Predator: Hunting Grounds im Test
GRAFIK 3
SOUND 3
HANDLING 2
SPIELDESIGN 2
MOTIVATION 2

Es soll einfach nicht sein: Der Predator bekommt einfach keine wirklich gute Videospielumsetzung. Obgleich Predator: Hunting Grounds nämlich so seine Momente hat, schmälern zu viele Design-Schwächen den Gesamteindruck

Summary 2.4 passt
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Predator: Hunting Grounds im Test

Es hatte alles so gut ausgesehen: Eine starke Lizenz, quasi wie gemacht für Videospiele. Ein Studio, das mit dem angepeilten Genre der asymmetrischen Multiplayer-Spiele ebenso Erfahrung hat, wie mit dem Fan-freundlichen Umgang mit ikonischen Franchises. Und eine Engine, die durchaus als „über jeden Zweifel erhaben“ bezeichnet werden kann. Am Ende aber ist Predator: Hunting Grounds doch nur ein durchschnittliches Spiel geworden.

Ja, Predator: Hunting Grounds kann für Fans des Alien-Jägers ein echtes Fest sein. Im dichten, grünen Dschungel springt man als übermächtiger Yautja durch Baumwipfel, stellt den verzweifelten Opfern zu seinen Füßen, deren Angst man ihnen über die Thermosicht des Helms förmlich ansehen kann, mit viel taktischem Geschick nach und nach Fallen, nur um sie einen nach dem anderen mit gigantischen Speeren aufzuspießen, mit Plasma-Kanonen quasi zu atomisieren und dem letzten genüsslich die Wirbelsäule aus dem Körper zu reißen. Und wenn das schief läuft, startet man den Selbstzerstörungscountdown und verwandelt lachend alles in rosa Nebel und Asche, das sich nicht schnell genug davon machen kann. Stets untermalt von großartig atmosphärischem Sound und begleitet von vielen respektvollen Hut-Tippern an den Original-Film aus den 80ern.

Klingt fantastisch, oder? Der Haken an der Sache: Obgleich all das durchaus passieren und bei Fans sicher das eine oder andere Hochgefühl auslösen kann, so sorgen viele Schwächen im Game-Design im großen Ganzen für ein höchstens durchschnittliches Gesamtbild. Zum Beispiel deswegen, weil das besagte „große Ganze“ eigentlich sehr klein ist: Es gibt zum Launch gerade einmal drei Maps und somit Missionen, die noch dazu allesamt überaus generisch sind und keinerlei Highlights bieten. So bestehen die Missionsziele der Soldaten im Grunde jedes einzelne Mal daraus, zu einem gewissen Teil der Karte zu gelangen, dort an einem Computer oder sonstigen Objekt für eine bestimmte Zeit die Aktionstaste gedrückt zu halten und dann zum nächsten Wegpunkt zu hirschen. Dabei trifft man immer wieder auf NPC-Soldaten, die grob in Heavies, Sniper und reguläre Fußsoldaten unterteilt werden können. Wirklich gefährlich werden sie einem aber nie – dafür sind sie einerseits viel zu schlechte Schützen und schlicht zu dämlich. Aber gut: In Wahrheit müssen sie auch weder schlau noch gefährlich sein. Immerhin ist ihre eigentliche Funktion, ebenso wie die der Missionen ganz an und für sich, keine andere als euch immer wieder auf den Präsentierteller des Predators hieven. Er (oder „sie“; dazu später mehr) ist es immerhin, den ihr fürchten müsst. Zumindest theoretisch …

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Learning by doing

Die traurige Wahrheit ist, dass der grünblütigen Jäger oft deutlich leichter zu erlegen ist als es ihm würdig wäre. Das Balancing fiel nämlich klar zu seinen Ungunsten aus. Schon was die Lernkurve angeht: Während das Gameplay als Soldat, mit seiner Ego-Perspektive, den geläufigen Waffen und dem durch die Wegpunkte fast zwangsläufigen Zusammenbleiben (eine fahrlässig vergebene Chance der Entwickler – ab und an zu verlangen sich aufzuteilen würde die Sache so viel spannender machen) wenig überraschend recht schnell gut von der Hand geht, braucht das Spiel als Predator deutlich mehr Eingewöhnung. Ihn steuert ihr aus der 3rd-Person-Ansicht – ein gutes Mittel um seine überlegene Wahrnehmung zu simulieren – wobei ihr zumeist ohne konkrete Waypoints und andere Hilfestellung auskommen müsst. Gerade auch wegen der unterschiedlichen, durch die Soldaten wählbaren Eintrittspunkte in jede Karte obliegt es also eurer Intuition und dem guten Umgang mit euren Fähigkeiten eure Beute aufzuspüren. Und auch der Angriff selbst will gut erlernt sein. Verschätzt man sich bei den Energiereserven und muss daher vorzeitig auf seine Tarnung verzichten, oder aber springt einfach mitten rein in das vierköpfige Team und versucht im planlosen Nahkampf sein Glück, ist man in der Regel schneller tot als man „I ain’t got time to bleed.“ sagen kann. So mächtig und gefährlich wie er sein sollte, ist der Predator im Spiel nämlich keineswegs. Zu schwach sind seine Angriffe, zu ineffektiv sein Tarnung. Zudem können die Soldaten an gewissen Punkten auf den Maps eventuell verstorbene Teammitglieder wiederbeleben lassen – was genauso unfair ist, wie es klingt.

Es braucht also reichlich Übung, um als Predator Angst und Schrecken zu verbreiten. Das Problem: Die einzige Möglichkeit eben diese Erfahrung zu sammeln, sind Spiele gegen andere Zocker. Während das rudimentäre Tutorial euch nämlich die Steuerung und das Movement noch ganz gut erklärt, kommt der Einsatz der Waffen viel zu kurz. Damit bekommen Begegnungen mit „Erstlings-Predatoren“ oft eine etwas unbeabsichtigte Komik. Zum Beispiel, wenn eben jener erst wie ein Eichkatzerl auf Crack einen Baum hoch und runter wuselt (rote Markierungen zeigen euch mögliche Wege an, es wird automatisch von Baum zu Baum gesprungen oder an ihm entlang geklettert – was nicht immer perfekt funktioniert), nur um dann mit seiner Schulterkanone ins Nichts schießend euch vor die Füße zu fallen.

Will man also wirklich packende Duelle erleben, muss man an ein Spielerfeld geraten, das schon viel Erfahrung hat. Nicht nur, weil jeder dann einfach schon besser weiß, was zu tun ist – zum Beispiel sich als Soldat mit Schlamm einzureiben um durch die Infrarot-Kamera des Predator unsichtbar zu werden (noch so ein schöner Wink an das Film-Original) – sondern auch, weil Soldaten und Predator dann jeweils bereits das Klassen- und Ausrüstungssystem des Spiels ausnutzen können, da sie die entsprechenden Dinge freigeschaltet haben.

Die Fakten dahinter: Die Soldaten bieten vier Klassen (Sturmsoldat, Aufklärer, Späher und Unterstützer), der Predator derer drei (Jäger, Späher, Berserker). Da wie dort unterscheiden sie sich nicht nur äußerlich, sondern auch in Hinblick auf ihre persönlichen Attribute wie Geschwindigkeit und Gesundheit, als auch in Sachen verfügbarer Ausrüstung. Während die Unterschiede beim Predator ehrlicherweise vernachlässigbar ausfallen, sollte ein Menschen-Team gut gemischt werden. Allerdings könnt ihr eben weder von Anfang an alle Klassen auswählen, noch habt ihr Zugriff auf alle Ausrüstungsgegenstände oder Perks, die ihr da wie dort auswählen könnt. Soweit so bekannt und ja auch gut: Aufleveln macht bei Multiplayer-Spielen in vielerlei Hinsicht Sinn: Motivation, Matchmaking, etc. Hier, bei Predator: Hunting Grounds ergibt sich aber das Problem, dass man sich eventuell durch zahlreiche, teils unfreiwillig komische und selten bis nie befriedigende Matches arbeiten muss, bevor irgendwann mal alles anfängt cool zu werden … sofern man so lange durchhält.

Bis dahin hat man dann übrigens sicher auch schon zahlreiche Loot-Boxes freigeschaltet – ja, die gibt es auch hier. Aber gemach: Keine Mikrotransaktionen in Sicht. Dafür wären die Inhalte der Boxen aber wohl ohnehin viel zu langweilig. Sie beinhalten ausnahmslos Optik-Features für eure Waffen oder Charaktere. Sowohl die Soldaten als auch den Predator könnt ihr nämlich in vielerlei Hinsicht anpassen. Im Falle des außerirdischen Jägers also nicht nur das Geschlecht auswählen, sondern eben auch die Rüstung, Haut oder Predlocks (PREDator und DreadLOCKS … ihr versteht? Herrlich.) in Form und Farbe variieren.

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You’re one ugly motherfucker!

Für die technische Seite des Ganzen entschieden sich die Entwickler für die Unreal Engine in aktuellster Version. Was kann da schon schief gehen? So manches, wie sich zeigt. Nicht nur sieht Predator: Hunting Grounds von Anfang bis Ende wenig beeindruckend aus (Levels, Charaktermodelle, Texturen … you name it), es hat zudem ab und an mit Pop-Ups und Framerate-Drops zu kämpfen. Auch bei der Kolissionsabfrage gab es zumindest eine Zeit lang ärgerliche Probleme (Blätter lenkten die Schüsse der Schulterkanone ab).

Was bei der Grafik aber verhunzt wurde, machen die Damen und Herren von Illfonic aus Amerika beim Sound wieder wett: Der ist absolut „on point“. Vor allem die Soundeffekte des Predator passen perfekt und lassen ultimative „ich bin im Film-Stimmung“ aufkommen. Vom Geräusch der Sichtwechsel, über das Abfeuern der Schulterkanone bis hin zu seinem markerschütternden und durch das gesamte Level hallenden Schrei, wenn man sich heilt … hier passt alles.

Aus erster Hand in den Genuss der Predator-Sounds zu kommen kann aber ein Weilchen dauern: Wenig überraschend ist der Ansturm auf das Spielen als Predator besonders groß, die verfügbaren Plätze sind aber nun einmal dreimal so selten wie die als Soldat. Das führte gerade knapp nach dem Launch im Matchmaking dazu, dass ich einmal eine geschlagene halbe Stunde auf eine Partie als Predator warten musste. Auch als Soldat saß ich oft mehrere Minuten vor dem Menü-Bildschirm und wartete auf eine Partie. Das wurde aber mittlerweile etwas verbessert – die Entwickler nahmen rasch entsprechende Modifikationen im Matchmaking vor und reduzierten die Wartezeiten. Wie sich das weiter entwickelt, wenn die Kluft zwischen erfahrenen und neuen Spielern tiefer wird, muss aber freilich erst die Zeit zeigen. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die Entwickler auch noch ein Einsehen bei der Tatsache haben, dass während einer Partie aus einem Match auszusteigen keinerlei Konsequenzen hat. Es passiert nämlich so schon oft genug, dass es statt der geplanten 4 VS 1-Paarungen zu Matches mit nur drei oder zwei Soldaten kommt. Wenn dann noch einer davon aussteigt, sobald er zu Boden gegangen ist, hat das Menschen-Team in der Regel keine Chance mehr.

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FAZIT

Ach, wie gern würde ich hier jetzt davon schreiben, dass der Fluch der schlechten Predator-Versoftungen endlich gebrochen ist; dass Predator: Hunting Grounds ein gutes Spiel und ein Pflichtkauf für Fans ist. Kann ich aber nicht. Zu mickrig ist der Umfang, zu schlecht die Technik, zu unausgegoren das Balancing. Ja, das Spiel hat seine Momente. Ja, ab und an machte es mir schon Spaß leicht nervös durch den Dschungel zu hetzen, weil ich fünf Sekunden zuvor „ganz bestimmt“ diesen charakteristischen Schimmer in einem Baumwipfel gesehen habe. Aber am Ende machen die zu zahlreichen Design-Fehler und Unvollkommenheiten einem den Spaß dann doch zu oft kaputt. Schade.

Was ist Predator: Hunting Grounds? Ein asymmetrischer Multiplayer-Shooter mit Predator-Lizenz.
Plattformen: PS4, PC
Getestet auf: PS4 Pro
Entwickler/Publisher: Illfonic / Sony
Release: 24. April 2020
Link: Offizielle Webseite

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