FIFA 20 im Test
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HANDLING 5
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 3

Wenn der neue Volta-Modus für euch ein Kaufargument ist, dann könnt ihr bei FIFA 20 bedenkenlos zugreifen. Ist euch das Kicken auf dem Rasen aber lieber, dann dürft ihr dieses Jahr getrost aussetzen und ihr werdet trotzdem nicht allzu viel versäumen

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FIFA 20 im Test

Eine paar aktualisierte Spielerdaten, eine handvoll kleinere Gameplay-Neuerungen, dazu noch eine aufgehübschte Präsentation – fertig ist die alljährliche Neuauflage der FIFA-Spielreihe. An dieser Erfolgsformel ändert Publisher EA auch bei FIFA 20 nicht sehr viel, bringt aber darüber hinaus nun endlich wieder den Straßenfußball zurück und bietet dank neuer Modi und Lizenzen ein rundum vielseitigeres Gesamtpaket.

Jede Geschichte ist einmal zu Ende erzählt und so auch jene des fiktiven Fußball-Stars Alex Hunter. Seine Reise begann in FIFA 17, als er sich erstmalig im Story-Modus „The Journey“ vom Nachwuchstalent zum gefeierten Star der Premiere-League hocharbeiten musste. Weil dieser Entwicklungsprozess ohnehin von vornherein als Trilogie angelegt war, muss nun in FIFA 20 etwas Neues her. Das nennt sich nun „Volta-Story“ und bedeutet gleichzeitig aber auch, dass nach über 20 Jahren Abstinenz, der Straßenfussball wieder in die FIFA-Hauptspielreihe zurückkehrt.

Anstatt eines vorgegebenen Protagonisten erschafft man sich nun, für den jungen Streetball-Spieler namens Revy, seinen eigenen Avatar – wahlweise männlich oder weiblich. Die Geschichte folgt dabei genretypischen Klischees: Eine bunt zusammengewürfelte Truppe rund um den real existierenden Straßenfußballer Jayzinho Quezada will sich für die Weltmeisterschaften in Buenos Aires qualifizieren und ihr sollt ihm dabei helfen. Die Story wird dabei in sehr ausführlichen Zwischensequenzen erzählt, Einfluss auf deren Verlauf habt ihr aber keinen und wirklich spannend oder einfallsreich ist sie auch nicht. Dafür kann der neue Volta-Modus spielerisch überzeugen. Egal ob in Matches mit drei gegen drei bis fünf gegen fünf spielen sich diese nun flotter und es fallen deutlich mehr Tore – zumindest dann, wenn man auf den Einsatz eines Torwarts verzichtet. Außerdem erlauben die verschiedenen Courts deutlich trickreichere Moves, etwa wenn ihr die Bande nutzt, um so den Ball indirekt zu einem Mitspieler zu passen. Der Spaß-Faktor ist hier enorm hoch und eine nette Abwechslung, zum etwas trägen Rasen-Kick.

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Neue Modi braucht das FIFA

Der neue Volta-Modus ist quasi das Herzstück von FIFA 20, denn er umfasst nicht nur den Story-Modus, sondern bietet auch einige zusätzliche Spielvarianten. Etwa die Volta-Tour, in dem ihr zwar immer gegen KI gesteuerte Mannschaften spielt, diese aber von der Community zusammengestellt wurden. Nach Siegen könnt ihr dann Spieler des gegnerischen Teams verpflichten und so den eigenen Teamwert weiter verbessern. Die Volta-Liga ähnelt stark dem Online Seasons Modus älterer FIFA-Teile. Ihr kämpft online gegen andere Spieler um den Auf- und Abstieg. Mit jedem Sieg bekommt man Punkte, die am Ende einer Saison darüber entscheiden, ob man in eine höhere Division kommt oder nicht. Schlussendlich gibt es mit Volta-Anstoß auch noch das Straßenfussball-Pedant zum schnellen Spiel. Das ist auch der einzige Modus, der offline ausgetragen werden kann, denn sowohl für Story, Liga und Tour wird eine permanente Internet-Verbindung vorausgesetzt.

FIFA 20 bietet aber auch für den ganz normalen Rasen-Kick jede Menge neue Spielvarianten. In Mystery Ball (Überraschungsball) bekommt der Ballführende zufällige Boosts verliehen, etwa in den Bereichen Speed, Dribbling, Passing, Shooting oder auch „All Boosts“  – quasi  alle Boosts zusammen. Dazu kommen noch Tor-Multiplikatoren, bei denen die erzielten Treffer etwa doppelt oder dreifach zählen. King of the Hill (Platzhirsch) nimmt sich dagegen Anleihen aus dem Shooter-Genre. Auf dem Spielfeld werden mehrere Zonen markiert, in denen sich der ballführende Spieler so lange wie möglich aufhalten muss. Der langsame steigende Counter ist auch gleichzeitig der Mulitplikator für geschossene Tore. Im Bereich FUT gibt es mit Swaps (Tausch) und Max Chemistry (Max. Chemie) gleich zwei Neuerungen. Bei der erst genannten Spielvariante werden vor einem Match ein paar Fußballer getauscht und bei Zweiterem müsst ihr nicht auf die Chemie zwischen den Spielern achten.

Weil dazu natürlich die aus dem Vorgänger bekannten Headers and Volleys oder auch der No-rules-Mode weiterhin spielbar sind, ist der Umfang von FIFA 20 doch sehr beachtlich ausgefallen. Vor allem für kurzweilige Partien im Couch-Koop sind die beiden Fun-Modi Platzhirsch und Überraschungsball wirklich extrem spaßig, längerfristige Motivation würde ich mir aber von diesen beiden Spielvarianten keine erwarten.

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Neu und doch alt

Zusätzlich zu diesen sehr offensichtlichen Veränderungen bringt FIFA 20, wie jedes Jahr, natürlich zahlreiche Detailverbesserungen mit sich. Dazu zählen etwa überarbeitete Standards oder die neuen Pass- und Dribbling-Optionen, wie beispielsweise das Seitwärts-Dribbling. Dank realistischeren Ballbewegungen sollen nun mehr Spin und Abprallern für Trickschüsse wie Bogenlampen-Freistöße oder Flatterbälle sorgen. Aufgrund des überarbeiteten Ausdauer-Features, müssen Sprints jetzt viel überlegter eingesetzt werden, was dann auch etwas Tempo aus dem Gameplay nimmt und sich FIFA 20 deswegen deutlich behäbiger anfühlt. Das wird etwas mit dem überarbeiteten KI-Abwehrverhalten kompensiert, denn aufgrund des optimierten Zweikampfsystems und dem besseren Defensivsupport, ist es etwas einfacher einem schnellen Stürmer den Ball abzuluchsen. Anders betrachtet erfordert es jetzt jedoch nun auch weit mehr Geschick und Präzision, um Tore zu erzielen. Auch der Karrieremodus bietet einige Neuerungen, die aber spielerisch eher mau ausfallen. Erstmals dürfen wir auch eine Trainerin verkörpern und in Pressekonferenzen und Dialogen mit unserem Team müssen wir als Coach außerdem mehr auf die Moral unseres Teams achten.

Was die Lizenzen betrifft kann FIFA 20 mit mehr als 30 offiziellen Ligen, 700+ Teams, 17.000+ authentischen Spielern und 90 lizenzierten Stadien aus aller Welt natürlich wieder aus dem Vollen schöpfen, lediglich der italienische Meister Juventus Turin inklusive Superstar Cristiano Ronaldo fehlt, denn dieser steht exklusiv beim Konkurrenten Pro Evolution Soccer unter Vertrag. Aus gleichem Grund findet man nun auch die Allianz Arena von Bayern München nicht mehr im Spiel, was aber vermutlich nur eingefleischten Fans auffallen wird. In Sachen Präsentation gibt es natürlich überarbeitete Charaktermodelle und verbesserte Animationen, aber insgesamt bewegt sich FIFA 20 hier auf dem ohnehin guten Niveau seines Vorgängers.

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FUT mit Pay2Win

Ich war noch nie ein großer Fan des FIFA-Ultimate Teams und das wird sich mit FIFA 20 auch nicht ändern. Sich für Echtgeld sogenannte FIFA Points kaufen und diese dann für rein zufällig befüllte Kartenpakete ausgeben, halte ich in einem Vollpreis-Spiel für komplett überflüssig. Natürlich kann ich alles auch mittels der Ingame-Währung (FIFA Coins) kaufen, aber dennoch haben zahlungswillige Kunden ständig einen Vorteil, was dann doch eher nach Pay2Win schmeckt. Zum Glück sind andere Spielmodi davon nicht betroffen, weshalb sich dieses Feature nur bedingt auf den Spielspaß auswirkt.

FAZIT

FIFA 18 habe ich in der Legacy-Version auf der Nintendo Switch gespielt und letztes Jahr dann komplett ausgesetzt, denn der spielerische Stillstand der Reihe hat mich in der Zwischenzeit etwas serienmüde gemacht. Aber als alter Fan des Street-Ablegers war der neue Volta-Modus für mich Grund genug, FIFA 20 eine neue Chance zu geben – und ich wurde nicht enttäuscht. Der Straßenfußball spielt sich erfrischend anders und vor allem stellen sich hier die ersten Erfolgserlebnisse viel schneller ein, was wiederum für einen ungewohnt hohen Motivationsschub sorgt – primär in Partien gegen Freunde, wenn ihr gemeinsam vor dem Bildschirm zockt. Abseits davon kann das neue FIFA ebenso mit seinem großen Umfang punkten, auch wenn nicht alle Modi spielerisch vollständig überzeugen. Wer auf eine signifikante Weiterentwicklung oder gar Evolution der Spielreihe gehofft hat, der wird aber auch dieses Jahr enttäuscht, denn nach wie vor setzt man auf eher arcadelastiges Gameplay und nicht so sehr auf realistisches Fußball. Wenn der neue Volta-Modus für euch ein Kaufargument ist, dann könnt ihr bedenkenlos zugreifen, ist euch das Kicken auf dem Rasen aber lieber, dann dürft ihr dieses Jahr getrost aussetzen und ihr werdet trotzdem nicht allzu viel versäumen.

Was ist FIFA 20? Der neue Teil aus der langjährigen Fußballsimulationsserie von EA, dieses Mal mit Volta-Modus.
Plattformen: PC, PS4, XBox One, Nintendo Switch
Getestet: auf PlayStation 4
Entwickler / Publisher: EA Canada und EA Romania / EA
Release: 27. September 2019
Link: Offizielle Webseite

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