GT Sport im TEST
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GT Sport hat bereits einige Fans der Serie überrascht und auch enttäuscht. Das liegt aber meiner bescheidenen Meinung nach nicht daran, dass das Spiel schlecht ist, sondern schlicht, dass die Erwartungshaltung eine falsche war. GT Sport ist nichts für all jene, die rein offline spielen wollen. Doch dafür bringt es Motor- und E-Sport so nah zusammen, wie noch kein Titel zuvor es jemals auch nur in Ansätzen geschafft hat

Summary 4.4 geil
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GT Sport im TEST

Wenn alteingesessene Videospiel-Serien sich für mehr oder weniger rabiate Neuorientierungen entscheiden, ist das immer gefährlich. Klar: Steht man zu lange still, verlieren die Fans das Interesse. Ändert man aber zu viel, riskiert man sie zu verprellen. Nun wagt sich Polyphony Digital an für die Serie sehr mutige Schritte – weg vom Mainstream, hin zum Sport. Und damit meinen wir sowohl den Motor-, als auch den e-Sport.

Beurteilungen von Videospielen können meiner Meinung nach nie ganz ohne Vergleiche mit ähnlichen Titeln ihrer Zeit auskommen. Immerhin setzen diese die Maßstäbe dafür, was man erwartet. Dementsprechend wäre es töricht über GT Sport zu sprechen, ohne recht schnell auf Forza Motorsport 7 einzugehen. Und hier sieht es erst einmal nach einem glatten Durchmarsch für das Microsoft-Produkt aus (den passenden Test gibt’s hier): Über 700 Autos, 32 Locations, dynamisches Wetter, Tag-Nacht-Wechsel, Schadensmodell, eine ausgewachsene Solo-Karriere die einen stundenlang beschäftigt … in all diesen Kategorien hat Gran Turismo Sport klar das Nachsehen.

Wetter? Fehlanzeige. Tag-Nacht-Wechsel? Nop … nur die Tageszeit kann vor Rennantritt eingestellt werden, ändert sich dann aber nicht. 700 Autos? Nicht mal annähernd. In Gran Turismo warten gerade mal 150 darauf von euch über die 27 Strecken (aus 19 Locations) gescheucht zu werden. Einzig damit Rally-Autos und Strecken anzubieten kann GT im Vergleich mit Forza (nicht aber Project Cars 2) so etwas ähnliches wie auftrumpfen. Schadensmodell? Kleine Kratzer sind sichtbar, ja. Selbst nach einem 300 km/h-Crash frontal gegen eine Wand fährt der Wagen aber unbeeinträchtigt weiter. Und ein Karrieremodus? Nun, es wartet eine Fahrschule, in der man sich als Könner erst einmal durch unglaublich mühsame Sessions arbeiten muss, in denen schlichtes Gas-Geben und Bremsen gefordert ist, bis die wirklich fordernden Aufgaben beginnen. Zudem kann man sich durch diverse Missionen arbeiten, die meist aus möglichst schnellen Zeiten in bestimmten Fahrzeug/Strecken-Settings bestehen. Das war’s. Man ist zwar auch damit eine ganze Weile beschäftigt, motivieren muss man sich aber schon selbst. Ständige Zuckerl wie in Forza werden einem keine zugeworfen … auch wenn zumindest häufig neue Autos auf den Spieler warten.

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Alles Mist?

Ist Gran Turismo Sport also ein richtig tiefer Griff ins Klo? Scheiße Nein! Es ist großartig! Denn es ist kein klassischer Konkurrent für Forza 6 mehr, das einfach „nur“ ein weiteres, episches Rennspiel sein will. Gran Turismo Sport schlägt die Brücke – die erste tatsächlich ernst zu nehmende – zwischen echtem Motorsport und Videospielen. Das macht schon die Rubrik „Racing Netiquette“ klar, die sich im Spiel findet. Hier warten zwar nur zwei Videos, doch es werden aktiv Themen angegangen, die in Rennspielen sonst nur über Strafen unterschwellig angesprochen werden – wenn überhaupt: Sportlichkeit und Fairness. Polyphony betont, dass es im Rennsport – wie in jedem Sport – um faires Kräftemessen geht. Und die mangels Schadensmodell in GT so beliebten und zugegeben immer noch funktionierenden Techniken, einfach seinen Vordermann aus der Kurve zu schießen, gehören da eben nicht dazu.

So wagt man sich dann langsam und für das Thema sensibilisiert in die ersten Online-Rennen – den Hauptbestandteil von GT Sport. Hier warten diverse Serien, von Rennen „just for fun“ bis hin zu ausgewachsenen Meisterschaften. Natürlich tut Polyphony aber sein Möglichstes blutige Anfänger nicht gleich mit solchen Zockern in eine Startaufstellung zu packen, die eigentlich schon um die ersten 10 Plätze der Meisterschaft mitkämpfen. Werkzeug dafür sind zwei Werte bzw. „Levels“, in denen jeder Spieler ständig gemessen wird – einer für seine Erfahrung und Können, einer für seine Fairness.

Zudem warten vor jedem Online-Rennen Qualifying-Möglichkeiten, mit denen man seinen Startplatz schon mal maßgeblich beeinflussen kann. Heißt: Langsamere und schnellere Zocker kommen sich von Haus aus schon weniger stark in die Quere. Natürlich gilt aber: Wo behobelt wird, da fallen Späne. Wo also nach Beistzeiten gejagt und um Positionen gekämpft wird, da wird auch mal eine Kurve unterschätzt, Bremspunkt übersehen oder Gasimpuls schlicht übertrieben. Will heißen: es wird abgeflogen. Damit es hier dann aber nicht zu Massencrashes kommt, greift Polyphony zu dem Mittel Autos ab und an zu Geistern zu machen, mit denen man nicht kollidieren kann. So wird die Wahrscheinlichkeit, vollkommen schuldlos ans Ende des Felds geworfen zu werden etwas reduziert. Zumal diese „Vergeistung“ auch ab und an angewandt wird, wenn ein Fahrer einfach eine Kurve zu aggressiv schneidet oder dergleichen.

Trotzdem können Kollisionen natürlich nicht ganz verhindert werden. Vor allem, da zumindest in unseren Test-Sessions so mancher Wagen doch etwas unberechenbar auf dem Asphalt hin und her hüpfte. Polyphony und Sony arbeiten aber inbrünstig an der Weiterentwicklung und Verbesserung. Angenehm dabei: Über das Spiel-eigene News-System werden die Zocker über all das ständig auf dem Laufenden gehalten. Überhaupt wirkt GT Sport in seiner Gesamtheit sehr gut als Community-Plattform aufgebaut – modern und „social“ eben. Gefällt mir. Ebenso gefällt mir der Umstand, dass Polyphony nationale und internationale Bewerbe ausrichten wird, die teilweise bis in die Zeremonien der FIA für „echte Rennfahrer“ münden werden. Sprich: Läuft alles nach Plan, werden GT Sport Zocker einmal Schulter an Schulter mit den Granden des Formel- oder Rally-Sports auf ein und der selben Bühne stehen. Damit kommt der e-Sport endgültig dort an, wo er im professionellen Betrieb hingehört: Ins Rampenlicht.

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Echt oder Spiel?

Gefallen hat mir auch die Technik des Spiels. Sicher: Das Schaden und Wetter fehlen ist doch eine ziemliche Niederlage. Man muss aber dennoch eingestehen, dass GT Sport in Bewegung und vor allem auch im Stillstand – über den Foto-Modus – unverschämt gut und definitiv besser als Forza Motorsport 6 aussieht. Gerade bei den Ergebnissen des Scapes genannten Foto-Modus kann hier das Spiel „Echt oder Screenshot“ tatsächlich mal spannend werden.

Wie schon in den vorigen Teilen liegt das aber weniger an den Polygon-Zahlen, sondern vor allem an der Beleuchtung, die Polyphony einfach schon immer authentischer hinbekommen hat als alle anderen Studios. Beim Sound – der hingegen ebenso historischen Achilles-Ferse der Serie – wurde zwar merklich nachgebessert, ganz auf Augenhöhe mit Forza oder Project Cars hat man es aber dennoch nicht geschafft. Immerhin aber stimmt die Richtung.

Auch in Sachen Fahrphysik muss sich GT Sport keineswegs vor der dieses Jahr besonders starken Konkurrenz verstecken. Lenkimpulse, Lastwechsel, Gripverläufe … alles wird äußerst realistisch umgesetzt und simuliert. Einzig ein wenig mehr Feedback über den Controller hätte ich mir gewünscht. F1 2017 hat mich hier verwöhnt – aber auch Forza bekam das ein wenig besser hin. Beim Spiel mit einem Force Feedback-Lenkrad hingegen gibt es nichts zu meckern – hier wird jede kleinste Fahrbahnunebenheit perfekt in die eigenen Handflächen weitergereicht.

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FAZIT

GT Sport hat bereits einige Fans der Serie überrascht und auch enttäuscht. Das liegt aber meiner bescheidenen Meinung nach nicht daran, dass das Spiel schlecht ist, sondern schlicht, dass die Erwartungshaltung eine falsche war. GT Sport ist nichts für all jene, die rein offline spielen wollen. Klar kann man das hier auch, man wird aber immer nur an der Oberfläche des Spiels kratzen. Wagt man sich in Online-Matches hingegen, wird GT Sport unglaublich motivierend und spaßig … und könnte hier mit den geplanten Turnieren und Online-Events noch deutlich zulegen. Dennoch muss sich der neuste Gran Turismo-Teil auch die Kritik gefallen lassen, dass die aktuelle Auto- und Strecken-Auswahl einfach mit den Angeboten der Konkurrenz nicht mal annähernd mithalten kann – zumal auch Wetter, Schaden und Nachtrennen fehlen. All das soll zwar noch kommen, doch heute bleibt in dieser Hinsicht dennoch mal ein schaler Nachgeschmack.

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