Life is Strange 2 im Test

Life is Strange 2 im Test

Life is Strange – das Leben ist seltsam. Das mussten bis jetzt schon mehrere Charaktere der gleichnamigen Serie feststellen. Nach der zeitmanipulierenden Max und der rebellischen Cloe trifft es dabei diesmal die beiden Brüder Sean und Daniel. Auf die Plätze, fertig, mitleiden …

Hier geht’s nicht mit rechten Dingen zu

Wer die vorigen Serienteile gespielt hat, der weiß, dass es im Life is Strange-Universum nicht immer ganz natürlich hergeht: Zeitmanipulation, alternative Realitäten – das alles hatten wir schon. Diesmal geht es indessen um Telekinese, und einmal mehr wirft die Fähigkeit das Leben zweier Jugendlicher aus der Bahn.

Die Story beginnt mit dem mehr oder minder idyllischen Leben von Sean und Daniel, die gemeinsam mit ihrem fast-zu-cool-um-wahr-zu-sein Vater in einem kleinen Ort in Seattle leben. Es ist Halloween, Sean ist verliebt, seine beste Freundin spielt Wing-Man, um ihm ein Date auf der anstehenden Party zu sichern, und seine größte Sorge sind die Quälgeistmomente seines kleinen Bruders. Bis alles schiefläuft. Ein Missverständnis später ist nichts mehr, wie es war, und Sean und Daniel sehen sich gezwungen, von Zuhause zu flüchten – in den Wald, ohne wirkliches Ziel, auf sich allein gestellt auf dem Weg ins Nirgendwo. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, scheint Daniel Fähigkeiten zu haben, die ein gewöhnlicher Neunjähriger nicht haben sollte …

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Gemeinsam gegen die Welt

Wie in den beiden vorigen Serienteilen besteht die Hauptaufgabe in Life is Strange 2 wiederum darin, eure Umgebung zu erkunden, Hinweise zu sammeln, diese dann in Gesprächen und Interaktionen mit eurer Umwelt zu nutzen, sowie Entscheidungen zu treffen, die den gesamten Story-Verlauf verändern können. Diesmal übernehmt ihr hierfür die Steuerung des älteren Bruders Sean, der nach den tragischen Ereignissen Zuhause über Nacht erwachsen werden und mit Situationen umgehen muss, die selbst tatsächliche Erwachsene überfordern würden – die Verantwortung über seinen kleinen Bruder inklusive.

Wie die ersten beiden LIS-Teile dreht sich dabei alles in erster Linie um zwischenmenschliche Beziehungen, was nun auch in Sachen Gameplay in den Vordergrund gestellt wird: Während ihr in den Vorgängern zwar mit Cloe bzw. Rachel reden und interagieren konntet, gibt es nun auch stetig Optionen, Daniel Dinge zu zeigen, mit ihm über Gesehenes zu reden, mit ihm zu spielen, ihn zu ermahnen, ihn um Dinge zu bitten oder ihm zu helfen – etwa, wenn es darum geht, über einen Baumstamm zu klettern. Was davon ihr tut und lasst, bestimmt, wie eure weitere Beziehung zueinander verläuft und wie Daniel geprägt wird, was wiederum beeinflusst, wie er auf zukünftige Situationen reagiert. Doch nicht nur eure direkten Interaktionen mit Daniel bestimmen sein Verhalten, auch was für ein Vorbild ihr ihm liefert; sieht er euch etwas stehlen, wird er später dazu verleitet sein, selbst Dinge mitgehen zu lassen.

Weniger Action, mehr Abwechslung

Wer sich an den Beginn des ersten Life is Strange erinnert, weiß, dass Episode 1 der ersten Staffel vor allem von zwei Dingen geprägt war: Action-Momenten und vielen Wiederholungen – wenig überraschend, ging es doch um einen Charakter, der die Zeit zurückdrehen konnte. Doch nicht nur dieses Feature machte das Erlebnis ein wenig repetitiv – immer durch die gleichen Hallen des gleichen Campus zu laufen, verstärkte das Ganze nur. Life is Strange 2 startet gemächlicher, sorgt auf der anderen Seite aber auch dafür, dass euch in den Umgebungen garantiert nicht langweilig wird: Von Sean und Daniels Haus über einen Wald und eine Tankstelle bis hin zu einem Motel führt euch das Abenteuer bereits in der ersten, knapp 3-stündigen Episode.

Die Story fokussiert sich in diesem Teil des Spiels dabei vor allem auf den Aufbau der Beziehung eurer beide Hauptcharaktere, bietet allerdings dennoch reichlich spannende Momente und – wie könnte es anders sein – auch so machen Augenblick, der durchaus auf die Tränendrüsen drückt. Der einzige wirkliche Kritikpunkt, den ich zur bisherigen Geschichte äußern möchte, ist, dass einige der Dialoge, vor allem zu Beginn von Roads, genau nach dem klingen, was sie sind: Zeilen, die Teenagern von Erwachsenen in den Mund gelegt wurden. Oder kennt ihr einen Teen, der sich tatsächlich laut fragt, ob „alte Leute auch cool sein können“? Eben …

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Fan-Service und Mitsing-Momente

Kein Life is Strange wäre komplett ohne seinen tollen Soundtrack. Wie bereits in Teil 1 und Before the Storm werden die einzelnen Szenen auch diesmal wieder atmosphärisch perfekt von den ausgewählten Melodien untermalt. In Sachen Grafikstil verlässt man sich einmal mehr auf die bewährte Mischung aus detailreichen Charakteren in Gemälde-ähnlichen Umgebungen und punktet damit wie auch schon in den Vorgängern.

Apropos Vorgänger: Serienneulinge müssen sich keine Sorgen machen, die Handlung nicht zu verstehen – Sean und Daniels Abenteuer kann auch ohne jegliches Vorwissen gespielt und genossen werden. Wer jedoch bereits Serienveteran ist, der darf sich auch auf viele kleinere Anspielungen freuen. Stichwort: Hawt Dawg Man.

FAZIT Episode 1: Roads

Life is Strange 2 – Episode 1: Roads schließt sowohl in Sachen Atmosphäre wie auch Gameplay direkt an seine Vorgänger an, bringt dabei aber auch frischen Wind in die Reihe – vor allem durch die nun noch deutlicheren Interaktionsmöglichkeiten mit Daniel. Die Story selbst mag langsamer starten als in den ersten beiden Teilen, wirkt dafür aber von Anfang an abwechslungsreicher. Persönlich hat mir die Episode sehr gut gefallen – von der anfänglichen Familienidylle hin zur Katastrophe und der daraus resultierenden Beziehung der beiden Brüder, die von Sean getragen werden muss. Zeit für mehr Action ist dann immer noch reichlich in Episode 2 bis 5. Von dieser Redakteurin gibt es deshalb eine eindeutige Kaufempfehlung!

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FAZIT Episode 2: Rules

Episode 2: Rules setzt ein paar Wochen nach dem Ende von Roads an: Nach den Geschehnissen des letzten Eintrags haben die beiden Brüder nun damit begonnen, Daniels Kräfte gezielt zu trainieren und erste Regeln aufzustellen, um diese vor der Welt geheim zu halten und Daniel somit zu schützen. Die Reise beginnt dabei in einem verlassenen Ferienhaus im verschneiten Wald und führt das Paar schließlich zu ihren Großeltern, die – genau wie die Brüder selbst – immer noch mit der Tatsache zu kämpfen haben, dass sich ihre Tochter einfach aus dem Staub gemacht hat. Was folgt sind serientypische Momente voller Emotion, die sich diesmal in erster Linie um das Thema Familie und Zusammenhalt innerhalb von Familien drehen. Dabei erfahren wir sowohl mehr über Daniels und Seans Mutter sowie deren Eltern wie auch über den bereits aus der Demo The Awesome Adventures of Captain Spirit bekannten Chris und seinen Vater. Wer die Demo gespielt hat, kann hierbei übrigens auch seine Daten einlesen lassen, um direkt an die Ereignisse dort anzuschließen. Das Tempo von Rules scheint sogar noch etwas gemächlicher als jenes von Episode 1, führt uns aber einmal mehr durch eine Vielzahl an Emotionen und tiefgreifende Themen und fasziniert somit auch ohne große Action-Momente.

Was ist Life is Strange 2? Story-technisch unabhängige Fortsetzung der Reihe rund um zwischenmenschliche Beziehungen, die von euren Handlungen und Entscheidungen mitbestimmt wird
Plattformen: PS4, Xbox One, PC
Getestet: PS4-Version
Entwickler / Publisher: Dontnod / Square Enix
Release: 27. September 2018
LinkOffizielle Webseite

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