The Last Guardian TEST
GRAFIK 3
SOUND 5
HANDLING 2
SPIELDESIGN 5
MOTIVATION 5

The Last Guardian bescherte mir schöne, angenehm „andere“ 15 Stunden Spielzeit. In diesen habe ich viel Neues erlebt – sowohl in guter, als auch schlechter Hinsicht. Doch da selbst das schlechte – mit Ausnahme der trägen Steuerung und schlechten Kamera – zur Einzigartigkeit von TLG beiträgt, würde ich es am Ende jedem PS4-Besitzer empfehlen … auch wenn er oder sie etwas Leidensfähigkeit mitbringen muss

Summary 4.0 geil
GRAFIK 0
SOUND 0
HANDLING 0
SPIELDESIGN 0
MOTIVATION 0
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Summary 0.0 schwach

The Last Guardian TEST

Es ist als Spieler leicht sich zu beschweren: Die Grafik ist schlecht. Die Steuerung ist Scheiße. Die Story ist mies. Zum zigsten Mal das selbe. Alles nur gescriptet. Was „man“ will ist klar: Was anderes! Frisches! Besseres! Am besten ohne Scripts … kennt ihr den Spruch „man will immer das, was man nicht hat“? Willkommen bei The Last Guardian.

Lasst mich mit einem Geständnis beginnen: Ich habe weder ICO noch Shadow of the Collossus auch nur eine Minute lang gespielt. Ich weiß, dass sie großartig sein sollen. Dennoch sind sie aus irgendeinem Grund komplett an mir vorüber gezogen. Dennoch, oder gerade deswegen, wollte ich nun unbedingt The Last Guardian testen – vollkommen unvorbelastet von etwaigem Fanboytum. Mich ohne irgendwelche Beeinflussung in eine der wohl interessantesten Beziehungen der Videospielgeschichte stürzen. Die zwischen einem kleinen Jungen und seinem … Viech: Trico. Falls es jemand nicht weiß, das ist der gefiederte Fabelwesen, auf dem unser kleiner Protagonist auf so manchem Bild herumturnt.

An dieser Stelle folgte normalerweise ein kurzer Abriss der Story. Aber ganz ehrlich: Nein. Diesmal nicht. Denn das bisschen Geschichte was hier geboten wird ist so wichtig für die Spielerfahrung, wird so angenehm getimed und minimalistisch erzählt, dass es schade um jeden Mikro-Spoiler wäre. Nur so viel: Zu Beginn liegen beide unserer Helden in einer Höhle. Der kleine Junge merkwürdig tätowiert, Trico ziemlich böse verletzt. Mehr weiß man nicht … muss man auch nicht. Es geht ums Erkunden und kennen lernen von sich selbst, einander, aber auch der mystischen Welt, die die Entwickler hier geschaffen haben. Und diese ist in der Tat voller Geheimnisse: Die monströse Festung (?) in der wir uns befinden wirkt verlassen, dennoch funktionieren viele der Apparaturen noch, die wir nach und nach in Gang setzen und/oder überwinden müssen um weiter zu kommen.

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Und bewacht ist sie auch: Mysteriöse, scheinbar durch Magie betriebene Wachen säumen unseren Weg. Wachen, gegen die unser Junge machtlos ist. Es bleibt nur davonlaufen – und sich auf Trico verlassen. Der hasst diese Dinger nämlich, stürzt sich bei jeder Gelegenheit voller Wut auf sie, ist auch nach geschlagener Schlacht noch total aufgewühlt und muss er durch Streicheleinheiten beruhigt werden, bevor es weitergehen kann. Und seine Eigenheiten hören bei diesen Gefühlsausbrüchen keinesfalls auf: Wohl kann man ihm Befehle geben, wie etwa „lauf in diese Richtung“, „spring“, „schlag zu“ und dergleichen. Wie ein junger Hund führt er diese aber nicht immer gleich aus … oder überhaupt. Und wie bei einem jungen Hund fragt man sich oft, ob er einen nicht versteht, man selbst etwas falsch macht, oder er einfach gerade keinen Bock hat – alles davon kann zutreffen. Immerhin haben die Entwickler für Trico eine eigene KI zusammengeschustert, die mit der Zeit langsam dazulernt. Sicherlich ist so manches Detail im Laufe der etwa 13 Stunden langen Story auch vorgegeben worden, dennoch entsteht ein perfekter Eindruck eines Wesens mit KI … was aber freilich auch einiges an Umgewöhnung vom Spieler erfordert, oder gar frustrieren kann.

Natürlich bedeutet das weitest mögliche Weglassen von Scripts nämlich auch, dass jeder The Last Guardian irgendwie anders durchleben wird. Das zeigte sich auch in meinem Bekanntenkreis. „Mein Trico“ lernte eigentlich recht schnell, gab mir durch sein Verhalten oft entscheidende Tipps wie wir weiterkommen, bevor ich es überrissen habe, blieb nie irgendwo sinnlos stehen … wir waren ein gutes Team. So manch „anderer Trico“ war da offensichtlich manchen Erzählungen nach weniger gesellig – bockte, gab sich unkooperativ. Das sagten zumindest seine „Herrchen“. Wir erinnern uns: Wie bei einem jungen Hund kann man sich nie sicher sein, ob Trico einen nicht versteht, keinen Bock hat oder man selbst eben einfach den falschen Ansatz wählt – ständig Befehle geben und eine sofortige Reaktion erwarten zum Beispiel. Das funktioniert nicht. Immerhin wirkt Trico oft selbst unsicher – bewegt sich langsam und zögerlich. Muss selbst erst Dinge ausprobieren. Das KANN frustrierend sein und fordert Geduld, vermittelt aber gleichzeitig, gerade nachdem man etwas gemeinsam geschafft hat, gute Gefühle in einer für Spiele sonst noch unbekannten Art.

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Doch bei all dem „relativen“ und „eventuellen“ gibt es auch bei The Last Guardian leider ein paar Gebiete, die schlicht und ergreifend, definitiv schlecht sind. Und die sind unser „Steuerung und Kamera“ zusammenzufassen. Die Kamera fliegt teilweise etwas willkürlich und ungünstig durch die Gegend und die Steuerung unseres jungen Helden, dessen erwachsenes Ich als Erzähler in einer fiktiven Sprache fungiert, steuert sich nur sehr träge und ungenau. Ziemlich unpraktisch, wenn man gerade versucht auf einem unberechenbaren, sich bewegenden Tier herum zu klettern und in Folge von ihm auf eine Plattform springen zu wollen. Das kann (und wird) diverse Male schief gehen. Und dann bleibt nur die Hoffnung, dass Trico noch einmal mitspielt und genau die selben Bewegungen noch einmal wiederholt. Erneut: Meine Erfahrung war hier positiv, die von so manch anderem nicht.

Auch die Technik ist nicht frei von Tadel. Auf einer normalen PlayStation kommt es recht häufig zu sichtbaren Framerateeinbrüchen. Das ist besonders schade, weil zwar der Art-Style des Titels wirklich wundervoll, die Grafik an sich aber jetzt nicht SO umwerfend ist. Da haben andere Entwickler der Playstation 4 schon mehr Polygone abverlangt und bessere Framerates zusammengebracht. Schade. Doch zumindest lässt sich das etwas relativieren: Wer eine PlayStation 4 Pro sein Eigen nennt, kann den aktuellen Absatz quasi ignorieren. Dort sollte das Spiel butterweich laufen.

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FAZIT

The Last Guardian bescherte mir schöne, angenehm „andere“ 15 Stunden Spielzeit. So lange brauchte ich bis zum mitreißenden Ende. In diesen war ich oft ratlos, gelegentlich sogar frustriert, ärgerte mich häufig über die Steuerung. Gleichzeitig wurde ich aber auch oft fasziniert von der Welt, zum Staunen gebracht und lernte vor allem auf eine mir noch in Spielen unbekannte Art meinen gefiederten Begleiter richtig gut leiden. Trotz dem bisschen Leid, überwiegt also die Freude – und zwar bei weitem. Wiederspielwert sehe ich dennoch keinen mehr in dem Titel. Daher auch mein später Aufruf, jetzt, wo das Spiel schon eine Weile am Markt ist: PS4-Besitzer, die TLG bis dato noch nicht gespielt haben, sollten unbedingt zuschlagen, zumal es nun sicher schon günstiger zu bekommen ist. Es lohnt sich!

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