Nachspiel: Remothered: Tormented Fathers

Nachspiel: Remothered: Tormented Fathers

Die Feiertage sind vorbei und haben ihren Tribut gefordert. Dank diversen Bäckereien und Fressorgien im Kreis der Familie habe ich doch etwas an Körpervolumen zugelegt. Das bedeutet, ich muss meinen Kalorienverbrauch wieder etwas ankurbeln. Also rein in meine beste Jogginghose und ab auf die Couch! Man sagt ja, dass man die Kilos am besten mit Sport purzeln lassen kann, aber da ich mit Fifa und Co. so gar nichts anzufangen weiß, habe ich mein eigenes Fitnessprogramm entwickelt: ich fürchte mir die Kilos weg! Mit Remothered: Tormented Fathers bin ich dann auch auf einen Titel gestoßen, der ideal für mein Vorhaben schien.

Jodie, bist du´s?

Im Horror Game der Indie-Entwickler Stormind Games schlüpfen wir in die Haut von Dr. Rosemary Reed. Diese begibt sich auf das Anwesen von Richard Felton, dessen Tochter Celeste als vermisst gilt. Die Ärztin glaubt, dass sich hinter dem Verschwinden des Mädchens ein tieferes Geheimnis verbirgt. Als sie der eigentlich freundliche, wenn auch etwas verschrobene, Mr. Felton ein paar Cutscenes später mit Schürze, Sense und blankem Hintern durch sein Haus jagt, fühlt sich die vermeintliche Ärztin in ihrem Verdacht bestätigt.

Optisch erinnert die Protagonistin von Remothered: Tormented Fathers an eine blonde Version von Jodie Fosters Clarice Starling aus Das Schweigen der Lämmer. Im allgemeinen hatte ich das Gefühl, dass sich die Entwickler für durch diverse Klassiker des Thriller-Genres inspirieren ließen. So könnten die Farbfilter, die Atmosphäre und die Stimmung direkt aus David Fischers Sieben entnommen worden sein. Dies ist allerdings eine der großen Stärken des Spiels, denn Remothered: Tormented Fathers sieht, dank der Unreal Engine 4, für ein Indie-Game schlicht umwerfend aus. Wenn man nur mit der Taschenlampe durch die dunklen Korridore des Anwesens streift, zieht sich einem eine schaurig-schöne Gänsehaut über den Rücken. Versteckte Zeitungsartikel, welche die herrlich verworrene Hintergrundgeschichte, rund um ein gescheitertes Medikamentenexperiment und dessen verheerenden Folgen, darlegen, motivierten mich ungemein zum Erkunden des Anwesens. Allen Schwächen im Gameplay zum Trotz.

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Von Terror, Frust und fliegenden Controllern

Ich neige dazu diverse Gamplayschnitzer zu verzeihen, solange mir das Spiel eine gute Story liefert – und das tut Remothered: Tormented Fathers auch. Doch trotz der guten und auch sehr wendungsreichen Geschichte, trieb mich Remothered: Tormented Fathers des Öfteren an meine Toleranzgrenze. Zum einen wäre da die Steuerung. Diese gestaltet sich selbst mit dem Controller sehr ungenau und träge. Auch ist sie leider nicht sonderlich intuitiv, was gerade in Situationen in denen man gejagt wird und unter Druck steht durchaus zu Frust führen kann, da man in der Hitze des Gefechts versehentlich die Taschenlampe aktiviert statt in Schleichhaltung zu wechseln.

Grundlegend funktioniert das Gamplay von Remothered: Tormented Fathers nach dem „Hide And Seek“- Prinzip: Wir werden von einer Bedrohung gejagt, während wir das Haus nach Gegenständen für Rätsel und nach Storyhinweisen durchsuchen. Idealerweise sollten wir im Verborgenen bleiben und uns leise bewegen. Leider funktioniert das selten. Zum einen weil die Fortbewegung in der Schleichhaltung ermüdend langsam ist, zum anderen weil man nie in der Lage ist abschätzen zu können wo sich der Jäger befindet. Während man in Genre-Kollegen wie Alien: Isolation einen Ortungsradar hat, oder zumindest wusste worauf zu achten ist, damit man die Bestie nicht anlockt, bleibt der Widersacher in Remothered: Tormented Fathers komplett unberechenbar. Richtig umgesetzt könnte diese Tatsache durchaus für Spannung sorgen, aber in dieser Weise, gerade in der Kombination mit der Erkundung, ging mir dieses Gameplayelement gewaltig auf die Nerven. Leider ist es auch nicht möglich sich an der Soundkulisse zu orientieren. Ich hatte einige Male die Situation, dass ich Schritte über mir hörte, oder die Stimme des Verfolgers so klang als wären mindestens ein bis zwei Mauern zwischen uns, nur um ihm ein paar Schritte weiter direkt in die Arme zu laufen.

Werden wir erwischt haben wir die Möglichkeit dem Bösewicht gesammelte Gegenstände um die Ohren zu klatschen oder ihm – sofern vorhanden – ein Messer in die Brust zu rammen. Danach gilt es zu laufen und sich zu verstecken. Normalerweise bin ich ein großer Fan solcher Mechaniken – wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Da Remothered: Tormented Fathers dieses Prinzip in Dauerschleife einsetzt, geht der Spannung die Luft aus und mir die Geduld.

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FAZIT

Ich bin durch Zufall auf Remothered: Tormented Fathers gestoßen und war etwas verwundert, dass ein Horror-Titel, welcher bereits im Jänner 2018 erschienen ist, so komplett an mir vorbeiziehen konnte. Als ich die rund vier Stunden lange Geschichte durch hatte war mir leider klar warum: Remothered: Tormented Fathers ist in Sachen Gameplay sehr unausgegoren. Die fehlende Möglichkeit abschätzen zu können, wo sich mein Verfolger in etwa befindet, hat mich sehr frustriert und mir einiges an Spielspaß geraubt. Auch die Steuerung ist jenseits von optimal und das Gefühl gejagt zu werden nutzt sich durch die Überstrapazierung sehr ab. Ein seltenerer aber dafür gezielterer Einsatz dieser Stresssituationen hätte dem Horror sicher gut getan. Wer jedoch Bock auf eine gute Story und auf atmosphärisch inszenierte Handlungsplätze hat, der sollte einen Blick auf Remothered: Tormented Fathers werfen – solange man kein Problem mit dem leider sehr verkorksten Gameplay hat.

Was ist Remothered: Tormented Fathers?: Ein Survival-Horror Game in einem atmosphärischen Thriller-Setting.
Plattformen: PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows
Getestet: PC auf  Intel Core i5-4440, 8GB RAM, GeForce GTX 750
Entwickler / Publisher: Stormind Games/Darril Arts
Release: 30. Jänner 2018
Link: Offizielle Webseite

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