Sunset Overdrive Test
GRAFIK 4
SOUND 5
HANDLING 3
SPIELDESIGN 5
MOTIVATION 4

Sunset Overdrive ist nicht perfekt – aber trotzdem in meinen Augen mit Abstand das beste „Nicht-Rennspiel“, das die Xbox One derzeit zu bieten hat. Stil, Witz, Umfang, große Teile des Gameplays: passt alles

Summary 4.2 geil
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HANDLING 0
SPIELDESIGN 0
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Sunset Overdrive Test

Das Konzept, dass ein Spiel keinen Hehl daraus macht, dass es ist was es ist und dabei weder sich selbst ernst nimmt noch mit selbstironischen Witzen geizt, ist nichts wirklich Neues. Mutanten/Zombies erschießen auch nicht. Bunte Grafik auch nicht. Und eine etwas verkorkste Steuerung auch nicht. Und doch fühlt sich Sunset Overdrive überraschend frisch an.

Nachdem Sunset Overdrive nun schon eine Weile auf dem Markt ist, kann ich mich mit den Basics wohl zurückhalten – also machen wir‘s kurz: In einer offensichtlich amerikanischen, aber doch fiktiven Stadt greift das Chaos um sich, verwandelt ein Energydrink doch alle Konsumenten in Mutanten. Das ist dem Produzenten so „unangenehm“, dass er die ganze Stadt von der Außenwelt abschirmt und versucht das Ganze bestmöglich zu vertuschen. Mitten in dieser Apokalypse steckt ihr – ein offensichtlich namenloser Charakter, der aus seinem Überlebenskampf das Beste macht: Spaß haben. Weswegen hier auch von der „Awesomecalypse“ gesprochen wird. *DaDUSCH!* Da war er auch schon. Der erste Wortwitz des Spiels. Zugegeben kein sonderlich guter, aber doch für einen Schmunzler gut. Zumal er ins Konzept passt. Ich muss zugeben, dass schon lange kein Spiel mehr gezockt habe, bei dem ich so oft und über einen so langen Zeitraum immer wieder schmunzeln oder echt lachen musste. (Das einzige, das mir jetzt noch einfällt ist der Goat Simulator, aber der gilt nicht. Aus … Gründen 😉 ) Dabei sind es vor allem die konstanten Jokes über die Tatsache, dass man eben gerade in einem Spiel ist, die des überzeugten Nerds Lachmuskeln am meisten fordern. Gekonnte Witze über die Gepflogenheiten von Games (Die Regel der drei, rote Fässer explodieren, Charaktere verschwinden auf magische Weise nach einer Cutscene) oder geschickte Verknüpfungen von ingame-Geschehen und Gameplay-Mechanismen (an einer Stelle fragt ein NPC unseren Alter-Ego mit vorgehaltener Waffe, ob er denn bewaffnet sei – dann taucht das Waffen-Auswahlrad auf und unsere Figur zeigt drauf) überzeugen. Zumindest, wenn man das Spiel ebenso wenig ernst nimmt wie es sich selbst.

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Wofür entschädigt Lachen?

Es gibt ja diesen schönen Spruch „Bei Geld hört die Freundschaft auf“. Ich erlaube mir mal, diesen für hier etwas umzumodeln. Und zwar in „Beim Gameplay hört der Spaß auf“. Lasst mich das erklären. Ich beziehe mich konkret auf zwei Punkte. Den ersten, kann ich am besten an einem Beispiel erklären: Wie vorher schon kurz angeschnitten, macht sich das Spiel an einer recht frühen Stelle in der Story darüber „lustig“, dass es die „Regel der Drei“ gibt. Also dieses vermeintlich ungeschriebene Gesetz, dass man fast immer drei Hebel umlegen, drei Knöpfe drücken, drei Items einsammeln muss, um etwas bestimmtes zu erreichen. So auch hier: In einer Fabrik für Mineralwasser muss die Anlage neugestartet werden. Dazu müssen massig ODs (die Mutanten) umgelegt und dann ein Schalter betätigt werden … und dann noch einer … und dann noch einer, wobei besagter Witz fällt. Ich persönlich hab über beide Ohren geschmunzelt und eben auch die dritte Welle ODs geplättet. Doch erst viel später im Spiel, als ich eben diese Regel der Drei immer öfter bemerkt habe, kam ich ins Grübeln. Kann man so „durchschnittliches“ Game-Design nachsehen, nur weil sich die Entwickler mal selbst drüber lustig gemacht haben? Schwierig. Ich tendiere zu „nein“.

Doch zu Punkt Zwei: Die Steuerung. Dazu muss natürlich jetzt erst einmal das Movement erklärt werden … immerhin ist es, neben dem Humor, das Kern-Element des Spiels. Immerhin geht es hier nicht nur darum, die awesomecalypse zu überleben, sondern vor allem unglaublich cool dabei auszusehen. Also sich, während man massenhaft Mutanten abknallt, möglichst spektakulär durch die Stadt zu bewegen. Dafür soll vor allem auf „sprungverstärkenden“ Objekten herumgehüpft, auf Geländern, Kanten und Kabeln gegrindet und auch mal an Wänden entlanggelaufen werden. All das muss bestmöglich aneinandergeknüpft werden, um so Stylepunkte zu kassieren und seinen Style-Meter zu füllen, der in vier Stufen aufgebaut ist. Desto höher die Stufe, desto mehr freischaltbare und dann wählbare Boni werden aktiviert. Soweit alles gut durchdacht und komplex desto mehr man hier ins Detail geht. Das Problem ist, dass es bei den Basics etwas hapert. Sofern man die Umgebung nämlich nicht absolut auswendig kennt, kann es bei Zeiten eben sehr schwierig sein zu schaun wo man gerade hinspringt um im rechten Moment die nächste Aktion einzuleiten, während man ja eigentlich auf Gegner zielen und diese erschießen sollte. Sehr oft passiert es also, dass man sich für entweder/oder entscheiden muss. Leider oft etwas mühsam.

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Aber wie viel Entschädigung ist überhaupt nötig?!

Finde ich Sunset Overdrive also schlecht?! Iwo! Mitnichten! Ganz im Gegenteil. Von vielen der anderen Elementen, die das Ganze nämlich richtig cool machen, war bis jetzt noch gar keine Rede! Da wäre zum einen die Tatsache, dass Sunset Overdrive unglaublich viel Content bietet. Allein die Story selbst – vollgestopft mit witzigen Missionen, die auch durchaus einen gewissen Abwechslungsreichtum bieten – beschäftigt einen geübten Spieler sicher um die 20 Stunden. Und dann sind da noch jede Menge Sidequests, die alle mit eigenen, witzigen Stories und Charakteren punkten können. Zudem wartet ein Insomniac-typisch großartiges Waffenarsenal auf euch, das es schafft abgefahrenes Design, witzige Ideen sowie gutes Balancing und Feeling perfekt zu vereinen. Und dann ist da noch die Grafik. Natürlich ist Sunset Overdrive keine grafische Offenbarung, doch die hauseigene Engine der Entwickler zaubert bei stets butterweichen Framerates hübsche Effekte, eine tolle Weitsicht, nette Charaktermodelle und vor allem zeitweise wirklich enorme Gegnermengen auf den Screen. Außerdem ist der Stil an sich einfach herrlich abgedreht und cool.

Quasi als Kirsche auf dem Sahnehäubchen wartet dann noch der Multiplayer-Part auf euch, der jederzeit aus dem Spiel heraus gestartet werden kann und sowohl kooperative, als auch kompetitive Modi parat hält. Außerdem ziemlich cool: Im Spiel selbst wartet eine wöchentliche TV-Show auf euch, in der euch die Entwickler selbst Tipps und News mitteilen, Community-Artworks teilen, vor allem aber die Wochen-Challenges vorstellen. Dabei ist es jeweils eine individuelle Challenge, die jeder Spieler für sich lösen muss und eine Community-Challenge, die alle Gamer der Welt zusammen bewältigen müssen. Ziemlich cool …  ebenso wie die Tatsache übrigens, dass man seinen Charakter jederzeit verändern kann – und das inkludiert das Geschlecht und die Körperform ebenso wie die tausenden abgedrehten Möglichkeiten mit Kleidung und Accessoires seiner Kreativität jederzeit abgefahrenen Lauf lassen zu dürfen.

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FAZIT

Sunset Overdrive ist nicht perfekt – aber trotzdem in meinen Augen mit Abstand das beste „Nicht-Rennspiel“, das die Xbox One derzeit zu bieten hat. Stil, Witz, Umfang, große Teile des Gameplays: passt alles. Ich kann mich hier also kurz halten. Jeder, der eine Xbox One hat, sollte sich dieses Spiel zulegen. Und jeder, der noch keine Xbox One hat, sollte es sich wegen eben DIESEM Titel vielleicht nochmal überlegen.

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