Pokémon Schwert und Schild: Die Insel der Rüstung im Test
GRAFIK 3
SOUND 4
HANDLING 4
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 2

Es ist toll alte Gefährten der Pokémon wiederzusehen. Das Open-World-Gefühl der neuen Insel überzeugt, die Grafik hinkt jedoch hinterher und die Story kommt mit nur knapp vier Stunden leider viel zu kurz

Summary 3.2 stark
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SPIELDESIGN 1
MOTIVATION 1
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Summary 1.0 naja

Pokémon Schwert und Schild: Die Insel der Rüstung im Test

Die letzten Pokémon-Abenteuer lösten im Herbst 2019 definitiv Kontroversen in der Spielerschaft aus. Von den einen geliebt, den anderen gehasst, hatte es Pokémon Schwert und Schild nicht leicht bei den eingesessenen Fans des Franchise. Nun ist es endlich soweit und wir dürfen in der ersten Erweiterung, Die Insel der Rüstung, erneut in die Galar-Region zurückkehren und dort neue Geschichten erleben. Doch, können das neue Gebiet, das Kampfdojo und vor allem die (alten) neuen Pokémon überzeugen?

Eine neue Insel wünsch‘ ich mir

Auch wenn viele Fans Probleme mit Pokémon Schwert und Schild hatten, hatte ich als „Pokémon-Noob“, die einfach nur etwas Spaß haben möchte und nicht unbedingt an herausfordernden Online-Kämpfen interessiert ist, sehr viel Freude mit dem damaligen Abenteuer in der Galar-Region. Dies ist auch in unserem dazugehörigen Test vom November 2019 nachlesbar. Im ersten Part des zweiteiligen neuen DLC-Passes geht unsere Reise nun weiter. Nach einer kleinen Zugfahrt verschlägt es uns auf die neu entdeckte Insel der Rüstung. Auf dieser erwarten uns neue Weggefährten – aber auch einige altbekannte Gesichter! Im Test wagte ich mich in die Schild-Version des DLCs.

Die neue Insel der Rüstung wurde dabei wie die bereits bekannte Naturzone aufgebaut und stellt eine Art „Open-World“ dar. Es gibt diesmal keine festgelegten Pfade, sondern wir können uns ganz frei durch die Wildnis voller herumlaufender Pokémon bewegen. Dabei gilt es stets abzuwägen, ob wir unseren Gegnern bereits gewachsen sind oder doch ein anderer Weg eingeschlagen werden sollte. Nach einem ersten Kampf, welcher uns auf der Insel begrüßt, können wir also unseren ganz eigenen Weg wählen. Wir werden nicht einmal dazu gezwungen direkt zum Dojo der Insel zu radeln – dem großen Feature des DLCs, welches ich später noch genauer vorstelle.

Diese Offenheit der Insel hat mir – wie auch bereits bei der Naturzone aus Schwert und Schild – einfach unglaublich gut gefallen. Ich liebe das Erlebnis, die Pokémon frei in der Wildnis umherstreifen zu sehen. Dadurch fühlt sich die Pixelwelt doch gleich um einiges lebendiger an. Zugleich kann man auch erst so die wahre Gewalt eines Pokémon feststellen – wenn wir doch im Wasser vor der Insel auf ein gigantisches Wailord treffen, oder uns am Strand ein übermotivierter Kingler verfolgt!

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Die neu entdeckte Insel erwartete uns!

Tolle Abwechslung, aber grafisch leider keine Augenweide

Besonders gut gefiel mir die Abwechslung, welche die Insel mit sich bringt. Wir radeln über weite Felder, platschen am Strand im Wasser oder suchen unseren Weg in verwinkelten, dunklen Höhlen. Sogar ein Wüstengebiet und ein Sumpf finden sich auf der Insel – für eine vielfältige Natur wurde also definitiv gesorgt! Ich fand es sehr ansprechend, dass diesmal nicht nur weite Felder von Gras verwendet wurden, wie es bei der Naturzone im Hauptspiel noch der Fall war. Die Insel fühlt sich dadurch gleich viel größer und weitläufiger an. Man hat so indirekt sogar ein wenig das Gefühl, man hätte mehr als nur ein neues Gebiet spendiert bekommen.

Grafisch hätte ich mir jedoch noch ein oder zwei Stufen mehr an Feinschliff gewunschen. Gerade im Vergleich zum eigentlichen Abenteuer in der Galar-Region hatte ich mir schon eine ansprechendere Grafik erhofft – beziehungsweise wenigstens eine die der Qualität des Grundabenteuers entspricht. Im Vergleich zu den ursprünglichen Gebieten lässt die neue Insel jedoch grafisch einige Wünsche offen. Die Wände der eingefügten Höhlen wirken, durch einen Matsch an Pixel, fast wie Schlamm anstatt festes Gestein.

Zahlreiche liebevolle Details wie die leuchtenden Steine in Höhlen oder bunten Pilze des Grundspiels fehlen. In den weitläufigen Wiesen finden sich selten einzelne Bäume, in der Wüste sieht man nichts außer Sandstürme. Naja, es ist klar, dass man bei der Switch kein absolutes Grafikwunder erwarten kann. Bei der langen Zeit, welche zwischen Grundspiel und DLC lag hätte ich mir aber definitiv mehr erwartet. Ich hoffe sehr, dass Part 2 – die Schneelande der Krone – hier noch nachbessern kann! Denn auch der darunterliegende Soundtrack war diesmal eher repetitiv und wenig abwechslungsreich.

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Ein seltsam anmutender Rivale – wenn auch nur für kurze Zeit

Passend zu jedem neuen Pokémon-Abenteuer steht uns auch im DLC Die Insel der Rüstung ein neuer Rivale als zentraler Antagonist gegenüber. Auch wenn Hop, Freund und Nachbar aus dem Grundspiel, ebenfalls seinen kleinen Auftritt erhält, so gehört das Rampenlicht doch dem Neuzugang Saverio. Saverio ist ein Fanatiker mit einem Team voller Psycho-Pokémon und einem Haufen kreisender Poké-Bälle rund um seinen Kopf. Im Schwert-Pendant treffen Spieler hier auf Sophora, eine Trainerin mit einer Vorliebe für Gift-Pokémon.

Wir treffen Saverio erstmals nach unserer Ankunft am Bahnhof und er verwechselt uns auch sofort mit einem anderen angehenden Schüler des Dojos, welchen er eigentlich abholen sollte. Natürlich fordert er uns zu einem Kampf heraus, welchen er – unserem viel zu starken Team geschuldet – sofort verliert. Als Rache versucht er uns zu sabotieren und in die falsche Richtung zu schicken. Aber mal ehrlich: ein Level 58 Abra sowie ein Level 60 Flegmon? Da muss schon mehr kommen, um den CHAMP höchstpersönlich zu besiegen. Dies bringt mich auch zu einem Punkt, der mich einfach irgendwie gestört hatte: Es wusste wirklich NIEMAND auf der Insel darüber Bescheid, wer wir eigentlich sind und was wir in Galar bereits geleistet haben.

Gerade in der Galar-Region wurde dies dadurch wunderbar gelöst, dass der Spieler auch nach der Haupt-Story von den NPCs oft als Champ begrüßt oder um ein Autogramm gebeten wird. Umso seltsamer fühlte es sich an, wieder als kleiner Knirps angesehen zu werden – vor allem mit gleich zwei legendären Pokémon im Gepäck. Naja, ist schließlich Pokémon, Logik muss da nicht unbedingt sein! Rivale Saverio jedenfalls läuft uns während unseres Abenteuers noch dreimal über den Weg, stellt jedoch leider nie eine angemessene Herausforderung dar. Der Schwierigkeitsgrad hätte hier gerne noch etwas höher sein können, ich hatte mir sehr einen würdigen neuen Gegner gewunschen. Vielleicht wird es doch einmal Zeit, mich auch in den ein oder anderen Online-Kampf zu stürzen (und dabei kläglich zu versagen!)

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Auf geht’s in den Ring…

Als große Innovation des ersten DLC-Parts erwartet uns auf der Insel der Rüstung das neue Dojo von Oberhaupt Mastrich. Dieser ist im ganzen Land für sein exzellentes Training des ehemaligen Champs, Delion, bekannt und nimmt nun auch uns unter seine Fittiche. Um uns für das Dojo zu beweisen, erfüllen wir drei kleine Einführungsaufgaben: Es gilt drei (wirklich sehr schnelle) Flegmons zu fangen, ein paar kleine Items zu suchen und einen Kampf gegen den bereits erwähnten Rivalen Saverio zu führen. Diese Aufgaben waren wirklich leicht, und in nur wenigen Minuten erfüllt. Die Flegmons stellten dabei noch die größte Herausforderung dar!

Im Dojo anschließend aufgenommen, erhalten wir unser erstes neues Outfit, den gelben Kampfanzug, in Kombination mit der Steckfrisur, der sich wirklich sehen lassen kann! Überhaupt konnten mich die modischen Ergänzungen des DLCs grundsätzlich überzeugen. Aber ich schweife schon wieder ab – Gedanken zurück zum Kampftraining! Als absolute Sieger der Einführung, legen wir nämlich auch gleich mit unserem Training los.

Highlight der Einführung war für mich die große Wiedervereinigung mit Lieblingen der ersten Generation: Entweder Bisasam oder Schiggy warteten darauf, in unser Team aufgenommen zu werden! Was habe ich mich gefreut, die Schildkröte meines Vertrauens endlich wiederzusehen. Im Grundspiel gingen Fans hier leider leer aus, war hier doch nur Feuer-Pokémon Glumanda vertreten! Die zwei komplettieren damit einen Kader von rund 100 wiederkehrenden Freunden der bisherigen Abenteuer. Mit dem neuerlichen Ausbau meiner Pokédex-Einträge hatte ich also definitiv einiges zu tun!

Da das Dojo das Hauptfeature des DLCs darstellt, ersetzt es somit jedoch leider auch jegliche Arenen, welche wir aus dem Grundspiel kannten. Dies fand ich sehr schade. Das Dojo hat zwar seinen Charme, doch gerade die Arenen der Galar-Region waren für mich eines der absoluten Highlights von Pokémon Schwert und Schild: Die fesselnde Musik und das Jubeln der Fans im großflächigen Stadion. Was man anfangs noch kritisch sah, fehlte mir hier nun definitiv. Die Hoffnung stirbt jedoch zuletzt, dass es vielleicht in Teil 2 des DLCs wieder eine Arena in das Spiel schaffen wird (und ich wieder auf der großen Leinwand bejubelt werde! Warum auch sonst?!)

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… gemeinsam mit unserem neuen Kampfpartner!

Haben wir die ersten Einstiegsprüfungen im Dojo erfolgreich gemeistert, erhalten wir zudem eine Belohnung der ganz besonderen Art: das Kampf-Pokémon Dakuma! Dieses sollen wir unter unsere Fittiche nehmen und in die weite Welt entführen. Dakuma sieht das jedoch absolut anders. Der kleine, zuerst schüchtern anmutende Teddybär fürchtet sich bei unserer ersten Begegnung vor uns und es gilt zunächst, seine Freundschaft zu gewinnen. Dazu sind (sehr) viele Kämpfe und noch viel mehr Pokémon Currys vonnöten. Wer mit diesem Feature bereits im Grundspiel wenig anfangen konnte, wird hiermit leider neuerlich keine große Freude haben!

Dakuma steht im Anschluss im absoluten Mittelpunkt des DLCs. Er kann je nach Grundversion des Spieles – also Schwert oder Schild – eine andere Entwicklung nehmen. Nach der ersten Annäherung will er dafür zunächst auch einmal auf Level 70 trainiert werden. Dieses harte Training nahm bei mir etwas mehr als zwei Stunden in Anspruch und brachte dabei teilweise etwas Frustration mit sich. Ich bin einfach kein großer Fan von Kampf-Pokémon und das Karate-Setting wirkte dem armen Dakuma einfach allzu aufgezwungen. So machte es mir wenig Spaß ihn mit meinem erfahrenen Team bis zu Stufe 70 zu schleppen. Dies war jedoch wirklich mein subjektives Problem und ich bin sicher, dass Fans des Kampf-Settings hier viel Spaß mit Dakuma haben werden.

Ist die Hürde von Level 70 erst einmal genommen, geht es für uns zur letzten Prüfung unter Meister Mastrich: Wir besuchen entweder den Turm des Unlichts oder den Turm des Wassers. Die Location, in welcher wir die Prüfung bestreiten, offenbart anschließend eine von zwei Typen von Dakumas Entwicklung Waluosu. Je nach Turm nimmt er dabei entweder den Typ Unlicht-Kampf oder Wasser-Kampf an. Die jeweiligen Weiterentwicklungen sahen dabei wirklich mächtig aus und konnten Gegner wortwörtlich in den Boden stampfen!

Dakuma und ich hatten allerdings definitiv keine leichte Beziehung im Laufe des DLCs. Ich hätte mir viel mehr richtige Storyquests gewunschen anstatt stumpfem Grind. Mit den Storyquest war es nach der Einführung ins Dojo jedoch mehr oder minder vorbei.

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FAZIT

Pokémon Schwert und Schild: Die Insel der Rüstung schürte unter den Fans viele Erwartungen, kann diese jedoch leider nur teilweise erfüllen. Das neue Gebiet, welches wirklich an eine große Open-World erinnert, finde ich vom Aufbau sehr gut gelungen. Ich hoffe, dass auch zukünftige Titel sich an dieser offenen und belebten Welt orientieren – war sie doch ein Highlight des DLCs. Auch über die Neu- und Altzugänge für den Pokédex freute ich mich sehr, wenn auch am meisten darüber, mein eigenes und natürlich allerbestes Schiggy wieder in die Arme schließen zu dürfen.

Die Grafik kann jedoch nicht überzeugen und es fehlt an liebevollen Details in der Aufmachung. Die Story ist leider sehr kurz geraten und bot selbst mir als Nicht-Expertin nur knapp vier Stunden an Spieldauer. Die Aufgaben sind sehr repetitiv und erinnern fast an eine Art Grind. Nicht, dass ich nicht gerne 150 Digdas fangen würde aber es muss auch nicht unbedingt in einem kostenpflichtigen DLC, als Storyquest getarnt, verkauft werden. Dann doch lieber etwas mehr Geschichte bitte! Auch das Fehlen der von mir so geliebten Arenen mit ihrem unglaublichen Spielgefühl sowie der packenden Musik trübte mein Spielerlebnis etwas. Der Schwierigkeitsgrad ist diesmal noch leichter geraten als schon in Schwert und Schild selbst. Das liegt natürlich auch an unserem bereits stark trainierten Team, welches wir aus dem Hauptspiel übernehmen. Einen kleinen negativen Beigeschmack ließen auch die altbekannten Pokémon im neuen Gewand zurück. Man fragte sich mehr als nur einmal: „Warum denn nicht gleich beim Grundspiel so?!“. Denn auch wenn mir zu Pokémon Schwert und Schild der kleinere Pokédex selten auffiel, merkt man gerade wenn die Pokémon dann doch da sind, wie sehr sie im ursprünglichen Abenteuer fehlten.

Ich hoffe sehr, dass Part 2 des DLCs – Die Schneelande der Krone – mich etwas mehr überzeugen kann. Das Setting sieht vielversprechend aus. Ich freue mich jedenfalls schon darauf!

Was ist Pokémon Schwert und Schild: Die Insel der Rüstung? Der erste Teil des DLC-Passes von Pokémon Schwert und Schild. Das Abenteuer geht auf der Insel der Rüstung weiter – mit sowohl alten als auch neuen Pokémon und einer neuen kleinen Geschichte.
Plattformen: Nintendo Switch
Getestet: Schild-Version
Entwickler / Publisher: Game Freak / Nintendo
Release: 17. Juni 2020
Link: Offizielle Webseite

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