Der schnellste Quadcore im Test: Intel Core i7-7740X

Der schnellste Quadcore im Test: Intel Core i7-7740X

Die Antwort auf AMDs Ryzen-Prozessoren (unser Test) hat nicht lange auf sich warten lassen. Intel präsentiert eine neue High-End-Plattform und passende Prozessoren mit vier bis achtzehn Kernen. Wir haben für euch das Topmodell der neuen Quadcores genau unter die Lupe genommen. Can it run Crysis?

Seit vielen Jahren läuft das Generationenspiel bei Intel so ab: Zuerst erblickt eine vergleichsweise kostengünstige Mainstream-Plattform inklusive Prozessoren das Licht der Welt, ungefähr ein Jahr später folgt die High-End-Plattform auf Basis der zuvor veröffentlichten Mikroarchitektur und Fertigungstechnik und bringt zusätzliche Prozessorkerne mit; zu einem gewissen Aufpreis versteht sich. Die Namen der Prozessoren vertuschen diese Vorgehensweise, denn es paart sich dadurch immer eine aktuelle Mainstream-Plattform mit einem High-End-Pendant aus der vorhergehenden Generation. Daher vereint beispielsweise die 6. Generation von Intel Core-Prozessoren die Dual- und Quadcores der Skylake-Architektur (zB der i7-6700K) mit dem Vorgänger Broadwell in Varianten mit sechs, acht und zehn Kernen (zB der i7-6950X). Zwecks Übersicht hängt Intel an den Codenamen noch ein Suffix an, in diesem Fall „Broadwell-E“. Das ist deshalb wichtig, weil die neue High-End-Plattform von Intel diese Strategie ändert. Die Prozessoren mit dem Codenamen Kaby Lake (zB i7-7700K) werden zwar erneut mit dem Vorgänger Skylake gepaart (genannt Skylake X), jedoch darf zum ersten Mal auch ein Prozessor mit der Mainstream-Architektur im High-End-Sockel Platz nehmen. Diese Prozessoren hören auf den nachvollziehbaren Namen „Kaby Lake X“ und bilden die Quadcore-Fraktion im neuen „X-series“-CPU-Lineup von Intel. Das Topmodell mit vier Kernen nennt sich Core i7-7740X und besitzt einen Turbotakt von bis zu 4,5 GHz und Hyperthreading. Im Prinzip handelt es sich dabei um einen i7-7700K mit leicht höherer TDP für den neuen High-End-Sockel „LGA 2066“ mit X299-Chipsatz.

Mainstream trifft auf High-End

Diese Strategieänderung bringt entsprechende Restriktionen durch die dezenten Unterschiede zwischen einer Mainstream- und einer High-End-Plattform mit. Allem voran beherrscht Kaby Lake nur Arbeitsspeicher im Dual-Channel-Modus und bietet maximal 16 PCIe-Lanes an. Wer diese Einschränkungen nicht vorab kennt, könnte sein blaues Wunder erleben, denn die X299-Mainboards besitzen alle acht Speicherbänke, verkünden in farbiger Aufschrift die Unterstützung von Quad Channel und strotzen vor PCIe-Slots für SLI und Crossfire. In der Praxis können mit Kaby Lake X jedoch nur vier der acht Speicherbänke verwendet werden und beim Betrieb von zwei Grafikkarten muss auf PCIe 8x/8x zurückgegriffen werden, wobei mit Leistungseinbußen zu rechnen ist. Außerdem ist keine Spur von Turbo Boost 3.0 zu finden, auch dieses gerne vermarktete Feature ist Skylake X vorbehalten. Diese unübersichtlichen Beschneidungen stiften nicht nur Verwirrung vor dem Kauf, sondern werden ohne Zweifel ein großer Stolperstein für weniger versierte Käufer der Plattform. Deshalb empfiehlt sich vorab ein Blick auf folgende Liste mit den Spezifikationen der neuen „X-series“-Prozessoren zu werfen:

Vorsicht vor dem Kauf: Kaby Lake X unterstützt nicht alle Features der X299-Plattform!

Vorsicht vor dem Kauf: Kaby Lake X unterstützt nicht alle Features der X299-Plattform!

Vergleich der Testkandidaten

Core i7-7740XRyzen R7 1700XRyzen R5 1600Core i7-7700KCore i5-7600KCore i7-6700KCore i7-4770KCore i7-3770K
CodenameKaby Lake XSummit RidgeSummit RidgeKaby LakeKaby LakeSkylakeHaswellIvy Bridge
Cores/Threads4/88/166/124/84/44/84/84/8
Basis-Takt4,3 GHz3,4 GHz3,2 GHz4,2 GHz3,8 GHz4 GHz3,5 GHz3,5 GHz
Turbo-Takt4,5 GHz3,8 GHz3,6 GHz4,5 GHz4,2 GHz4,2 GHz3,9 GHz3,9 GHz
L2-Cache1 MB4 MB3 MB1 MB1 MB1 MB1 MB1 MB
L3-Cache8 MB16 MB16 MB8 MB6 MB8 MB8 MB8 MB
TDP112 Watt95 Watt65 Watt91 Watt91 Watt91 Watt84 Watt77 Watt
SockelLGA 2066AM4AM4LGA 1151LGA 1151LGA 1151LGA 1150LGA 1155
Fertigung14 nm14 nm14 nm14 nm14 nm14 nm22 nm22 nm
Preis*354 Euro354 Euro214 Euro341 Euro237 Euro323 Euro195 Euro**165 Euro**
* Günstigster Geizhals-Preis beim bestgereihten, namhaften Shop
** Geschätzter Gebrauchtpreis auf ebay/Willhaben

Wie wir testen

Unsere Tests führen wir mit unserem eigens entwickelten Benchmark-Automatisierungstool namens Rebench durch. Es sorgt für einen einheitlichen Testablauf und eine fehlerlose Sammlung und Aufarbeitung der Daten. Details dazu findet ihr in diesem Artikel.

Unser Benchmark-Parcours basiert auf einer standardmäßigen Installation von Windows 10. Wir installieren alle aktuellen Treiber vor dem Durchlauf. Mainboards erhalten jeweils die neueste BIOS-Version und werden auf ihre Default-Konfiguration zurückgesetzt. Teilweise schalten wir unübliche Mainboard-Features wie Thunderbolt-Support aus, um die Plattformen vergleichbar zu halten. Multicore Enhancements sind mittlerweile Standard und bleiben aktiv, daher läuft die CPU mit dem per Turbo-Takt definierten Multiplikator auf allen Kernen. Speed Shift ist falls vorhanden (Skylake, Kaby Lake) ebenfalls aktiviert. Im Prinzip ist unser Testsetup damit genau so konfiguriert, wie es jemand ohne fundierten Kenntnissen gemacht hätte.

Testplattformen
Kaby Lake XSummit RidgeBroadwell-E/Haswell-EKaby Lake/SkylakeHaswellIvy Bridge
MainboardASUS X299-E GamingASUS Prime X370-ProASUS Rampage V ExtremeASUS Strix Z270FASRock Z97M FormulaASUS Maximus V Extreme
SpeicherCorsair Vengeance, 2x 8 GBGEIL Evo X, 2x 8 GBKLEVV, 4x 4 GBCorsair Vengeance, 2x 8 GBGSkill Ares, 2x 8 GBGSkill Ares, 2x 8 GB
Speichertakt3000 MHz3066 MHz2933 MHz3000 MHz2400 MHz2200 MHz
TimingsCL15-17-17-35, 1TCL16-16-16-36, 1TCL16-18-18-36, 2TCL15-17-17-35, 2TCL11-13-13-31, 2TCL11-13-13-31, 2T
Basiskomponenten des Testsystems
  • ASUS Strix GTX 1080 Gaming, Advanced Edition, 8 GB GDDR5X
  • Noctua NH-D15S mit zwei NF-A15 PWM-Lüftern, Lüfterprofil: Default
  • Samsung 950 Pro, 512 GB
  • Angelbird Wings PX1 PCIe-M.2-Adapter
  • Corsair RM1000i, 1000 Watt, 80 Plus zertifiziert
  • Windows 10, Creators Update

Spiele-Benchmarks

Genug der Theorie, jetzt geht es ans Eingemachte. Getestet wurden sieben aktuelle Blockbuster in den Auflösungen 1920×1080 (FullHD), 2560×1440 und 3840×2160 (4K). Die Details befinden sich je nach Spiel am Bereich des maximal Möglichen, rein GPU-lastige Features wie Antialiasing, Postprocessing (zB: Motion Blur) und NVIDIA Hairworks sind deaktiviert. Als Grafikkarte kommt eine ASUS Strix GeForce GTX 1080 mit 8 GB Grafik-Speicher zum Einsatz.

Zusammenfassung

Im Laufe des ausführlichen Testvorgangs wurden nicht nur Spiele getestet, sondern jegliche Anwendungsgebiete für Prozessoren, wie zum Beispiel Video-Enkodierung, 3D-Rendering, Javascript-Performance, Verschlüsselung, GPGPU und vieles mehr. Die folgende Zusammenfassung stellt sich aus insgesamt 15 CPU-Benchmarks, 9 System-Tests (3DMark, VRMark und PCMark) und den oberhalb gezeigten Spieletests zusammen:

Wer seine Geldbörse nicht für eine CPU schlachten möchte, sollte das Preis-/Leistungsverhältnis näher betrachten. Es ergibt sich aus den zuvor ermittelten Gesamtwerten und dem aktuellen Bestpreis im Handel und stellt einen Euro-Betrag pro erzieltem „Performance Point“ dar. Unter Bestpreis versteht sich der kleinste Preis des ersten gelisteten, namhaften Shops in Geizhals am Tag der Veröffentlichung des Tests. Nicht mehr im Handel erhältliche Produkte werden mithilfe von ebay und Willhaben mit einem geschätzten Gebrauchtpreis versehen.

Der Core i7-7740X hält was er verspricht und holt sich in unserem Test die Gesamtwertung. Er ist der derzeit schnellste Quadcore, der für Geld erworben werden kann. Nur in der Kategorie für CPU-Benchmarks muss er sich den acht Kernen des Ryzen R7 1700X geschlagen geben, kann sich aber auch da schlussendlich mit einer Übertaktung auf 5 GHz durchsetzen. Den zweiten Platz holt sich weiterhin der i7-7700K gefolgt vom R7 1700X auf Platz 3.

Beim Preis/Leistungsverhältnis sind nach wie vor die gebraucht gekauften, älteren Intel-Quadcores oben auf. Durch seinen guten Preis mischt auch der Ryzen R5 1600 mit sechs Kernen als Neukauf vorne mit. Der i7-7740X ist mit 3,76 Euro pro Performance Point als Vorletzter in der Liste zu finden und bleibt trotz seiner guten Leistung alles andere als ein Schnäppchen.

Temperatur und Leistungsaufnahme

Die Messergebnisse zeigen einen guten Sprung in die richtige Richtung für den Testkandidaten. Abwärme und Leistungsaufnahme sind unter Last deutlich besser als beim getesteten i7-7700K. Nachdem der Heatspreader auch bei Kaby Lake X weiterhin nicht verlötet ist, kann von einer guten Vorselektion seitens Intel ausgegangen werden. Ob die Retail-Produkte ähnlich gute Eigenschaften aufweisen, wird sich in den nächsten Wochen weisen. Dennoch ist AMDs Ryzen trotz sechs bzw. acht Kernen deutlich kühler und im Verhältnis gesehen energieeffizienter unter Last.

Fazit

Der Core i7-7740X ist der schnellste Quadcore, den wir bis dato getestet haben. Das Testsample ließ sich vorzüglich übertakten und kann dadurch mit brachialen 5 GHz sogar den gleichteuren Ryzen R7 1700X mit acht Kernen in der CPU-Gesamtwertung die Show stehlen. Abwärme und Leistungsaufnahme liegen innerhalb annehmbarer Parameter für den Desktop-Bereich bei besserer Luftkühlung. Preislich liegt das Topmodell von Kaby Lake X mit 354 Euro gerade mal 15 Euro über dem Bestpreis eines i7-7700K. Unterm Strich sollte daher eigentlich nichts davon abhalten, den i7-7740X zu empfehlen. Wären da nicht die teuren X299-Mainboards …

Die Strategie von Intel für ihre neue High-End-Plattform hakt. Obwohl der Schritt zur Vereinigung von mehreren Prozessorarchitekturen auf einem Sockel positiv zu werten ist und langfristig die Option für ein CPU-Upgrade offenhält, geht die Rechnung bei Kaby Lake X unterm Strich nicht auf. Durch die notwendige Unterstützung von High-End-Features kostet selbst das günstigste X299-Mainboard 224 Euro aufwärts. Die besseren Modelle wie das ASUS X299-E Gaming, das in diesem Test verwendet wurde, kommt auf beträchtliche 335 Euro und damit schon in den Preisbereich des Hauptprozessors. Für CPU, Mainboard und 16 GB DDR4-Speicher ist daher mit einem Kaufpreis von ~820 Euro zu rechnen – ohne Grafikkarte, SSD und Netzteil versteht sich. Ein vergleichbares System mit i7-7700K und Z270-Chipsatz kommt hingegen auf ~655 Euro und Ryzen mit einem R7 1700X und X370 auf ~635 Euro. Speziell bei Gaming-Systemen ist diese Preisdifferenz von bis zu 185 Euro deutlich sinnvoller in eine bessere Grafikkarte investiert. Zumal die Framerate-Bereiche, in denen der i7-7740X für Mehrleistung sorgt, letztendlich keinen Einfluss auf das Spielerlebnis haben.

Daher kann Kaby Lake X nur mit Einschränkungen empfohlen werden: Wer kompromisslos die beste Singlethread- und Gaming-Performance sucht – besser mit, aber auch ohne Overclocking -, der sollte sich den i7-7740X genauer anschauen. Ansonsten empfiehlt sich der Griff zu einem kleineren Kaby Lake oder gleich zu einem Ryzen mit sechs oder acht Kernen. Letzteres ist derzeit die zukunftstauglichste Option (siehe „AMD Ryzen R5 und R7 getestet“).

Alle Benchmark-Ergebnisse inklusive Overclocking-Resultate finden sich im vollständigen Test auf overclockers.at.

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