Agony im Test
GRAFIK 3
SOUND 3
HANDLING 2
SPIELDESIGN 2
MOTIVATION 1

Was für eine Enttäuschung! Ich hatte mir viel von Agony erhofft. Die Idee als geplagte Seele der Hölle entkommen zu wollen hatte für mich seinen Reiz. Die passende Atmosphäre hat das Team hinter den Madmind Studios durchaus erzeugt. Jedoch hätte aus der Szenerie mehr machen können als ein Gore-Festival mit Hang zur nackten Haut.

Auch beim Gameplay konnte Agony mich nicht überzeugen. Technische Probleme sorgen letztendlich endgültig dafür, dass Agony zur Qual wird – nur nicht zu der Art die es gerne geworden wäre.

Summary 2.2 passt
GRAFIK 4
SOUND 4
HANDLING 0
SPIELDESIGN 0
MOTIVATION 0
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Summary 1.6 naja

Agony im Test

Agony sollte ein nervenzerreißender Höllentrip werden – nicht weniger versprachen die Entwickler. Ich setzte große Hoffnung in den Titel, denn immerhin verbergen sich hinter den Madmind Studios einige der kreativen Köpfe der, von mir heiß geliebten, Witcher Spiele. Das Artwork und die Atmosphäre machten schon in den ersten Gameplay-Szenen einen soliden Eindruck und weil 2018 das Horrorgenre bisher sträflich vernachlässigt wurde, konnte ich es kaum erwarten, es in die Finger zu bekommen. Leider sollte ich das schwer bereuen, denn Agony ist eine Reise in ein Tal unendlicher Schmerzen und gnadenloser Orientierungs- und Konzeptlosigkeit. Vor allem aber ist es ein Blick über den Rand des guten Geschmacks. Ja, Agony hat mich gelehrt was Höllenqualen bedeuten – nur vermutlich nicht so wie seine Schöpfer es geplant hatten.

Was zur Hölle?

Es gibt einen Ort, versunken in der Dunkelheit. Einen Ort an dem sich unsere sündigen Gedanken manifestieren und sich am Fleisch unserer gebrochenen Seele laben. Jener Ort, den Ungläubige und Sünder bewohnen: Die Hölle. In dieser finden wir uns zu Beginn von Agony wieder. Dem Wissen um unsere Identität und des Grundes für unser beginnendes Martyrium beraubt, machen wir uns auf die Suche nach der Roten Göttin, denn sie könnte der Schlüssel zur Flucht aus diesem Ort der Qual sein.

Ein eigentlich recht interessanter Ausgangspunkt, da die Hölle als Handlungsort noch recht unverbraucht und das Mysterium rund um die eigene Identität durchaus neugierig macht. Dazu kommt, dass Agony seine Hölle als sehr „organisch“ inszeniert. Die Wände bestehen aus Fleisch, Muskeln und Knochen. Vermeintliche Statuen entpuppen sich gerne mal als „lebende“ Gefangene und verzweifelte Schreie in der Ferne – darunter auch die von Babies – lassen uns nichts Gutes ahnen. Also machen wir uns mit Bauchweh auf, die Geheimnisse dieses unheilvollen Ortes zu ergründen. Dabei stoßen wir relativ bald auf eines der größten Probleme des Spiels: Totale Orientierungslosigkeit. Der Fairness halber muss ich jetzt an dieser Stelle erwähnen, dass ich ohne inneren Kompass geboren wurde und daher die Orientierungsfähigkeit eines angetrunkenen Hamsters besitze. Eine Tatsache, welche große Teile meines Freundeskreises in diversen Multiplayer-Games bereits in den Wahnsinn getrieben hat und Agony für mich zu einer Tour de Force der Verzweiflung machte.

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Höllisches Gameplay

Dies beginnt schon damit, dass das Setting viel zu dunkel ist. Man sieht zum Teil die Hand vor Augen nicht. Dies lässt sich zwar durch Gegenstände wie Fackeln etwas beheben, doch ist die Handhabung dieser Leuchtmittel ein zweischneidiges Schwert, auf das ich später noch genauer eingehen werde. Die totale Abwesenheit einer Minimap oder kaum vorhandene Zielvorgaben, kommen erschwerend hinzu. Die meiste Zeit hetzt uns das Spiel durch diverse Labyrinthe, denen es oft an Orientierungspunkten fehlt, weil sich jeder Winkel zu sehr gleicht. Man könnte jetzt meinen, dass es der Sinn eines Labyrinths ist, den Gefangenen orientierungslos zu halten, aber als Spieler empfand ich dies hoch frustrierend. Damit es wenigstens einen Hauch der Navigation gibt, steht dem Protagonisten eine Art „Seelenpfeil“ zur Verfügung. Dieser setzt bei Aktivierung einen Lichtstrahl in Richtung des Ziels. Aber man wollte wohl die Orientierung nicht zu einfach machen, daher hat man dieses Hilfsmittel zur Orientierung an eine begrenzte Anzahl von Nutzungen gekoppelt. Ist das Arsenal verbraucht war es das mit dem persönlichen „Navi“. Diese „Seelenpfeile“ lassen sich durch Finden von kleinen Statuen wieder aufladen. Diese, sehr von der Venus von Willendorf inspirierten, Fruchtbarkeitssymbole sind jedoch sehr willkürlich – auch oft sehr lieblos – in den Labyrinthen versteckt. Sie zu finden um wieder ein wenig gezielter voranzukommen gestaltet sich oft als sehr zäh was mitunter an seinen Bewohnern liegt.

Agony ist im Grunde seines Herzens ein Survival Horror Game. Wir bewegen uns unbewaffnet durch Labyrinthe, um die Voraussetzungen zum Öffnen des nächsten Tores zu erfüllen. Das können zum Beispiel das Finden und Platzieren von abgetrennten Gliedmaßen und Körperteilen oder das Vollenden von bestimmten Runen an den Toren sein. Eine Abbildung der fertigen Rune ist meistens in der näheren Umgebung des zu öffnenden Tores zu finden. Auch habe ich erlebt, dass ich an einer Stelle nicht weiter kam, weil es sich bei dem vor mir projizierten Gang um eine Illusion handelte. Um weiter zu kommen musste ich die „Wahrheit“ finden. Diese „Wahrheit“ war dann in Wirklichkeit nur ein herumliegendes Gemälde des Ganges mit einem abweichenden Detail. Eine sehr unspektakuläre und einfallslose Lösung des Rätsels. Da hätte ich mir von Madmind Studios genauso viel Kreativität wie beim Erschaffen der Welt gewünscht, denn sowohl die Atmosphäre als auch das Kreaturendesign sind sehr gelungen.

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Einmal Hölle und kein zurück

Doch so überzeugend die Bewohner der Hölle in ihrer Optik auch sind, so nervtötend sind sie im Gameplay.  Da gibt es zum Beispiel den Succubus. Ein Dämon mit einem aufreizenden, nackten und weiblichen Körper. Das Haupt auf seinen Schultern ist eine mit Reißzähnen bestückte Vagina. Dieser verstörende Bewohner der Hölle jagt uns die meiste Zeit durch die dunklen Gänge. Er ist prinzipiell blind, hört aber gut und wird von Feuer angezogen. Womit wir wieder bei der bereits erwähnten Fackel wären. Diese wird zum Problem. Zum einen sehen wir ohne sie kaum etwas, zum anderen werden wir so sicher wie das Amen im Gebet – Verzeihung – gefressen, sollten wir uns ihrer nicht entledigen. Aber selbst wenn man alle Voraussetzungen erfüllt, sich ideal versteckt hat und auf Knopfdruck die Luft anhält, ist das eigene Seelenheil nicht garantiert. Die Biester finden euch! Aber nicht wie in Alien: Isolation, wo ihr die meiste Zeit ins Gras beißt weil ihr einen Fehler gemacht habt! Nein, die Dämonen in Agony finden euch weil sie es können! Diese unfaire Willkür hat mich diverse Male an die Grenzen meiner Frustresistenz getrieben. Aber der Tod heißt nicht gleich tot. Wir können rein theoretisch in einen neuen Körper schlüpfen – wenn wir einen finden. Sollte uns das nicht in einer recht knapp bemessenen Zeit gelingen, geht unsere Seele endgültig ins Nirwana auf. Spätestens jetzt läuten die Frustglocken endgültig. Das Ableben versetzt euch zurück an den letzten Checkpoint und diese sind so ungünstig gesetzt, dass man bis zu 20 Minuten Spielzeit verliert.

Etwas, das mich bis zum Ende irritierte war, dass scheinbar keiner der Insassen den Terror der Hölle wahrnimmt. Unser Spielcharakter zeigt keine Angst, keine Verunsicherung, keinen Schmerz oder auch nur den Hauch einer Motivation sich aus der Hölle zu befreien. Auch seine Mitgefangenen kennen keine Angst. Sie wirken eher stoned, als getrieben. Sie beten in der Regel monoton Variationen diverser bekannter Sätze runter. Sehr, sehr schade. Gerade Spiele wie Outlast zeigen wie sehr die Reaktion des Spielcharakters auf die Ereignisse in seiner Umgebung in das Geschehen reinziehen können.

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Die Technik

Technisch hat Agony mit einigen Problemen zu kämpfen. So wurde ich beispielsweise. Zeuge von zum Teil massiven Tearingeffekten. Auch ist das Spiel insgesamt leider nicht sehr stabil. So musste ich meinen PC zwei Mal neu starten, da er nach einem Systemabsturz während des Spielens komplett eingefroren war. Gerade weil die Umgebung so toll modelliert ist und zum teil sehr überzeugend rüber kommt, erschreckt die quasi nicht vorhandene Mimik der NPCs umso mehr. Die Steuerung ist leider relativ „schwammig“. Das liegt an der sehr langsamen Bewegungsgeschwindigkeit des Protagonisten, sowie an ihrer Ungenauigkeit. Eine Sache die sich besonders bei den Sprungpassagen auswirkt. Der Sound ist okay und trägt einiges zur Atmosphäre bei. Kommt jetzt aber nicht an die Meisterklasse eines Outlast oder Layers of Fear heran.

FAZIT

Was für eine Enttäuschung! Ich hatte mir viel von Agony erhofft. Die Idee als geplagte Seele der Hölle entkommen zu wollen hatte für mich seinen Reiz. Die passende Atmosphäre hat das Team hinter den Madmind Studios durchaus erzeugt, allerdings störte mich bei der Gestaltung die „Über-Sexualisierung“ des Bösen ein wenig. Vor allem die Darstellung der Weiblichkeit finde ich in Agony sehr irritierend und fragwürdig. Brauche ich wirklich nackte Amazonen mit Vaginaköpfen, um zu verstören? Und warum wurden selbst Äpfel mit einem weiblichen Geschlechtsorgan versehen? Ich weiß es nicht. Ich persönlich stelle mir die Hölle etwas komplexer vor. Ein Reich, das weit über sexuelles Verlangen und Gewalt geht. Einen Ort der Traurigkeit und Verzweiflung. Man hätte aus der Szenerie mehr machen können als ein Gore-Festival mit Hang zur nackten Haut. Aber leider tut es das nicht. Auch das Gameplay konnte mich nicht überzeugen und ich hatte nicht selten das Gefühl, dass das Gameplay für die Gestaltung der Welt in den Hintergrund gestellt wurde. Technische Probleme sorgen letztendlich endgültig dafür, dass Agony zur Qual wird – nur nicht zu der die es gerne geworden wäre.

Was ist Agony?: Ein Horror-Survival-Game in dem eine gepeinigte Seele aus der Hölle fliehen will.
Plattformen:  Microsoft Windows, PS4, Xbox One
Getestet: PC auf  Intel Core i5-4440, 8GB RAM, GeForce GTX 750
Entwickler / Publisher: Madmind Studios / PlayWay
Release: 29. Mai 2018
LinkOffizielle Webseite

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