Conan Exiles – Angespielt

Conan Exiles – Angespielt

Das Hyborische Zeitalter aus der Feder von Robert E. Howard bietet zwar weit mehr als nur Conan den Cimmerier, trotzdem ist es ausschließlich dem barbarischen Krieger vorbehalten, als titelgebender Held für diverse Filme, Comics und Videospiele aufzutreten. Das ist auch beim Survival-Sandbox Game Conan Exiles nicht viel anders, welches aktuell als Early-Access-Version veröffentlicht wurde.

Der norwegische Entwickler Funcom konnte mit der Conan-Franchise bereits einiges an Erfahrung sammeln, sind sie doch auch für das 2008 erschienene Age of Conan verantwortlich. Für ihren neuen Titel haben die Skandinavier abermals die Welt von Hyboria als Schauplatz gewählt, jedoch unterscheidet sich Conan Exiles spielerisch deutlich vom MMO-Kollegen, handelt es sich dabei doch um ein typisches Survival-Sandbox Game. Dabei beginnt es zunächst sehr rollenspieltypisch: Mittels umfangreichem Charakter-Editor erstellt ihr eure eigene Spielfigur. Vom Geschlecht, den Gesichtszügen, Körperbau, bis hin zur Stimme kann so ziemlich alles angepasst werden. Das geht sogar so weit, dass auch die Ausstattung (und damit ist jener Bereich unter der Gürtellinie gemeint) und der Brustumfang der Spielfigur festgelegt werden kann. Beides bietet spielerisch vermutlich keinen Mehrwert, sieht auch optisch nicht sehr beeindruckend aus, hat aber dem Spiel bereits im Vorfeld sehr viel Publicity beschert – googelt einfach mal „Penis-Slider“.

So etwas wir Archetypen gibt es in Conan Exiles natürlich nicht, dafür darf man aber seine Volksangehörigkeit und die Religion aussuchen. Während sich ersteres spielerisch (noch) nicht auswirkt, bringt der Glaube ein einen bestimmten Gott, dann doch den einen oder anderen Vorteil mit sich. Die Verehrung des Schlangengotts Set macht den Spieler immun gegen Gift, Yog der Gott der Kannibalen erlaubt es Menschenfleisch weiterzuverarbeiten und Mitra, Gott der Gerechtigkeit, verleiht seinen Gefolgsleuten die Fähigkeit Stauten zu errichten und Kleidung sowie Heiltränke zu erzeugen.

Überleben – Bauen – Herrschen

Auch wenn Conan Exiles hinsichtlich der Charaktererstellung locker mit seinen Rollenspielen-Kollegen mithalten kann, bleibt es trotz alledem in seinen Grundelementen ein waschechtes Open-World-Survival-Abenteuer, in der brutalen Welt von Conan dem Barbaren. Das beginnt dann auch schon ganz schön grausam: Eines Verbrechens beschuldigt, am Kreuz aufgehängt, wartet mein Alter Ego in einer öden Wüstenlandschaft auf den vermeintlichen Tod. Es wäre eine sehr kurze Geschichte, würde nicht der titelgebende Held scheinbar zufällig vorbeikommen und mich aus meiner misslichen Lage befreien. Von da an bin ich aber auf mich alleine gestellt und kämpfe um das nackte Überleben. Genretypisch sammle ich Rohstoffe und bastle mir aus Ästen, Steinen und Grashalmen Werkzeuge, Waffen und Kleidung. Auch Wasser und Nahrung darf ich nicht vergessen, denn sorge ich nicht zeitgerecht für mein leibliches Wohl, bedeutet das unweigerlich meinen virtuellen Tod. Habe ich erst meine Grundbedürfnisse befriedigt, kann ich mit dem Errichten eines Lagers beginnen. Feuerstellen und Schlafsäcke bieten nur wenig Schutz und sind lediglich als einmaliger Respawn-Punkte zu gebrauchen. Viel besser sind dagegen Bauwerke aus Holz und Stein. Das Crafting-System orientiert sich dabei sehr an Genrekollegen wie Ark oder Rust und gestaltet sich als sehr intuitiv sowie einsteigerfreundlich. Jede Tätigkeit wird mit Erfahrung belohnt. Für jeden Levelaufstieg kann ich nicht nur Skill-Punkte für Attribute wie etwa Stärke oder Ausdauer vergeben, sondern erlerne auch neue Rezepte. In höheren Stufen soll es dann sogar möglich sein, ganze Städte zu errichten.

Nachdem aber auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde und schon gar nicht von einer einzelnen Person, gibt es in Conan Exiles das so genannte „Thrall System“. Das erlaubt mir beispielsweise NPC’s aus ihren Siedlungen zu verschleppen, ihren Willen zu brechen und als Sklaven für verschiedene Aufgaben einzusetzen. Mit Waffen ausgerüstet, können sie etwa meine Behausung bewachen, neben einer Schmiede platziert übernehmen sie handwerkliche Aufgaben. Spielerisch funktioniert das zwar schon ganz gut, optisch stehen meine Untertanen in der aktuellen Fassung noch tatenlos rum. Da fehlen eindeutig noch ein paar Animationen.

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Die Krux mit den Servern

Um Conan Exiles überhaupt spielen zu können, benötigt man einen Server. Dazu kann man entweder einem der zahlreichen offiziellen und inoffiziellen Online-Server beitreten oder man erstellt lokal seinen eigenen. Hier trumpft das Spiel mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten auf. So kann etwa die Dauer von Tag- und Nachtwechsel bestimmt werden, genau so wie Fortschrittstempo oder Respawn-Zeiten für Gegner und Rohstoffe. Die definierten Regeln bestimmen dann auch die Spielweise auf dem Server. Wer es entspannt haben will, der wählt PVE, aber selbstverständlich sind auch aggressivere PVP-Server möglich. Letzteres macht aber im aktuellen Zustand nur sehr wenig Spass. Das Kampfsystem ist relativ anspruchslos sowie eintönig und als neuer Spieler ist man gegen Gruppen von höher-stufigen Gegnern komplett machtlos. Hier fehlt es eindeutig noch am Feinschliff. Wer bis vor kurzem online spielen wollte, der beklagte aber sowieso ganz andere Probleme, denn zum Release hatte Funcom mit massiven Schwierigkeiten in der Hostrechner-Infrastruktur zu kämpfen und schaltete deswegen alle offiziellen Server kurzfristig ab. Selbstverständlich konnte man sich jederzeit auf einem der zahlreichen inoffiziellen, privaten Hosts anmelden, nur wurde dann auch der zurückgesetzt oder abgedreht (was relativ häufig passierte), ging damit natürlich der komplette Spielfortschritt verloren. In der Zwischenzeit sind die offiziellen Server wieder online und nach und nach scheint man die Server-Problematik in den Griff zu bekommen, auch wenn die Spieleranzahl pro Server für meinen Geschmack etwas zu sehr eingeschränkt wurde.

Vom technischen Standpunkt aus betrachtet ist Conan Exiles ein typisches Early Access Spiel. Das bedeutet, dass Bugs, KI-Aussetzer und Grafikfehler an der Tagesordnung stehen. Auch optisch wirkt es noch etwas unfertig, dafür sind aber die Anforderungen an die Hardware verhältnismäßig gering. Mit der empfohlenen Konfiguration von einem Vierkern-Prozessor mit 8GB Speicher und einer nVidia GeForce GTX 780 lief das Spiel flüssig und ohne Probleme. Trotzdem, wer Conan Exiles spielt der sollte sich darüber im Klaren sein, dass es sich um ein unfertiges Produkt handelt, welches noch einiges an Optimierung und Verbesserung benötigt.

Zukunftspläne

Abgesehen von den technischen Mängel, fehlen natürlich auch noch zahlreiche Features. Beispielsweise das Magie-System. In der literarischen Vorlage sind finstere Zauberkünste sowie Hexerei in Hyboria allgegenwärtig und so sollen diese Elemente auch in Conan Exiles eingebaut werden. Auch Menschenopferungen, um die Gunst der Götter zu erhalten, sind fix eingeplant. Eigene Festungen sind derzeit extrem widerstandsfähig und mit den bereits im Spiel implementierten Mitteln kaum zu demolieren. Abhilfe sollen hier Belagerungsmaschinen schaffen, die Bauwerke besonders effektiv in Schutt und Asche legen. Auch die Story wird noch weiter ausgebaut und noch nicht offiziell bestätigt, aber von einigen Spielern schon gesichtet: Dungeons und Bossgegner. In der finalen Fassung von Conan Exiles sollen außerdem noch mehrere große Gebiete enthalten sein. Neben dem aktuellen Ödland werden laut Entwickler noch ein Dschungel, eine Schneelandschaft, ein Sumpf und eine Stadt hinzukommen. Insgesamt soll die Karte um einiges größer ausfallen, als jene der Konkurrenz.

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FAZIT

Natürlich krankt Conan Exiles in seiner Early Access Fassung noch an diversen Kinderkrankheiten, dennoch ist es in seiner Entwicklung viel weiter als beispielsweise das vergleichbare Rust bei seiner Veröffentlichung. Noch dazu ist es weitaus einsteigerfreundlicher als die meisten seiner Genrekollegen, sodass sich auch Neulinge relativ schnell zurechtfinden werden. Was aktuell noch zum Stolperstein wird, ist eine fehlende, stabile Server-Infrastruktur. Auch das Kampfsystem ist noch zu unausgereift und wie es mit der Langzeitmotiviation aussieht ist aufgrund fehlender Spielelemente auch noch komplett offen. Aber das sind Punkte die man bei einer Early Access Version in Kauf nehmen muss. Vorbildlich finde ich aber, dass Funcom bereits jetzt plant, Conan Exiles noch 2017 offiziell zu veröffentlichen. Bis dahin gibt es jedoch noch einiges zu tun und hoffen wir, dass der vielversprechende Start einen genauso guten Abschluss findet.

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