MLB The Show 20 im Test
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MLB The Show 20 ist eine wunderbare Baseball-Simulation, die neben den für das Franchise relevanten Inhalten alles mitbringt, was das Fan-Herz begehrt. Leider können dieses Erlebnis nur Menschen genießen, die wissen wie der Hase im Baseball läuft

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MLB The Show 20 im Test

Amerikanische Sportarten drängen immer mehr über den großen Teich zu uns nach Europa und erfreuen sich hierzulande steigender Popularität. Mit diesem neuen Bekanntheitsgrad kommen auch immer mehr der entsprechenden Sportspiele zu uns in die Alpenrepublik. Während NHL, NBA und NFL schon fest im sportlichen Sprachgebrauch Österreichs angekommen sind, fristet die Major League Baseball, kurz MLB, noch ein Schattendasein. Mit MLB The Show 20 wollen die San Diego Studios von Sony Interactive Entertainment dies nun ändern und etwas Baseball-Feeling in die heimischen Wohnzimmer bringen.

Eines muss man gleich vorwegschicken, ohne Basiswissen im Bereich Baseball sowie seiner Regeln wird man des Lebens in Sonys Baseball-Simulation wohl nicht froh, denn MLB The Show 20 setzt dieses voraus und erklärt hier nur sehr wenig. Außerdem muss man des Englischen mächtig sein, denn das Spiel ist nur auf Englisch verfügbar, wie es zum Beispiel auch bei Madden der Fall ist. Vermutlich ist der Absatz dieser Spiele außerhalb des englischen Sprachraums nicht sehr groß, weshalb es keine deutschsprachige Lokalisierung gibt.

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„Kleiner“ Baseball Grundkurs

Um einem die Steuerung verständlich zu machen, muss leider ein kleiner Exkurs in die Regeln und Mechaniken von Baseball gemacht werden, aber keine Sorge es wird sehr kurz und übersichtlich ausfallen. Vielleicht?! Baseball kann man sich als rundenbasierten Sport vorstellen: wir sind in jeder Runde einmal der Werfer (Pitcher) und einmal der Schlagmann (Batter), die weitere Action rund um diese beiden Positionen werden wir etwas später behandeln. Zuerst schauen wir uns die Aufgabe des Schlagmanns an, da ihr in dieser Phase punkten könnt. Ziel ist es einmal um das ganze Feld zu laufen, also einmal alle vier „Ecken“ – die Bases – zu berühren. Erst nach einer vollen Runde gibt es einen Punkt. Schlagen ist in seinem Grundprinzip ganz einfach: mit dem Linken Analogstick steuert ihr die Richtung wohin der Schlag gehen soll und mittels der vier Aktionstasten könnt ihr die Art des Schlages ändern. Egal ob einfach nur abtropfen lassen, oder voll durchziehen, entscheidend ist der Zeitpunkt wann der Button gedrückt wird. Im linken unteren Eck seht ihr nach dem Schlag zu welchem Zeitpunkt ihr den Ball getroffen habt. Aber Vorsicht, der Pitcher wird euch auch Bälle zuwerfen, die ihr kaum oder gar nicht treffen könnt und wenn ihr dann reagiert gibt es einen Fehlschlag, die bekannten Strikes. Wenn der Schlagmann drei Fehlschläge hat, ist er raus und das Team bekommt ein sogenanntes Out. Hat ein Team drei Outs wechselt das Schlagrecht zum anderen Team. Als Nächstes widmen wir uns dem Pitcher. Als Pitcher ist es eure Aufgabe dem Schlagmann den Ball so zuzuwerfen, dass dieser keine Chance hat den Ball zu treffen. Doch Vorsicht, wenn ihr den Ball zu ungenau werft und der Batter nicht reagiert bekommt ihr eine Strafe, den sogenannten „Ball“ und nach vier Fehlern des Werfers darf der Schlagmann unbehelligt zur nächsten Base gehen.

Doch wie werfen wir nun einen Ball? Dies passiert in vier Schritten: im ersten Schritt wählt ihr mittels der Aktionstasten die Art des Wurfes aus. Habt ihr die Art ausgewählt und gedrückt, sucht ihr mit dem linken Analogstick die Stelle aus, wo ihr euren Ball hinwerfen wollt. Als Hilfe wo der Schlagmann am sichersten trifft habt ihr ein Rechteck zur Verfügung. Außerhalb dieses Rechtecks hat der Batter Probleme den Ball zu treffen, aber es steigt auch die Chance eines Misserfolgs beim Werfen. Ist die Positionierung abgeschlossen, drückt ihr eine der vier Aktionstasten, um den Wurf zu starten. Nun erscheint ein Meter, das sich aufbaut. Durch erneuten Druck derselben Aktionstaste bestimmt ihr die Stärke des Wurfs. Hier müsst ihr jedoch schnell reagieren, denn der Balken saust nun sofort hinunter und ihr müsst den Balken zum perfekten Wurfzeitpunkt wieder stoppen. Dies wird durch einen Bereich angezeigt, der am unteren Ende des Meters ist. Trefft ihr den Bereich nun zum richtigen, oder annähernd richtigen, Zeitpunkt wird der Wurf präzise ausgeführt. Wenn ihr stärker, zu früh oder zu spät stoppt, wird der Wurf entsprechend schlechter.

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Taktik und Action abseits des Balls

Die erste taktische Komponente betrifft den Pitcher, denn dieser hat neben seinen grundlegenden Fähigkeiten zwei spielbestimmende Faktoren. Das ist einmal seine Energie; je mehr Würfe er machen muss, desto müder wird er und seine Würfe werden nicht mehr so stark wie zu Beginn des Spiels sein. Doch nicht nur das ist ein limitierender Faktor, denn darüber hinaus hat der Pitcher auch ein schwankendes Selbstvertrauen. Je mehr Strike Outs er wirft, umso selbstsicherer wird er, wodurch der Bereich wächst, den ihr für den perfekten Wurf treffen müsst. Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt, je mehr die Batter treffen umso dünner wird der entsprechende Bereich. Jedoch auch die Batter werden mit der Zeit müde. Je länger das Spiel dauert umso langsamer werden diese, wodurch ihr mehr Zeit habt den Ball zu den Bases zu werfen, um den Läufer mit einem Out zu stoppen.

Die nächste Komponente, die ins Spielgeschehen eingreift ist das Stehlen der Base. So lange der Pitcher nicht wirft könnte jemand der sich schon auf einer Base befindet zur nächsten sprinten, um ohne einen gelungenen Schlag weiter vorzudringen. Dies sieht der Pitcher aber immer im Augenwinkel und könnte drauf reagieren und den Ball noch vor dem Läufer zur Base zu werfen. Das sind alles Aktionen, die sich neben des Hauptspektakels abspielen können, aber es gibt noch etwas direkt am Ball. Wenn ihr den Ball als Batter trefft, fliegt dieser seine Flugbahn und euer Läufer sprintet los. Nun gebt ihr dem Batter die Kommandos ob er nur die erste Base besetzen soll oder weiter zur nächsten darf. Aber auch als Pitcher müsst ihr gedanklich schnell umschalten sobald der Ball getroffen wurde, denn nun steuert ihr den Spieler, der am nächsten zum Ball steht. Ihr könnt denselben nun direkt aus der Luft fangen und den Läufer sofort mit einem Out bestrafen, oder müsst, wenn das nicht gelingt, den Ball zur Base werfen bevor der Läufer dort ist.

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Franchise und Spielmodi

Jetzt mal fest durchgeatmet, das waren viele Details für einen nur kleinen Umriss der Regeln. Ohne diese Info würde man viele der möglichen Aktionen jedoch nicht verstehen. Aber was bietet mir das Spiel abseits des eigentlichen Baseballs? Ihr bekommt natürlich alle MLB-Teams mit ihren Spielern, Logos und deren Stadien; egal ob die berühmten New York Yankees, die Los Angeles Angels oder die eher unbekannten Atlanta Braves, alle sind sie mit dabei. Wesentlich wichtiger aber sind die möglichen Arten, wie man das Spiel bestreiten kann. Längst reicht es nicht mehr nur die entsprechende Sportart so gut es geht zu simulieren. Die Spieler wollen mehr Abwechslung, und das wird bei MLB The Show 20 auch mitgeliefert. Natürlich, an vorderster Front ist der „Play Now“ Modus, der es euch ermöglicht direkt ins Spiel mit oder gegen Freunde einzusteigen. Es ist auch möglich, eure eigene Liga zu starten. Mit an Bord ist zudem ein Saison-Modus unter dem Titel, „March to October“, bei dem ihr euer Team zum World Champion führen könnt.

Doch hier ist noch nicht Schluss, auch ein Karriere-Modus, „Road to the show“, ist fester Bestandteil der auswählbaren Spielmodi. Hier könnt ihr euch als junger Spieler über den Scouting Combine zum Fixstarter in der MLB hocharbeiten. Schön hierbei ist, dass ihr eure Charaktereigenschaften selbst bestimmen könnt, was wiederum zu verschiedenen Optionen im Dialogmodus führt. Das kennt man zwar hier zu Lande schon aus Fifa, fühlt sich bei MLB The Show 20 aber etwas realistischer, dafür aber auch weniger pompös an. Für die Manager unter euch ist auch etwas dabei. Mit dem Modus „Franchise“ könnt ihr durch eure Entscheidungen ein Team bis zum Titel und darüber hinaus leiten. Hinter dem Motto „Diamond Dynasty“ wiederum versteckt sich ein Modus, den wir Europäer eher unter dem Namen „Fifa Ultimate Team“ (FUT) kennen. Hier könnt ihr euer Team aus Spielern zusammenstellen, die ihr aus Baseballkarten-Packs bekommt.

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Heiter bis wolkig

Bis hier klingt ja alles nach einem angenehmen Spiel für Baseballenthusiasten, aber nur fast. Das Spiel selbst ist durchaus gelungen, aber man merkt immer wieder, dass der letzte Schliff fehlt. So sehen Spieler, Schiedsrichter, Feld und Umgebung sehr gut aus, werden aber dann wieder durch das plump wirkende Publikum stark getrübt. In der Art und Weise wie gespielt werden kann bietet MLB The Show 20 wiederum einiges an Möglichkeiten. Ihr könnt die Spiele als TV-Event absolvieren, was jedoch lange Pausen mit Interviews und so weiter mit sich bringt. Spielern mit wenig Zeit steht dementsprechend auch ein sehr schnell-Modus zur Verfügung, wo es Schlag auf Schlag geht, ohne viel Schnickschnack. Aber auch eine Mischform aus beiden Varianten ist möglich. Getrübt wird das Gesamtbild nur dadurch, dass das Modell der Reporterin ehre an die frühen Jahre dieses Jahrtausends erinnert. Schwierig ist, dass trotz eines hervorragenden Tutorials, während des Spiels die Baseball-Reglen selbst nicht erklärt werden. Jetzt muss man aber auch sagen, dass dies bei den anderen Sportspielen auch nicht passiert. Und dennoch ist es gerade bei MLB The Show 20 leider eine Gratwanderung, denn unsere bekannten Sportarten sind in den Grundlagen oft sehr leicht zu verstehen, wohingegen die amerikanischen oft sehr regelintensiv sind. Doch die Hauptzielgruppe des Spiels braucht sicherlich keinen Grundkurs, da diese meist mit dem Sport aufwächst. Das größte Manko sind daher die Mikrotransaktionen im Diamond-Modus; diese erinnern sehr stark an die Geschäftspraktiken von EA und stören den Gesamteindruck doch erheblich.

FAZIT

MLB The Show 20 ist eine wunderbare Baseball-Simulation, die neben den für das Franchise relevanten Inhalten alles mitbringt, was das Fan-Herz begehrt. Es spielt sich wunderbar flüssig, ist leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern. Der Titel lässt in Sachen alternativen Spielmöglichkeiten keine Wünsche offen und ist gut ausbalanciert. Leider können dieses Erlebnis nur Menschen genießen, die wissen wie der Hase im Baseball läuft. Ohne auch nur die Grundzüge des Sports zu verstehen geht hier gar nichts und selbst dann wird es phasenweise schwierig. Hätte man sich noch etwas mehr Mühe bei einzelnen Details gegeben und auf die Cashcow Basball-Ssammelkarten verzichtet, wäre das Spiel ein richtiges Genre-Vorbild. So bleibt am Ende immerhin ein wunderbares Baseballspiel, das die Fans der Sportart sicher begeistern wird. Kleiner Tipp am Rande: im PS-Store ist das Spiel für rund 50 € als digitale Standard-Version erhältlich.

Was ist MLB The Show 20? Die 15. Ausgabe in Sonys Baseball-Simulationsreihe basierend auf der nordamerikanischen Major League.
Plattformen: PS4
Getestet auf: PS4 Pro
Entwickler / Publisher: SIE San Diego /Sony Interactive Entertainment
Release: 17. März 2020
Link: Offizielle Webseite

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