Nachspiel: Overgrowth

Nachspiel: Overgrowth

Seit 2008 angekündigt und bis 2017, also ganze neun Jahre, in Entwicklung: Das im 3D-Action-Adventure Genre angelegte Spiel, mit dem Fokus auf Kampf- und Sprungsequenzen, nennt sich Overgrowth und ist das Sequel zum verrückten Kung-Fu Abenteuer Lugaru. Erneut muss der rebellische Hase Turner seine Kampfkünste unter Beweis stellen.

In einer von Tieren bevölkerten Welt werden wir als Hase “Turner” auf eine abenteuerliche Reise geschickt, um … was genau eigentlich zu tun? Storytechnisch wird leider schon von Anfang an vieles zu wenig detailliert geschildert. In der Kampagne von Overgrowth präsentiert uns Entwickler Wolfire Games zwar die Geschichte von einem unterdrückten Hasenvolk, welches Turner vorschickt, um ihnen letzten Endes einen sicheren Weg zu einer neuen, sicheren Heimat durch das von Feinden besiedelte Land zu bahnen, jedoch so ganz greift diese Handlung in knapp drei Stunden durchschnittlicher Spielzeit nicht.

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Frustrierendes Gameplay

So wie auch der Handlungsstrang etwas zu simpel ausgefallen ist, gilt dasselbe auch für das Gameplay. Grundsätzlich gibt es zwei sich im Laufe des Spiels kontinuierlich abwechselnde Passagen: Springen und Kämpfen. Wenn man also gerade nicht damit beschäftigt ist, mit Turner oftmals sehr hohe und weite Sprünge auf die nächstgelegene Plattform auszuführen, so prügelt man sich mit den verschiedensten, feindlich gesinnten Tieren, etwa mit Hunden, Katzen, Ratten oder Wölfen. Zwar existiert auch die Möglichkeit Schleich-Attacken auszuführen, jedoch ist dies nur in vorgeskripteten Passagen möglich. Dazu kommt noch, dass die äußerst überempfindlichen KI oftmals so positioniert wurde, dass man selbst im gebückten Zustand sofort entdeckt und somit in einen Kampf verwickelt zu wird. Die grundlegenden Bewegungen, wie Kontern und Schlagen sind natürlich auch vorhanden. Zusätzlich kann Turner einen Sprungkick mit seinen langen Hasenläufen gegen seine Feinde einsetzen, welcher jedoch manchmal auch etwas schwer zu manövrieren ist.

Generell macht das Kampfsystem nicht gerade einen sehr ausgearbeiteten Eindruck, da sich bei meinem Spieldurchgang beispielsweiser auch immer wieder einige Fehler bei der  Ragdoll Physics während des Kampfes eingeschlichen haben, wie plötzlich unmotiviert herumfliegende Gegner. Dies hatte zur Folge, dass die Kontrahenten oft auch ohne viel Zutun meinerseits sich einfach selbst erledigt haben.Dafür muss man bei den Sprung- und Kletterpassagen sehr kreativ mit der Steuerung umgehen, um an sein Ziel zu gelangen, da man ansonsten schnell in den Tod stürzen kann. Das wird jedoch durch die Tatsache, dass nach fast jeder erfolgreich erklommenen Plattform ein Checkpoint gesetzt wird, wieder etwas abgemildert. Am Anfang des Spiels hat mich die Reichweite der Sprünge von Turner noch fasziniert, jedoch wurde die Akkuratheit des Sprungs in den Sumpfgebieten immer mehr von Bedeutung, was mich auch schon zum nächsten gravierenden Punkt bringt: Man hat als Spieler den Eindruck, als schlittere man bei der Landung auf einer Plattform noch immer ein Stückchen weiter vorwärts, als eigentlich geplant war, was wiederum gerade bei sehr kleinen Flächen dazu führen kann, ins Verderben zu rutschen. Die Gefahr des Gegenteiligen, nämlich zu niedrig und zu wenig weit zu springen, ist besonders in den späteren Story-Abschnitten ebenfalls eine weitere Möglichkeit, sich den Kopf an einer Kante zu stoßen und in die Tiefe zu fallen. Die Frustration war somit in beiden spielerischen Passagen bei mir mit weitestgehend gegeben.

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Mäßige Grafik, guter Sound

Die Grafik und Präsentation sind diesem 3D-Action-Adventure verglichen mit heutigen Standards nur mittelmäßig geglückt. In den höchsten Grafik-Einstellungen lassen sich immer noch hie und da matschige Texturen erkennen, welche sich besonders auffällig auf NPCs auswirken, welche zudem auch noch eine sehr niedrige Anzahl an Polygonen aufweisen. Overgrowth kann folglich seine lange Entwicklungszeit nicht sehr geschickt verbergen. Aber es gibt auch positive Seiten. Die Level Objekte, wie Häuser, Bäume, etc. sehr stimmig angeordnet und die verschiedenen Lichtquellen wurden sehr gut eingesetzt. Desweiteren ist mir aufgefallen, dass die Welt generell detaillierter ausgearbeitet ist, als die Charaktere, welche in ihr agieren. Die Farbpalette wurde bewusst so gewählt, dass es die leicht melancholische Seite der Handlung widerspiegelt und die Geräuschkulisse passt sich ebenfalls an.

Die Soundeffekte wirken manchmal sehr generisch, aber ein Detail am Rande sei nochmal erwähnt: Je größer die Höhe, von welcher man auf einer Plattform aufkommt, umso lauter und länger hört man das Knacken von Turners Körper, welcher sich abstützt. Der Soundtrack ist (für die Tatsache, dass er seit 2009 nicht großartig verändert wurde) sehr gut gelungen und unterstützt optimal die manchmal etwas triste Stimmung in der Spielwelt. Die häufigen und teils lang andauernden Ladescreens zwischen den einzelnen Szenen tragen gerade dazu bei, diesen auch ausgiebig zu genießen. Voice-Acting bei den einzelnen Charakteren ist nicht vorhanden, jedoch gibt es die klassischen Textboxen, durch welche man sich durchklicken kann.     

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FAZIT

Bei Overgrowth hatte ich großteils das Gefühl, ein etwas in die Jahre gekommenes Spiel zu spielen, welches sich nicht besonders bemüht, dies auch zu verbergen. Die größte Stärke liegt in der Handlung, welche durch den gezielten Einsatz von verschiedenen Kameraperspektiven und Voice-Acting in den Cutscenes hervorgehoben wird. Für die, verglichen mit anderen Titeln des Genres, lange Entwicklungsdauer, hätte das Kampf- und Sprungsystem ruhig noch etwas angepasst und verbessert werden können, aber alles in allem hatte ich mit dem zu spielenden Martial-Arts Hase Turner meinen Spaß. Die Dialoge waren witzig geschrieben und so habe ich mich dann doch dazu durchgerungen, den Storymodus in knapp drei Stunden durchzuspielen. Manche Level, wie beispielsweise der Sumpf, erzeugten bei mir große Frustration, da die Sprünge sehr präzise sein mussten und der Nebel meine Bildrate fast zum Einsturz brachte. Doch als dieser Punkt überwunden war, hat mich das Spiel gut unterhalten und trotzdem war ich am Ende irgendwie froh, dass die Handlung dann doch eher kürzer ausgefallen ist. Das größte Manko von Overgrowth befindet sich im Preis-Leistungs-Verhältnis, welches für ein halb-fertiges Spiel mit einem sehr geringen Wiederspielwert einfach nicht passt. Deswegen lautet meine Devise: Auf den nächsten Sale warten!  

Ein Gastbeitrag von Andreas Grammel

Was ist Overgrowth? Ein 3D-Action-Adventure mit einem anthropomorphen Hasen als Titelheld.
Plattformen: PC, macOS, Linux
Getestet: Version 1.2 auf PC Intel Core i7-6700, 16GB RAM, GeForce GTX 950M
Entwickler / Publisher: Wolfire Games
Release: 16. Okt. 2017
LinkOffizielle Webseite

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