbedingt im vorteilhaftesten Font gehalten sind, was das Mitlesen stellenweise ein bisschen anstrengend macht.

DVD: Technische Infos & Extras

Sowohl die japanische wie auch die deutsche Tonspur wird in 2.1 geliefert und beide klingen sehr satt und ausgewogen, Untertitel gibt es jedoch leider ausschließlich in Deutsch. Am Bild der DVD-Fassung gibt es nichts auszusetzen. Was Extras betrifft, hat Made in Abyss mit einem „Making of“ und einem Mitschnitt einer Premieren-Veranstaltung doch mehr zu bieten, als bei Anime-Releases üblich ist. Diverse Trailer und TV-Spots fehlen natürlich auch nicht. Alles in allem ein rundes, wenn auch nicht wirklich üppiges Paket.

Made in Abyss screen03

(c)2017 Akihito Tsukushi, TAKE SHOBO/MADE IN ABYSS PARTNERS. All rights reserved.

FAZIT

Wenn die zweite Hälfte von Made in Abyss hält, was die erste verspricht, steht dem Zuschauer wohl tatsächlich ein hochspannendes Finale ins Haus – aber eben auch diese ersten 7 Folgen können schon voll und ganz überzeugen. Die Protagonisten sind liebenswert und zerbrechlich, die Welt, in die sie abtauchen, dafür aber umso brutaler und schonungsloser. Wer mysteriöse Abenteuer mag und sich nicht an der mitunter sehr düsteren und auch mal grausigen Darstellung stört, sollte mit dem Anime seine Freude haben. Eine Kinderserie, wie schon in der Kritik erwähnt, ist Made in Abyss allerdings eindeutig nicht.

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