State of Decay 2 im Test
GRAFIK 2
SOUND 3
HANDLING 3
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 3

State of Decay 2 macht vieles richtig und gleichzeitig vieles falsch. Eine erfolgreiche Formel darf nicht zu sehr verändert werden, doch zu wenig Innovation langweilt auf Dauer auch. Wer den ersten Teil mochte wird auch diesen mögen, für alle andren reicht vermutlich ein späteres und billigeres Zugreifen

Summary 2.8 passt
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State of Decay 2 im Test

Der erste Teil von State of Decay versetzte den Spieler in die Mitte einer Zombieapokalypse. Anders als bei genreähnlichen Titeln ging es dort vor allem aber um Ressourcenmanagement. Und natürlich auch darum Zombies zu verhauen. Im Nachfolger will Undead Labs die vielen kleinen Nervigkeiten aus Teil eins ausbessern. Dies gelingt jedoch nur sporadisch.

Z wie Zombiemanager 3000

Das Prinzip aus dem ersten Teil ist vielen sicherlich geläufig: Überleben. Ressourcen sammeln. Außenposten aufbauen. Weiter überleben. Und täglich grüßte das Zombietier. Während das auf dem virtuellen Blatt Papier sehr generisch klingt, war es aber auch eine erfrischende Abwechslung im durchaus gut gefüllten Zombiegenre. Ein erfolgreiches Rezept für den zweiten Teil hätte also lauten können, die Schwächen des ersten Teils auszumerzen und mehr Abwechslung und Vielfalt hineinzubringen. Soviel zur Erwartungshaltung.

Am PC kann State of Decay 2 nur über den Microsoft-Store heruntergeladen und gespielt werden, was für viele Spieler ohne Xbox bereits ein erstes Hindernis darstellen kann. Jede weitere Spieleplattform manifestiert sich gern als Stachel im gepeinigten Spielerfleisch, die ohnehin oft schon mit mehreren unterschiedlichen Anbietern auskommen müssen. Wurde jedoch erstmal ein Account registriert, funktioniert der Download zumindest relativ problemlos.

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Hello…is it meat you are looking for

Zu Beginn können wir aus vorgegebene Startcharakterpaaren eines auswählen, mit dem wir uns auf den Weg ins Tutorial machen. Hier werden kurz die grundlegenden Mechaniken gelernt, bevor sich der Spieler für eine von drei Karten entscheiden muss, die er fortan erkunden möchte. Nachdem das erstbeste Häuschen als Festung ausgesucht wurde, begeben wir uns also in die Tretmühle des Überlebens.

Natürlich herrscht eklatanter Mangel an Ressourcen, also Essen, Medizin, Munition, Baumaterialien oder Ansehen. Je mehr Mitglieder unsere Antizombieapokalypsen-Vereinigung umfasst, desto mehr Mittel werden benötigt. Ansehen erhalten wir durch das Töten von Zombies oder ausräuchern von Infektionsherden, womit wir dann bessere Außenposten oder eine bessere Basis erschließen können. Anfangs ist unser Charakter somit unermüdlich unterwegs, um die Gemeinschaft nicht verhungern zu lassen. Zeitgleich steht unser Funkgerät nie still, denn über dieses melden sich andere Überlebende, die irgendeine Form der Unterstützung benötigen, ob in Naturalien oder physischer Hilfe. Permanent. Ab diesem Punkt wird klar, dass State of Decay 2 ohne Priorisierung nicht funktioniert.

Es erweist sich nämlich als schier unmöglich, den ständigen Hilferufen nachzukommen, vor allem in den ersten Stunden, wo die eigenen Lagerbestände durch Abwesenheit glänzen. Wer Unterstützungsanforderungen zu lange ignoriert, riskiert, dass diese anderen Enklaven weiterziehen und mit ihnen nicht mehr gehandelt werden kann, oder sogar zu Feinden werden, die uns nach dem Leben trachten .Frei nach dem Motto „Du hast mir nicht geholfen ein Regal zu montieren, also fackle ich dein Haus nieder und töte jeden, den du liebst.“ Nun gut.

Sollte der Fall eintreten, kann man sich diesen Problemen schnell mit Waffengewalt entledigen. Der generelle Schwierigkeitsgrad ist die ersten 10 Stunden eher im unteren Bereich angesiedelt. Herausfordernder wird’s erst wenn die Spezialzombies erscheinen, die mehr aushalten, verflucht schnell sind und mehr Treffer einstecken. Zu dem Zeitpunkt sollte das Waffenarsenal jedoch schon gut gefüllt sein, sodass auch diese Bedrohung meisterbar ist. Wirkliche Gefahr droht vorsichtigeren Spielern eher selten.

Basenbauen

Blaukraut bleibt Blaukraut und Blaupause bleibt Blaupause

Einkaufszettel mit Todesfolge

Unsere Basis, und später unsere Außenposten ebenso, verfügen je nach Ausstattung über mehrere Optionen zum Ausbau. Dinge wir Gärten, Garagen oder Küchen können erweitert und sogar modifiziert werden. Allerdings erhöht sich dadurch nicht nur das Spektrum der herstellbaren Gegenstände, sondern ebenso der Geräuschpegel, was wiederum zu mehr Zombieangriffen führen kann. Meist können unsere KI-Kumpel die Angriffe selbstständig abwehren, bei fortschreitendem Spielverlauf und gedankenlosem Ausbau kann so eine Attacke aber ohne Weiteres menschliche Mithilfe verlangen. Zwar ist dies natürlich realistischer, gebrannte Fallout 4-Kinder könnte dies aber eher nerven (your settlement is under attack!).

So kann es passieren, dass State of Decay 2 sich öfter nach Abarbeiten einer Checkliste voller Verpflichtungen anfühlt denn ein spannendes Spiel nach Feierabend. Die tägliche Suche nach Betriebsmitteln macht den Kern des Spiels aus und bleibt daher immer bestehen, wird im Verlauf des Spiels aber geringer. Vielmehr geht es dann darum, nahe Seuchenherde auszuschalten, damit die Moral des Teams erhalten bleibt.

Mein Herz brennt

Zusätzlich sollten dann noch die zahlreich auftauchenden Seuchenherzen zerstört werden. Diese Berge aus Knochen, Blut und Fleisch sind nämlich für die Massen an Zombies in der Umgebung verantwortlich. Während das erste Herz noch vergleichsweise einfach zum Explodieren zu bewegen ist, stärkt jedes weitere zerstörte Herz die übriggebliebenen, was wohl zu einem höheren Schwierigkeitsgrad im Laufe des Spiels beitragen soll. Das funktioniert aber nur sehr marginal, da mit besserer Ausrüstung die Schlagfertigkeit unserer Gemeinde im selben Maß ansteigt.

Mit jedem Schlag oder Biss können unsere Mitstreiter zusätzlich mit der Blutseuche infiziert werden. Um diese zu heilen benötigt jede Kommune eine Krankenstation und eine Probe eines Seuchenzombies, welche an ihren roten Augen gut erkennbar sind. Darüber hinaus sorgen diese Augen vor allem des Nachts für Schockmomente. Wenn wir beispielsweise gerade, ohne die Umgebung zu checken, eine Kiste durchwühlen und sich plötzlich rot glühende Augen in unser Sichtfeld bewegen. Die Nächte in State of Decay 2 sind nämlich pechschwarz und können nicht übersprungen werden, was sich sehr gut in die Atmosphäre einfügt.

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Bug oder kein Bug, das ist hier die Plage

Leider leidet State of Decay 2, ähnlich dem Vorgänger, unter einigen Problemen, sei es die Fahrzeugphysik, regelmäßige Verbindungsabbrüche im Multiplayer, zahlreiche Glitches oder ähnliches. Die Häufigkeit dieser Beeinträchtigungen ist wie so oft ein Glücksspiel, demnach hätten dem Spiel ein späterer Release sicher gut getan. Ein Satz, der heutzutage leider nur allzu oft im Gamingbereich Anwendung findet.

Abseits dessen sieht das Spiel insgesamt eher matschig aus. Klar gibt es schöne, atmosphärische Momente, die den Spieler in das Spiel hineinziehen und kurz innehalten lassen. Meist ist aber eher das Gegenteil der Fall, sodass das gesamte Farbspektrum einen Eindruck von akuter Farbarmut hinterlässt. Natürlich steht die Grafik nicht im Vordergrund, trotzdem kann sie einiges zum Erlebnis beitragen, wenn sie gekonnt eingesetzt wird.

Multiple Persönlichkeiten

Auf vielfachen Wunsch der Community bringt State of Decay 2 einen Mehrspielermodus mit sich, der aber einigen nicht gefallen wird. Der Spielfortschritt wird nur für den Host gespeichert, aber nicht für die anderen Mitspieler, was unmittelbar an Shadow Warrior 2 erinnert. Die Kompagnons können zwar ihr Inventar mit in ihre Solokarriere nehmen, der Rest verbleibt aber beim jeweiligen Host.

Der Hauptgrund für den Mehrspielermodus ist also unbestritten: Spaß. Zu viert durch die Gegend zu ziehen, zu plündern und Zombies zu brandschatzen unterhält natürlich vorzüglich. Zumindest für einige Stunden. Irgendwann lösen dieselben Aufgaben jedoch ähnliche dröge Gefühle aus, Multiplayer hin oder hier. Hier hätte es viele Möglichkeiten für diverse Spielmodi oder Szenarien gegeben, um Vielfalt reinzubringen.

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FAZIT: Verdammt ich mag es, ich mag es nicht.

State of Decay 2 ist ein akzeptabler Nachfolger des ersten Teils. An bestehenden Mechaniken wurde genug geschraubt, sodass Abwechslung für Fans entsteht. Die Spieltiefe und Diversität ist aber nur in sehr geringen Maß vorhanden. Dadurch, dass es so gut wie keine Story gibt und jeder Charakter mehr oder weniger farblos und austauschbar bleibt, entwickelt sich keine Motivation, die dazu verleitet, die Charakterentwicklung voranzutreiben. Lediglich um einen Spieler zum Anführer aufsteigen zu lassen macht es Sinn, immer mit demselben Charakter auszureiten

State of Decay 2 ist kein Vollpreistitel. Die zahlreichen Bugs und fehlende Vielfalt werden Fans des ersten Teils dennoch einfacher zum Zugreifen bewegen können, als Neueinsteiger. Während also Veteranen der Reihe ein Auge zudrücken könnten, sollten Neulinge vielleicht abwarten. Wenn hier genug Bugfixing und eventuell Content nachgeschoben wird, könnte es sich durchaus lohnen, für einige Stunden die Apokalypse zu simulieren. Vor allem wenn man Spaß beim Abarbeiten von Checklisten empfindet.

Was ist State of Decay 2? Fortsetzung des Zombiapokalypsen-Simulators im 3rd-Person-Stil.
Plattformen: PC, Xbox One
Getestet: Version 313799 auf PC Intel Core i5-4590, 8GB RAM, GeForce GTX 960
Entwickler / Publisher: Undead Labs / Microsoft
Release: 22. Mai 2018
LinkOffizielle Webseite

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