Fitness Boxing im Test

Fitness Boxing im Test

Wenn Kekse, Festtagsbraten sowie Punsch ihre Wirkung nicht verfehlt haben und auf euren Hüften nun ein paar zusätzliche Kilos mehr zu finden sind, dann hilft nur eines: Ein guter Neujahrsvorsatz. Laut Studien ist unter den Top drei Vorhaben fürs neue Jahr fast immer mehr Bewegung zu finden. Rein „zufällig“ veröffentlicht  Nintendo kurz nach Weihnachten mit Fitness Boxing ein Spiel, mit dem wir gezielt bestimmte Bereiche unseres Körpers trainieren können. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht und versucht meinen Body wieder etwas auf Vordermann zu bringen.

Schweb‘ wie ein Schmetterling, Stich wie eine Biene

Boxen gilt allgemein als gutes Fitnesstraining, stärkt es nicht nur fast alle Muskelgruppen, sondern fördert gleichzeitig Koordination, Kraft sowie Ausdauer und schult die Reflexe. Aber nicht nur deswegen hat Nintendo sein neues Fitnessprogramm ganz auf diese kampfbetonte Sportart ausgerichtet, denn natürlich erreicht man dadurch sicherlich auch eine etwas maskulinere Zielgruppe. Aber den Hauptgrund findet man vermutlich darin, dass man so das Gameplay von Fitness Boxing ganz im Stile eines herkömmlichen Rhythmus-Spieles à la Guitar Hero oder Rockband umsetzen hat können. Dementsprechend besteht bei Fitness Boxing das Training darin, mit den beiden Joy-Con-Hälften in euren Händen im vorgegebenen Takt bestimmte Schläge nachzuahmen. Sind zu Beginn lediglich einfache Jabs gefordert, kommen in späteren Übungsheinheiten weitere Techniken wie Haken, Cross-Schläge sowie Uppercuts hinzu und sogar Abducken und Tauchen müssen in den fortgeschritteneren Lektionen praktiziert werden.

Aber auch wenn dabei ein kleines bisschen Rocky-Feeling aufkommt, so richtig Boxen lernt man trotz rudimentärer Anleitungen natürlich nicht. Dazu kommt noch, dass die einzelnen Schlagtechniken nicht immer exakt erkannt werden. Ob Jab oder Uppercut, das ist meistens ziemlich egal – Hauptsache wir bewegen zum vorgegebenen Zeitpunkt die Joy-Cons ungefähr in die richtige Richtung. Den Abschluss einer Trainingseinheit bilden dann diverse Statistiken inklusive Wertung, in denen wir dann etwa aufgezeigt bekommen, wie viele Treffer im Ziel gelandet sind oder die Anzahl an Kalorien die wir dabei verbrannt haben.

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Schmerz ist nur Schwäche, die den Körper verlässt!

Fitness Boxing bietet zahlreiche Optionen für verschiedene Trainingsprogramme. So kann nicht nur die Intensität und Dauer bestimmt werden, sondern auch man kann man gezielt bestimme Bereiche des Körpers trainieren oder die allgemeine Kondition verbessern. Anhand der gewählten Einstellungen erstellt das Spiel dann einen kompletten Trainingsplan und der Fortschritt sowie diverse Statistiken kann man dann in einer Kalender-Übersicht genauer analysieren. Die einzelnen Übungen werden euch von den virtuellen TrainerInnen kurz erklärt und in Tutorials sowie Übungseinheiten auch vorgezeigt. Insgesamt stehen hier sechs verschiedene Instrukteure zur Auswahl – vier weibliche und zwei männliche. Diese können nicht nur jederzeit ausgewechselt, sondern dazu auch noch mit freispielbaren Kleidungsstücken individuell angepasst werden. Das soll für zusätzliche Motivation sorgen – bei mir hat das leider nicht funktioniert.

Die optische Aufmachung der TrainerInnen erinnern eher an japanische Anime Figuren und bedienen vornehmlich stereotypische Klischees. Passend dazu sprechen diese lediglich wahlweise englisch oder japanisch, dafür gibt es aber deutsche Untertitel und auch die Menüs wurden lokalisiert. Generell ist die Präsentation etwas spartanisch und eher zweckmäßig ausgefallen.

Wer nicht unbedingt ein komplettes Trainingsprogramm absolvieren oder ein paar zusätzliche Übungseinheiten einlegen will, der kann das ausserdem im „freien Training “ tun. Hat man dann auch noch einen Partner zur Hand, darf man natürlich auch gemeinsam die Fäuste schwingen. Hier stehen dann drei Modi zur Auswahl. In Tandem absolviert ihr die Übungen gemeinsam, genauso bei Komboserie wobei hier jedoch das Ziel ist, eine möglichst lange Reihe von nacheinander ausgeführten Schlägen im Rhythmus der Songs zu tätigen. Wer lieber gegeneinander antreten will, der kann das im Duell. Gewinner ist dabei jener Boxer, der am Ende die meisten Treffer zu erzielt hat. Alle drei Modi können entweder mit einem Joy-Con-Controllerset pro Spieler oder mit je einem Joy-Con-Controller gespielt werden. Wie auch beim nicht-virtuellen Training, macht es zu zweit deutlich mehr Spaß – genügend Platz vor dem Bildschirm vorausgesetzt.

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Ear of the Tiger

Natürlich trainiert es sich viel besser mit der entsprechenden Musikuntermalung und deshalb bietet Fitness Boxing eine Auswahl an rund 20 verschiedenen Musiktiteln. Nintendo selbst spricht dabei von beliebten Charthits, verschweigt dabei aber, dass diese einerseits schon einige Jahre auf dem Buckel haben und anderseits lediglich in einer Instrumentalversion zu hören sind. Letzteres hat aber dafür auch den Vorteil, dass man dadurch den Instruktionen der Trainer natürlich viel besser folgen kann. Ebenso ist es möglich eine Playlist der persönlichen Lieblingssongs zusammenzustellen, aufgrund der fehlenden Import-Funktion beschränkt sich diese aber auf die vorgegebenen Musikstücke. Für mich persönlich ist das einer der größten Kritikpunkte an Fitness Boxing, denn auch wenn die Musikauswahl (unter anderem von Lady Gaga, LMFAO, Avril Lavigne) sicherlich Geschmackssache ist und einige der Lieder durchwegs für ein schweißtreibendes Workout geeignet sind, hätte ich mir dann doch gewünscht die Trainingsheinheiten zu meinen eigenen Songs zu absolvieren.

FAZIT

Wer jetzt spektakuläre Vorher-Nachher Fotos erwartet, den werde ich an diese Stelle enttäuschen müssen, denn diese würden aufgrund der geringen Unterschiede eher einem Suchbildrätsel gleichen. Nicht dass ich etwa in der zwei wöchigen Testphase nicht genug trainiert hätte –  vor allem meine  Muskelpartien am Oberkörper sprechen hier eine ganz andere Sprache -, aber das absolvierte zweiwöchige Trainingsprogramm war natürlich eindeutig zu wenig, um hier erkennbare Fortschritte zu erzielen. Grundsätzlich erfüllt Fitness Boxing aber seinen Zweck: Es animiert zu mehr Bewegung und hilft dabei, bestimmte Ziele immer im Blick zu behalten. Es macht seine aber Sache auch nicht besser oder schlechter als andere (vielleicht sogar weitaus günstigere) Fitness-Apps. Das Gimmick mit den Trainingseinheiten in Form eines Rhythmus- und Reaktion-Spiels ist zwar eine tolle Idee, auf Dauer ist mir persönlich das dann doch etwas zu eintönig und die freispielbaren Items für die Trainer stellen für mich keine wirkliche Motivation dar, mein Workout dann nicht doch ins Freie oder in ein Fitness-Studio zu verlegen. Besser als faul auf der Couch rumliegen ist es allemal – aber es gibt aber auch genügend Alternativen, mit dem man das gleiche oder vielleicht sogar bessere Ergebnisse erzielen kann. Wie bei jedem Training zählt eben auch hier nur eines: Just do it!

Was ist Fitness Boxing? Fitness-Programm mit vom Boxen inspirierte Trainingseinheiten in Form eines Rhythmus- und Reaktion-Spiels.
Plattformen: Nintendo Switch
Getestet: Nintendo Switch
Entwickler / Publisher: Imagineer Co., Ltd./ Nintendo
Release: 21.Dezember 2018
Link: Offizielle Webseite

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