Iron Danger im Test
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HANDLING 3
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 3

Die Zeitmanipulations-Mechanik von Iron Danger erfordert etwas an Eingewöhnungszeit, hat man aber das Prinzip erst einmal durchschaut, dann entfalten die taktisch durchwegs anspruchsvollen Kämpfe ihr ganzes spielerisches Potential

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Iron Danger im Test

Steampunk, Tech Noir gemischt mit Fantasy und nordischer Mythologie, darüber hinaus eine einzigartige Zeitmanipulations-Gameplay-Mechanik für anspruchsvolle taktische Kämpfe – das sind die Zutaten von Iron Danger. Das Rundentaktik-Rollenspiel vom finnischen Indie-Entwickler Action Squad Studios und Publisher Daedalic Entertainment gilt als kleiner Geheimtipp unter Genre-Kenner.

Einmal zu spät geblockt und schon hat der wuchtige Hieb des Gegners sein Ziel erreicht und mein Held liegt regungslos am Boden. Normalerweise würde hier die Geschichte enden oder wir einen alten Speicherpunkt laden, nicht so bei Iron Danger. In diesem Taktik-Rollenspielmix können wir ganz einfach mittels Mausrad die Zeit zurückspulen und das genau 14 Herzschläge lang, was in Echtzeit dann in etwa sieben Sekunden sind. Sobald euch ein Gegner erspäht, geht Iron Danger in den so genannten „Trance-Modus“, eine Art rundenbasierter Kampfmodus, bei dem ihr nun die einzelnen Bewegungen und Aktionen schrittweise planen könnt. So passen wir das Timing des Blocks an und schicken gleich danach einen heftigen Hieb mit unserem Schwert nach. Wenn das noch nicht genug ist, drehen wir die Zeit erneut zurück und befehlen unseren Kompagnon ebenfalls zu attackieren, denn die meiste Zeit sind wir paarweise unterwegs. Dieser koordinierte Angriff sollte unserem Widersacher dann endgültig den Rest geben und wir siegreich aus dem Scharmützel hervortreten. Aber nicht nur Kämpfe lassen sich so bestreiten, sondern auch diverse Rätsel-Aufgaben, beispielsweise wenn mehrere Schalter gleichzeitig betätigt werden müssen.

Eingebettet ist diese einzigartige Mechanik in eine Fantasy-Story mit Steampunk Elementen. Auf der Flucht vor dem Angriff der Hexenkönigin Lowhee stürzt unsere Heldin, das Wikingermädchen Kipuna, in eine Grube und wird von einem Felse aufgespießt. Doch sie ist natürlich nicht tot und dank eines geheimnisvollen Splitters, der nun in ihrer Brust steckt, ist es ihr möglich die Zeit zu manipulieren. Die Hintergründe rund um dieses Artefakt, und der Kampf gegen die vorerst namenlosen Feinde aus dem Norden, bilden dann auch gleichzeitig das Grundgerüst der Story von Iron Danger. Diese verläuft stets linear, bietet kaum großartige Überraschungen und nach rund 15 Stunden ist man am eher unspektakulären Ende angelangt.

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Frust hart an der Grenze

Eine große Schwäche von Iron Danger offenbart sich schon sehr bald im Spielverlauf: Es kann nicht manuell gespeichert werden. Da konnte ich beispielsweise gegen eine Gruppe von hartnäckigen Gegnern einen langwierigen und mühsamen Sieg erringen, nur um dann wenige Minuten später in einen Hinterhalt zu laufen, indem dann meine Spielfiguren das Zeitliche gesegnet haben. Ja, die komfortable Zurückspulfunktion ist meistens ziemlich nützlich, aber hat man mehr als 14 Herzschläge zuvor, eine für den Ausgang des restlichen Gemetzels fatale Fehlentscheidung getroffen, dann hilft leider auch die ganze Zeitmanipulation nix mehr. Aufgrund der fehlenden manuellen Speicherfunktion bedeutet das zurück zum Anfang des Levels, ganz egal wie weit man schon gekommen ist. Und auch wenn die einzelnen Spielabschnitte nie sehr groß und umfangreich ausfallen (meistens können diese in etwa 15-20 Minuten absolviert werden), kratzt das manchmal schon sehr an der Frustgrenze. Sogar so sehr, sodass ich das Spiel nach einigen wenigen solcher Niederlagen schon beiseite legen wollte. Zum Glück habe ich aber noch den einstellbaren Schwierigkeitsgrad gefunden und diesen von „normal“ auf die etwas leichtere Stufe gestellt. Dadurch wird Iron Danger zwar auch nicht zum Selbstläufer und erfordert weiterhin taktisches Vorgehen, ist aber bei weitem nicht mehr so anspruchsvoll, wie in der Standardeinstellung. Für Profis gibt es dann noch einen zusätzlichen, deutlich höheren Schwierigkeitsgrad, für diesen sollte aber der Geduldsfaden dick und die Frustgrenze hoch sein, bietet dafür aber auch eine entsprechende Herausforderung.

Iron Danger enthält zwischen den einzelnen Aufträgen so etwas wie rudimentäre Rollenspiel-Elemente. Die Figuren sammeln zwar keine Erfahrung und können auch nicht in Stufen aufsteigen, aber in diversen Missionen erhalten sie Spezialfähigkeiten und nach dem erfolgreichen Absolvieren eines Spielabschnitts, darf man sich meist aus einer überschaubaren Anzahl an neuen Fertigkeiten eine zusätzliche aussuchen. So erlernt Nahkämpfer Topi dann beispielsweise eine Sturm-Attacke und das Wikingermädchen Kipuna diverse Zaubersprüche. Diese können dann auch mit der großteils interaktiven Umgebungen kombiniert werden, um etwa mit Feuermagie Ölfässer und Brand zu setzen oder wir verwandeln ganze Felder in ein einziges Flammenmeer, um die darin verstecken Feinde zu rösten. Wer zunächst die Gegend erkundet und nach nützlichen Objekten Ausschau hält, die er in den Gefechten einsetzen kann, der ist später klar im taktischen Vorteil.

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Gute Präsentation, bockige Kamera

Optisch glänzt Iron Danger mit einem farbenfrohen Comic-Look sowie hübsch animieren Charakteren und die Fantasy-Welt von Kalevala kann durch ihre stimmungsvollen, abwechslungsreichen Umgebungen, mit zahlreichen Details überzeugen. Sogar noch um eine Spur besser finde ich die dynamische Musikuntermalung und die wirklich gut gelungen Sprachausgabe. Die gibt es zwar leider nur auf Englisch, dafür aber lokalisierte Bildschirmtexte. Auch technisch läuft alles rund, wäre da nicht die bockige Kameraführung. Nachdem das Mausrad für die Zeitmanipulations-Mechanik reserviert ist, kann man nur mit der rechten Maustaste den Blickwinkel auf das Geschehen ändern. Hier passiert es oft, dass man nicht beide Spielfiguren gleichzeitig im Bild hat und Objekte, wie Bäume und Häuser, blockieren zudem oft die Sicht.

FAZIT

Eigentlich zählen für mich Trial- & Error-Passagen zu einem No-Go, schwierig diese zu kritisieren wird es aber dann, wenn sie zu einem grundlegenden Gameplay-Element werden, wie in Iron Danger. Die Zeitmanipulations-Mechanik erfordert zunächst etwas an Eingewöhnungszeit, hat man aber das Prinzip erst einmal durchschaut, dann entfalten die taktisch durchwegs anspruchsvollen Kämpfe ihr ganzes spielerisches Potential. Kritik hagelt es von mir für den teils etwas unausgegorenen Schwierigkeitsgrad, die nervige Kameraführung und den fehlenden Speichermöglichkeiten innerhalb der Spielabschnitte. Sollten diese Punkte mit einem der nächsten Updates behoben werden, dann gibt es von mir eine Empfehlung für alle Fans von anspruchsvollen Taktik-Spielen. Aktuell sollte man aber viel Geduld und hohe Frustresistenz aufweisen, damit man an Iron Danger Gefallen finden kann.

Was ist Iron Danger? Ein taktisches Spiel mit einer einzigartigen Zeitmanipulations-Mechanik.
Plattformen: PC
Getestet: Version 1.x auf PC Intel Core i5-4460S, 16GB RAM, GeForce GTX 745
Entwickler / Publisher:  Action Squad Studios / Daedalic Entertainment
Release: 25. März 2020
Link: Offizielle Webseite

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