Nachspiel: TSIOQUE

Nachspiel: TSIOQUE

Als ihre Mutter, die schöne Königin, von Dannen zieht, ist die resolute kleine Prinzessin Tsioque auf sich allein gestellt. Der bösartige Zauberer, in dessen Obhut sie zurück gelassen wird, steckt die Kleine in den Kerker – doch diese lässt sich nicht gern einsperren…

Vom Regen in die Traufe

Kaum aus der Zelle getürmt, muss die kleine Prinzessin mit dem schier unaussprechlichen Namen (Tsioque spricht sich laut Intro so ähnlich wie das englische Wort „Choke“, nur mit einem I irgendwie vor das „O“ genuschelt) sich vor Wachen in Acht nehmen und heckt dabei einen Plan aus, den bösen Zauberer in seine Schranken zu weisen. Dabei bedient sich das Game in alter Point-and-Click-Manier zahlreicher manipulierbarer Gegenstände, von denen manche ins Inventar übernommen werden können. Dieses Inventar wird durch eine Tasche dargestellt, die ihr im Laufe des Abenteuers vergrößern könnt, um auch überdimensionale Rüstungsgegenstände mitführen zu können. Die Vergrößerung der Tasche geht aber bereits mit dem Lösen mehrerer Rätsel sowie einem kleinen Minispielchen einher. Die Geschichte ist stimmig und bietet einen Twist – der zwar nicht jedermanns Sache sein dürfte, mir persönlich hat er aber gut gefallen.

Tsioque im Kerker

Tsioque im Kerker

Schönes Schloss

Aufgrund der wirklich schön gestalteten Szenerie ist es eine wahre Freude, das Schloss zu erforschen. Die Hintergründe sind ausgesprochen liebevoll von Hand gezeichnet und die Figuren, von der Hauptfigur bis zum Wachsoldaten, allesamt witzig animiert. Besonders darf hervorgehoben werden, dass die Figuren auch abseits des unbedingt notwendigen, immer wieder mal witzige Handlungen im Hintergrund ausführen. Dadurch bekommt das Schloss und seine Bewohner Leben eingehaucht, was der Immersion ins Spiel sehr gut tut. Zusätzlich lockern auch einige Anspielungen auf die aktuelle Popkultur das Geschehen auf. Dass die Vorbilder von Tsioque natürlich bei den LucasArts Point-and-Click-Spielen der 1980er und 90er zu suchen sind, ist ebenso offensichtlich, wie der Einfluss von Dragon’s Lair – letzterer aber leider nicht unbedingt immer nur zum Positiven…

Trial and Error

So gibt es mehrere Stellen im Spiel, die ihr leider nur durch Ausprobieren lösen könnt. Das gilt vereinzelt für Rätsel, hauptsächlich jedoch für die wenigen Passagen, die im Stil von Quicktime Events gestaltet sind. Ein paar Mal hat mich dies im Test besonders gestört, wenn nämlich ein Rätsel richtig gelöst wurde, das Spiel diese Lösung jedoch erst gelten lassen wollte, wenn ich davor einmal gescheitert bin (ich meine damit eine Stelle mit einer Art Chemie-Baukasten-Set, ohne hier zu spoilern)… Solltet ihr bei einem Quicktime Event häufiger scheitern, wenn ihr beispielsweise ungeübt seid, oder eure Katze euch beim Spielen auf den Fuß kotzt (ja, ist mir passiert…), könnt ihr das Event auch überspringen – auf Pause könnt ihr jedoch leider nicht schalten. Die „Esc“ Taste öffnet zwar ein Menü, das Geschehen läuft aber leider im Hintergrund weiter. Das mag manche hier weniger stören, ist für mich aber ein No-Go.

TSIOQUE Eishöhle

Zu den abwechslungsreichen Räumlichkeiten des Schlosses gehört auch dieser eisige Nassraum

Formatsache

Durch die handgezeichnete Optik erinnert Tsioque auch an einen Samstagmorgen-Zeichentrickfilm oder an die Pyjama Sam Spielreihe, an der immerhin Großmeister Ron Gilbert selbst mitgearbeitet hatte. Das Ganze sieht aber auch im positivsten Sinne nach Old School aus. Für meinen Test wurde mir die Boxed-Edition der Kickstarter-Kampagne zur Verfügung gestellt. Darin ist das Spiel in eine Kartonverpackung, so wie sie alte PC Games hatten, enthalten und es verstärkt dieses Old School-Gefühl noch zusätzlich. Schade, dass es diese Version nicht regulär zu kaufen gibt, ist sie doch wirklich schön gestaltet. So findet sich darin ein gebundenes Büchlein mit der gedruckten Fassung des Intros, welches im Märchenbuch-Stil gehalten wurde. Neben Konzeptzeichnungen findet sich auch eine Installations-DVD für Mac und Windows im Büchlein. Zum Spielen wird die Disc nicht benötigt, das Game startet direkt von der Platte. Die reguläre Digitalversion gibt es auf Steam und GOG. Das Spiel der polnischen Entwickler ist vollständig ins Englische übersetzt. Eine Deutsche Vertonung gibt es aktuell keine, die Sprachbarriere ist allerdings sehr niedrig und es stehen zudem lokalisierte Untertitel zu Verfügung, sodass ihr keine Englischkenntnisse zur Rätsellösung benötigt.

FAZIT

Trotz seiner Schwächen ist Tsioque ein wirklich unterhaltsames, liebevoll gestaltetes Spiel, das jedem Fan von Point-and-Click-Games ans Herz gelegt werden darf. Ein Twist in der Story mag nicht jedermanns Sache sein – für mich war er jedoch passend und stimmig. Aufmerksame finden Hinweise auf diesen Twist vielleicht auch schon etwas früher… Einzig, dass das Spiel in 2-4 Stunden durchgespielt ist, stellt einen größeren Wermutstropfen dar. Hier hätte es ruhig mehr sein können. Da es sich bei Tsioque aber um keinen Vollpreis-Titel handelt, ist dieser Umstand vertretbar. Aufgrund des gesamten Interface gehe ich davon aus, dass das Game über kurz oder lang auch für Mobilplattformen adaptiert wird. Geeignet wäre es allemal – wenn denn ein Pausenmodus eingebaut wird.

Was ist Tsioque? Liebevoll von Hand animiertes Point and Click Adventure
Plattformen: PC, Mac
Getestet: Mac
Entwickler / Publisher: Oh Noo! / Smile Studios
Release: 7 . November 2018
LinksOffizielle WebsiteSTEAM Page, GOG-PageOh NooSmile Studios

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