Nachspiel: Reigns: Kings & Queens

Nachspiel: Reigns: Kings & Queens

Die Spielidee von Reigns ist gleichzeitig simpel wie auch sehr ungewöhnlich: Als mittelalterlicher Monarch der Neuzeit fällen wir mittels Fingerwisch nach links oder rechts weitreichende Entscheidungen und herrschen so über unser Königreich. Bereits 2016 als mobile Game für iOS und Android Geräte erschienen, veröffentlicht Publisher Devolver Digital die Monarchen-Simulation unter den Namen Reigns: Kings & Queens nun auch für Nintendo Switch.

Lang lebe der/die König/-in!

Selten stirbt ein Herrscher an Altersschwäche im Bett und schon gar nicht im Spiel Reigns. Da findet man sein Lebensende etwa einsam und alleine wegen einer mit Wundbrand infizierten Verletzung, die von einem falschen Arzt behandelt wurde, wird an die Hunde verfüttert nachdem die Schatzkammer leer ist oder von der Kirche zum Märtyrer auserkoren und in Stücke zerrissen. Aber der Tod ist nicht das Ende, denn in Reigns spielt man genau genommen nicht einen einzelnen Regenten, sondern eine ganze Monarchie. Verliert ein König sein Leben, dann besteigt kurz darauf auch schon sein Nachfolger den Thron. Auf einer stetig wachsenden Zeitleiste sind dann die einzelnen Herrscher aufgelistet, welche, je nach ihren Leistungen, mit teilweise sehr humorvollen Beinamen bedacht werden.

Damit eine Regentschaft möglichst lange dauert, muss man stets darauf bedacht sein, die vier Grundpfeiler der Staatsführung im Gleichgewicht zu halten: Bevölkerung, Kirche, Armee und die Schatzkammer. Jede eurer Entscheidungen kann sich positiv oder negativ auf eine dieser vier Bereiche auswirken – in welchem Ausmass, kann man nur sehr vage abschätzen. Sinkt eine der jeweiligen Anzeigen auf null oder erreicht ein Maximum, dann erleidet man einen der über 30 verschiedenen Todesarten.

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Links oder rechts?

Im Verlauf einer Regentschaft werden schier unzählige Bitten und Forderungen von (teils sehr fragwürdigen) Beratern, Untertanen, Verbündeten oder Feinden an euch herangetragen und ihr entscheidet mittels einfachem Fingerwisch nach links oder rechts zwischen den zwei vorgegebenen Möglichkeiten. Darunter sind so einfache Wünsche wie die Kornkammer nach einem harten Winter für das Volk zu öffnen oder für die Kirche ein neues Bauwerk zu errichten, aber auch folgenschwere Entscheidungen, wie etwa eine Kriegserklärung an den Nachbarstaat. Hinzu kommen dann noch Gesuche von diversen Persönlichkeiten, die sich zwar nicht unmittelbar auf das Königreich auswirken, aber so etwas wie kleine Geschichte erzählen. Dazu gehören etwa Begegnungen mit Vampiren, Intrigen und sogar der Teufel stattet dem Herrscher einen Besuch ab. Manche der Entscheidungen beschränken sich auch nicht nur auf die aktuelle Regentschaft, sondern ziehen sich über mehrere Dynastien hindurch. So kann es durchaus vorkommen, dass die Auswirkungen eines bestimmtes Vorgehens erst Jahre später deutlich wird oder bestimmte Charaktere erneut auftauchen und entsprechend der Handlungsweise eines Königs reagieren. Das Gameplay wird dann noch durch diverse Items und vorgegebene Ziele ergänzt, welche aber nur minimale spielerische Auswirkungen mit sich bringen.

In Sachen Optik präsentiert sich das Spiel mit seinem puristischen, aber durchwegs ansprechenden Grafikstil als typisches Mobile-Game. Sprachausgabe gibt es dagegen keine, dafür wurden aber sämtliche Text in Deutsch übersetzt. Die Musikuntermalung stammt vom amerikanischen Komponisten Richard Vreeland, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Disasterpeace. Der ist unter anderem für die Soundtracks von Spielen wie Hyper Light Drifter oder FEZ verantwortlich und hat auch bei Reigns einen ordentlichen Job gemacht. Leider gibt es diesen viel zu selten zu hören, denn meistens wird das Spiel von irgendwelchen Brabbel-Geräuschen und sonstigen Soundeffekten begleitet, was auf Dauer dann doch etwas nervig wird.

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Mehrspieler-Modus in- und exklusive

Die Nintendo Switch Version kann gleich mit zwei Besonderheiten aufwarten. Einerseits gibt es hier gleich zwei Spiele auf einmal: Das Bundle enthält neben Reigns auch noch den quasi Nachfolger Her Majesty. Zu viele Unterschiede sollte man dabei aber nicht erwarten, denn prinzipiell handelt es sich bei den beiden Titel um ein und dasselbe Spiel, nur dass man in ersterem in die Rolle der Könige und im anderen jene der weiblichen Gegenparts schlüpft – deswegen auch der Untertitel Kings & Queens. Außerdem gibt es nun einen lokalen Mehrspielermodus für zwei Spieler. Hier schnappt sich dann jeder einen der beiden Joy-Cons und man versucht (im Idealfall) die Entscheidungen im gemeinsamen Konsens zu treffen. Gelingt das nicht mit verbalen Argumenten, dann darf man mittels Button-Mashing versuchen den Ausgang der Wahl entsprechend zu beeinflussen. Gut gemeint, aber spielerisch ist diese Multiplayer-Variante wertlos. Einerseits sind die möglichen Optionen im Hinblick auf das stetige Gleichgewicht der vier verschiedenen Bereiche ohnehin stark eingeschränkt, andererseits gibt es Lustigeres, als das gemeinsame Lesen der teils sehr ausufernden Dialoge.

FAZIT

Kurz gesagt: Reigns sorgt in der Mobiltelefonie-Version für kurzweilige Unterhaltung, aber das auf kürzere Spiel-Sessions ausgelegte Gameplay funktioniert auf der Nintendo Switch Konsole einfach nicht. Nach etwa 30 Minuten ist die Luft draußen und, anders als auf dem Handy, fehlt etwas die Motivation, das Spiel für ein paar weitere Regentschaften erneut zu starten. Dabei bietet Reigns: Kings & Queens ein humorvolles und faszinierendes, narratives Spielerlebnis, aber auf Dauer fehlt es einfach an Abwechslung. Meine Empfehlung: Interessierte sollten Reigns zunächst auf iOS oder Android-Geräten ausprobieren, denn dort macht es nicht nur mehr Spaß, sondern ist auch zu einen geringeren Kaufpreis erhältlich.

Was ist Reigns: Kings & Queens? Monarchen-Simulation im Tinder Swipe-Style.
Plattformen: Nintendo Switch, iOS, Android
Getestet: Nintendo Switch
Entwickler / Publisher: Nerial / Devolver Digital
Release: 20. September 2018
LinkOffizielle Webseite

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