TT Isle of Man – Ride on the Edge 2 im Test
GRAFIK 3
SOUND 4
HANDLING 3
SPIELDESIGN 2
MOTIVATION 3

Das wahrscheinlich spektakulärste Motorradrennen der Welt wird zum zweiten Mal versoftet. Dabei haben die Entwickler viel dazu gelernt – aber auch noch reichlich Luft nach oben

Summary 3.0 stark
GRAFIK 0
SOUND 0
HANDLING 0
SPIELDESIGN 0
MOTIVATION 0
Summary rating from user's marks. You can set own marks for this article - just click on stars above and press "Accept".
Accept
Summary 0.0 schwach

TT Isle of Man – Ride on the Edge 2 im Test

Es gibt viele erfolgreiche und wirklich gute Rennspiele da draußen: die gesamte Forza– und Gran Turismo-Serie etwa. Und dann ist da noch Project Cars, Assetto Corsa, DiRT, F1, iRacing, TrackMania und so weiter. Mindestens genauso reichhaltig ist die Auswahl an ikonenhaften und berühmten Renn-Veranstaltungen. Da wären die 24h von LeMans oder dem Nürburgring, das Daytona oder Baja 500 sowie die Rallye Dakar oder das Goodwood Festival of Speed; um nur ganz wenige Beispiele zu nennen. Nun lässt sich ein Muster erkennen: Viele der Top-Rennspiele beinhalten eines oder mehrere dieser Rennen. Keines davon hat aber eines davon als Hauptaufhänger. Warum dem aus gutem Grund so ist, zeigt ein Blick auf TT Isle of Man – Ride on the Edge 2.

Kaum eine Rennstrecke der Welt ist so gefürchtet, so tückisch und vermutlich gerade deswegen so mystisch anziehend wie die rund 60 Kilometer des Snaefell Mountain Course – besser bekannt als die Rennstrecke der Tourist Trophy Rennen auf der Isle of Man. Seit 1907 jedes Jahr aufs Neue (außer 2020 wohlgemerkt; danke COVID-19) jagen tollkühne Rennfahrer todesverachtend auf ihren Motorrädern durch die engen Gassen und verwinkelten Landstraßen des selbstverwalteten Kronbesitzes unter britischer Flagge. Versoftet wurde diese Hatz von Kylotonn bereits im Jahr 2018 einmal … mit durchwachsenem Erfolg. Nun folgt der nächste Versuch der französischen Entwickler, aus einem einzelnen Rennen ein spannendes, erfüllendes und reizvolles Rennspiel zu machen. Und ja: Sie haben durchaus Fortschritte gemacht.

  • ss_ea71a5fe47f1394135712218412ca66c412c46cb.jpg
  • ss_d9665450257e6e16bef4fa26264312e25f37f461.jpg
  • ss_b46a400c07400ed8e8647f08a096d42da07a090e.jpg
  • ss_672684d92c5bf3cd611d64b9c1467cbb46dbe8c1.jpg

Spielspaß am Horizon(t)

Natürlich ist die Strecke auf der Isle of Man der Star des Spiels – damit das Ganze aber zumindest etwas mehr Substanz bekommt, hat Kylotonn zudem noch eine Auswahl an fiktiven Strecken in England, Wales und Irland aus dem Hut gezaubert. Auf der letztgenannten Insel dürft ihr dabei ab einem gewissen, recht frühen Punkt in der Karriere frei herumcruisen und dabei – ganz im Stile von Forza Horizon – Challenges abarbeiten um Teile und Lackierungen für euren Fuhrpark freizuschalten. Gerade im Vergleich mit dem genannten Racing-Brett von Microsoft wird aber besonders hier deutlich, wie viel kleiner, abwechlsungsärmer und grafisch hinterher Ride on the Edge 2 der aktuellen Rennspiel-Elite eigentlich ist. Ist die offene Welt in Forza nämlich im Grunde der heimliche Held des Spiels, erwartet einen hier verhältnismäßig leere, seelenlose Einöde ohne Verkehr oder Leben, bei der jedes Abweichen von befestigten Straßen sofort mit einem Reset auf selbige unterbunden wird. Zudem steht in diesem (eigentlich unfairen) Vergleich mit Forza Horizon ein beeindruckendes Zyklus-System samt Jahreszeiten einer recht rudimentären Implementierung von Tageszeiten und Witterung gegenüber, bei dem der Asphalt immer trocken bleibt. Wobei: Eigentlich ist das sogar gut so. Immerhin ist das Fahrverhalten so schon überaus herausfordernd – auf nassem Untergrund wäre das Ganze wohl endgültig vollkommen unfahrbar.

Das heißt jetzt allerdings nicht, dass ich auch in Hinblick auf das Handling mein bisheriges Mecker-Konzert weiterführe. Gerade im Vergleich mit dem Vorgänger haben die Entwickler in dieser Hinsicht nämlich wirklich große Fortschritte gemacht. Zwar braucht es nach wie vor eine ganze Menge Eingewöhnungszeit, bis man ohne seinen Fahrer in jeder dritten Kurve quasi umzubringen über die Kurse fegen kann, doch am Ende wirkt das Ganze  deutlich nachvollziehbarer und fühlt sich einfach viel besser an als zuvor.

Trotzdem wäre noch reichlich Raum für weitere Verbesserungen gewesen: Das Setup des Bikes lässt sich beispielsweise nach wie vor nicht bearbeiten. Zudem wurde der Fuhrpark zwar aufgestockt und bietet nun neben aktuellen, lizenzierten Supersport- oder Superbike-Modellen von BMW, Honda, Kawasaki, Ducati oder Triumph auch historische Bikes. Dennoch ist er einigermaßen überschaubar.

  • ss_5847fc0587f7c00b439dbb4c4fe74c0b32c126fd-scaled.jpg
  • ss_3821dc5c1c9a918383c2361fd97c50b0581b488c.jpg
  • ss_072a31e89af3c54e381e4b301458f270122c86ef-scaled.jpg
  • ss_7b7eb9b56157d2fb292b509d63d5c8b9a45446b2-scaled.jpg

Rudimentärer Umfang

Auch beim Aufbau gäbe es bei TT Isle of Man – Ride on the Edge 2 noch reichlich Luft nach oben. Neben Einzelrennen wartet noch ein Karriere-Modus. Dieser aber besteht, nachdem man sich über Menüs für einen Rennstall samt passendem Bike und entsprechenden Zielen entschieden hat, aus einer schlichten Kalender-Ansicht. In dieser wählt man einfach immer das nächste Rennen aus, wobei man gelegentlich die Wahl zwischen mehreren Veranstaltungen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad hat. Schon bald aber wird klar – gar so abwechslungsreich ist die ganze Geschichte nicht: Es gibt genau zwei Arten von Rennen: entweder man startet direkt in einem Pulk oder mit ein paar Sekunden Abstand in einer Art Zeitrennen – das Fahrerfeld besteht dabei aber nur aus maximal zehn Fahrern (bei der TT wären es eigentlich deutlich mehr). Qualifikationsläufe gibt es keine. Als Belohnung für eure Platzierung im Rennen warten sodann Preisgelder und Perks, die ihr vor jedem Rennen auswählen und aktivieren könnt. Das sind Sachen wie vorgewärmte Reifen oder eine schnellere Rücksetzung nach einem Unfall. Apropos „Unfall“: Zwar rammen einen die KI-Piloten nicht mehr so stur ihrer Linie folgend vom Sattel wie im Vorgänger, doch unsanft den Asphalt küssen werdet ihr dennoch oft. Heutzutage dabei ungewohnt: Rückspulfeature gibt es keines. Ihr könnt höchstens das Rennen neu startet, wobei euch allerdings mit jedem Mal ein höherer Prozentsatz des Gewinns am Ende abgezogen wird.

Auch der Mehrspielerpart hat nicht sonderlich viel zu bieten: Splitscreen-Modus gibt es keinen und es können maximal acht Spieler gegeneinander in Rennen antreten – entweder gleichzeitig online oder lokal nacheinander. Meisterschaften können keine organisiert werden.

Technik von gestern

Technik enttäuscht Ride on the Edge 2 gleich doppelt. Zum einen sieht das Spiel nicht gerade umwerfend aus, zum anderen erwarten euch trotzdem unschöne Pop-Ups und eine mit maximal 30 FPS verhältnismäßig niedrige Bildwiederholrate – auch auf der von uns getesteten PS4 Pro. Wenigstens passt das Geschwindigkeitsgefühl und die Auswahl an Kamera-Perspektiven ist mit gleich mehreren, unterschiedlichen 1st-Person-Perspektiven und zwei Verfolger-Kameras ebenfalls üppig. Auch beim Sound gibt es wenig zu meckern. Die Bikes selbst klingen gut, der Soundtrack passt.

FAZIT

Magerer Umfang, enttäuschende Technik, ausbaufähiges Gameplay, aber ein solides Fahrverhalten und gutes Geschwindigkeitsgefühl … am Ende des Tages ist TT Isle of Man – Ride on the Edge 2 leider wirklich nur für beinharte Isle of Man- und Motorrad-Fans empfehlenswert.

Was ist TT Isle of Man – Ride on the Edge 2? Motorrad-Rennsimulation rund um die ikonische Isle of Man.
Plattformen: PC, PS4, XBox One
Getestet: PS4
Entwickler / Publisher: KT Racing / BigBen Interactive
Release: 19. März 2020
Link: Offizielle Webseite

Leave a comment