Call of Duty WWII im Test
GRAFIK 4
SOUND 5
HANDLING 5
SPIELDESIGN 2
MOTIVATION 3

Call of Dutys Rückkehr in den zweiten Weltkrieg ist wieder mal ein recht unterhaltsames Action-Feuerwerk geworden, hat sich aber auch so manchen Schnitzer geleistet

Summary 3.8 stark
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Call of Duty WWII im Test

Als die Shooter-Entwickler dieser Erde seinerzeit damit aufgehört haben den zweiten Weltkrieg quasi ständig als Schauplatz für ihre Spiele zu verwenden, war der unausgesprochene Grund dafür klar: Ihnen fiel nix wirklich Neues mehr ein. Jede Schlacht war versoftet, jedes technisch mögliche Highlight verbraten. Nun aber kehren wir mit Call of Duty WWII doch noch einmal in den bis dato größten Konflikt der jüngeren Geschichte zurück … allerdings scheint es trotz einiger Jahre Pause noch nicht lange genug her zu sein, dass wir uns mit Alliierten den Nazis in den Weg gestellt haben.

Bekannte Episoden aus einem Spiel in neuem Gewand erneut zu erleben ist oft eine sehr zweischneidige Angelegenheit. Zum einen mischt sich ein gewisser Grad von Nostalgie auf positive Art in den persönlichen Hormonhaushalt. Gleichzeitig ist es aber schwer sich des „been there, done that“ Gefühls er erwehren. Just dieser innere Konflikt trifft fast auf die gesamte, rund sieben Stunde lange Single-Player-Kampagne von CoD: WWII zu. So ist es zwar schon irgendwie cool, erneut gleich zum Auftakt des Spiels den Strand der Normandie zu erstürmen, allerdings wird man als Kenner der ersten Medal of Honor und Call of Duty-Teile doch das Gefühl nicht los, als das nun weder wirklich neu, geschweige denn besser zu erleben als zuvor. Klar: Am prinzipiellen Ablauf kann und darf der Entwickler nichts ändern – die US-Soldaten kamen eben in Landungsboten ans Ufer, liefen durch die Maschinengewehrsalven, sprengten die Böschungsbefestigungen und stürmten dann die Bunker. Allerdings hätte zumindest ich mir nach so vielen Jahren schon erwartet, dass Sledgehammer es am Ende nicht einfach dabei belässt, dass ich als Spieler am Strand einfach Checkpoints ablaufen und danach vier quasi identisch aussehende Bunkeranlagen befreien muss.

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Allerdings mag das einfallslos und uninspiriert sein wie es will: es passt ins Gesamtkonzept. Immerhin haben sich die Entwickler über die gesamte Kampagne hinweg stark darauf fokussiert, die Schlachten schlicht so bombastisch und episch wie möglich zu machen und den Spieler damit zu beeindrucken (was auch klappt). Schwieriger zu erzeugende Atmosphären-Elemente wie Beklemmung wurden hingegen fast gänzlich vernachlässigt. Statt emotionaler Achterbahnfahrt, wie es „Der Soldat James Ryan“ so toll vermitteln konnte, erleben wir hier also ein reines „Hoorah USA juche!“-Gemetzel, das die Schrecken des Krieges eigentlich einzig und allein durch den hohen Grad an gezeigter Gewalt vermittelt.

Dennoch: Für alle die in dieser Hinsicht nicht so pingelig sind wie ich es jetzt vielleicht bin – oder die die ersten CoDs und MoHs eben nicht kennen – ist die Kampagne bestimmt durchaus unterhaltsam. Vor allem, da sie recht abwechslungsreich daherkommt. Passagen am Steuer von Fahrzeugen oder auch die Infiltration einer deutschen Basis als Widerstandskämpferin Under-Cover wissen zu unterhalten und taugen für Erlebnisse, die man so schnell nicht wieder vergessen wird. Selbes gilt auch für die diversen Stealth-Passagen im Spiel – allerdings leider aus weniger positiven Gründen. Mangels wirklich solider Stealth-Mechanik arten diese nämlich oft in reines Trial & Error aus. Das ist vor allem für eine Mission schade, in der man mit einem Kind am Arm aus feindlichem Territorium abhauen muss, oft aber einfach keine Chance hat das auch zu schaffen, ohne sich in einigen früheren Durchgängen die Gehwege der Wachen eingeprägt zu haben.

Just aus diesem Grund arten viele vermeintliche Schleich-Passagen früher oder später dann doch wieder in offene Gefechte aus – hier weiß CoD aber zu gefallen wie eh und je; Movement und Handling sind gewohnt und frei von Tadel, während sich das Pacing durch die Abkehr von Autoheal und die Rückkehr zu Medkits durchaus verändert hat. Glücklicherweise muss man diese aber nicht nur suchen und sammeln, sondern kann sie als Teil der neuen Team-Fähigkeiten, zu denen auch Munitionsnachschub und Artillerie-Schläge gehören, unlimitiert von einem Kollegen beziehen. Einzige Bedingung: Der passende Kamerad muss gerade in der Nähe sein. Jedenfalls eine nette Bereicherung für das Gameplay.

Doch neben neuen Stärken haben es auch alte CoD-Schwächen ins Spiel geschafft. Zum Beispiel die sich teilweise strunzdumm verhaltende KI – auf beiden Seiten. So passiert es nicht selten, dass Verbündete und Feinde sich im Sichtfeld des Spielers einen halben Meter gegenüberstehen, als allen Rohren feuern und sich dennoch nicht treffen … oder einfach zum buchstäblich naheliegenden Kolbenschlag ausholen. Auch enttäuscht zum Ende des Jahres 2017 hin, dass große Teile der Umgebung nicht beeinflussbar sind. Nur wenige Deckungen lassen sich tatsächlich zerschießen. Hier hat Battlefield die Nase nach wie vor deutlich vorn.

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Granate!

Bei der Technik selbst hingegen herrscht ziemlicher Gleichstand. Von der mangelnden Umgebungszerstörbarkeit abgesehen braucht sich Call of Duty rein audiovisuell nämlich absolut nicht vor der Frostbite-Konkurrenz zu verstecken. Die Charaktermodelle sehen fantastisch aus, die Umgebungen sind detailliert gestaltet, die Partikeleffekte und Schattenspiele beeindruckend. Die Systemanforderungen sind dementsprechend aber auch durchaus happig. Wer sich damit nicht auseinandersetzen mag, kann aber auch bedenkenlos zur Konsolenversion greifen. Wenn auch optisch nicht ganz auf Augenhöhe mit der auf Anschlag geschraubten PC-Version, liefert auch sie eine ansehnliche Grafik bei konstanter Framerate ab.

Auch die akustische Komponente weiß zu gefallen. Der orchestrale Soundtrack verleiht den Szenen die nötige Opulenz, während knackige Soundeffekte mit toller Surround-Abmischung einen direkt an den Ohrwascheln packen und mitten ins Getümmel versetzen. Einzig die Sprachaufnahmen sind teilweise nicht optimal eingefügt. Zudem kommt es während der Ladezeiten, die durch CG-Sequenzen überbrückt werden, oft zu unschönen Rucklern.

Multiplayer

Kein Call of Duty ohne umfangreichen Mehrspielermodus – so viel ist klar. Dabei macht sich für Serienroutiniers auch hier das wohlig-warme Gefühl des Altbekannten breit. Vorbei sind die Zeiten von Jet-Packs und Wall-Runs in CoD – es geht wieder zurück auf den dreckigen Boden der WW2-Realität … auch wenn diese da und dort doch etwas großzügiger ausgelegt wird als in der Singleplayer-Kampagne. Immerhin finden sich unter den zahlreichen Goodies und Erweiterungen, die man über Loot-Boxen und Drops sammeln kann, auch wenig authentische Dinge wie knallbunte Uniformen, Reflex-Visiere oder Frontgriffe.

Ebenfalls nicht unbedingt historisch belegbar, aber für die Serie freilich unabdingbar und äußerst unterhaltsam ist der Zombie-Modus, in dem auch wieder so manch TV- und Filmstar aus dem echten Leben wieder eine Rolle erhalten hat. Mehr als eine bloße Draufgabe ist er aber zumindest in meinen Augen noch immer nicht – mit einem Left 4 Dead kann die Zombiehatz auch nach mehrmaligen Anläufen nicht mithalten … muss sie ja aber auch nicht.

Eine erfrischende Neuerung findet sich hingegen im neuen „Menü“ des Multiplayer-Modus. Dieses wird nun nämlich aus der 3rd Person-Sicht begehbares Hauptquartier inszeniert, in dem ihr für die Modifikation eurer Waffen, das Öffnen von Lootboxen oder das Starten von Matches einfach an die passenden Stellen laufen müsst. Auch findet sich hier ein Schießstand, sowie eine 1:1 Arena, in der Zuschauer vom Rand aus fröhlich anfeuern können.

Ebenfalls neu ist der Krieg-Modus – ein asymmetrischer Spielmodus der auf unterschiedliche Missionsziele setzt und so die Teamzusammenstellung und Kommunikation deutlich wichtiger macht, als es in den altbekannten und natürlich ebenso wieder enthaltenen Modi rund um Team-Deathmatches der Fall ist. Die Maps wissen jedenfalls durch die Bank zu überzeugen – sowohl rein optisch, als auch in Sachen Layout – und bescheren einem stets schnelle und intensive Gefechte. Typisch CoD eben – lange Wegstrecken muss man hier nie zurücklegen, um mitten im Geschehen zu stecken. Nein – teilweise muss man sogar mit dem einen oder anderen Spawn-Kill leben. Zumindest aber ist das Balancing zum Testzeitpunkt gut gelungen. Selbst als Neueinsteiger in Standarduniform und mit „normalem“ M4 Garant fühlt man sich zwischen lauter bunten Soldaten mit hochgemotzten Fantasiegebilden basierend auf realen Waffen kaum heillos unterlegen und kann gut mitmischen.

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FAZIT

Obgleich CoD: WW2 wohl ganz bewusst die Chance auslässt den zweiten Weltkrieg mit modernen Mitteln zum beklemmenden, reflektierten und ergreifenden Schlachtenepos zu machen und sich stattdessen lieber auf die Umsetzung möglichst blutrünstiger Gemetzel konzentriert, weiß das Gesamtwerk am Ende doch einigermaßen zu überzeugen. Vor allem da es – wieder einmal – insbesondere der Mehrspielermodus ist, der am Ende als bester Bestandteil des Spiels hervorsticht. Wer also nach schnellen und packenden Multiplayer-Schlachten in „altem“ Setting sucht, kann hier vollkommen ohne jede Bedenken zugreifen. Alle die hingegen auf der Suche nach einem tollen, Story-geladenen Shooter suchen, greifen lieber einfach noch einmal zu Wolfenstein II … Nazis gibt’s dort immerhin auch, auch wenn sie dort nicht so heißen dürfen.

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