Blitzkrieg 3 im Test
GRAFIK 3
SOUND 4
HANDLING 4
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 4

Ich bin sehr froh, dass Entwickler Nival auf die Kritik der Fans gehört hat und mit Blitzkrieg 3 ein schönes, klassisches Echtzeitstrategie abgeliefert hat. Vielleicht einen Tick zu klassisch, denn echte Neuerungen die das Genre voranbringen sucht man vergeblich und auch technisch hinkt man der Konkurrenz etwas hinterher. Trotzdem bleibt die uneingeschränkte Empfehlung für alle Hobby-Generäle, die nach einer langen Durststrecke endlich wieder ihre Truppen im Zweiten Weltkrieg befehligen wollen

Summary 3.6 stark
GRAFIK 5
SOUND 5
HANDLING 5
SPIELDESIGN 5
MOTIVATION 5
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Summary 5.0 geil

Blitzkrieg 3 im Test

Selbst als eingefleischter Genre-Liebhaber hat man irgendwann einmal die Nase voll. Bei mir als Echtzeitstratege war dieser Zeitpunkt Ende der 2000er Jahre gekommen: Ich konnte einfach kein Zweites Weltkriegs-Szenario mehr sehen, geschweige denn spielen. Nach einer langen Abstinenz freut man sich dann aber wieder über jedes neue Spiel. Da ist es dann auch egal, dass ich zum gefühlten hundertsten Mal die Schlacht um Stalingrad kommandiere oder am D-Day die Normandie erobere. Die Freude wird aber umso größer, wenn man weiß, dass hinter einem solchen Spiel erfahrene Entwickler stecken, wie im Fall von Blitzkrieg 3. Nach einem etwas holprigen Start im Early Access, war diese Vorfreude zum Glück auch gerechtfertigt.

Als Sergey Orlovskiy, CEO des russischen Entwicklungsstudios Nival, das Spiel Blitzkrieg 3 erstmals im August 2013 ankündigte, waren meine Reaktionen, gelinde gesagt, sehr verhalten. Jede der drei spielbaren Parteien (UdSSR, Achsenmächte und Alliierte) sollte über eine eigene klassische Einzelspieler-Kampagne verfügen, die dem Spieler eine interaktive Geschichte während des Zweiten Weltkriegs erleben lassen. Also Echtzeitstrategie-Standardkost – GÄÄÄHN! Hellhörig wurde ich erst, als bekannt gegeben wurde, dass die Einzel- und Mehrspieler-Elemente miteinander verknüpft werden und die Multiplayer-Gefechte asynchron ablaufen. Als dann noch die Begriffe „Free2Play“ und „Mikrotransaktionen“ durch den Raum geisterten, war meine Verwirrung perfekt. Im August 2015 startet Blitzkrieg 3 dann in die Early Access Phase und ich konnte mir selbst ein Bild machen. Von Free2Play war zu diesem Zeitpunkt keine Rede mehr und der asynchrone Mehrspielermodus entpuppte sich als Tower-Defense-Variante, bei der ich mit freigespielten Truppenverbänden meine Basis verteidigte und im Gegenzug feindliche Stützpunkte von Offline-Spielern angreifen konnte. Vom Ansatz her sehr interessant, spielerisch aber eine langweilige Angelegenheit. Viel ist von diesem Konzept im fertigen Blitzkrieg 3 nicht übrig geblieben, denn Nival hat sich die Kritik zu Herzen genommen und das komplette Gameplay umgekrempelt.

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Armee im Eigenbau

Was von den ersten Ankündigungen umgesetzt wurde, das ist die umfangreiche Einzelspielerkampagne. Auf Seiten der Achsenmächte, UdSSR oder Alliierten spielt ihr in über 60 historischen Missionen die Invasion Polens 1939 bis hin zur triumphalen Eroberung Berlins 1945 nach. Aber statt epochaler Schlachten werden in Blitzkrieg 3 eher kürzere Scharmützel ausgetragen. Die sind stets in eine Hauptmission sowie in unterschiedliche Abschnitte mit mehreren Nebenzielen unterteilt. Für erledigte Aufträge erhalten wir bestimmte Belohnungen in Form von neuen Truppen. Je besser wir dabei abschneiden, desto größer fällt diese aus und sogar für das erneute Durchspielen winken kleinere Prämien. Aus den so erworbenen Kampfverbänden bildet man dann seine eigene Kernarmee, die wir dann sowohl in der Solo-Kampagne als auch im Mehrspielermodus befehligen können. Abhängig von einer bestimmten Anzahl an Armeepunkten, darf ich aus dem mir zur Verfügung stehenden Arsenal an Infanterie, Panzer und Artillerie meine Streitmacht selbst zusammenstellen. Zusätzlich gewinnen Einheiten an Erfahrung und mit Forschungspunkten kann ich einzelne Technologien aufwerten. Dabei kann das Spezialisieren auf eine bestimmte Waffengattung vor allem in den 2vs2 und 3vs3 Mehrspieler-Gefechten einen entscheidenden Vorteil bringen, beispielsweise wenn ein Spieler seinen Fokus auf die Verbesserung seiner Panzer und der andere auf die Weiterentwicklung seiner Infanterie legt.

Spielerisch wird gewohnte Echtzeitstrategiekost geboten. So gibt es nur nicht das obligatorische Schere-Stein-Papier-Prinzip zwischen den verschiedenen Truppenverbänden, sondern auch Faktoren wie Geländer, Witterungsverhältnisse sowie Feuerrate, Panzerung und auch das Sichtfeld  müssen berücksichtigt werden. Zusätzlich zu den rund 200 verschiedenen Einheiten kommen in Blitzkrieg 3 auch 20, historischen Vorbilder nachempfundenen, Kommandanten mit einzigartigen Eigenschaften zum Einsatz. Jeder verleiht uns dann praktische Boni auf dem Schlachtfeld. Trotz der detaillierter Kampfeinheiten und Persönlichkeiten, in Sachen historischer Authentizität nimmt man es nicht so genau. Das wird Hardcore Fans sicher ärgern, Neueinsteigern kommt die actionreichere und manchmal hektische Inszenierung aber sicherlich zugute.

K.I. Boris, meldet sich zum Dienst!

Eine Besonderheit welche die Entwickler von Blitzkrieg 3 immer wieder hervorheben, ist die einzigartige künstliche Intelligenz, die auf den Namen „Boris“ getauft wurde. Dabei handelt es sich um die erste jemals in einem Strategiespiel verwendete auf neuronalen Netzwerken basierende KI, also quasi eine selbst lernende künstliche Intelligenz. Im Gegensatz zu anderen Vertretern (Paradebeispiel ist dabei wohl Command&Conquer) schummelt Boris nicht, verfügt über keine versteckten Informationen und reagiert lediglich auf das Verhalten des Gegners sowie auf die für ihn sichtbaren Truppen. Er analysiert dabei alle paar Sekunden die aktuelle Lage, erstellt Vorhersagen über das wahrscheinliche Verhalten des Gegners und ändert seine Taktik je nach Situation. Laut Entwickler Nival soll sich die Spielweise von Boris kaum von der eines menschlichen Spielers unterscheiden. In der Praxis trifft diese Aussage aber nur dann zu, wenn man davon ausgeht, dass auch Menschen manchmal einen geistigen Aussetzer haben, denn der neuralen KI passieren dann doch des Öfteren fatale, spielentscheidende Fehler. Viel ärgerlicher sind dagegen Wegfindungspatzer der eigenen Einheiten oder wenn diese bei Feindbeschuss einfach stehen bleiben und so den Heldentod sterben.

Auch sonst präsentiert sich Blitzkrieg 3 vom technischen Standpunkt aus betrachtet eher altbacken, genauer gesagt technisch veraltet und kann mit vergleichbaren, aktuelleren Genre-Kollegen wie etwa Company of Heroes 2 oder auch Dawn of War 3 weder optisch noch in Sachen Story oder Atmosphäre mithalten. Dieser Kritikpunkt wird dann wieder durch die abwechslungsreichen Missionen, der zugänglichen Steuerung sowie dem motivierenden Belohnungssystem zumindest zum Teil wieder wett gemacht.

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Die Complete Combat Edition

Seit Mai 2015 konnte man Blitzkrieg 3 als Early Access Version via Steam anzocken. Ohne große Ankündigung hat Entwickler Nival diese Phase am 2. Juni 2017 dann sehr überraschend für beendet erklärt und das Spiel offiziell veröffentlicht. Auf Valves Vertriebsplattform gibt es seitdem sowohl eine Standard Edition, als auch die etwas teurere Deluxe Edition. Diese erweiterte Version enthält neben dem Basis-Spiel exklusive Kommandanten, einzigartige militärische Geräte sowie diverse Premium Missionen. Nun kommt auch noch zusätzlich die Blitzkrieg 3 – Complete Combat Edition in den Handel. Darin enthalten sind zusätzlich zu der Deluxe Version des neuesten Ablegers auch noch die ersten beiden Teile der Strategiespielreihe, inklusive aller offiziellen Erweiterungen. Dieses Gesamtpaket besteht somit aus den Spielen Blitzkrieg 1 + Rolling Thunder + Burning Horizon + Iron Division,  Blitzkrieg 2 + Fall of the Reich (Das letzte Gefecht) + Liberation (Die Befreiung) sowie Blitzkrieg 3 Deluxe Edition. Obwohl sich diese Spiele auf physischen Datenträgern befinden, wird für die Aktivierung eine bestehende Internetverbindung vorausgesetzt, damit eine Verknüpfung mit einem Steam-Account ODER mit dem NIVAL-Server hergestellt werden kann. Eine Verwendung von Steam ist somit nicht zwingend erforderlich, aber wer Blitzkrieg 3 zocken will, für den herrscht Online-Zwang, denn das Spiel verlangt eine permanente Online-Verbindung. Die Begründung dafür: In den Solo-Missionen verdient man sich Truppen mit denen man sich eine eigene Armee zusammenstellt, die wiederum im Multiplayer eingesetzt werden kann. Daher wird laut Nival der Fortschritt online gespeichert, um das Cheaten zu verhindern.

Fazit

Für mich persönlich war die grundlegende Idee des asynchronen Multiplayer-Modus zwar ein sehr interessanter Ansatz, aber wie die meisten Spieler habe ich diesen nach einigen Test-Partien für nicht wirklich praxistauglich erachtet. Deshalb bin ich sehr froh, dass Entwickler Nival auf die Kritik der Fans gehört hat und mit Blitzkrieg 3 ein schönes, klassisches Echtzeitstrategie abgeliefert hat. Vielleicht einen Tick zu klassisch, denn echte Neuerungen die das Genre voranbringen sucht man vergeblich und auch technisch hinkt man der Konkurrenz ein paar Jahre hinterher. Trotzdem bleibt die uneingeschränkte Empfehlung für alle Hobby-Generäle, die nach einer langen Durststrecke endlich wieder ihre Truppen im Zweiten Weltkrieg befehligen wollen. Nur das mit dem Online-Zwang sollte sich Nival bitte noch einmal überlegen. Das muss wirklich nicht sein.

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