Extinction im Test
GRAFIK 4
SOUND 4
HANDLING 2
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 3

Extinction hätte so viel mehr sein können, als es ist: Die Spielidee ist spaßig, der Ansatz gelungen – nur an der Durchführung scheitert es in vielen Bereichen: Die unzuverlässige Kamera, die mühsamen Kletterpartien und das suboptimale Zielsystem machen das Spiel zu einem oft frustvollen Erlebnis. Immerhin motivieren die Geschichte und die Präsentation

Summary 3.2 stark
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Extinction im Test

Shadow of the Colossus meets Dynasty Warriors – so könnte man Extinction kurz zusammenfassen. Warum das Spiel trotz Symbiose zwei so hervorragender Titel nicht so ganz überzeugen will, lest ihr bei uns im Test.

Angriff der Oger

Die prinzipielle Story und damit auch das Spielziel von Extinction sind schnell erklärt: Das ohnehin schon von Kriegen erschütterte Reich der Menschen wird von den Orc-ähnlichen Ravenii angegriffen, die es darauf abgesehen haben, jedes Dorf und jede Stadt in ihrem Pfad zunichte zu machen. Ihr schlüpft dabei in die Rolle des Kriegers Avil, der gemeinsam mit seiner besten Freundin Xandria die Fähigkeit besitzt, den Biestern den Garaus zu machen und Dorfbewohner aus allen möglichen Orten mittels Runensteinen in Sicherheit zu bringen – und nebenbei auch noch seine eigene Rasse zu vereinen, um der immer größer werdenden Bedrohung weiterhin standhalten zu können.

Das Herzstück von Extinction ist dabei der Kampagnen-Modus, in dem ihr einer durchaus interessanten Story folgt und euch über sieben Kapitel hinweg immer härteren Herausforderungen stellt. Jedes Kapitel ist dabei weiter in Missionen unterteilt – mal müsst ihr eine gewisse Anzahl Dorfbewohner retten, mal bestimmte Gegner ausschalten, mal Gebäude vor der Zerstörung bewahren. Im Genauen tut ihr das, indem ihr in typischer Hack’n’Slay-Manier gegen Mobs aus kleineren Vertretern der Ravenii antretet, Runensteine aktiviert, die alle in der Nähe befindlichen Zivilisten in Sicherheit teleportieren, sowie die kolossalen Jackals niederstreckt.

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Während euch die ersteren beiden Missionstypen Runenenergie bescheren, müsst ihr diese bei Aufgabe drei im Gegenzug einsetzen, um die gewaltigen Jackals zu besiegen – und hier kommt nun auch der Shadow of the Colossus-Aspekt zu tragen: Um die haushohen Monster zu erlegen, müsst ihr nämlich zunächst einzelne Rüstungs- sowie Körperteile mittels Runenschlag zerstören. Die Beine könnt ihr dabei noch vom Boden aus erreichen, spätestens für Ziele an den Schultern und am Kopf der Jackals müsst ihr diese jedoch hochklettern. Und hier zeigen sich nun auch die ersten Schwächen von Extinction: Teile können nun dann zerschlagen werden, wenn ihr sie anvisiert, wartet bis sie rot aufleuchten, und dann euren Schlag auf sie loslasst – selbst Schläge in die richtige Richtung, die losgelassen wurde, ohne dass das Teil aufleuchtete, haben keinerlei Effekt. Das größte Problem bei der Sache: Den richtigen Blickwinkel zu finden. Nicht nur sind die Jackals in ständiger Bewegung und viele der Ziele sehr klein, eure Reichweite ist überdies nicht sonderlich hoch und die Kamera bockt, sodass ihr oft nur Großaufnahmen von Schultern, Beinen oder Armen vor der Linse habt. Hinzu kommt, dass Avil gerade beim Klettern oft unmotiviert von oder sogar durch Körperteile der Jackals fällt oder beim Aufstieg an diversen Körperteilen hängenbleibt, sowie dass dank unklarer Trefferzonen oft nicht klar ist, ob euch ein Angriff der Jackals töten wird oder nicht, bevor es zu spät ist. Genereller Frustfaktor: sehr hoch. Immerhin bedeutet euer Tod lediglich einen Respawn am Startpunkt der Mission.

Ein weiterer Kritikpunkt an Extinction ist, dass der Titel nach ein paar Missionen schnell eintönig wird: Zwar könnt ihr mittels im Kampf gewonnener SP zwischen euren Missionen Upgrades und neue Fähigkeiten kaufen, beispielsweise mehr Lebensenergie, schnellere Runensteinaktivierung, eine höhere Sprunghöhe und so weiter, besondere neue Angriffe abseits eurer anfangs verfügbaren simplen Schwertstreiche sucht ihr allerdings leider vergebens. Und auch die Gegner glänzen nicht gerade mit Variation: Einige Ravenii sind etwas größer oder haben andere Farben, einige fliegen, aber im Grunde unterscheiden sie sich kaum voneinander. Fehlende Flächenattacken oder ähnliche Möglichkeiten, mehrere Ravenii gleichzeitig anzugreifen oder zumindest auf euch zu lenken, fehlen ebenso und so werden die Auseinandersetzungen mit zunehmendem Spielverlauf mehr und mehr zur lustlosen Herumhetzerei zwischen den vorhandenen Gegnern, um einzelne Schläge auszuteilen und so die Aufmerksamkeit aller Widersacher auf euch zu ziehen. Dadurch vermeidet man auch allzu große Verluste an Zivilisten – sterben nämlich zu viele davon oder benötigt ihr für eure Aufgaben zu lange, schlägt eure Mission fehl. Bei den Jackels gibt es hingegen immer wieder neue Rüstungsarten, wobei einige mehrmals getroffen werden müssen oder ihr bei anderen bei Fehlschlägen Schaden nehmt, aber auch hier gibt es im Grunde keine großen Unterschiede.

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Das beste an Extinction: Seine Präsentation

In einem Punkt kann Extinction zumindest in großen Teilen punkten: seine Präsentation. Die Grafik zeigt sich im fantasyhaften, farbenfrohen Cell-Shading-Look und erinnert, nicht zuletzt aufgrund des Charakterdesigns, ein wenig an World of Warcraft im Zeichentrick-Stil. Das Spiel ist zwar leider nur auf Englisch verfügbar, kommt dafür aber mit kompletter Sprachausgabe, die sich bis auf kleinere Hacker auch hören lassen kann. Besonders schön ausgefallen ist hingegen der Soundtrack, der zum Setting passt und für Atmosphäre sorgt.

Alternative Modi: Tägliche Missionen, Extinction und Skirmish

Wer die knapp 12 bis 15 Stunden anhaltende Kampagne trotz aller Gameplay-Schwächen bereits durch hat oder Extinction zum Frust-Management lieber in kleineren Happen konsumiert, für den stehen noch drei weitere Modi zu Verfügung: Die täglichen Missionen, in denen ihr mit Spielern aus aller Welt um die besten Plätze in der Rangliste kämpft, der Extinction Modus, in dem ihr so viele Ravenii wie möglich erledigen müsst, ohne euer Leben zu verlieren, sowie der Skirmish Modus, den ihr mit euren Freunden bestreiten könnt. Während die täglichen Missionen und der Skirmish Modus dabei für immer neue Herausforderungen sorgen, punktet der Extinction Modus mit der Möglichkeit, euch immer wieder selbst zu übertreffen.

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FAZIT

Extinction hätte so viel mehr sein können, als es ist: Die Spielidee ist spaßig, der Ansatz gelungen – nur an der Durchführung scheitert es leider in vielen Bereichen: Die unzuverlässige Kamera, die mühsamen Kletterpartien und das Zielsystem, das in all der Bewegung der Jackals und zwischen ihren kaum planbaren Moves schnell von „spaßiger taktischer Herausforderung“ in Richtung „auf zufällige Gelegenheit hoffen“ umschlägt, machen das Spiel zu einem oftmals in erster Linie von Frust geprägtem Erlebnis. Die Geschichte, die uns während der Kampagne erzählt wird, gepaart mit der ansehnlichen Präsentation, motivieren zwar dennoch dazu, sich zumindest durch den Story-Modus zu kämpfen, etwas mehr Abwechslung bei den Gegnern und Avils Fertigkeiten wären aber dennoch äußerst wünschenswert gewesen. Alles in allem ist Extinction ein netter Titel – aber leider auch nicht mehr.

Was ist Extinction? Hack’n Slay, das sich wie eine Mischung aus SotC und Dynasty Warriors spielt.
Plattformen: PC, PS4, Xbox One
Getestet: Steam-Version
Entwickler / Publisher: Iron Galaxy / Modus Games
Release: 10. April 2018
LinkOffizielle Webseite

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