Far Cry Primal – Test
GRAFIK 4
SOUND 5
HANDLING 5
SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 4

Ubisoft wagte sich trotz Ausflug in die Steinzeit an keine Experimente. Far Cry Primal nutzt das exakt selbe Open-World-Grundgerüst wie die Vorgänger, hat aber dennoch ein paar interessante, neue Facetten zu bieten

Summary 4.4 geil
GRAFIK 4
SOUND 4
HANDLING 4
SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 4
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Summary 4.0 geil

Far Cry Primal – Test

Selbst wenn man Teil 1 der Far Cry Serie, der ja generell sehr für sich allein dasteht (anderer Entwickler, andere Engine etc.) ausblendet, hat die Marke in ihrem „Leben“ schon eine Menge Veränderungen durchgemacht: Erst war es die Wüste und der Kampf gegen Malaria. Dann wieder ein Inselparadies und der Kampf gegen den Wahnsinn. Dann das nepalesische Hochgebirge. Und nun also plötzlich die Steinzeit. Und dennoch: Seit Far Cry 2 mag sich das Setting wohl jedes Mal verändert haben, das Spiel selbst blieb aber gleich. Selbst jetzt, ein paar Tausend Jahre in der Vergangenheit, spielen wir eigentlich noch immer das selbe Spiel …

Haken wir zu aller erst das offensichtliche ab: Das Setting. Far Cry 5 (aka Far Cry Primal) schickt den Spieler in die tiefe Steinzeit. In dieser darf er in die dicke Haut von Takkar schlüpfen, der wiederum zum Stamm der Wenja gehört (spricht man übrigens wie Niiiinja aus, nur halt mit „w“ am Anfang). Dieser ist bedroht; Die bösen Kannibalen von Udam und die Feuer-Teufel von Izila machen Jagd auf den Stamm – haben ihn zerstreut. Nun ist es an euch, ihn zu alter Stärke zurückzuführen und das Land Oros erneut für euch zu beanspruchen.

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Dieses interessante Setting bringt freilich einige neue Facetten ins Spiel ein. Unnötig zu erwähnen: Fahrzeuge und Feuerwaffen gibt’s keine mehr. Pfeil und Bogen, Speere und Schlagwerkzeuge müssen reichen. Umso wichtiger ist nun hingegen Feuer. Es hilft nicht nur Gegner aus Camps zu jagen, sondern spendet vor allem Licht und hält wilde Tiere fern. Nachdem die Menschen in früher Urzeit nämlich alles andere als die oberste Spitze der Nahrungskette waren, ist es vor allem Nachts sehr gefährlich in der freien Natur … und aus dieser besteht immerhin die gesamte, riesige Spielwelt. Raubtiere sind Nachts besonders aktiv und durch Rudelbildung und ihre guten Sinne klar im Vorteil. Kenner der Serie registrieren an dieser Stelle vermutlich schon leicht nickend: „OK … Tiere spielen wieder eine große Rolle.“ Und recht habt ihr! Allerdings spielen sie noch eine viel größere, als ihr gerade denkt. Takkar kann die diversen Vierbeiner im Spiel nämlich nicht nur fressen oder von ihnen gefressen werden, er kann sie auch zähmen und fortan befehligen. Das erste Tierchen, das nach eurer Pfeife tanzt ist dabei eine Eule. Klingt unspektakulär, ist aber der Ersatz für das bisherige Fernglas/die Kamera. Nachdem die „Optik“ in Höhlen noch nicht allzu erforscht war, ist eine übersinnliche Verbindung zu einer Eule nun eure Möglichkeit, unbemerkt die Gegend auszukundschaften und Gegner zu markieren … was eigentlich auch deutlich cooler ist. Zumal die Eule nicht nur durch euch gesteuert herumfliegen kann, sondern auch Bomben abwerfen oder direkt Gegner angreifen. Zumindest, sobald sie die entsprechenden „Updates“ erhalten hat. Wie bisher auch muss nämlich auch hier eine Fülle an Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenständen freigeschalten werden.

Und damit kommen wir direkt in die Kategorie: „Neuheiten, die eigentlich alt sind“. Denn während die Waffen und Gegenstände die ihr konkret zusammenbaut per se ebenso neu sind wie die Fähigkeiten, die ihr erlernen könnt, so ist die Mechanik dahinter doch schon bekannt. Missionen bewältigen, Nebenquests lösen und Ressourcen sammeln (Holz, Gräser, Steine, Tierhäute, usw.) versorgt euch mit den nötigen XP und Mitteln um nach und nach weitere Waffen und Skills frei zu schalten. Auch die Erkundung und Eroberung der Welt läuft altbekannt ab: Überall finden sich „Außenposten“ und „Wachposten“. Erobert diese und das passende Areal auf der Karte wird sichtbar, bzw. die Gegnerpräsenz verringert. Außerdem wichtig: Schnellreisepunkte werden freigeschalten. Nun, wo es immerhin keine Autos, Motorräder, Gleiter oder andere „Dinge“ gibt, auf denen man schnell von A nach B kommt, können selbst verhältnismäßig kurze Märsche verdammt lang werden … oder gefährlich. Glaubt mir: Es ist unglaublich, von wie vielen Bären, Patrouillen, oder anderen unerfreulichen Ereignissen man beim „mal eben schnell zur nächsten Mission laufen“ überrascht werden kann. Besonders dann, wenn, wie vorher schon erwähnt, „unerwartet“ die Nacht über einen hereinbricht.

Höhlenbürgermeister

Natürlich haben sich die Entwickler aber auch gänzlich neue Dinge einfallen lassen. Nachdem ihr nun ja erstmals nicht mehr alleiniger Krieger/Rächer/Söldner seid, sondern bald schon Anführer und verehrter Ober-Krieger eures Stammes, ist es mit dem bloßen Befreien der Region nicht getan. Ihr könnt – und müsst – auch dafür sorgen, dass euer Dorf wächst und gedeiht. Dafür können die diversen Behausungen der storyrelevanten Mit-Höhlenmenschen, die euch passenderweise auch mit neuen Fähigkeiten ausstaffieren, ausgebaut werden. Dadurch wiederum werden nicht nur neue Fähigkeiten für euch freischaltbar, sondern auch neue Missionen zugänglich. Ein gewisses Looten und Suchen ist also Pflichtprogramm, will man im Far Cry Primal den Endscreen sehen. Wie lange man bis zu diesem braucht dürfte freilich stark schwanken. Ich schätze mal 20 bis 60 Stunden. Immerhin gibt es unzählige Secrets zu finden, Zufalls-Geiselsituationen zu klären (Dorfbewohner zu retten also) oder seltene Tiere zu erlegen … aber auch das kennen wir ja alles schon aus dem Vorgänger. Und ganz ehrlich: Ich verstehe jeden der meint, dass sich das alles für ihn schon totgelaufen hat. Ich hingegen bin einfach ein so großer Fan des neuen Settings, dass ich mich gern immer wieder in diese Scharmützel werfe. Einfach auch, weil der Kampf mit Urzeit-Waffen sich doch noch einmal so anders anfühlt. Irgendwie „intimer“ … auch wenn das jetzt komisch klingt. Andererseits muss man diese Begeisterung für das Setting wohl auch haben, um das Spiel an sich gut zu finden. Denn auch die Missionen der Story, die übrigens nett ist aber keine Bäume ausreist, ähneln sich im Grunde sehr stark … sowohl untereinander, als auch erneut in Hinblick auf den Vorgänger.

Aus diesem kennen wir übrigens auch die Engine. Grafisch darf man sich also keine zu großen Sprünge im Vergleich zum Vorgänger erwarten – weder auf den Konsolen, noch am PC (wir haben auf beidem getestet). Eigentlich darf man sich sogar gar keine Sprünge erwarten. Performance und Optik liegen mit dem Vorgänger exakt gleich auf. Das bedeutet aber unterm Strich natürlich, dass die Dunia-Engine auch diesen Teil der Serie wieder zu einem durchaus ansehnlichen Game mit toller Szenerie, hübschen Lichteffekten und glaubhaften Gesichts-Darstellungen macht. Außerdem muss sich somit natürlich niemand, bei dem Far Cry 4 problemlos lief, nun Sorgen um die Leistungsfähigkeit seines Rechnern machen … es hat eben alles zwei Seiten.

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FAZIT

Das Setting muss man mögen – klar. Ich meine, man muss jetzt kein Hobby-Archäologe sein, aber der Steinzeit gegenüber zumindest offen. Nur dann kann man nämlich leicht darüber hinwegsehen, dass Ubisoft die Grund-Formel der letzten drei Far Cry Titel auch für Primal nur in feinen Nuancen verändert hat. Mich persönlich stört das aber kaum … ich mochte die Vorgänger, also mag ich auch Primal. Vor allem, da die Kämpfe mit den vorsintflutlichen Waffen deutlich anders ablaufen als zuvor – einfach unmittelbarer. Ich brauche das jetzt nicht immer so, aber für ein Spiel ist es nett. Um also zur Frage aller Fragen zu kommen: Sollte man Far Cry Primal kaufen? Die Antwort: ja, durchaus. Vor allem, wenn man das unverbrauchte Setting mag, oder auch nur interessant findet.

Bonus-FAZIT / Hannes Linsbauer:

Kenner der Serie werden wissen, Far Cry bietet seinen Fans ein Grundprinzip, welches sich in jedem Teil wieder spiegelt. Rohstoffe sammeln, Waffen verbessern, gegen wilde Tiere und menschliche Gegner kämpfen, Geheimnisse entdecken und möglichst viel Stützpunkte einnehmen. Das ändert sich auch grundlegend im Ableger “Primal” nicht. Zu Beginn denkt man vielleicht, schon wieder gegen wilde Tiere kämpfen, alles mögliche Zeug sammeln und sich gegen diverse Gegner und Tiere zur Wehr setzen, wird schön langsam wirklich fad. Die Entwickler könnten sich punkto Gameplay vielleicht doch mal was Neues einfallen lassen.

Bei längerem Spielen entdeckt man aber dann doch wieder die Stärken der Serie, die im neuesten Teil kontinuierlich verbessert wurden. Das neue Steinzeit-Setting wurde mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, sogar eine eigene Sprache wurde extra für das Spiel entwickelt. Das Crafting-System für neue Waffen und Gegenstände macht hier wirklich Sinn, das eigene Dorf kann ausgebaut werden und so kommen im Laufe des Spieles immer mehr Fähigkeiten dazu, die auch dringend benötigt werden um zu überleben. Dazu kommt noch die Möglichkeit Tiere zu zähmen und für seinen Nutzen zu verwenden, indem etwa die Eule die Gegner aus den Lüften auskundschaftet oder uns ein Höhlenbär bei Kämpfen beisteht. Im späteren Verlauf darf auch noch auf Mammuts oder Säbelzahntigern geritten werden.

Nach einem etwas holprigem Beginn entfaltete sich so für mich dann aber recht schnell wieder das Jagd- und Sammelfieber und ich wollte dann doch noch schnell eine Aufgabe lösen um weiter zu kommen. Alles in allem bleibt Far Cry Primal also der Serie treu, das bringt zwar für den Spieler keine bahnbrechenden Neuerungen aber durch das frische Setting und die verbesserten Mechaniken macht Far Cry immer noch sehr viel Spaß und kann allen Fans der Serie nur empfohlen werden.

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