Nachspiel: Tales of Vesperia: Definitive Edition

Nachspiel: Tales of Vesperia: Definitive Edition

Wer klassische J-RPGs liebt, der kommt um einige Serien kaum umher: Final Fantasy, Dragon Quest, Seiken Densetsu … oder aber auch die Tales of-Reihe. Vor rund zehn Jahren kam hierbei einer der umstritten besten Teile des Franchises auf den Markt: Tales of Vesperia für Xbox 360 – und während sich alle japanischen Fans des Spiels kurz darauf über eine erweiterte PS3-Version freuen durften, gingen alle westlichen RPG-Freunde damals leider leer aus. Mit der Tales of Vesperia: Definitive Edition macht man dies nun wieder gut und bringt die erweiterte Version auch in den Rest der Welt. Kann das Spiel auch 2019 noch überzeugen?

The Knight, the Wizard and the Blastia

An der Story von Tales of Vesperia ändert sich in der Definitive Edition absolut gar nichts: In der Rolle des Protagonisten Yuri beginnt ihr euer Abenteuer in der kaiserlichen Hauptstadt Zaphias: Eine der Blastia des Armenviertels der Stadt – magische Artefakte, die von der Wasserversorgung über den Schutz des Ortes alles regeln –, wurde entwendet, und so begebt ihr euch ins Adeligenviertel, um den Dieb – einen wandernden Magier – zu stellen und die Blastia zurückzuholen. Nach eurem kürzlichen unehrvollen Abgang aus der kaiserlichen Armee, läuft dabei allerdings nicht alles ganz nach Plan, und so findet ihr euch kurze Zeit später als Gefangener im kaiserlichen Palast wieder. So weit so schlecht – aber immerhin, der Ausbruch gelingt und führt euch direkt ins nächste Abenteuer: Während der Flucht lauft ihr in die behütete Estelle, die ihr bisheriges Leben mit ihrer Nase in Büchern im Schloss verbracht hat, und es eilig hat, zu eurem Ritter-Kollegen-Schrägstrich-bestem-Freund Flynn zu gelangen, um ihn davor zu warnen, dass man ihm nach seinem Leben trachtet. Also nehmt ihr Estelle kurzerhand mit und verlasst die Stadt gemeinsam, um sowohl dem abgängigen Magier sowie Flynn nachzujagen.

Tales of Vesperia folgt typischen Fantasy-Klischees, erzählt dabei aber eine Geschichte, bei der es in erster Linie um ihre Charaktere geht – eine Gruppe von Leuten, die zufällig zusammenfinden, aber darin verbunden sind, allesamt ihren Platz in der Welt zu suchen, und letztendlich – am Ende schön ausgeführter Charakterentwicklungsbögen – auch zu finden. Und hier kommt auch schon die erste Neuerung der Definitive Edition zu tragen: Das Spiel bietet euch nun nämlich zwei neue spielbare Charaktere. Zum einen wäre da der Ritter Flynn, der zwar schon immer Teil der Story war, nun jedoch auch selbst gesteuert werden kann, und dann gibt es da noch die Möchtegern-Piratin Patty, die in der Originalversion überhaupt nicht vorkam, jedoch so geschickt in die neue Edition integriert wurde, dass überhaupt nicht auffällt, dass sie nicht schon immer Teil der Handlung war.

Ebenfalls neu in der Definitive Edition: Neue Dialoge, Side-Quests und Dungeons, die die Handlung und die Charakterentwicklungen nicht nur weiter ausbauen, sondern auch das ohnehin schon sehr ausführliche Spiel noch mal ein wenig länger machen – rechnet bei eurem ersten Durchgang ruhig mit 50-60 Spielstunden.

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Evolved Flex-Range Linear Motion Battles

Wie bitte? Beim Evolved Flex-Range Linear Motion Battle System handelt es sich um das Kampfsystem von Tales of Vesperia, eine Mischung aus 2D-Beat’em Up und Action-System: Gegner sind, sowohl in den Orten wie auch auf der Überweltkarte, stets sichtbar und bringen euch bei Berührung in eigene Arenen. Hier lauft ihr in erster Linie in 2D auf Gegner zu oder von ihnen weg, führt Angriffskombos aus, die sich für mehr Schaden ohne Unterbrechung durch gegnerische Attacken zu Kettenangriffen reihen lassen, und blockt Konters bzw. weicht diesen aus – und hier kommt der Flexi-Part ins Spiel: Obwohl der Großteil des Kampfes nämlich in 2D abläuft, könnt ihr per Drücken von R2 auch zur freien Bewegung umschalten und euch so auch in der dritten Dimension um Gegner herum bewegen, was euch sowohl beim Ausweichen, wie auch beim Positionieren für eigene Attacken hilft.

Eure Party besteht dabei immer aus maximal vier Charakteren, wobei ihr nur einen davon selbst steuert; die anderen drei Mitstreiter werden von der KI übernommen, ihr dürft jedoch im Menü prinzipielle Strategien festlegen, um ihr Verhalten zumindest grob zu kontrollieren. Neue Fertigkeiten, genannt Artes, lernt ihr im Kampf bzw. durch Level-Up, darunter Heilsprüche, besonders starke Attacken und mehr. Das System braucht ein wenig Gewöhnungszeit und gerade im frühen Spielverlauf gibt es einige Kämpfe, die beinahe unfair schwer wirken, habt ihr euch aber erst mal eingekämpft, geht alles schön von der Hand und macht Spaß.

Präsentation (fast) ohne Altersschwäche

Neben dem Kampfsystem, das vielleicht nicht mehr ganz dem Zeitgeist entspricht, aber immer noch interessant und auf jeden Fall flott genug ist, ist auch die restliche Präsentation des Titels gut gealtert: Die Graphik im Cel-Shading-Look gibt Tales of Vesperia einen zeitlosen Anime-Look und das HD-Update der Definitive Edition macht alles noch ein klein wenig hübscher. Lediglich beim Aufpoppen der Gegner auf der Weltkarte bzw. gelegentlich auch in den Kämpfen selbst, gibt es ab und an leichte Lags, die das Geschehen aber soweit nicht negativ beeinflussen.

Der Soundtrack war schon im Original Grund genug, sich auch den OST zuzulegen, wurde seit dem ersten Release für Xbox 360 jedoch nochmals um einige wundervolle Melodien erweitert, die die Atmosphäre der mystisch-fantastischen Welt des Spiels perfekt einfangen – und auch die vollständige Sprachausgabe in wahlweise Englisch oder Japanisch kann sich mit großartigen Sprechern wie beispielsweise Troy Baker (The Last of Us) als Yuri auf jeden Fall hören lassen. Einziger kleiner Minuspunkt: Die neuen (englischen) Dialoge der Definitive Edition wurden teilweise mit anderen Sprechern aufgenommen, was zwar nicht immer, wenn dann aber leider umso störender auffällt. Wer hier auf Einheitlichkeit Wert legt, schaltet besser auf die japanische Version um.

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Langeweile adieu

Wie eingangs schon kurz erwähnt, erwarten euch bei Tales of Vesperia zahlreiche Stunden an Spielspaß, und das nicht nur im Rahmen der Hauptstory, sondern auch dank vieler kleiner Bonus-Features, die dem Titel zusätzliche Tiefe verleihen. Zum einen wären da etwa die vielen kurzen Dialoge in Portrait-Form, die ihr alle paar Minuten nach Hinweis auslösen könnt (aber nicht müsst), und die euch weitere Einblicke in die Charaktere und ihre Denkweise bieten oder aber witzige Szenen zeigen, die das Geschehen auflockern. Zum anderen beinhaltet die Definitive Edition auch sämtliche DLCs inklusiver neuer Kostüme und mehr. Und dann gibt es da auch noch zahlreiche (teils neue) Side-Quests, Mini-Games, Dungeons und mehr, die die Motivation allesamt durchwegs hochhalten; und selbst, wer nur die Hauptstory durchspielen möchte, ist rund 40 Stunden lang beschäftigt – weit länger, als man von aktuellen Vollpreisspielen üblicherweise erwarten kann. Kurz gesagt: Tales of Vesperia ist sein Geld allemal wert, dank neuer Inhalte selbst dann, wenn ihr das Spiel bereits vor zehn Jahren auf Xbox 360 durchgezockt habt.

FAZIT

Die Tales of-Reihe zählt schon lange zu meinen Lieblingen und auch, wenn die Qualität über die einzelnen Titel hinweg recht deutlich schwankt, zählt Tales of Vesperia nicht nur in der allgemeinen Fan-Meinung, sondern auch für mich persönlich zu den besten Ablegern der Serie. Die Definitive Edition nimmt dabei alles, was das ursprüngliche, sehr gut gealterte Spiel zu bieten hatte, und erweitert es mit noch mehr Side-Quests, Story-Inhalten und spielbaren Charakteren, während sie obendrauf noch ein hübsches technisches Update setzt. Wer diesen Klassiker nach zehn Jahren noch einmal neu erleben möchte oder einfach Lust auf ein gelungenes J-RPG mit Charakter-fokussierter Story und niedlichem Anime-Look hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

Was ist Tales of Vesperia: Definitive Edition? HD-Remaster der im Westen unveröffentlichten PS3-Version des Spiels, inkl. aller DLCs und neuer Inhalte
Plattformen: PS4, Nintendo Switch
Getestet: PS4-Version
Entwickler / Publisher: Bandai Namco
Release: 11. Januar 2019
Link: Offizielle Webseite

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