Jurassic World Evolution im Test
GRAFIK 4
SOUND 5
HANDLING 3
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 3

Jurassic World Evolution hätte das Zeug zum Toptitel gehabt. Es passiert selten, dass bei einem Lizenzspiel Marke, Genre und Entwickler so gut zusammen passen wie in diesem Fall. Doch warum gibt es kaum Mikromangagement und Platz zur kreativen Entfaltung? Jurassic World Evolution ist kein schlechtes Spiel und funktioniert als das was es ist, aber nicht als das was es unter den gegebenen Voraussetzungen hätte sein können

Summary 3.6 stark
GRAFIK 5
SOUND 5
HANDLING 5
SPIELDESIGN 5
MOTIVATION 5
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Summary 5.0 geil

Jurassic World Evolution im Test

Mit Jurassic World: Das gefallene Königreich findet inzwischen der fünfte Teil der Dino- Reihe seinen Weg in die Kinos. Stephen Spielbergs Jurassic Park – welcher 1993 den Grundstein für das erfolgreiche Franchise legte – ist längst Kult und aus der heutigen Film- und Kinolandschaft nicht mehr wegzudenken. Doch während die Dinosaurier der InGen Corporation das Kino und diverse Kinderzimmer erfolgreich eroberten, konnten sie im Bereich der Computerspiele bisher nur mäßig begeistern. Die Hoffnung war groß als es hieß, dass Frontier Developments sich einem Aufbau- und Wirtschaftssimulator mit Jurassic Park Lizenz widmet. Schließlich scheint das Dino- Franchise geradezu für dieses Genre geboren. Auch hatte Frontier Developments mit Planet Coaster bereits einen ausgezeichneten Vertreter seiner Gattung geliefert. Unter solch idealen Bedingungen kann doch nichts mehr schief gehen – oder?

Willkommen in Jurassic World!

Ziel von Jurassic World Evolution ist natürlich die Errichtung eines funktionierenden Parksystems. Als Spielwiese stehen uns in dabei insgesamt 5 Kampagnen-Inseln, sowie eine „Sandkasten-Insel“ – die aus Jurassic Park bekannte Isla Nubla – zur Verfügung. Die Inseln unterscheiden sich nicht nur in ihrer Optik voneinander, sondern bieten jeweils eigene Schwerpunkte und Herausforderungen. Während man auf der einen Insel unentwegt von Stürmen geplagt wird, ist man auf der anderen gezwungen den Bestand eines gescheiterten Bauprojekts zu veräußern, um das fette Minus im Budget auszugleichen. Spätere Baugründe konfrontieren uns mit wenig Platz und zwingen uns beim Anlegen des Parks voraus zu planen. Diese Herausforderungen klingen auf den ersten Blick spannend, können diesen Eindruck aber nicht ganz halten.

Die erste Insel auf der wir in Jurassic World Evolution unser Wirtschafts- und Organisationstalent entfesseln hört auf den Namen Isla Mantanceros. Diese ist ein klassisches Einsteiger-Gebiet. Sowohl Wetter- als auch Landschaftsgegebenheiten sind moderat. Auch steht uns bereits eine kleinere Anlage zur Verfügung. Diese bildet das Fundament aus dem sich unser Dino-Imperium erheben wird.

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Ich habe keine Kosten gescheut!

Um einen Dinosaurier zu züchten benötigen wir zuallererst Genmaterial. Dieses erhalten wir von Fossilen aus diversen Ausgrabungsstätten rund um die Erde. Um an dieses Ressource zu kommen, schicken wir ein Ausgrabungs-Team von unserem Expeditionszentrum hinaus in die Welt. Kehrt das Team erfolgreich zurück, gilt es aus den gefundenen Fossilien die wertvollen Dino-DNA zu extrahieren. Um welche es sich hierbei handelt können wir erahnen, da uns auf der Map im Expeditionszentrum gesagt wird, welches Genmaterial wo zu finden ist. Dadurch kann man relativ gezielt Material besorgen. Kniffliger ist es, wenn an einer Stelle mehrere Dinosaurier zu finden sind, da dann oft DNA dabei ist die man vielleicht nicht (mehr) braucht. Auch ist es mit einem Flug nicht getan, denn eine einzelne Lieferung birgt nicht genug Daten, um einen Dinosaurier zu erschaffen. Damit in unserem Hammond-Entwicklungslabor ein Dinosaurier das Licht der Welt erblicken kann, benötigen wir mindestens 50% seines DNA-Stranges. Je näher wir an 100% heran kommen, desto authentischer sind die späteren Dinos. Dadurch erhöht sich auch unsere Parkbewertung, was wiederum mehr Besucher anlockt und uns ordentlich Kohle in die Kassen spült. Die wird auch bitter benötigt, denn um einen sicheren und effizienten Ablauf in unserem Park gewährleisten zu können, müssen wir sicherstellen, dass wir über sämtliche Betriebs-, Forschungs- und Energieanlagen verfügen. Um deren Leistung sowie Kapazität zu steigern, kann man diese durch Modifikationen – welche im Forschungszentrum erforscht werden können – aufwerten.

Modifikationen spielen auch bei den Dinos eine große Rolle. Je näher der bereits erwähnte DNA-Strang eines unserer Schützlinge auf 100% ist, desto mehr Slots werden für diverse Verbesserungen frei geschaltet. Durch den Einsatz eben jener Modifikationen können wir Statuswerte der Dinos wie Angriff, Verteidigung, Resistenz gegen Krankheiten oder Lebenserwartung erhöhen. Gleichzeitig steigert dies aber die Kosten des Ausbrütens eines Dinosauriers, verringert aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Embryo diese Phase übersteht erheblich. So kann es sein, dass von drei auszubrütenden Dinosauriern nur einer überlebt. Eine Tatsache die gerade bei einem modifizierten T-Rex – der gut und gerne mal 3 Millionen plus kostet – sehr bitter ist. Wenn er aber überlebt, dann hat man ein besonders mächtiges Exemplar in seinem Bestand und die Parkbewertung steigt.

Hat man es endlich geschafft einen Dinosaurier auszubrüten, sollte man darauf geachtet haben, diesem ein passendes Gehege gebaut zu haben. Dabei hat jede Rasse seine eigenen Bedürfnisse. Die eine braucht viel Wald, die andere viel Wasser und während ein Velociraptor Gesellschaft zu schätzen weiß, ist T-Rex überzeugter Einzelgänger. Der wichtigste Status unserer Dinos ist Geborgenheit. Je höher dieser Wert, desto niedriger die Gefahr eines Ausbruchs. Je weniger Ausbrüche, desto weniger Tote, desto mehr Geld für uns.

Sehr lobenswert finde ich an dieser Stelle die Darstellung der Dinosaurier. Sie sind toll animiert und verhalten sich so, wie wir uns Dinosaurier vorstellen würden. Leider ist es manchmal schwer die Bedürfnisse der Dinos abzulesen. So hatte ich zum Beispiel einen Diplodocus, der verdurstete obwohl er Knietief in einem See stand oder einen Velociraptor, der unentwegt Panik hatte und verhungerte. Diese Fälle sind zwar ärgerlich, bilden aber meist die Ausnahme.

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Probleme mit dem Management

Eines will ich klarstellen: wer bei sich bei Jurassic World Evolution einen Wirtschaftssimulator mit spielerischen Tiefgang, oder den kreativen Entfaltungsmöglichkeiten eines Planet Coasters erwartet, wird maßlos enttäuscht sein. Das Management-Gameplay macht zwar durchaus Spaß ist aber kaum herausfordernd. Man muss darauf achten, dass die Gebäude mit Strom versorgt sind, die Dinos gut untergebracht und die Futterstellen aufgefüllt sind. Gerade letzteres ging mir gehörig auf die Nerven, da es leider keinen Automatismus gibt und jede einzelne Futterstation von Hand aufgefüllt werden muss. Gerade bei größeren Parks kann dies in einem frustrierenden „Klickgewitter“ ausarten. Schafft es ein Dinosaurier zu entkommen, gilt es Verluste im Publikum gering zu halten, den Dinosaurier zu betäuben und wieder in das Gehege zu befördern. Natürlich müssen beschädigte Elemente repariert werden.

Wichtiges Spielelement ist es die diversen Vorgaben der drei Kernabteilungen Wissenschaft, Unterhaltung und Sicherheit zu erfüllen. Durch das Erfüllen einer Vorgabe können wir Pluspunkte im Sympathiewert der jeweiligen Abteilung sammeln und bekommen zum Dank Geld oder Objekte zur Verbesserung des Parks. Seltsam hierbei finde ich, dass diese Einrichtungen untereinander verfeindet sind. So hat der positive Effekt auf  die eine Abteilung, einen negativen auf die andere – weil beleidigt. Sinkt der Sympathiewert auf Null steigt die Gefahr der Sabotage.

Auch sehr anspruchslos sind die Besucher unseres Parks. Man stellt einfach ein Paar Burgerbuden und Souvenirläden hin und glücklich ist das Volk. Wenn es dann noch genug Dinos gibt und vielleicht auch eine Monorail gebaut wurde, dann gibt’s überhaupt nichts mehr zu meckern. Das Fehlen von Sanitäranlagen oder das Bedürfnis nach Sauberkeit kümmert sie nicht.

Schade finde ich auch die minimale Möglichkeit der optischen Gestaltung des Parks. Während uns Planet Coaster unsere Vergnügungsparks bis ins kleinste Detail planen und gestalten lässt, gibt es in Jurassic World Evolution nicht einmal die Möglichkeit zwischen verschiedenen Bäumen oder Grasarten für die Gehege unserer Dinos zu wählen. Zwar können wir kleinere Hügel hochziehen und Gräben ausheben, sgoar ganze Seen sind möglich, aber leider bei weitem nicht das was ich mir wünschen würde. Wenn ich dann mal beginne kreativ mit den bisschen an Möglichkeiten die mir Jurassic World Evolution gibt zu arbeiten, fällt mir schweren Herzens auf, dass es nichts gibt womit ich den Spielfluss stoppen kann, um einfach nur gemütlich zu bauen. So werde ich alle paar Sekunden unterbrochen, weil ich Mitarbeiter zu einem leeren Futtertrog schicken muss.

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Keine prähistorische Technik

Graphisch macht Jurassic World Evolution kaum etwas falsch. Die Inseln sind schön gestaltet und auch die Wettereffekte sind sehr glaubhaft inszeniert. Ein Musterbeispiel an dieser glaubhaften Inszenierung sind auch unsere Produkte – wie die Dinosaurier im Spiel genannt werden. Diese wirken sehr lebendig und kommen in ihrem Verhalten ihren filmischen Vorlagen sehr nahe. Auch Dinosaurier, welche keine Auftritte in der Filmreihe hatten, wie zum Beispiel der Diplodocus oder der Deinonychus, wurden verdammt toll in Szene gesetzt. Die Steuerung mit Maus und Tastatur gestaltet sich recht handlich, auch wenn ich mir mehr Shortcuts gewünscht hätte. Im Bezug auf den Sound zeigt Jurassic World Evolution seine Stärken. Wenn der Score von John Williams aus den Boxen dröhnt und die Originalsounds der Saurier aus Jurassic Park erklingen wird man als Fan einfach schwach. Toll ist auch, dass in der englischen Version die Schauspieler des Films sprechen. Leider kann die deutsche Synchronisation dagegen nicht immer überzeugen.

FAZIT

Jurassic World Evolution hätte das Zeug zum Toptitel gehabt. Es passiert selten, dass bei einem Lizenzspiel Marke, Genre und Entwickler so gut zusammen passen wie in diesem Fall. Doch warum gibt es kaum Mikromangagement und Platz zur kreativen Entfaltung? Gerade wo doch Frontier Developments mit Planet Coaster gezeigt hat, was im Bereich Wirtschafts- und Aufbausimulation möglich ist. Auch schade, dass das Potential der Genforschung nicht genutzt wird. Wie cool wäre es gewesen durch Kreuzungen eigene Kreaturen zu schaffen und damit durch optimale Ergebnisse die Bewertung unseres Parks zu steigern? Ich weiß nicht, warum sich Frontier Developments dagegen entschieden hat, bei Jurassic World Evolution spielerisch mehr in die Tiefe zu gehen. Vielleicht um es aufgrund der Lizenz einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Aber ich muss jetzt bei meiner Kritik auf die Bremse treten. Jurassic World Evolution ist kein schlechtes Spiel. Es ist sehr kurzweilig und die gegebenen Mechanismen machen auch Spaß. Die Dinosaurier sind verdammt cool und man spürt den Geist der Vorlage. Um es auf den Punkt zu bringen: Jurassic World Evolution funktioniert als das was es ist, aber nicht als das was es unter den gegebenen Voraussetzungen hätte sein können.

Was ist Jurassic World Evolution?: Eine Aufbau- und Wirtschaftssimulation mit Jurassic World Lizenz.
Plattformen:  Microsoft Windows, PS4, Xbox One
Getestet: PC auf  Intel Core i5-4440, 8GB RAM, GeForce GTX 750
Entwickler / Publisher: Frontier Developments/ Frontier Developments
Release: 12. Juni 2018
Link: Offizielle Webseite

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