Nachspiel: Borderlands 2

Nachspiel: Borderlands 2

Wie manche von euch vielleicht wissen habe ich erwähnt, dass Borderlands 2 eines meiner absoluten Top-Games of all time ist. Warum ist das so? Naja, Borderlands 2 ist mein erster Shooter gewesen und damals wusste ich noch nicht was mich erwartet. Loot-Shooter – was auch immer das sein soll. Darüber hinaus habe ich den ersten Teil der Borderlands-Reihe weder gespielt, noch vor dem Release des zweiten Teils jemals etwas davon gehört. Ach, was waren das für Zeiten. Dutzende Spieldurchläufe später stand schließlich für mich fest: Borderlands 2 ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Mal sehen ob das nach knapp acht Jahren und zwei Fortsetzungen noch immer der Fall ist…

Handsome Story

Unsere Geschichte startet auf dem trostlosen Wüstenplaneten Pandora, auf welchem sich Gerüchten zufolge unsagbare Schätze in sogenannten „Kammern“ befinden sollen. Diese Kammern werden von Wächtern – übermenschlichen Wesen – bewacht, um deren Inhalt vor Eindringlingen zu schützen. In der Vergangenheit wurde bereits eine dieser Kammern auf Pandora von einer Gruppe Abenteurern, den Kammerjägern, geöffnet. Dieses Ereignis erschütterte den Planeten und sorgte dafür, dass Eridium, ein sehr seltenes und wertvolles Metall, auf dem ganzen Planeten aufkam. Es dauerte nicht lange, bis sich dieses erhöhte Eridiumvorkommen in der ganzen Galaxie herumsprach.

Die Hyperion Corperation – ein intergalaktischer Waffenhersteller – welche eine Raumstation um einen der Monde Pandoras stationiert hatte, nutzte die günstige Situation und machte den Planeten mithilfe von Handsome Jack kurzerhand zu ihrem Eigen. Unter dem Deckmantel sich dort um die unmenschlichen Bedingungen zu kümmern, versucht Hyperion nun mithilfe neuer Kammerjäger mehr über die geheimnisvollen Kammern in Erfahrung zu bringen.

Wer Borderlands 2 gespielt hat weiß, dass die Handlung, Charaktere und Spielwelt die Highlights des ohnehin schon hervorragenden Spiels sind. Und selbst nach unzähligen Spielstunden und einer derart langen Pause spielt sich alles genauso gut wie damals. Die Handlung hat einen klaren roten Faden und es gab nie Momente, in welchen ich nicht wusste was gerade zu tun ist. Am wichtigsten hervorzuheben ist aber der einzigartige Humor, der sich durch alle Borderlands-Spiele zieht. Wer Slapstick-Humor gegenüber nicht abgeneigt ist und über den ein oder anderen vulgären Witz auch mal lachen kann, ist mehr als nur gut bedient. Besonders die Nebenmissionen haben es mir angetan. Hinter jeder Ecke gibt es die seltsamsten Dinge zu erleben, ob es der Psycho Face McShooty ist, der hysterisch nach jemanden sucht der ihm ins Gesicht schießt, oder der Antagonist Handsome Jack, welcher den Spieler dazu überreden will sich selbst umzubringen.

Damit wären wir auch beim wichtigsten Punkt angelangt: Handsome Jack. Meiner Meinung nach einer der besten Videospielantagonisten seit Beginn des Mediums. Er hat genau die Eigenschaften, die man sich von einem Bösewicht wünscht: Er ist sympathisch, lustig, fies, aber sein Handeln bleibt stets nachvollziehbar, was ihn über den Spielverlauf mehr und mehr zu einem tragischen Antihelden macht. Das wirft auch die Frage auf, ob man im erbitterten Kampf gegen Handsome Jack nicht selbst das Böse ist. Dem Entwickler Gearbox Software ist es gelungen einen Charakter zu schaffen, welcher sich einen Platz in meinem Herz gesichert hat. Fußstapfen, welche die Fortsetzungen nicht füllen konnten.

  • thumb-1920-380444.jpg
  • 360aa52c602f15ded2d58db56b35de2f.jpg
  • thumb-1920-321354.jpg

Beautiful Borderlandsides

Wie unschwer zu erkennen ist, setzt Borderlands 2 auf einen Cel Shading-Look und sieht selbst nach acht Jahren noch ziemlich ansehnlich aus. Grafisch ist der Loot-Shooter auf jeden Fall gut gealtert. Ein schönes Detail ist der Tageszyklus im Spiel, dieser lässt die Welt gleich viel lebendiger wirken.

Die Handlung beschränkt sich auf den verwüsteten Planeten Pandora, wobei gesagt sein muss, dass man im Laufe des Spiels in die unterschiedlichsten Regionen geführt wird. Von kargen Einöden, über giftige Sümpfe, bis hin zu frostigen Eiswüsten ist alles vertreten. Allerdings unterscheiden sich die Schauplätze im Kern meist sehr wenig. Die verschiedenen Gegnertypen befinden sich meist in denselben Baulichkeiten, sodass dem Spieler nach einigen Stunden Spielzeit trotz Umgebungswechsel einiges sehr ähnlich vorkommen mag.

Mit der Gegnervielfalt hingegen war ich sehr zufrieden. Im Verlauf des Spiels schießt man sich durch alle nur erdenklichen Dinge; ob es nun die gefährliche Tierwelt ist, zerstörerische Roboter-Feldherren, oder Nomaden die einen Fleischschild von Psycho-Zwergen vor sich tragen. Interessant ist auch die Interaktion zwischen den verschiedenen Fraktionen. Ob unentdeckt oder am Schlachtfeld, der Spieler ist nicht die einzige Sorge mit der die Widersacher zu kämpfen haben. Oft gerät man auf dem Weg zum Missionsziel jedoch auch selbst ins Kreuzfeuer und hat gleich mehrere Probleme am Hals. Diese Abschnitte haben mir sehr gefallen, da sich die offene Spielwelt dadurch gleich bei weitem lebendiger angefühlt hat.

Auch die auditive Umsetzung konnte mich überzeugen. Der Soundtrack passt gut zum Spiel, auch die restliche Soundkulisse hört sich nicht schlecht an und gibt den zigtausend Waffen im Spiel genügend Wumms. Gespielt habe ich mit der deutschsprachigen Synchronisation, welche sehr gelungen ausfällt. Ein Highlight für mich aber waren die Kleinigkeiten, die sich die Entwickler ausgedacht haben: Regelmäßig durchbricht Borderlands 2 die vierte Wand und spricht den Spieler direkt an; nicht nur in Nebenunterhaltungen, sondern auch während der Feuergefechte. „Gib mir meine HP zurü-“, das waren die letzten Worte eines Psychos, bevor ich ihm mit meiner Jacobs Schrotflinte die Rübe weggeballert hab, genial.

  • 20200331090422_1.jpg
  • 20200331090751_1.jpg
  • 20200331090528_1.jpg

Choose your everything

Bevor es aber auf die Reise geht, muss natürlich ein Kammerjäger ausgewählt werden. Zur Auswahl stehen Axton der Commando, Maya die Sirene, Salvador der Gunzerker und Zer0 der Assasine. Wahlweise spielt man allein oder schlägt sich mit bis zu drei Freunden durch Pandora. Jeder der vier Kammerjäger hat eigene Fähigkeiten und Skills, welche der Spieler nach und nach ausbaut. Keine Sorge, man kann diese auch jederzeit wieder zurücksetzen, falls man mit einem der drei Fähigkeitsbäume unzufrieden sein sollte. Aber mal ehrlich, wer kann bei einem Skill Namens „Sexueller Tyrannosaurus“ schon widerstehen?

Wie schon am Anfang des Beitrags erwähnt ist Borderlands 2, wie auch seine Vor- und Nachgänger, ein Ego-Shooter. Als Spieler erlebt man alles aus der Ich-Perspektive und ist hauptsächlich mit Herumschießen beschäftigt. Dementsprechend gibt es neben dem Springen, Ducken und den Nahkampfangriffen – welche durch diverse Skills aufgewertet werden können – nicht viel, was Borderlands 2 von der altbewährten Shooter-Formel abhebt. Das ist aber in keiner Weise schlimm, denn alles was getan wird, wird richtig gemacht. Das Handling ist super und die Schussgefechte, in Kombination mit Granaten und persönlichem Schutzschild, werden von Mal zu Mal besser.

Aber da fehlt doch noch etwas…richtig, der Loot! Untypisch für die damalige Zeit wagte Gearbox Software einen frischen Mix aus bis Dato noch zwei nicht kombinierten Dingen. Neben der Schießerei ist die wichtigste Mechanik im Spiel das ständige Beutesammeln. Was ich damit meine? Borderlands 2 bietet ein derart großes Waffenarsenal, wie sonst kaum ein anderer Titel. Hinter jeder Ecke, aus den Leichen der Gegner herausfallend, in völlig unscheinbaren Kisten liegend oder versteckt in einem Skag Haufen. Waffen, Granaten, Schilde und Klassenaufwertungen für die spielbaren Helden sind überall zu finden. Für mich gibt es kaum etwas Besseres, als seine Ausrüstung weiter auszubauen und seine Werte zu steigern, bis man am absoluten Maximum angelangt ist. Deswegen konnte ich jede Spielminute auch bis zur Gänze auskosten. Wie die Bohnen (von Rocket Beans TV) schon so schön gesagt haben: “Looten und Leveln, das muss drin sein in nem Spiel“. Dieser Aussage kann ich mich voll und ganz anschließen.

Um aber an das beste Loot zu kommen, muss man sich mit den Boss-Gegnern messen. Diese haben alle bestimmte legendäre Ausrüstung, welche sie gelegentlich fallen lassen. „Gelegentlich“ ist dabei ein gutes Stichwort, denn für einige Schießeisen kann es dutzende Anläufe brauchen, bis man das gewünschte Ergebnis bekommt. Aber für mich ist das kein Problem gewesen. Jeder der Widersacher ist gut designed und passt perfekt in die humorvoll geprägte, post-apokalyptische Spielwelt. Egal ob es das erste Mal, oder das Hundertste ist, dass man einen Boss bekämpft, mir ist der Spaß am Grinden nicht vergangen. Das liegt möglicherweise auch daran, dass die Endgegner allesamt vom Schwierigkeitsgrad sehr knackig, aber auch nicht zu schwierig sind.

  • 20200331092238_1.jpg
  • 20200331090916_1.jpg
  • 20200331092434_1.jpg

FAZIT

Borderlands 2 hat sich vor einigen Jahren einen Platz in meiner persönlichen Favoriten-Liste gesichert und enttäuscht mich bis heute nicht. Grund dafür ist die humorvolle Handlung, der Look und natürlich auch das gut verwirklichte Gameplay. Ich weiß, dass einigen Spielern die Jagd nach den legendären Waffen zu langwierig war, aber ich konnte mich nicht am Perfektionieren meiner Ausrüstung satt spielen. Die unterschiedlichen Helden sind verschieden genug, um auch nach unzähligen Spielstunden zu mehreren Spieldurchläufen anzuregen. Und wem selbst das noch nicht reicht, der hat neben dem Base Game etliche Gratis-Erweiterungen und gegen Bezahlung sogar zwei komplett neue Kammerjäger auf die er sich freuen darf. Um ehrlich zu sein, hat mir das Nachspiel auch nach einigen Jahren und dutzenden Spielstunden nur noch mehr Freude an Borderlands 2 gemacht. Zum Schluss noch eine Empfehlung, die ich nur selten ausspreche: Wer das nötige Kleingeld hat sollte sich unbedingt überlegen die vier Kampagnen-Erweiterungen für Borderlands 2 zu kaufen. Diese bringen nicht nur neue Waffen, Bosse und Gegner ins Spiel, sondern erweitern, wie schon im Namen steckt, auch die Handlung.

Was ist Borderlands 2? Ein humorvoller Loot-Shooter mit einer stilisierten Cel Shading Grafik.
Plattformen: PC, PS3, PS4, PS Vita, Xbox 360, Xbox One
Getestet: Xbox 360, PC
Entwickler / Publisher: Gearbox Software / 2K Games
Release: 21.September 2012
Link: Offizielle Webseite

Leave a comment