Nachspiel: Hollow Knight

Nachspiel: Hollow Knight

Also Hollow Knight im Februar des Jahres 2017 veröffentlicht wurde, nahmen noch recht wenige davon Kenntnis. Doch zwei Jahre später hatte sich das Spiel mit seiner überragenden Soundkulisse, seinem handgezeichneten Artstyle und einem interessanten Mix aus Metroidvania- und Soulslike-Elementen in den Herzen vieler Gamer einen Platz geschaffen. Darum gibt’s hier für euch einen Rückblick auf den möglicherweise größten Geheimtipp der letzten Jahre.

Das 2D-Metroidvania von dem australischen Indiestudio Team Cherry war zu Release lediglich eine Empfehlung unter Kennern. Da es fast zeitgleich herauskam wie Branchengrößen Breath of the Wild, Horizon Zero Dawn, Resident Evil 7 und weitere AAA-Titel, ging Hollow Knight etwas unter. Doch mit der Zeit machten Gespräche über das Spiel die Runde und spätestens, nachdem Hollow Knight auch für Konsolen veröffentlicht wurde, hatte sich der Ruf des Spiels als ein Must-Play gefestigt. Doch warum hat Hollow Knight eigentlich so einen guten Ruf?

A Bugs Life

Das Setting eines verlassenen Käferkönigreichs ist schon mal was Neues. Eine kurze Anfangssequenz zeigt euren Käferritter auf dem Weg in das ehemalige Königreich Heilandsnest, gleich darauf dürft ihr ihn selber steuern. Ihr absolviert ein kurzes Tutorial auf dem Weg zur ersten Stadt und eurem zukünftigen Hub, der desolaten Einöde Mistmund, die im Spielverlauf jedoch immer lebendiger wird. Nur ein anderer Käfer ist bei eurer ersten Ankunft vor Ort, der euch davor warnt, in die Ruinen hinabzusteigen. Jedoch seid ihr genau dafür hier.

In einigen Bereichen hatten sich die Entwickler auch von Dark Souls inspirieren lassen, darunter auch darin, wie die Story des Spiels vermittelt wird. Diese serviert euch Hollow Knight nicht auf dem Silbertablett, sondern versteckt sie vielmehr hinter zerstörbaren Wänden, Gegenstandsbeschreibungen oder in Dialogen mit den verstreuten Einwohnern von Heilandsnest. Trotz ihrer manchmal fehlenden Präsenz ist die Geschichte sehr tiefgründig und lässt gleichzeitig Interpretationsspielraum. Das Monument des Hollow Knights in der Stadt der Tränen, das Kolosseum der Narren an der Grenze des Königreichs und der mit Leichen übersäte Abgrund, welche eurer Spielfigur unheimlich ähnlich sehen, sind alles Puzzelstücke, die ihr langsam zu einem Gesamtbild vereint. Dabei seid ihr nicht ganz auf euch allein gestellt, es sind noch ein paar Überlebende des ehemaligen Insektenimperiums vor Ort. Die NPBs (Non-Playable-Bugs), erzählen euch Geschichten, verkaufen euch Waren und bitten euch um Gefallen. Auch hier zeigt Hollow Knight Liebe zum Detail: Am Ende einer Questline bittet euch ein Charakter sein Leben zu beenden, da er keinen Sinn mehr darin sieht. Ihr könnt seinem Gesuch nachgehen, wandert ihr jedoch davon, findet ihr ihn später an einem anderen Ort wieder. Dort hat er einen Freund und einen neuen Lebenssinn gefunden und dankt euch, weil ihr damals seine Bitte zurückgewiesen habt.

Fliegen wie ein Schmetterling, Stechen wie eine Biene

Natürlich kann Hollow Knight mit mehr punkten als dem Plot, zum Beispiel mit seinem Kampfsystem: Geduld und schnelle Reaktion sind der Schlüssel. Ich ziehe hier wieder die Parallele zu Dark Souls, denn mit genug Skill im Gepäck könnt ihr jeden Boss, auch ohne Upgrades besiegen. Jeder Feind hat sein Angriffsmuster, dieses zu verinnerlichen und auszunutzen führt euch meist zum Erfolg. Um zu attackieren habt ihr eine Hand voll Optionen. Per Knopfdruck schwingt ihr euren Nagel in eine gewählte Richtung, dabei werdet sowohl ihr als auch eure Gegner etwas zurückgeworfen. Dieser Nagel ist die einzige Waffe im Spiel die ihr benutzen könnt, doch ihr könnt ihn verbessern, wenn ihr den Schmied findet und das nötige Kleingeld entbehren könnt. Zusätzlich lernt ihr verschiedene Kampffertigkeiten wie etwa einen aufgeladenen Schlag. Neben eurer Waffe könnt ihr auch Magie benutzen, so bekommt ihr im Spielverlauf bis zu 4 Angriffszauber, von denen ihr auch eine verbesserte Version ergattern könnt.

Die Nutzung dieser Zauber hat aber ein Limit, denn um sie einsetzen zu können, benötigt ihr Seele. Diese erhaltet ihr, indem ihr Widersachern schadet oder euch in einer heißen Quelle erholt. Neben Magie benötigt ihr Seele allerdings auch zum Heilen, behaltet also immer ein bisschen auf Reserve.
Auch Ausrüstungsgegenstände, vor allem die sogenannten Charms spielen eine wichtige Rolle: Charms geben euch allerhand Fähigkeiten, die vom Anzeigen eurer Position auf der Karte über schnelleres Heilen bis hin zu Umwandlung eurer Zaubersprüche reichen. Durch diese Vielfalt könnt ihr euren Charakter ganz auf euren eigenen Spielstil ausrichten – auch, da ihr mit den passenden Charms unterschiedliche Combo-Boni erhalten könnt. Jedes Amulett benötigt Sockelplätze, von denen ihr im Verlauf des Spiels bis zu elf erhalten könnt. Ihr habt jedoch auch die Möglichkeit, mehr Amulette auszurüsten, als ihr Sockel besitzt, steckt dann in Gefechten jedoch den doppelten Schaden ein. Haltet ebenso die Augen nach Gefäß- und Maskenteilen offen: findet ihr genug davon, erhöhen sich eure Lebensleiste und euer Seelengefäß. Und schließlich könnt ihr eure Healthleiste noch bei Parkbänken, die in ganz Heilandsnest verstreut sind. Diese Bänke fungieren auch als Speicherpunkte, von denen ihr euer Abenteuer fortsetzen könnt, falls ihr dennoch mal das zeitliche segnet. Wie in einem Soulslike, müsst ihr danach den Weg erneut beschreiten um euer verlorenes Gut wiederzuerlangen, doch meistens erreicht ihr beim zweiten Versuch euer Ziel schneller und mit mehr Health. Scheitert ihr an einem Bossgegner immer und immer wieder, wird dieser Prozess zwar schnell mal nervenzehrend – dieser Spielspaßeinbruch ist allerdings eine Ausnahme von der Regel.

Die Bosskämpfe sind sicherlich der spektakulärste und gleichzeitig ärgerlichste Spielabschnitt. Dass ihr Frust anstaut, wenn ihr zum 25. Mal an einem Boss scheitert ist klar, dafür jedoch erwartet euch mehr als der persönliche Ruhm nach einem hart erkämpften Sieg. Die Choreografie und das Design der Bosse sind flüssig und atmosphärisch, was die Spielwelt noch glaubhafter macht. Vor allem hier kann der Soundtrack noch einmal glänzen, denn bei den Bossen wurden alle Register gezogen – je härter der Feind, desto gewaltiger und theatralischer ist der Sound. Besiegt ihr nun einen sehr schweren Gegner in einem hitzigen Gefecht mit noch hitzigerer Orchestermusik im Hintergrund, seid ihr schon fast enttäuscht, da der Kampf jetzt vorbei ist. (Zum Glück könnt ihr später alle wieder bekämpfen)

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Die Reise soll nicht enden

Die Welt von Hollow Knight ist einfach fantastisch designt. Kristallmienen, Spinnenhöhlen, Kanalisationen – jedes Areal behält sich durch das Zusammenspiel von ausgeklügeltem Layout, einem durch den Artstyle des Spiels komplementiertem Design und vortrefflicher musikalischer Untermalung seinen ganz individuellen Charme, ohne aber, dass sich dieser zu weit von der melancholischen Stimmung von Heilandsnest entfernt. Ob ihr nun träumerisch durch die verregnete Stadt der Tränen wandelt oder euch voller Unbehagen ins finstere Tiefnest wagt – jedes Gebiet zieht euch mit seiner Atmosphäre von neuem in den Bann. Erkundet ihr die großen Gebiete auch tüchtig, warten viele, teilweise sehr gut versteckte Secrets auf euch. Ihr findet nicht immer klassische Belohnungen wie Geld oder Upgrades, sondern auch Informationen über die Spielwelt, die ihr nur lesen könnt, habt ihr das richtige Amulett dabei. Das ist jedoch eher etwas für die Leute, welche nicht genug von der interessanten Geschichte des verlorenen Käferkönigreichs bekommen können – wie mich

In den vielen Höhlen des Königreichs kam bei mir anfangs leicht ein Gefühl von Überforderung auf, es gab zu viele Wege zu erkunden, zu viele Feinde zu bekämpfen und zu viele Fallen zu umgehen. Jedoch legte sich dieses Gefühl schnell, das hatte folgende Gründe: Zunächst gibt es kaum falsche Wege. Hier und da fand ich mich in einer Sackgasse wieder, doch oft wartete dort ein Power-Up als Entschädigung auf mich. Die Gegner waren auch ein Zuckerschlecken, nachdem ich mich an die Angriffsmuster gewöhnt und ein paar Upgrades gefunden hatte; Die Platformingpassagen forderten mich stellenweise sehr, dennoch war der Großteil mit ein bisschen Übung zu bewältigen. Bald waren alle Gebiete entdeckt, die meisten Bosse besiegt und die Story neigte sich ihrem Ende zu – doch ich wollte noch nicht gehen. Kinematografisch großartig inszenierte Kämpfe bestreiten, noch mehr von der liebevoll gestalteten Welt entdecken oder einfach zurücklehnen und der Musik lauschen – das alles wollte ich noch etwas länger genießen. Gut, dass Team Cherry seit dem Release nicht flau waren.

Seit dem Release hat sich viel getan

Mittlerweile gibt es 4 große Contentupdates für Hollow Knight, in den Konsolenports sind diese inbegriffen. Zuerst kam Hidden Dreams und lieferte 2 neue Bosse, eine neue Schnellreisestation und ein platzierbares Schnellreiseportal. Danach folgte The Grimm Troupe und brachte neue Charms, neue Charaktere und eine neue Questline, mit einem der besten Bossfight im Game. Als drittes war Lifeblood an der Reihe. Mit diesem Update bekam Hollow Knight den Feinschliff, in Form von Gegnerbalancing und Fixes. Auch Kartenmarkierungen wurden eingeführt, damit ihr besondere Orte wiederfindet. Zuletzt erhielten wir das Godseeker Update und wie immer kommt das Beste zum Schluss: Neue Gebiete, neue Charaktere, neue Questline, neuer Spielmodus und Bosse – diesmal die alten auch! Die mit Abstand schwerste Herausforderung von Hollow Knight ist hier verborgen. Ein Bossrushmodus, indem ihr alle vorhandenen Bosse im Spiel und eine Hand voll Neue am Stück besiegen müsst – Ihr könnt mir glauben, das ist eine wahre Prüfung. Doch welche Belohnung ist angemessen für so einen Knallharten Skilltest – Vielleicht ein neues Ende? Oder besser noch zwei!

FAZIT

Hollow Knight ist ein klassisches Metroidvania: Ihr schaltet Fähigkeiten frei um in neuen Gebiete zu gelangen, ihr bekämpft Bosse und sammelt Zeugs. An sich macht es nichts wirklich Neues, doch macht es so viel richtig. Das Kampfsystem ist leicht zu lernen, trotzdem hatte ich viel Verbesserungsspielraum. Die Kämpfe sind flott und Effektreich, Performanceprobleme oder Eingabeverzögerungen hatte ich aber nie. Die vielfältige Spielwelt klappere ich manchmal noch immer ab und lausche den Melodien. Ich kann euch nur sagen, dass ich jede Sekunde mit meinem kleinen Käferritter genoss und mich wahnsinnig auf Hollow Knight: Silksong freue. Ein bisschen schade finde ich, dass ein Ending für alle versperrt bleibt, die den Bossrush nicht schaffen oder keine Zeit haben lange genug zu trainieren. Mit einer Spieldauer von ca 20, samt allen Collectibles 30 Stunden (mit Godseeker sicher noch mehr), bietet Hollow Knight sehr viel Content für einen inzwischen schmalen Preis. Falls ihr Metroidvanias mögt und eine spielerische Herausforderung nicht scheut, solltet ihr auf jeden Fall zugreifen.

Ein Gastartikel von Nino Puff

Was ist Hollow Knight? Metroidvania mit Soulslike-Elementen
Plattformen: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch
Getestet: Nintendo Switch
Entwickler / Publisher: Team Cherry
Release: 24. Februar 2017
Link: Offizielle Webseite

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