EverQuest II: Chaos Descending im Test

EverQuest II: Chaos Descending im Test

Auch wenn World of WarCraft der Platzhirsch und nach wie vor das Maß aller Dinge im Bereich der MMORPG’s ist, so gibt es sie noch, die unscheinbare Konkurrenz, die es nie ganz geschafft hat, aus dem Schatten seines Rivalen herauszutreten. Die Rede ist von EverQuest II. Auch wenn ihm der ganz große Durchbruch verwehrt geblieben ist, dank einer kleinen treuen Fangemeinde existieren noch heute einige aktive Server für das Spiel. Nicht nur das, denn mit Chaos Descending ist nun sogar die 15. Erweiterung erschienen. Grund genug für mich, der Welt von Norrath einen neuerlichen Besuch abzustatten.

Wenn man die Erfolgsgeschichte von EverQuest erzählen will, dann muss man schon etwas weiter ausholen. Der erste Teil wurde im Jahr 1999 veröffentlicht und zählt nicht nur zu den Vorreitern im Genre der MMORPG’s sondern gilt auch als erstes kommerziell erfolgreiches Spiel in dieser Sparte. Fünf Jahre später erschien dann auch schon der lang erwartete Nachfolger EverQuest II. Dieser spielt 500 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils, ebenfalls auf dem fiktiven Planeten Norrath – aber in einem Paralleluniversum.

Bei der Veröffentlichung machte aber der damalige Publisher (Sony Online Entertainment) SOE einen folgenschweren Fehler, denn sie veröffentlichten EverQuest II nur drei Wochen bevor Blizzard mit World Of WarCraft das Genre im Sturm eroberte. Da half es dann auch nichts, dass man auf eine große und treue Fangemeinde aufbauen konnte, man viel mehr Spielinhalt zu bieten hatte oder in Sachen Grafik, inklusive Sprachausgabe der Konkurrenz weit voraus war. Vor allem letzteres war aber auch gleichzeitig der größte Schwachpunkt des Spiels, denn die bessere Präsentation ging einher mit sehr hohen Hardwareanforderungen. Nichtsdestotrotz konnte EverQuest II viele der anfänglichen Kritikpunkte ausmerzen und mit seinem umfangreichen PvE-Erlebnis punkten. Aufgrund sinkender Abonnentenzahlen wurde das Spiel im Dezember 2011 auf Free-to-play umgestellt. 2015 wurde SOE dann verkauft und in Daybreak Game Company umbenannt. Der bereits angekündigte Nachfolger EverQuest Next wurde offiziell 2016 eingestellt.

Auch wenn durch die Umstellung auf eine kostenlose Variante kurzfristig etwas Aufschwung in Sachen Spielerzahlen brachte, der Abwärtstrend setzte sich aber stetig fort. So wurden die lokalisierten Server allesamt eingestellt und seit 2016 gibt es mit Thurgadin nur mehr einen einzigen europäischen Server, auf dem es  ausschließlich englische Bildschirmtexte zu sehen gibt. Nichtsdestotrotz wurde bislang jedes Jahr mindestens eine Erweiterung für EverQuest II veröffentlicht, ein Zyklus der mit Chaos Descending nun nahtlos fortgesetzt wird.

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Du darfst da nicht rein!

Hauptaugenmerk von Chaos Descending liegt natürlich auf dem umfangreichen neuen Content, bei dem sich alles rund um die elementaren „Planes of Order“ dreht. Eine Mysterium im himmlischen Ausmaß stürzt diese nämlich ins Chaos und so müssen die Bewohner Norraths dorthin zurückkehren, um das Gleichgewicht zwischen den Ebenen von Feuer, Wasser, Luft und Erde wiederherzustellen. Ausgangspunkt des Abenteurers ist die „Myrist, the Great Library“, welche man jedoch erst ab Stufe 100 betreten darf. Das bedeutet, bevor ihr den Inhalt der neuen Erweiterung überhaupt sehen dürft, müsst ihr entweder eine eurer Spielfiguren entsprechend hochleveln oder per Ingame,Währung, dem Daybreak-Cash, zum Heroic-Charakter aufwerten, respektive könnt ihr natürlich einen kaufen, der dann mit enstsprechenden Erfahrungspunken und Equipment ausgestattet ist.

Myrist, die Great Library dient quasi als Hub der Erweiterung, denn sie führt zu den vier anderen Zonen und zu den Instanzen. Die neuen Gebiete unterteilen sich in Detroxxulous the Plaguelands (Wasser), Vegarlson the Earthen Badlands (Erde), Doomfire the Burning Lands (Feuer) sowie Eryslai the Kingdom of Wind (Luft), orientieren sich thematisch sowie auch optisch an den verschiedenen Elementen und bieten dazu noch eine Vielzahl an neuen Aufgaben. In Zahlen sind das: 4 neue Dungeons (Doomfire, Vegarlson, Eryslai, Awuidor), 13 Solo Instanzen, 12 Heroic Instanzen, 7 Raids und ein Contested Raid Dungeon. Abgesehen davon gibt es natürlich auch die obligatorischen zusätzlichen  Adventure-, Tradeskill- und Signature Quests sowie neue Achievements. Über mangelnden Content darf man sich also nicht beschweren.

Abseits davon wurden auch die Reittiere aufgewertet, denn diese können nun bis Sufe 10 gelevelt werden und mit diversem Equipment prunkvoll ausgestattet werden. Angeheuerte Söldner, also NPCs die euch im Kampf unterstützen und auf rudimentäre Befehle gehorchen, können nun bis maximal Stufe 20 trainiert werden, was aber umgerechnet etwa ein Jahr dauern würde.

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Technisch überholt

EverQuest II war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung ein echter Hingucker, aber anders als etwa WoW, welches einen eher zeitlosen Comic-Look verwendet, nagt der Zahn der Zeit gewaltig an der Optik. Generell wirkt vieles nicht mehr zeitgemäß – hat aber trotzdem irgendwie auch einen ganz eigenen Charme. Kurz gesagt: Viel hat sich in den letzten Jahren nicht verändert, wer ein Rollenspiel mit moderner Technik erwartet, der wird mit Sicherheit enttäuscht werden. Veteranen und Rückkehrer wissen aber ohnehin auf was sie sich einlassen. Zumindest sollten aktuelle Systeme keine Probleme mehr damit haben, die Grafik in höchster Qualität darstellen zu können.

FAZIT

Dieses Jahr steht für mich eindeutig unter dem Zeichen „Revival der MMORPGs“. Nicht nur, dass ich dank Summerset zum ersten Mal in die Welt von The Elder Scrolls Online eingetaucht bin, nein auch in der „Battle for Azeroth“ habe ich brav mitgekämpft. Und dann kommt quasi aus dem Nichts eine neue Erweiterung für EverQuest II, ein Spiel in dem ich schon mehrere tausend Stunden verbracht habe. Eines muss ich an dieser Stelle trotz Nostalgie- und Fanboy-Brille ganz ehrlich zugeben: Von den drei genannten Titeln ist keiner so schlecht gealtert wie EverQuest II und auch bei keinem anderen benötigte ich eine so lange Einarbeitungszeit, um mich mit den Mechaniken sowie den Veränderungen der letzten Jahre vertraut zu machen. Dafür kann ich aber auch mit ruhigem Gewissen zugeben: Ich spiele jetzt EverQuest II wieder länger als die beiden anderen zusammen und habe dabei jede Menge Spaß. Auch wenn meine menschlichen Mitspieler aufgrund der eingestellten deutschen Server jetzt nur mehr Englisch mit mir reden, ist es trotzdem sehr schön zu sehen, dass doch noch Leben in der Welt von Norrath herrscht.

Fragt sich natürlich wie lange dieser Trend anhalten wird, denn eines ist auch Gewiss: Chaos Descending richtet sich eindeutig an erfahrene Spiele und versucht auch gar nicht neue Spiele zu akquirieren.  Aber diesen würde ich auch keine Empfehlung geben, jetzt noch mit EverQuest II anzufangen. Dann doch lieber TESO, welches ein ähnlich umfangreiches PvE-Erlebnis, mit einer weitaus zeitgemäßeren Präsentation bietet. Ehemaligen Spielern würde ich aber definitiv raten, ihre Charaktere aus dem Ruhestand zu holen.

Eine klassiche Bewertung kann und will ich an dieser Stelle trotzdem nicht vergeben. EverQuest II: Chaos Descending macht für seine Zielgruppe alles richtig – aber eben nur für diese.

Was ist EverQuest II: Chaos Descending? Die 15. Erweiterung für den MMORPG-Evergreen EverQuest II
Plattformen: PC
Getestet: Version Build 14406L auf PC Intel Core i5-4460, 16GB RAM, GeForce GTX 745
Entwickler / Publisher: Daybreak Games
Release: 13. November 2018
LinkOffizielle Webseite

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