Hand of Fate 2 im Test
GRAFIK 3
SOUND 4
HANDLING 4
SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 4

Solide Unterhaltung in Kartenform. Hand of Fate 2 setzt bei den Schwächen des Vorgängers an und wandelt diese größtenteils sogar ins Positive. Einzig das auf Dauer ermüdende Kampf-System kann in Verbindung mit Pech kurzerhand den Spielspaß rauben. Wer Fortuna nicht zu seinen steten Freundinnen zählt, braucht ein dickeres Fell, sollte es sich aber dennoch von Defiant Development striegeln lassen

Summary 3.8 stark
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Hand of Fate 2 im Test

Mehr als nur Karten. Die Kombination aus Rollenspiel, Trading Card- sowie Board Game in Teil 1 schlug ein wie eine Bombe. Mehrere hunderttausend Stück hat Defiant Development mit dem ersten Teil an den Spieler gebracht, zudem wurde ein Kickstart für ein physikalisches Brettspiel in demselben Universum hingelegt. Mit Hand of Fate 2 sollen nun die wenigen Mängel des Vorgängers ausgemerzt und das Spiel selbst in allen Elementen verbessert werden. Karten auf den Tisch!

Keep it simple

Das unorthodoxe Prinzip wusste die Kritiker des ersten Teils durchaus zu überzeugen. Man nehme eine gewisse Menge Karten, einen mysteriösen Gegner und vermengt dies mit Rollenspielelementen und ein wenig Hack & Slay. Gut mit Zufallselementen abschmecken und einen Schuss Hintergrundgeschichte dazu. Allerdings existierten ebenfalls negative Punkte, wie etwa das teilweise frustrierende Zufallsprinzip oder die monotonen Kämpfe. Beides wollen die Entwickler im zweiten Teil nun besser machen. Beispielsweise in dem sich nun ein Gefährte mit uns ins Getümmel stürzt und mit einer Fähigkeit unterstütztend eingreift. Vorausgesetzt, die Karten waren einem hold.

Im aktuellen Teil findet sich unser Charakter inmitten eines riesigen Spielbretts wieder. Auf diesem bewegt er sich von Quest zu Quest. Für jedes erfolgreich oder nicht erfolgreich erlebte Abenteuer regnet es Karten, die unser Deck vergrößern. Aus diesem Deck können dann die gewünschten Karten für die anstehende Mission ausgewählt werden. Die Kartenauswahl vermehrt sich also mit fortlaufender Spielzeit wie katholisch geprägte Karnickel. Die Geschichte ist diesmal an diese einzelnen Stränge lose angebunden, im Hintergrund erfährt man lediglich von einem Konflikt zwischen dem Königreich und der untot wirkenden „Blight“.

Viel Nahrung

Leider haben wir nur 8 anstelle von 28 leckeren Hähnchen eingepackt.

Mit dem Finger auf der Landkarte

Die Fortbewegung funktioniert dabei wie bei Menschen, die angeblich schon überall waren, dann aber irgendwas von Google Maps erzählen. Mit jedem Zug deckt der Spielkegel eine neue Karte auf, was uns eine Nahrung, oder bei abwesender Nahrung, einen Lebenspunkt kostet. Bereits aufgedeckte Karten können umsonst wiederholt besucht werden. Je nach zusammengestellter Kartensammlung ist Ressourcenmanagement also ein zentraler Teil, da Hunger sonst ein ständiger Gast sein wird. Entweder wird bei Befahrung eine Begegnungs-Karte aus unserer Sammlung oder eine zur Quest gehörige umgedreht. Von Händlern, die uns Nahrung oder Ausrüstung verkaufen, über Goblins die uns beklauen, bis hin zu höchst unglücklichen Ereignissen wie Lawinen hat der mysteriösen Kartengeber ist dabei alles in petto.

Zwangsweise kommt es im Laufe der Zeit dadurch regelmäßig zu Auseinandersetzungen. Mal wollen flinke Banditen, die den Stößen und Hieben unseres Helden ausweichen, bekämpft werden, mal Feuerspucker, die uns rösten möchten. Auch stark gepanzerte Soldaten oder hünenhafte Kämpfer aus dem Norden finden sich unter unseren Feinden. Somit ist eine gute Waffenwahl Pflicht. Blitzschnelle Banditen wird mit ebenso agilen Dolchen zu Leibe gerückt, während Soldaten mit einem Hammer gut weichgeklopft werden können. Die uns zur Verfügung stehende Ausrüstung spielt also keine kleine Rolle.

Im Deck befinden sich zu Beginn also ebenso Karten wie Ringe oder Waffen. Jedoch startet unser Protagonist seine Reise immer mit denselben abgenutzten Klingen, während die ausgewählten Spezialknüppel erst bei Begegnungen und Ereignissen gefunden werden können. Somit sind entweder viel Gold und ein Händler oder die richtigen Karten nötig, um besser ausgerüstet zu werden. Von Glück ganz zu schweigen.

Schicksal

Gute Chancen schlechte Chancen

Nichts für Rage Quitter

Wer kein großer Freund des Zufallsprinzips ist, wird hier nicht glücklich werden. Denn an allen Ecken und Enden gibt es diverse Elemente, die meist zufällig entschieden werden. Während das Pendulum oder das Kartenrad noch anhand der eigenen Reaktion ganz gut bewältigt werden kann, ist aber spätestens beim Würfeln sense. Beim Pendel muss mittels Klick ein Strahl genau auf einem ebenfalls schaukelnden Balken landen. Das Kartenrad muss ebenso im richtigen Moment gestoppt werden, um das gewünschte Ergebnis zu bescheren. Beides ist noch mit guter Reaktion und Gefühl bewältigbar, der Fehlschlag begleitet den Abenteurer gleichwohl sicher und ständig. Staut sich zu viel Frust an, muss diesem mittels einer deftigen Klopperei Luft gemacht werden.

Das Kampfprinzip gleicht einem Hack & Slay, in welchen der Hauptcharakter meist einer Vielzahl an streitsüchtigen Gesellen gegenübersteht. In Hand of Fate 2 kann aber der Kampf öfter schon vor dem ersten Schlag gewonnen werden, denn hier gibt es immer wieder Karten oder Aktionen, die die Gegneranzahl bei Erfolg drastisch reduzieren. Wenn alle Stricke reißen hilft nur mehr die Brechstange. Es ist keine Seltenheit, dass man es mit acht bis zwölf Recken gleichzeitig aufnehmen muss. Durch geschickte Ausweichrollen und gut getimetes Blocken kann beinahe jedem Schaden entronnen werden. Doch selbst, wenn wir meist nur sequenziell von der Übermacht angegriffen werden, stürmen immer wieder mehrere Feinde mit einzelnen Attacken heran, was schnelle Reaktionen erfordert.

Sobald eine gewisse Anzahl an erfolgreichen Hieben ohne Gegentreffer verteilt wurden, kann die jeweilige Spezialfähigkeit der Waffe eingesetzt werden. Bei Dolchen dreht sich der Kämpfer blitzschnell im Kreis und verursacht an nahen Opponenten gut Schaden, mit dem Hammer fährt ein mächtiger Hieb darnieder, der mehreren Untoten zugleich die Silbe „un“ operativ entfernt. Im Laufe der Zeit werden die Kleinkriege ungeachtet der Dynamik repetitiv und anstrengend, da durchgängige Konzentration ein Muss ist, um anderen so gut wie möglich einen Körperteil abzuschneiden. Jeder Treffer kann im späteren Verlauf über Erfolg und Misserfolg des aktuellen Auftrags entscheiden. Hier wäre ein wenig mehr Abwechslung und Kampftiefe wünschenswert, wobei es immerhin spezielle Gegnertypen gibt, die um einiges mehr einstecken. Die Grafik indes ist sehr zweckgebunden und passt hervorragend zum Spiel.

Überzahl

Excellent, we can attack in any direction

FAZIT

Hand of Fate 2 ist eine spannende Mischung. Ein Brett- und Kartenspiel mit RPG-Elementen, what’s not to love? Das permanent vermittelte Gefühl, dass die eigenen Fähigkeiten über Erfolg und Misserfolg entscheiden, wird von den ständigen Schicksalsmomenten über den Haufen geworfen. Trotzdem sagt einem das Hirn nach jeder verlorenen Aufgabe: „Das können wir besser“. Um kurz darauf wieder beim Würfeln zu versagen. Diese Hassliebe zieht sich durch das gesamte Spiel, wobei die Liebe am Ende meistens siegt. Oder bei weniger Geduld Alt-F4.

Nichtsdestotrotz wurde der erste Teil positiv weiterentwickelt. Die Übergänge in die Kampfszenen sind hübscher aufbereitet und das Ganze spielt sich um einiges runder. Wie ausbalanciert der Endlosmodus sein wird, lässt sich aktuell nur vermuten. Doch Hand of Fate 2  bietet jetzt schon einige Stunden beste Unterhaltung. Positive wie negative.

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