RAGE 2 im Test
GRAFIK 3
SOUND 4
HANDLING 4
SPIELDESIGN 2
MOTIVATION 3

RAGE 2 ist alles andere als perfekt. Doch es hat seine Momente. Und die sind bestimmt von knallbunten Farben, dicken Explosionen, fetten Knarren, übermenschlichen Fähigkeiten und abgefahrenen, zerplatzenden Gegnern

Summary 3.2 stark
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RAGE 2 im Test

Härter, bunter, lauter, abgedrehter; RAGE 2 ist weniger klassischer Nachfolger als eher eine überdrehte Potenz des Erstlingswerks mit eingängigem Namen. Der Open-World Shooter setzt in vielerlei Hinsicht mehr als nur einen drauf und schickt uns Spieler in ein adrenalinschwangeres Schlachtfest, das durchaus zu gefallen weiß. Leider ist aber nicht alles Gold, das glänzt … oder knallt, in dem Fall.

An und für sich schließt RAGE 2 mit ein paar Jahren Abstand an den Geschehnissen des Vorgängers an. Kennen muss man diesen aber nicht, um der Geschichte rund um unser Alter Ego folgen zu können: In einer post-apokalyptischen Welt (ein Komet schlug auf der Erde ein) herrscht das mehr oder minder blanke Chaos. Banditen-Gangs und Mutanten machen den paar verstreuten Siedlungen das Aufbauen von so etwas wie einer neuen Zivilisation noch schwerer, als es das in einer großteils tristen Wüstenlandschaft ohnehin schon wäre. Einziger Hoffnungsschimmer: Dank der Taten des Spielers im ersten Teil befindet sich in manchen Bereichen die Flora wieder auf dem Vormarsch.

Dennoch ist die Menschheit weit entfernt von “Friede, Freude, Eierkuchen”. Die als besiegt erhoffte “Authority” unter der Leitung des wild kybernetisch aufgemotzten General Cross ist zurück und will Ordnung ins Chaos bringen … also im Grunde die gesamte Menschheit versklaven. Ihr erster Schritt in diese Richtung: Die Ranger aufmischen. Blöd: der Spieler befindet sich zu Beginn just in deren Basis und muss somit ein großes Gemetzel mit ansehen, in dem auch die eigene Ziehmutter dran glauben muss. Gut hingegen: Eben dieses Gemetzel ermöglicht unserem Alter Ego nicht nur in einen coolen Ranger Anzug zu schlüpfen, der übermenschliche Fähigkeiten mit sich bringt, sondern liefert zudem den effektvollen Startschuss für den folgenden Rachefeldzug voller spaßiger Feuergefechte und fetziger Splatter-Effekte. Ob man dabei aus der Ego-Perspektive einen Mann oder eine Frau steuert, bleibt erfreulicherweise einem selbst überlassen – auch wenn es abgesehen von der abgespielten Synchronstimme keinerlei Auswirkungen aufs Gameplay hat.

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Bumm-Zack

Besagtes Gameplay stammt vor allem aus der Feder der Avalanche-Studios. Id Software – die Macher des Originals – haben hingegen nur zugearbeitet und vor allem dafür gesorgt, dass sich das Gunplay “richtig” anfühlt – und das mit Erfolg. Die schwedischen Avalanches kennt ihr hingegen vermutlich vor allem als die Macher der Just Cause-Serie. Während sie also mit Ego-Shootern bisher recht wenig am Hut hatten, kennen sie sich mit flamboyanter Action in offenen Spielwelten umso besser aus. Da überrascht es, dass ausgerechnet die in RAGE 2 nicht so hundertprozentig überzeugen kann.

Klar: Sie ist riesig und bietet durch die Urwald-Sektionen etwas Abwechslung, allerdings fehlt ihr eine gewisse Lebendigkeit – sowohl rein optisch (echte Highlights gibt’s kaum, Wettereffekte gar nicht) als auch in Hinblick aufs angesprochene Gameplay. Denn alles, was so an Aktivitäten in der großen Welt auf euch wartet, ist im Grunde recht belanglos. Da und dort ist eine Tankstelle, ein Authority-Geschütz oder sonst etwas, das zerstört werden will, gelegentlich fahren Autos durch die Gegend die euch angreifen oder zu einem Rennen herausgefordert werden können und natürlich stolpert ihr auch immer wieder über zufällige Gefechte zwischen Banditen und der Authority. Nichts davon hat aber auch nur den leichtesten Hauch von Tiefgang oder Bedeutung. Während ihr in anderen Open World Games (Red Dead Redemption ist hier das beeindruckendste Beispiel) also rein zufällig über komplette, eigenständige Handlungsstränge stolpern könnt, begegnet ihr hier einzig und allein Gelegenheiten eure Munition zu verbrauchen. Schade. Auch die Story selbst kann sich kaum durch irgendetwas Besonderes hervortun. Kenner des Vorgängers werden zwar wohl so manch Charakter wieder erkennen und den einen oder anderen Insider-Schmäh schätzen, im Grunde wachsen einem die NPCs aber zu keiner Zeit ans Herz oder vermögen es eine Geschichte zu erzählen, die einen tatsächlich mitnimmt.

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Was soll’s …

Die Story ist es aber ohnehin nicht, auf die hier das Hauptaugenmerk gelegt wird. Es sind die Scharmützel selbst. Und die haben es wahrlich in sich – bzw. hat es eigentlich der oder die Hauptakteur/in. Er oder sie … ach ich sag einfach “er” ab hier, weil es sonst zu mühsam wird … ER ist dank des Ranger-Anzuges nämlich voll mit sogenannten Nanotriten, die einem nach und nach immer mehr coole Fähigkeiten wie Energie-Stöße, besonders harte Schläge und mehr ermöglichen. Auch das Waffenarsenal ist “drüber”. Die Wummen haben schon ab Werk mehr Bums als die der Gegner und können darüber hinaus mit der Zeit noch weiter aufgemotzt werden. Zudem könnt ihr nach und nach weitere Ausrüstungsgegenstände craften und eure Fähigkeiten aufleveln, für deren Erlangung ihr die sogenannten Arcs finden und betreten müsst, aus denen die Menschheit einst nach dem Fallout hervortreten eine neue Zivilisation aufbauen sollte. Und die Autos, mit denen ihr durchs Ödland cruisen, Rennen fahren und euch natürlich auch Schlachten liefern könnt, dürfen auch getunt werden. Der Haken an der ganzen Auf-Levelei: Für all diese Updates, Upgrades, Umbauten und Erweiterungen braucht ihr jeweils unterschiedliche Rohstoffe. Das bedeutet viel mühsames, weil manuelles Sammeln, das die ansonsten geniale Action unnötigerweise ausbremst. So einfallsreich die Entwickler allerdings bei den Collectibles waren, so wenig waren sie es leider bei den Gegnern. Zwar gibt es durcheine eine passable Variation unter ihnen, gerade die Zwischenbosse wiederholen sich allerdings enttäuschend schnell und häufig.

Aber sei’s drum: Der echte Kern des Spiels, das Gunplay, ist nämlich ziemlich genau am Punkt; das Movement flott und direkt, das Waffenfeedback kraftvoll, das Physikmodell bei Treffern an den Gegnern glaubhaft und detailliert und die Inszenierung schlichtweg bombastisch – vor allem wenn man in den Overdrive-Modus wechselt, die Farbintensität ins perverse gedreht wird, ihr monströs viel Schaden austeilt, es überall blitzt und knallt und ihr so auf spektakulärste Art und Weise Gegner um Gegner quasi zerplatzen lasst, kann sich der geneigte Action-Fan sicherlich den einen oder anderen Grinser nicht verkneifen … und wird Blut lecken.

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Console first

Auch die Steuerung geht gut von der Hand – zumindest auf Controllern, für die sie ganz eindeutig vorrangig entwickelt wurde. Das ist freilich super beim Spielen z.B. der PS4-Version, die auch meine hauptsächliche Testplattform war. Weniger gut ist das für PC-Spieler. Dort machen sich so manche Steuerungs-Designentscheidungen, die mit Controllern im Kopf getroffen wurden, nämlich eher negativ bemerkbar. Für eine der grundsätzlichsten Fähigkeiten etwa – den “Dash”, also einen sehr schnellen Sprung in eine gewisse Richtung – würde sich am PC ein einfaches Doppel-Drücken von W, A, S oder D anbieten. Ganz in alter Shooter-Tradition, was ja gerade id Software schätzen müsste. Leider geht das aber nicht. Viel eher muss die Taste für Sonderfähigkeiten gleichzeitig mit einer Richtungstaste gedrückt werden – ebenso wie beim Spielen mit Controller. Das limitiert gefühlt etwas darin gleich mit einem Dash kombiniert eine andere Sonderfähigkeit zu nutzen, funktioniert im Großen und Ganzen aber auch ganz passabel.

“Ganz passabel” ist auch die Grafik auf der PS4. Während Framerate, Lichteffekte und Weitsicht voll in Ordnung gehen, lässt der Qualitätsgrad der Charaktere und der Umgebung oft arg zu wünschen übrig – vor allem im direkten Vergleich mit der PC-Version, die der Konsolen-Fassung vor allem hinsichtlich der Texturschärfe und Charaktermodelldetails weit voraus ist. Am Sound kann man dafür weder da noch dort meckern. Die Synchronsprecher machen einen anständigen Job, die Musik ist treffend, die Soundeffekte haben ordentlich Wumms und die Surround-Abmischung ist auch gut. Lästig ist nur ein bisschen, dass es beim Aufrufen des Menüs für Logbuch, Upgrades und Co totenstill wird (also keine Musik läuft), dafür ein umso lauteres BOOOM gewisse Aktionen bestätigt. Da reißt’s einen schon mal ganz ordentlich. Und wenn wir schon über lästige Facetten in Sachen Menüs sprechen: Während quasi das ganze Spiel ohne Ladezeiten auskommt, dauert es ausgerechnet beim schnöden Wechseln zwischen den zahlreichen Menüs für Upgrades und Co. jeweils fast eine Sekunde, bis endlich der nächste Tab aufgeht. Aber das ist Kritik auf recht hohem Niveau.

FAZIT

RAGE 2 ist alles andere als perfekt. Die Welt ist relativ leer, die Story belanglos, die Technik auf der PS4 zweckdienlich aber nicht umwerfend. Dennoch hat RAGE 2 definitiv seine Momente. Dann nämlich, wenn man im Overdrive, mit anständig aufgelevelten Waffen und reichlich Übung im Umgang mit den coolen Sonderfähigkeiten, reihenweise Gegner auseinander nimmt, kunstvoll zu einem geworfene Handgranaten einfach zurückschlägt und wie ein Engel des Todes auf Steroiden durch das Ödland wütet. Actionfans mit dem Wunsch am Feierabend einfach mal Adrenalin zu tanken und das Hirn abzuschalten, dürften also ihre Freude haben. Wer mehr Tiefgang – oder einen Multiplayer-Modus – sucht, sollte aber lieber anderswo nach seinem Kick suchen.

Was ist Rage 2? Post-Postapokalyptischer Open-World Egoshooter in dem ihr in die Rolle eines Ödland-Superhelden auf Rachefeldzug schlüpft.
Plattformen: PC, PS4, XBox One
Getestet: PS4
Entwickler / Publisher: Avalanche Studios, id Software / Bethesda
Release: 14. Mai 2019
Link: Offizielle Webseite

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