Assassin’s Creed: Odyssey im Test
GRAFIK 5
SOUND 5
HANDLING 5
SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 5

Assassin’s Creed: Odyssey hat alles, was ein großartiges Spiel ausmacht: eine spannende Geschichte, Humor, Überraschungselemente, wunderschöne Musikuntermalung, tolle Grafik sowie komplexe Charaktere. Einzig an der Abwechslung in den Nebenquests könnte noch etwas gefeilt werden

Summary 4.8 geil
GRAFIK 4.7
SOUND 4.3
HANDLING 4
SPIELDESIGN 3.3
MOTIVATION 4
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Summary 4.1 geil

Assassin’s Creed: Odyssey im Test

Im mittlerweile 10. Assassin’s Creed geht es nach Griechenland, ins Jahr 431 vor unserer Zeitrechnung. Auf der kleinen Insel Kephallenia lebt Kassandra (bzw. Alexios) und muss sich dort gemeinsam mit Adler Ikaros mit Banditen und anderen Schlitzohren herumschlagen – bis sie/er von einem geheimnisvollen Fremden den Auftrag erhält, einen spartanischen Kommandanten gegen eine nette Summe Drachmen zu töten. Eure Odyssee kann beginnen! Doch diesmal geht es nicht bloß darum, eine Erinnerung im Animus nachzuerleben, sondern durch eure Entscheidungen und Taten den Verlauf der gesamten Geschichte zu beeinflussen.

Deine Odyssee

Gleich zu Beginn der Geschichte dürfen bereits ersten Entscheidungen getroffen werden: Zum einen kann zwischen den beiden Protagonisten Kassandra und Alexios gewählt werden, zum anderen bietet das Spiel die Optionen, entweder im geführtem oder explorativem Modus zu spielen. Im geführten Modus werden unentdeckte Orte und Questmarker automatisch auf der Karte markiert, wobei im empfohlenen Explorationsmodus Ziele erst durch Erkundung des Gebiets mithilfe von Hinweisen gefunden werden müssen. Dies animiert dazu, die Umgebung intensiver zu erkunden, anstatt einfach von A nach B zu reiten, und macht obendrein auch unglaublich viel Spaß, denn die Spielwelt von Assassin’s Creed: Odyssey sieht wirklich umwerfend aus. So sind die Landschaften beispielsweise bei Weitem abwechslungsreicher gestaltet als bei den bisherigen Serienablegern und bieten von weißen Sandstränden, an denen kleine Krabben wandern, über sonnendurchflutete Laubwälder, in denen Hirsche umherschweifen, bis hin zu schneebedeckten Gipfeln, alles, was man sich an Szenerie so vorstellen kann.

Doch nicht nur die atmosphärische Optik, sondern auch die zahlreichen Fragezeichen, die in der Spielwelt vorhanden sind und feindliche Lager, Höhlen oder sogar Städte und Schnellreisepunkte beinhalten, verleiten zum stundenlangen Erkunden der großen Spielwelt. Traditionell seid ihr dafür auch wieder mit einem Adler ausgestattet, der euch das Erkunden der Umgebung durch Markieren von Gegnern und Schätzen hilft.

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Entweder, oder …

Es ist ein altes philosophisches Prinzip, dass sich jede Entscheidung wie eine Welle ausbreitet und Konsequenzen hat, welche sich nicht erahnen lassen. Assassin’s Creed: Odyssey hat sich diese alte Weisheit zum Motto genommen. Ihr werdet vor Entscheidungen gestellt, die nicht einfach zu treffen sind und manchmal schwere Folgen haben, auch wenn es sich „nur“ um einen Nebenquest handelt. Manche Aufgaben haben enormen Tiefgang und stellen euch vor das eine oder andere moralische Dilemma – ein für Fans von The Witcher, The Elder Scrolls und Co. willkommener Schritt weiter in Richtung RPG. Die Evolution der Assassin’s Creed-Reihe wird durch diese neuen Entscheidungsmöglichkeiten weiter fortgeführt und die nun gegebene Gestaltungsfreiheit verpasst dem Spiel eine hohe Langzeitmotivation – denn man möchte ja auch wissen, was passieren würde, wenn man sich zu einem gewissen Zeitpunkt anders entschieden hätte.

Überhaupt wurde an der Qualität der Nebenquests gearbeitet, auch wenn sie euch immer noch oft ähnliche Aufgaben abverlangen, wie das Töten von Banditen oder das Beschaffen von Materialien. Meist ist das Ganze in eine spannende kleine Geschichte verpackt und mit lebhaften Dialogen ausgestattet, wodurch man sich tatsächlich dazu motiviert fühlt, dem Gegenüber zu helfen. Gesprächsoptionen, die einen starken Einfluss auf den Spielverlauf haben, werden mit einem speziellen Symbol markiert, sodass man diese leicht erkennen kann. Es lohnt sich auf jeden Fall, vor Gesprächen oder Quests den Spielstand zu speichern, was in Assassin’s Creed: Odyssey nun auch endlich jederzeit möglich ist.

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This is Sparta

Das Kampfsystem und die generelle Steuerung bauen auf den aus Assassin’s Creed: Origins bekannten Mechaniken auf und wurden im Detail weiter verbessert. Zu Beginn ist man nur mit einem einzelnen Waffenslot ausgestattet, ein zweiter wird erst durch das Erreichen eines höheren Levels freigeschaltet. Es gibt wieder schwere und leichte Waffen, die man je nach Gegnertyp passend anwenden kann. Es macht Spaß, nach verschiedenen Waffen zu suchen und diese auszuprobieren, da sie sich mitunter deutlich im Spielgefühl unterscheiden und alle ihre gewissen Vor- und Nachteile mit sich bringen. Zudem hat man nun auch die Möglichkeit, Spezialfähigkeiten für den Nah- und Fernkampf freizuschalten und in einem Fähigkeits-Rad auszurüsten – erst vier, später durch die Freischaltung eines zweiten Rades, acht Fertigkeiten – die besonders viel Schaden anrichten oder zur Heilung dienen. Zu diesen adrenalingeladenen Skills gehört zum Beispiel der „Spartiatentritt“– ein besonders kraftvoller Tritt, der das Gegenüber meterweit wegschleudern kann. Doch auch Gegner haben die Fähigkeit, Spezialangriffe zu nutzen, die weder pariert noch durchbrochen werden können. Dies wird durch das Aufleuchten der Silhouette der Gegner symbolisiert. Die Kämpfe werden dadurch strategischer und auch anspruchsvoller im direkten Vergleich zum Vorgänger.

Wie bereits aus Assassin’s Creed: Origins bekannt, besitzen die Waffen unterschiedliche Perks und Qualitätslevel (selten bis legendär) und können beim Schmied im Austausch gegen eine ordentliche Summe Rohstoffe und Drachmen an das eigene Level angepasst oder mit einer Gravur versehen werden, wodurch sie zusätzliche Attribute verliehen bekommen. Verschiedene Gravuren werden im Laufe des Spiels freigeschaltet und bieten eine Reihe von Möglichkeiten – von Gift- oder Brandschaden bis hin zur Steigerung der kritischen Trefferquote. Die Kämpfe spielen sich durch die Vielfalt der Waffen und Detailverbesserungen abwechslungsreich und motivierend. Der Fertigkeiten-Baum mag zwar in Assassin’s Creed: Odyssey auf den ersten Blick etwas kahler als im Vorgänger erscheinen, dafür sind die unterschiedlichen Skills sinnvoll überlegt und lassen sich im Laufe des Geschehens je nach bevorzugtem Kampfstil weiter ausbauen.

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Abwechslung muss sein

In Assassin’s Creed: Odyssey gibt es viel zu entdecken und dank der sehr unterschiedlich gestalteten Quests bleibt das Spiel dabei stets fesselnd. Neben der spannenden Hauptstory, welche im Spielverlauf auch einige sehr unerwartete Wendungen nimmt, kann Odyssey mit einer Reihe an unterschiedlichen Nebenbeschäftigungen aufwarten. Besonders hervorzuheben sind beispielsweise die „Eroberungsschlachten“ in den verschiedenen Regionen Griechenlands. In epischer Atmosphäre werden hier die Schlachten zwischen Sparta und Athen inszeniert, in denen man selbst als Infanterist unter Massen computergesteuerter Mitstreiter antreten darf – und natürlich kann dabei eine große Menge an Erfahrungspunkten und Schätzen gewonnen werden.

Doch nicht nur an Land kann gekämpft werden, auch Seeschlachten sind im neuesten Assassin’s Creed wieder mit an Bord. Da Griechenland viele Inseln besitzt, muss das Gebiet natürlich auch zu Wasser mit einem großen Schiff erschlossen werden, und das passiert wie zu erwarten nicht immer friedvoll. Das eigene Schiff kann durch den Einsatz verschiedener Ressourcen, die in der Spielwelt gefunden oder erbeutet werden, verbessert und individualisiert werden. So dürft ihr beispielsweise den Rumpf ausbauen, um dessen Verteidigung zu erhöhen, die Angriffskraft der Bogen- und Speerschützen verbessern oder auch Spezialangriffe wie durch in Feuerschalen entzündete Geschosse hinzufügen. Weiter können nun auch bestimmte NPCs angeheuert werden, um Teil der Besatzungscrew zu werden. Bis zu vier dieser Spezialbesatzungsmitglieder dürfen eingestellt werden, wobei jeder von ihnen unterschiedliche Bonus-Fertigkeiten mit sich bringt. Auch das Aussehen des eigenen Schiffes kann durch unterschiedliche Galleonsfiguren oder Skins für Besatzung und Boot verändert werden; die dafür nötigen Gegenstände sind als Beute in der Spielwelt verteilt. Persönlich war ich anfangs aufgrund des Vorgängers Assassin’s Creed: Origins kein großer Freund der Seeschlachten, doch in Odyssey machte es überraschend viel Spaß, an den unterschiedlichen Schlachten teilzunehmen oder andere Schiffe zu entern.

Die aus dem Vorgänger bereits bekannte Arena ist ebenfalls wieder mit dabei, um nach Lust und Laune zu metzeln, bis es nicht mehr geht. Auch auf Schatzsuche darf wieder gegangen werden, auf kleinen Inseln oder Schiffswracks, beim Entdecken der Umgebung oder beim Lösen der Rätsel, die überall in der Spielwelt gefunden werden können. Im Fotomodus könnt ihr zudem eure Reise durch das antike Griechenland jederzeit dokumentieren – zahlreiche Filter und Einstellungen inklusive.

Was soll ich denn bloß anziehen?

In Odyssey seid ihr nicht mehr darauf beschränkt, komplette Monturen zu finden, sondern könnt rollenspieltypisch nun auch einzelne Rüstungsteile tragen: (ausblendbare) Kopfrüstungen, Armrüstungen, Ober- und Unterteile sowie das passende Schuhwerk. Ihr könnt im Laufe des Spiels eine Vielzahl an Waffen und Rüstungsgegenständen finden, die unterschiedliche Boni und Perks bieten. Ob ihr eher defensiv vorgehen möchtet und beispielsweise Rüstungsverstärkungen skillt, oder lieber offensivere Fertigkeiten, wie beispielsweise Gift oder Feuer, zu eurem Vorteil nutzen wollt, könnt ihr durch die Ausrüstung gewisser Gegenstände mit bestimmten Perks sowie durch das Gravieren beim Schmied weiter individualisieren. Die Vielfalt der Outfits ist groß und optisch abwechslungsreich – vom spartanischen Feldsoldaten bis hin zur Jägerin mit Gesichtsbemalung. Dadurch macht es immer wieder Spaß, neue Gegenstände im Spiel zu finden. Und natürlich habt ihr auch wieder einen treuen vierbeinigen Begleiter, der immer dann kommt, wenn ihr pfeift – euer Pferd. Für euer Reittier könnt ihr diesmal ebenfalls verschiedenste Skins erwerben, vom einfachen Farbwechsel bis hin zum kitschigen weißen Einhorn inklusive Regenbogenspur. Ein Echtgeld-Shop ist ebenfalls verfügbar und auf Wunsch könnt ihr dort Skins, Waffen, Rüstungen, aber auch Erfahrungs-Booster gegen bares Geld erwerben.

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Weg von der alten Rachegeschichte

Die Geschichte von Assassin’s Creed: Odyssey ist spannend erzählt und hält einen ans Gamepad gefesselt. Cineastisch wunderschön inszeniert und getoppt durch atemberaubende Animationen, fängt einen das Spiel von Anfang an ein. Die Gesichtsausdrücke sind stimmig – ich persönlich freue mich immer ungemein, wenn es ein Spiel schafft, dass auch die Augenbrauen sich passend zur Stimmung bewegen – und auch die Vertonung muss hier gelobt werden: Die Sprecher waren mit Herz und Seele dabei. Die Hauptstory ist deutlich komplexer, als es zu Beginn wirken mag, und schnell wird klar, es geht um weit mehr, als nur darum, einen spartanischen Armeeführer zu töten … Im Laufe des Spiels kommt es zu einigen Überraschungsmomenten, und auch die in der Gegenwart stattfindende Storyline fügt sich gut ein und ist umfangreicher und interessanter als im Vorgänger gestaltet.

Ein Part, der mir in Origins besonders gut gefallen hat, war das Erkunden der ägyptischen Pyramiden und das damit verbundene Finden der Audioaufnahmen der Isu. Ich war jedoch etwas enttäuscht, dass das Ganze nicht prominenter im Spiel verpackt war. Das ändert sich in Assassin’s Creed: Odyssey, denn die alte Zivilisationen spielt eine zentrale Rolle in eurer Reise durch Griechenland.

Ein weiteres neues Story-Element, welches sich Odyssey nun zunutze macht, ist Humor. Immer wieder gab es Szenen, in denen ich lachen musste, da ein Quest einen völlig absurden Akt von mir verlangte. Die teilweise sarkastischen Diskussionen im Laufe des Spiels, beispielsweise mit dem Philosophen Sokrates, lassen das Geschehen noch etwas lebendiger wirken, und auch die Romantik kommt weder auf Kassandras noch auf Alexios Odyssee zu kurz – immer wieder zeigen sich diverse Spielfiguren mehr als erfreut, auf euch zu treffen …

FAZIT

Die Definition von Odyssee lautet: „langer Weg; mit vielen Hindernissen verbundene, einem Abenteuer gleichende Reise“ und das trifft zu 100 Prozent auf Assassin’s Creed: Odyssey zu. Dass sich die Spielreihe von seinen Ursprüngen weit entfernt hat, war schon mit dem Erscheinen von Assassin’s Creed: Origins vielen bewusst. Mir persönlich ist diese progressive Entwicklung Richtung Rollenspiel sehr willkommen. Odyssey richtet sich nicht nur an Assassin’s Creed Veteranen, sondern auch Spieler, die bis jetzt noch keinen Teil der Reihe gezockt haben. Besonders Fans von Titeln wie Horizon Zero Dawn, der Tomb-Raider-Reihe oder The Witcher 3 sollten unbedingt einen Blick auf das Open-World Game werfen. Das mag jetzt etwas kitschig klingen, aber ich habe ein kleines Loch in meinem Herzen, seit ich The Witcher 3 abgeschlossen habe, aber Assassin’s Creed: Odyssey schafft es tatsächlich, einen Teil dieses Loches zu füllen. Odyssey hat in meinen Augen alles, was ein großartiges Spiel ausmacht: eine spannend erzählte komplexe Geschichte, Humor, Überraschungselemente, wunderschöne Musikuntermalung sowie gute Grafik und komplexe Charaktere. Meiner Meinung nach handelt es sich bei Odyssey um den besten Teil der in den letzten Jahren erschienenen Ableger der Assassinen-Saga, in dem unzählige Spielstunden in einer glaubwürdigen, lebendigen Welt verbracht werden können. Meine Erwartungen wurden übertroffen und ich bin mehr als gespannt, wohin uns die Reihe in Zukunft bringen wird.

Was ist Assassin’s Creed: Odyssey? Atmosphärisches Open-World Abenteuer im antiken Griechenland
Plattformen: PlayStation4, XBox, PC
Getestet: PS4 Pro
Entwickler / Publisher: Ubisoft Quebec / Ubisoft
Release: 05. Oktober 2018
LinkOffizielle Webseite

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