NACHSPIEL: Asterix & Obelix XXL

NACHSPIEL: Asterix & Obelix XXL

Wir schreiben das Jahr 2004 nach Christus. Meine damalige Spielesammlung bestand großteils aus frustrierenden Titeln mit einer miesen Filmvorlage. Die ganze Sammlung? Nein, eine sehr abgegriffene Spielehülle über zwei bekannte Gallier wurde von meinem zehnjährigen Ich alleine und mit Freunden rauf und runter gezockt. Warum das so war, gehen wir heute unter der Berücksichtigung von möglichen nostalgischen Gefühlen meinerseits auf den Grund.

Innovationspreis gibt es schon mal keinen

Die Handlung spielt im Jahr 50 vor Christus und startet in und um das kleine gallische Dorf, welches sich noch immer den Römern widersetzt. Doch kaum sind unsere beiden Titelhelden Asterix und Obelix mit ihrem Hündchen Idefix kurz außer Haus zum Wildschwein Jagen gegangen, geraten sie auch schon in die brenzlige Situation, ihre Freunde aus den Fängen der Römer befreien zu müssen. So prügeln sich die drei Helden durch sechs mit feindlich gesinnten Völkern gefüllte Bereiche. Dabei sind sie aber nicht gänzlich auf sich gestellt, denn Cäsars ehemaliger Meisterspion hilft den dreien, indem er an einigen Stellen im Spiel Anweisungen und Hinweise preisgibt. Am Ende eines jeden Bereiches gilt es, eine römische Kampfmaschine zu zerstören, welche bei jeder erfolgreichen Zerstörung das nächste Mal an Stärke gewinnt. Die Einebnung dieser Maschine gibt außerdem auch noch einen oder manchmal sogar zwei Mitbewohner des gallischen Dorfes frei, welche dann mit einem gestohlenen Stück einer Karte von Cäsars Reich dazu weiter verhelfen, die Titelhelden in den nächsten Abschnitt ihrer Reise zu schicken. So weit, so simpel.  

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Pfotenschoner gefällig?

In Sachen Innovation präsentiert sich das Gameplay von Asterix & Obelix XXL im Einklang mit der Story. Den Großteil des Spiels wird man, oh, welch ein Wunder, damit beschäftigt sein, auf die Aktionstaste zu hämmern, um den dahergelaufenen Römern möglichst wirkungsvoll eins auf die Rübe zu geben. Wer also noch keine Beschwerden mit dem Handgelenk hatte, wird sich spätestens nach dem Durchspielen wie der Herr Asterix fühlen, welcher gerade seine Hände förmlich zum Glühen gebracht hat. Um hier ein wenig Linderung zu bieten, hat der französische Entwickler Étranges Libellules ein Kombo-System eingebaut, welches bei einer hohen Schlagfolge irgendwann sein Maximum erreicht und es dem Spieler erlaubt, ein Upgrade seiner Wahl gegen die Römer einzusetzen und sich somit ein paar Sekunden vom Tasten Drücken zu erholen. Diese Erweiterungen werden zuvor bei einem aus einer Kiste schlüpfenden Händler mittels der Spielwährung Römerhelme erworben. Neben den Helmen, welche das Hauptobjekt der Begierde darstellen, gibt es auch in jedem Abschnitt versteckte goldene Lorbeeren zu finden, die verschiedene Kostüme für Asterix und Obelix freischalten. Diese sind jedoch nur für die Optik und bieten keinerlei sonstige Boni.

Auch die zwischendurch eingeworfenen Bootsfahrten und Rutschpartien, bei denen man eine Mindestzahl an Helmen einsammeln muss, um einen Bonus zu erhalten, bieten wenig Abwechslung. Es sei noch erwähnt, dass man die meiste Zeit mit dem kleinen gelb bärtigen Gallier verbringen wird, während sein gut gebauter Freund nur in vorgegebenen Bereichen spielbar ist. Auf Knopfdruck kann das Hündchen Idefix im Kampf auf die Römer losgelassen werden, welche nach einem erfolgreichen Biss in ihr Gesäß sämtliche Waffen fallen lassen und für kurze Zeit keine Bedrohung mehr darstellen.    

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Mit Musik wird alles besser … oder?

Bei der Grafik und Präsentation konnte sich Asterix & Obelix XXL verglichen mit seinen Altersgenossen nur noch in die mittelmäßige Kategorie durchringen, da die im Comicstil gehaltene Grafik dank der oftmals eher niedrigen Polygonanzahl der Modelle nicht punkten kann. Auf dem PC gibt es beispielsweise selbst in den höchsten Anti-Aliasing-Einstellungen immer noch Screen-Tearing-Fehler, die folglich auch zu einer niedrigen FPS Anzahl führen. Dies ist speziell bei den versteckten In-game-Ladesequenzen der Fall, bei welchen man innerhalb des aktuellen Levels durch eine schlauchartige Höhlenumgebung gelotst wird und dabei zusehen kann, wie die Bewegungen der Charaktere immer ruckeliger werden, bis am Ende des Durchgangs der nächste Bereich geladen wurde. Die Animationen im Bereich des Gameplays sind meiner Ansicht nach für das Alter des Spiels zufriedenstellend ausgefallen, die Cutscenes, von denen es doch einige gibt, wurden jedoch teilweise sehr unpassend in Kombination mit dem gesprochenen Text eingesetzt.

Dies bringt uns auch gleich zur deutschen und englischen Synchronisation der einzelnen Charaktere, welche gesamt gesehen eher dürftig ausfällt und mit oftmals fehlenden Emotionen leider negativ auffällt. Asterix, Obelix und Miraculix sind noch am erträglichsten anzuhören, wobei anscheinend beim Rest der Rollen auf wahllose Büroangestellte umgesattelt wurde. Wer sich bei der Hintergrundmusik beispielsweise das Thema des 1967 erstausgestrahlten Zeichentrickfilms “Asterix der Gallier” vorstellt, wird auch in diesem Punkt enttäuscht werden, da man eine bunte Mischung aus sämtlichen Musikgenres vorfindet. Doch wie zum Hohn ist es genau diese Musik, welche den Spieler dazu motiviert, weiterzuspielen, da sie sich optimal dem Gameplay einfügt und somit die vorher genannten Missgeschicke der Entwicklung wieder auszugleichen scheint.

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FAZIT

Im Großen und Ganzen gesehen ist dieses Spiel einige investierte Stunden durchaus wert, auch wenn es seine teils offensichtlichen Fehler dem Spieler deutlich unter die Nase reibt und somit das Gefühl eines unvollständigen Konzepts, verschleiert durch eine sehr gute, musikalische, Fassade, vermittelt. Ich kann es heute kaum mehr nachvollziehen, weshalb ich als Kind sogar alle verfügbaren Spielstände immer bis zum Anfang des letzten Bereichs Rom gespielt habe, da ich ab diesem Punkt dank der mangelnden Kenntnisse über das Kombometer im Angesicht der 1000 Römer nicht mehr weiter wusste und somit ständig den Löffel abgab. Jahre später bin ich somit zur Erkenntnis gekommen, dass alle erwerbbaren Kombos beim Händler – bis auf die Tornado- bzw. Tornado-Fusion-Kombo – de facto wertlos sind, da der ganze Sammelwahn von Römerhelmen nur auf diese großen Kämpfe in Rom abzielt. Den Preis für Innovation gewinnt Asterix & Obelix XXL somit nicht, aber es erzeugt für seine durchschnittlich acht Stunden Spielzeit immerhin gute Laune und es ist meiner Meinung nach auch heute noch eines Blickes wert.

Ein Gastartikel von Andreas Grammel

Was ist Asterix & Obelix XXL? Ein 3D-Action-Adventure rund um die bekannten Gallier aus den Comics von René Goscinny und Albert Uderzo.
Plattformen: PS2, PC, Nintendo Gamecube, Gameboy Advance
Entwickler / Publisher:  Étranges Libellules, Atari
Release: 18. Juni 2004

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