Outbuddies im Test
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SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 3

Das Metroidvania Outbuddies verknüpft eine offene Spielewelt mit einem Buddy-System und lokalem Koop. Die Ergründung der Tiefen des südlichen Atlantiks ist für Freunde herausfordernder Plattformer eine maritime Reise wert

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Outbuddies im Test

Das 16-Bit Metroidvania Outbuddies ist das ambitionierte Ein-Mann-Projekt des Kölner Psychiaters Julian Laufer. Erfolgreich über Kickstarter finanziert ist das Spiel nunmehr – nach sechs Jahren Entwicklungszeit – am 15. Oktober auf Steam und GOG.COM erschienen. Zusammen mit einem kleinen Droiden unternehmen wir einen Ausflug in die mythischen Tiefen des südlichen Atlantiks, um die Wiege der Menschheit zu finden.

Auf nach Bahlam

Im Intro beobachten wir den Meeresbiologen Nikolay Bernstein dabei, wie er in der Kajüte seines fliegenden Schiffes über alten Karten brütet. Bernstein macht sich im südlichen Atlantik auf die Suche nach Bahlam, der Festung der alten Götter. Hier vermutet der Abenteurer die Wiege unserer Zivilisation. Sein archäologisches Unterfangen startet für unseren Protagonisten allerdings denkbar ungünstig. Der über die Meeresoberfläche hinweggleitende Untersatz gerät in ein Unwetter desaströsen Ausmaßes. Von Blitz und Donner begleitet bahnt es sich einen Weg über den Atlantik, bis uns ein letzter grollender Donner in eine Schwarzblende schickt. Schiffbrüchig erwachen wir gute 11000 Kilometer unter der Meeresoberfläche. Ein kleiner fliegender Droide hat uns wiederbelebt und scheint äußerst froh darüber uns dem sicheren Tod entrissen zu haben. In demselben haben wir fortan einen treuen Freund fürs Leben – oder zumindest die Dauer dieses Abenteuers – gefunden. Outbuddies vereint auf diese Weise gekonnt das Genre des Metroidvania mit einem ausgeklügelten Buddy-System, das einige knifflige Rätsel und Gameplayelemente ermöglicht. Darüber hinaus erlaubt es uns das Spiel dadurch Bahlam in einem lokalen Koop-Modus zu entdecken.

Die nicht-lineare Welt von Bahlam

Nach der Manier eines klassischen Metroidvanias finden wir uns in einer nicht-linear aufgebauten zweidimensionalen 16-Bit Welt wieder. Dieselbe können wir nach Herzenslust in alle Richtungen frei erkunden; zumindest solange, bis wir an unüberwindbar scheinende Hindernisse stoßen. Dazu gehören verschiedenfarbig versiegelte Schleusen oder aber natürliche Hindernisse, wie durch Springen nicht zu bezwingende Höhen oder durch Stacheln versperrte Wege. Immer wieder sind wir dazu gezwungen uns neue Routen durch den Atlantik zu bahnen. Genau hierin besteht der Reiz eines Metroidvania. Entgegen herkömmlichen Plattformen und Jump’n’Runs, wie beispielsweise Super Mario, lädt uns die Welt von Bahlam zu einer maritimen Entdeckungsreise ein. Das Spiel ist in fünf große und ästhetisch unabhängig gestaltete Gebiete aufgeteilt und wartet mit ebenso vielen Bossgegnern auf. Die unterschiedlichen Bereiche sind mal durch Gänge, mal – weitere Strecken überbrückend – durch Portale miteinander verbunden. Zunächst beherrscht Bernstein jedoch lediglich sehr basale Fortbewegungsmöglichkeiten: Gehen, Laufen, Kriechen und Klettern, was unsere Entdeckungslust zunächst noch in gewisse Schranken verweist. Der Entwickler nutzt dies für einen einsteigerfreundlichen Spielaufbau und stürzt uns nicht sofort in die absolute Freiheit. Outbuddies leitet uns zunächst recht behutsam von Tutorial-Nachricht zu Tutorial-Nachricht, bis wir zentrale Fähigkeiten unseres Helfer-Droiden, sowie ein paar Waffengattungen und deren Modifikationen freigeschalten haben. Denn Outbuddies verfolgt ein ausrüstungsbasiertes Fortschrittssystem. Der Meeresbiologe mutiert im Verlaufe seines Abenteuers nicht zur alles vernichtenden Ein-Mann-Armee. Vielmehr erhält er kontinuierlich neue Gerätschaften und Upgrades für seinen Helfer-Droiden, um zuvor versperrte Türen zu öffnen oder Levelhindernisse zu überwinden – vor allem der Feindkontakt wird dadurch jedoch nicht vereinfacht, womit der Erfolg in Gefechten stets von unserem persönlichen Geschick abhängig bleibt.

Zumindest eine gute Stunde lang werden wir vom Entwickler Laufer auf diese Weise zielstrebig an die Hand genommen. Wir springen über Stacheln und Abgründe, vollführen akrobatische Wall-Jumps und erwehren uns ganz nebenbei so mancher Kreatur, die uns bei unserer Höhlenforschung an die Taucherglocke will. Dabei erweist sich die Steuerung in der Regel als eingängig und präzise. Genaue Sprünge auf kleine Plattformen werden jedoch durch eine gewisse Trägheit des Meeresbiologen beim Landen etwas erschwert. Nach dem stimmigen Einstieg erreichen wir jedenfalls ein kleines Dorf, in welchem sich eine Gruppe des Völkchens der Wozan tummelt und Portale bewacht, die nach einem Erdbeben ihre Funktion eingestellt haben. Die quirligen Kerle setzen uns davon in Kenntnis auf ihren Erlöser zu warten. Dieser, so wurde ihnen prophezeit, werde sie von ihrem bereits Jahrhunderte lang andauernden Exil erlösen und ihr, sich in der Diaspora befindendes, Volk neuerlich einen. Denn die Wozan sind über die fünf Abschnitte Bahlams verstreut und zum Teil von einer geheimnisvollen Kreatur eingekerkert und versklavt worden. Es wird nun an uns sein, so will es das Gesetz der Videospiele, die übergroßen Schuhe des prophezeiten Helden auszufüllen und die geknechteten und in den Untergrund vertriebenen Wozan zu befreien. Allererst nach dieser behutsamen Einführung in das Spiel nimmt der Entwickler die Stützräder ab und entlässt uns in die Weiten der von ihm programmierten Spielwiese.

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Equipment basierte Progression

Nach und nach schalten wir bis zu vier neue Waffengattungen und Modifikationen für dieselben frei und entdecken nützliche Fähigkeiten unseres kleinen Droiden. Denn dieser ist nicht nur ein tüchtiges Sonar, das uns über zerstörbare Wände und dahinter gelegene Gänge informiert, sowie Analysegerät das uns Gefahren frühzeitig zu erkennen erlaubt. Vielmehr verfügt unser kleiner Roboter zudem auch über telekinetische Fähigkeiten und kann Feinde hacken. Sein Telekinese-Modul erlaubt es uns etwa Steinblöcke zu bewegen und übereinander zu schichten, sodass wir höher gelegene Levelabschnitte erreichen können, die uns zuvor versperrt blieben. Auch hierbei fällt die Steuerung jedoch immer wieder etwas hakelig aus, da es nicht immer ganz ersichtlich ist, warum unser Droide einen Felsblock einmal von sich wegschiebt, dann jedoch wiederum an sich heranzieht. Zugleich eignet sich diese übernatürliche Fähigkeit auch dazu gegnerische Kreaturen kurzer Hand aus sicherer Entfernung zu zermalmen (und auch für das eine oder andere Schalterrätsel wird die Mechanik genutzt). In eine ähnliche Kerbe schlägt die Hackerfähigkeit unseres mechanischen Freundes. Dieselbe erlaubt es uns etwa bestimmte Gegner lahm zu legen oder aber auf andere Kreaturen zu hetzen, indem wir deren Waffensystem umpolen, wodurch sie ihnen Schaden zufügen. Dadurch können wir uns, so wir strategisch vorgehen, immer wieder ein direktes Gefecht ersparen. Denn Outbuddies ist alles andere als ein maritimer Spaziergang. Die dunklen, teilweise gefluteten, Höhlengänge bergen zahllose Gefahren. Abgesehen von so manchem Rätsel sind auch die gegnerischen Kreaturen durchaus eine Herausforderung; nicht nur die obligatorischen Endgegner im Stile eines Castlevania machen mit uns ganz schnell kurzen Prozess, wenn wir keine passende Strategie entwickeln und das richtige Equipment zum Einsatz bringen, auch die Standardgegner haben es in sich. Dabei bleibt Outbuddies jedoch stets fair. Der digitale Bildschirmtod führt uns nicht zum letzten Speicherpunkt – welche rar gesät sind – zurück, sondern lediglich an den Beginn – des teilweise sehr weitläufig angelegten – Bildschirmabschnittes.

Bernstein auf den Spuren von Rambo

Für den offenen Kampf, respektive für die Bezwingung der Levelumgebung, stehen uns wiederum bis zu vier verschiedene Waffengattungen zur Verfügung. Der Seepferdchen-Revolver (Seahorse Revolver) ist die erste Waffe des Spiels. Mit demselben bewaffnet können wir Bahlams Kreaturen mit hochfrequenten Lasergeschossen zu Leibe rücken oder aber einen aufgeladenen Laserschuss abgeben, der den Gegnern höheren Schaden zufügt. Dazu gesellt sich bald ein, seine Funktion selbst erklärender, Raketenwerfer, der jedoch mit begrenzter Munition bestückt ist. Erlegte Gegner lassen ab diesem Zeitpunkt neben Lebensenergie auch Raketen fallen und, so wir aufmerksam genug sind, finden wir auch Upgrades für unsere Munitionstasche. Der Blasenstrahl (Bubble Beam) erlaubt es uns feindliche Kreaturen für kurze Zeit einzufrieren und solchermaßen als Sprungplattformen zweckzuentfremden. Der Corridium Galvanizer wiederum ermöglicht es uns wie Samus Aran Wände und Decken entlangzurollen.

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Die Freuden lokalen kooperativen Spielens

Auch einen lokalen Koop-Modus hat der Entwickler Outbuddies spendiert. So kann der Droide nicht nur von uns selbst gesteuert werden, sondern wahlweise von einem menschlichen Mitspieler. Das macht nicht nur richtig Spaß, sondern erleichtert uns das Überleben in den unwirtlichen Tiefen des Atlantiks deutlich. Denn sobald der Koop-Modus – jederzeit vom In-Game-Menü aus – gestartet wird, erhält der kleine Droide eine zusätzliche Fähigkeit: er kann nach Belieben kleine Würfel in die Höhlengänge setzen, die uns als zusätzliche Plattformen dienen oder sogar Schutz vor Feinden bieten. Einziger Haken ist, dass diese Würfel nach ein paar Sekunden wieder verschwinden und uns, so wir für eine Sprungpassage zu lange benötigen, unsanft zu Boden plumpsen oder aber feindliche Kreaturen neuerlich über uns herfallen lässt.

FAZIT

Das Ein-Mann-Metroidvania Outbuddies besticht neben anspruchsvollem Rätseldesign und Worldbuildung durch eine liebevoll gestaltete Pixel-Optik, eine nostalgische Ästhetik – die in den Spieleoptionen sogar noch authentischer an die einstige DOS-Farbpalette angepasst werden kann – und einen stimmigen 16-Bit Soundtrack, der das mystische Ambiente des Spiels wunderbar untermalt. Gerade die Unterwasser-Abschnitte strahlen eine schaurig schöne Atmosphäre aus, wenn lediglich ein kleiner Bildausschnitt von einem Lichtkegel erhellt wird und am dunklen Bildrand Höhlenwände an uns vorübergleiten und wir stets auf der Hut vor Getier sein müssen, welches im Schatten auf einen Angriff lauert.

Das sehr ambitionierte Projekt Laufers ist nicht nur der Ästhetik und des Stils wegen eine gelungene Hommage an die 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Auch das Gameplay fügt sich – mit einigen schönen Modernisierungen, wie etwa dem Buddy-System oder Speichermöglichkeiten – nahtlos in diese Ära ein. Ein ausgeklügeltes Leveldesign und eingängige – wenngleich teilweise etwas überladen wirkende – Steuerung sorgen darüber hinaus für ausgiebige Entdeckungsmöglichkeiten. Und dennoch schleichen sich immer wieder Abschnitte ein, in welchen ich längere Zeit im – sprichwörtlich – Dunklen herumtappe, um zum nächsten Bereich zu gelangen. Freunde herausfordernder Plattformer und Metroidvania erhalten mit Outbuddies insgesamt jedoch einen spielenswerten Eintrag in das Genre.

Was ist Outbuddies? Ein klassisches Metroidvania, das das Genre mit einem Buddy-System verknüpft.
Plattformen: PC
Getestet: Version 1.39b auf PC Intel Core i5-6600K, 4x 3.5GHz, 16 GB RAM, AMD Radeon R9 Fury
Entwickler / Publisher: Julian Laufer/ Headup
Release: 15. Oktober 2019
Link: Offizielle Webseite

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