Xenoblade Chronicles – Definitive Edition im Test
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SPIELDESIGN 5
MOTIVATION 5

Das Rollenspiel-Highlight von 2010 macht dank General-Facelifting auch 2020 eine verdammt gute Figur. Eine absolute Empfehlung für Rollenspiel-Fans im Allgemeinen und JRPG-Connaisseurs im Speziellen

Summary 4.4 geil
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Xenoblade Chronicles – Definitive Edition im Test

Final Fantasy mag das mit Abstand bekannteste JRPG sein, aber es ist natürlich bei weitem nicht das Einzige. Viele Genre-Fans würden zum Beispiel die Xeno-Reihe – deren erster Teil ursprünglich als Story-Alternative für Final Fantasy VII gepitcht wurde – in dieselbe Gewichtsklasse einordnen. In westlichen Breiten blieb die Reihe trotzdem lange ein Underdog, auch wenn das 2010 für die Wii erschienene Xenoblade Chronicles sicherlich eines der besten Rollenspiele seiner Generation war. Wer bislang nicht die Gelegenheit hatte, kann sich den nicht mehr so geheimen Geheimtipp jetzt in der Definitive Edition – einen Remaster für die Nintendo Switch – zu Gemüte führen.

Schlacht der Titanen

Seit Anbeginn der Zeit trugen die beiden Titanen Bionis und Mechonis einen scheinbar endlosen Kampf aus. Lange schien es so, dass keiner die Oberhand gewinnen konnte, doch irgendwann gelang beiden ein gegenseitiger Treffer – und plötzlich erstarrten beide. Jahrhunderte vergingen und auf den Oberflächen der beiden Titanen entstand neues Leben. In einer Karikatur des uralten Konflikts ihrer Ahnherren begannen sich auch diese neuen Völker gegenseitig zu bekämpfen, vor allem die menschenähnlichen Homs und die mechanischen Mechon. Die Homs wurden immer weiter zurückgedrängt, doch schließlich konnten die Mechon Dank des mysteriösen Schwerts Monado in einer entscheidenden Schlacht zurückschlagen werden. Ein Jahr ist seit dieser Schlacht vergangen und plötzlich kehren die Mechon zurück. Ein neuer Held muss die Klinge Monado führen und mit seinen Gefährten die Völker Bionis‘ vor der endgültigen Vernichtung retten.

Was folgt ist eine epische Story voll von Verrat und Verlust, aber auch Freundschaft und Hoffnung. Totgeglaubte kehren zurück, Thronfolger werden gefunden und ein endloser Konflikt bis an die Anfänge der Schöpfung zurückverfolgt. Gefallene und wiedergeborene Götter kreuzen unseren Weg, Kataklysmen erschüttern die Welt… und das alles ist immer noch nur ein kleiner Abriss der zwischen 70 und 100 Stunden dauernden Geschichte.  Ganz ohne Klischees kommt die Handlung zwar nicht aus, aber die Geschichte voller Twists und Wendungen kann bis zum Schluss packen.

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Mehr als nur ein Grafik-Update

Wer sich fast zehn Jahre und zwei Konsolengenerationen später an einen Remaster macht, schraubt natürlich als erstes an der Grafik. Mit der Wii kann man viel Positives verbinden, aber übermäßige Grafik-Power gehört sicher nicht dazu. Auch wenn Xenoblade Chronicles einige tolle Szenerien bot, fielen die Texturen doch eher matschig und die Modelle ein wenig kantig und pixelig aus. In der Definitive Edition erstrahlt alles in neuer Pracht, gestochen scharf und auch die Charaktere haben ein ansprechendes Facelift verpasst bekommen, ohne ihre Identität einzubüßen. Im Handheld-Modus wird der Detailgrad allerdings merkbar zurückgeschraubt, was vor allem bei Panoramaszenen und auf Screenshots deutlich auffällt. Im TV-Modus ist zwar alles scharf, gelegentlich merkt man aber kleinere Instabilitäten in der Framerate. Insgesamt bleibt die grafische Präsentation auch nach dem „Upgrade“ ein klein wenig altbacken, weiß aber trotzdem zu gefallen und mit vielen wirklich schönen Locations und Ausblicken zu punkten.

Außerdem wurde der Soundtrack neu arrangiert und in vielen Fällen sogar neu aufgenommen. Wer möchte kann in den Einstellungen aber auch auf die unveränderte musikalische Untermalung wechseln. Die meisten weiteren Änderungen lassen sich der Kategorie “Quality of Life”-Features zuordnen. Hier stechen vor allem die AutoRun-Funktion und eine neue Mini-Map hervor. Letztere weißt nicht nur den optimalen Laufweg zum aktuellen Missionsziel, sondern markiert auch Objekte / Gegner, welche für unsere zahlreichen Nebenmission von Relevanz sind.

Apropos Nebenmissionen: derer gibt es viele – richtig, RICHTIG viele. Nicht selten kommt man in eine neue Region und nimmt gleich mal ein gutes Dutzend Nebenquests an. Hier mangelt es leider etwas an Abwechslung und es folgt meist das klassische Schema „besiege / sammle X von Y“. Neben Erfahrung und Kontostand steigern diese Nebenaufgaben aber auch unsere Reputation im entsprechenden Gebiet. Ist diese hoch genug, gibt es einerseits noch mehr Quests, aber auch exklusive Belohnungen, wie besondere Gegenstände und sogar neue Skills für unsere Talentbäume.

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Interessant komplexes Kampfsystem

Während sich immer mehr JRPGs inzwischen von altvaterischen rundenbasierten Kampfsystemen verabschiedet haben, waren die in Echtzeit ablaufenden Kämpfe von Xenoblade Chronicles vor zehn Jahren fast eine kleine Revolution. Alle regulären Gegner sind prinzipiell sichtbar und den meisten kann man – wenn man es möchte – ausweichen. Man kann sie aber auch mit den Schultertasten anvisieren bzw. anlocken und den Kampf beginnen – dabei aber unbedingt aufpassen, dass man sich nicht zu viel zumutet, den einige Gegner greifen auch auf Sicht an und/oder reagieren zum Beispiel auf Geräusche. Im Kampf steuert die KI unsere Begleiter, während wir den wählbaren Anführer der Gruppe steuern. Solange wir uns in Reichweite befinden, greift unsere meist aus drei Charakteren bestehende Truppe automatisch an. Zusätzliche Techniken werden mittels eines Tastendrucks ausgelöst – sofern aufgeladen und die Voraussetzungen, wie etwa Entfernung erfüllt sind.

Sogenannte Chance-Techniken verursachen außerdem unter speziellen Bedingungen – z.B. bei Attacken von hinten – größeren Schaden. Ein weiteres Komfort-Feature der Definitive Edition: Ein Symbol zeigt an, wenn die entsprechende Bedingung erfüllt ist. Den meisten potentiellen Schaden verursachen wir aber mit sogenannten Angriffsketten. Einmal aufgeladen und ausgelöst, werden die Techniken aller Charakter aufgeladen und wir können sie manuell auslösen und kombinieren. Kombinieren wir Angriffe derselben Kategorie (Farbe), erhöht sich der Schaden, oder es besteht die Möglichkeit Techniken so anzuordnen, dass wir unseren Gegnern bestimmte Statuseffekte verpassen. Ist die Harmonie innerhalb der Gruppe – dazu mehr gleich im Anschluss – hoch genug, besteht zudem die Chance, dass sich die Angriffskette (auch mehrmals) wiederholen lässt.

Im Laufe der Geschichte wächst der Pool der spielbaren Charaktere auf Sieben an. Jeder Charakter hat eigene Motivationen und Fähigkeiten. Auch wenn man vielleicht bestimmte Favoriten hat, empfiehlt sich gelegentliche Abwechslung. Zumindest die sogenannten Harmoniegespräche sollte man führen, deren Orte und Voraussetzungen angenehmerweise vordefiniert sind. Sie tragen nicht nur extrem zur Story bei, sondern verbessern – zusätzlich zu im Kampf erworbenen Harmoniemünzen – die Beziehung der Charaktere untereinander. Neben den schon erwähnten verlängerbaren Angriffsketten, sind es vor allem die dadurch freigeschalteten Talentverknüpfungen – Charaktere können bestimmte Fähigkeiten voneinander lernen –, die man nicht missen sollte.

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Der Epilog zum Epilog

Wer nach 17 Kapiteln und dem Epilog des Hauptspiels immer noch nicht genug hat, darf sich im Anschluss – oder gleich direkt aus dem Hauptmenü – noch in die eigens für die Definitive Editon entwickelte Erweiterung stürzen. Xenoblade Chronicles: Future Connected spielt ein Jahr nach dem Ende der Hauptgeschichte und begleitet zwei bekannte und zwei neue Gefährten auf die Schulter des Bionis – ein Gebiet, welches während der Entwicklung des Originals geschnitten wurde. Ein leicht angepasstes Kampfsystem und eine kompaktere Charakterentwicklung komprimieren das Gameplay minimal, trotzdem darf man – je nach Forscherdrang – mit weiteren 10 bis 15 Stunden zusätzlicher Spielzeit rechnen. Dass unsere Helden nach all ihren Abenteuern plötzlich wieder reguläre Monster fürchten müssen, wird durch den Verlust gewisser Fähigkeiten erklärt. So sind auch die neuen Gegner eine Herausforderung und sorgen – zusammen mit neuen Charakteren – für Abwechslung und eine im Hauptspiel besonders hart getroffene Bevölkerungsgruppe bekommt einen deutlich runderen Abschluss. Für Fans des Spiels ist der neue Epilog also ein absolutes Muss.

FAZIT

Nach nicht einmal zehn Jahren schon von einem „Klassiker“ zu sprechen, wäre vielleicht etwas übertrieben. Xenoblade Chronicles ist und war auf jeden Fall ein ausgezeichnetes Rollenspiel mit packender Story und interessantem Gameplay. Auch die Ergänzungen und Verbesserungen der Definitive Editon fallen genau richtig aus: Grafik und Gameplay wurden verbessert, ohne den Charme des Spiels zu (zer)stören. Der neue Epilog – der länger ausfällt, als so manches vollwertige Spiel – rundet zudem die Geschichte ab und bietet auch Kennern des Originals neue Herausforderungen und Erfahrungen.

Was ist Xenoblade Chronicles: Definitive Edition? Remaster eines erstklassigen JRPGs, das sich mit Final Fantasy & Co. messen kann.
Plattformen: Nintendo Switch
Getestet: Version 1.1.1 auf Nintendo Switch
Entwickler / Publisher: MONOLITHSOFT/ Nintendo
Release: 29. Mai 2020
Link: Offizielle Webseite

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