Wonder Boy: The Dragon’s Trap im Test
GRAFIK 5
SOUND 4
HANDLING 3
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 3

Remakes alter Klassiker müssen immer die Gratwanderung zwischen verklärten, nostalgischen Erwartungen und zeitgemäßer Modernisierung hinbekommen. Was die Präsentation betrifft, schafft das Wonder Boy: The Dragon’s Trap mit Bravur, nur spielerisch hätte man einige überholten Spielmechaniken doch etwas aufpolieren sollen. Unterm Strich bleibt die liebevolle ­Neuauflage eines zeitlosen 8-Bit-Klassikers, mit perfektem Fan-Service

Summary 3.6 stark
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Wonder Boy: The Dragon’s Trap im Test

Es ist nun schon über 30 Jahre her, seit der blonde Jüngling Tom-Tom seine Freundin Tanya im Spiel Wonder Boy zum ersten Mal aus den Fängen des Monsters Drancon befreien musste. Insgesamt bringt es die Spielreihe bislang auf sechs Teile, wobei das 1989 erschienene Wonder Boy III: Dragon’s Trap unter Fans als der beste Ableger gilt. Dieser ist kehrte nach rund 28 Jahren zurück und anlässlich der Veröffentlichung der Box-Version, besuchen auch wir wieder das Monster Land und kämpfen erneut gegen den bösen Drachen.

Wie auch schon das Original knüpft das Remake storytechnisch direkt an Teil Zwei an. Unser Held befindet sich geradewegs vor dem Schloss des Bösewichts und kämpft sich während den ersten Minuten bis zum Mecha-Drachen durch. Dieser ist dann auch ziemlich schnell erledigt, aber anstatt den glorreichen Sieg feiern zu können, schafft es der Geist des Gegners uns mittels eines Fluches in eine feuerspeiende, grüne Eidechse zu verzaubern. Das Ziel ist es nun, das so genannte Salamander Kreuz zu finden, denn nur dieses Artefakt kann den Helden wieder in einen Menschen zurückverwandeln. Anders noch als der allererste Teil, ist The Dragon’s Trap, wie auch schon sein Vorgänger, kein reines Jump ’n‘ Run Spiel mehr, sondern vielmehr ein Action-Adventure mit leichten Rollenspielelementen, verfeinert mit diversen Hüpfeinlagen.

Man bestreitet das Spiel nämlich nicht nur als „Lizard-Man,  sondern schlüpft im weiteren Verlauf auch in die Haut einer Maus, eines Löwen, eines Vogels oder einer Piranha-Kreatur. Jeder davon hat natürlich individuelle Eigenschaften und unterschiedliche Fähigkeiten. Durch das Wechseln der verschiedenen Körperformen werden dann immer mehr Spielabschnitte freigeschalten, denn obwohl man sich in der Welt grundsätzlich frei bewegen kann, sind manche Bereiche nur dann erreichbar, wenn Tom-Tom in der richtigen Gestalt ist. Wasser kann man etwa nur als Piranha durchqueren und durch enge Passagen passt nur die kleine Maus hindurch.

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Klassisches Gameplay, wunderschöne Präsentation

Zusätzliche Rollenspiel-Elemente kommen in Form von diversen Items hinzu. Erledigte Gegner hinterlassen etwa so nützliche Gegenstände wie etwa Pfeile, Feuerbälle oder auch kleine Tornados. Dabei handelt es sich aber um Verbrauchsgegenstände, das bedeutet die Verwendung ist einmalig und somit nur begrenzt möglich. Natürlich gibt es auch Gold zum Einsammeln. Das kann man dann in diversen Shops für bessere Ausrüstung ausgeben, wobei sich diese jedoch auf Schwert, Schild und Rüstung beschränken. Diese erhöhen dann entsprechend die Angriffskraft oder die Verteidigung. Im Hospital kann man dagegen für den Einsatz von Münzen seine Gesundheit wieder auffüllen lassen. Diese wird ganz klassisch mittels Herzen am oberen Bildschirmrand angezeigt.

Genauso klassisch zeigt sich dabei das restliche Gameplay, denn es gibt etwa keine Rücksetzpunkte. Sinkt die Gesundheit auf null, startet ihr wieder in der ersten Hub-Welt. Auch sonst orientiert man sich spielerisch ganz eng an der Vorlage. Erledigte Gegner respawnen beim Bildschirmwechsel immer wieder, was manchmal zu etwas unfairen Situationen führen kann, denen der Spieler hilflos ausgeliefert ist, und die meisten Bosskämpfe laufen fast immer nach dem gleichen, monotonem Schema ab. Hier hätte Entwickler Lizardcube ruhig etwas mehr Mut zur Modernisierung zeigen können. Selbiges gilt für die Steuerung, die für einen zeitgemäßen Genre-Vertreter dann doch zu ungenau und zu schwammig ist.

Bleibt Wonder Boy: The Dragon’s Trap spielerisch eher altbacken, so gehört die Präsentation zum besten was das Genre der 2D Jump’n Runs zu bieten hat. Die handgezeichneten Grafiken sind wunderschön, das Gegner-Design herrlich verrückt, die Animaitonen geschmeidig und der Soundtrack ist eine wunderbare Kombination aus alten Melodien eingespielt mit realen Musikinstrumenten. Wer aber die 8-Bit Pixelgrafik lieber hat, der kann auf Knopfdruck nahtlos zwischen der neuen und alten Original-Grafik wechseln. Letztere bieten dann Retro-Feeling pur, was vor allem Kenner des Originals freuen wird. Vor allem technisch kann man Wonder Boy: The Dragon’s Trap auch aufgrund der konstanten 60 FPS nur als vorbildliches Remake bezeichnen.

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Frisch eingetroffen: Die Handelsbox

Wonder Boy: The Dragon’s Trap ist als digitaler Download bereits seit etwa einem Jahr erhältlich, aber erst jetzt schafft es das Spiel als Box in die Händlerregale. Diese Version enthält neben dem Spiel zusätzliche Extras wie etwa ein hochwertiges, originalgetreues Handbuch im SEGA-Retro-Style, den Originalsoundtrack auf Mini-CD sowie einen PVC-Anhänger des Lizard-Mans als Handy- oder Schlüsselanhänger. Für Sammler sind das sicherlich nette Gimmicks, spielerisch unterscheidet sich die Handelsbox aber nicht von der Download-Version, inklusive Präsentation im Widescreen-HD-Format, einer erweiterten Interface-Funktionen sowie einer neuen spielbaren Helden (Wonder Girl), die sich aber lediglich optisch von bekannten Protagonisten Tom-Tom unterscheidet.

FAZIT

Remakes alter Klassiker müssen immer die Gratwanderung zwischen verklärten, nostalgischen Erwartungen und zeitgemäßer Modernisierung hinbekommen. Was die Präsentation betrifft, schafft das Wonder Boy: The Dragon’s Trap mit Bravour, nur spielerisch hätte man einige überholten Spielmechaniken doch etwas aufpolieren sollen. Ich, der sich hiermit als großer Fan des Originals outet, habe die rund fünfstündige Zeitreise durchaus genossen und hatte trotz spielerischer Schwächen durchwegs meinen Spaß. Aber obgleich der wunderschönen neuen HD-Optik wird es das Spiel schwer haben, neue Fans zu gewinnen. Dafür hat sich in den letzten 28 Jahren in Sachen Gameplay einfach zu viel verändert und vieles was hier  Wonder Boy: The Dragon’s Trap bietet ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Andererseits hätte man zu viel geändert, dann wäre auch der Nostalgie-Bonus futsch. Es ist, wie eingangs schon erwähnt, eine schwierige Gratwanderung, welche das Spiel zwar nicht ganz schafft, aber dabei auch nicht abstürzt. Unterm Strich bleibt die liebevolle ­Neuauflage eines zeitlosen 8-Bit-Klassikers, und einem, dank optionaler 8-Bit Optik, perfektem Fan-Service.

Was ist Wonder Boy: The Dragon’s Trap? Remake eines Jump’n’Run-Klassikers, mit wunderschöner, handgezeichneter Präsentation und optionalem 8-Bit Retro-Look.
Plattformen: Windows, Mac, Linux (Steam,GOG), PS4, Xbox One, Nintendo Switch
Getestet: Nintendo Switch
Entwickler / Publisher: Lizardcube / DotEmu
Release: 19. April 2018
LinkOffizielle Webseite

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